BERICHT DEE SEiNCKENBERGISCHEN NATUßFORSCHENDEN GESELLSCHAFT IN FRANKFÜRT AM MAIN 1907 Vom Juni 1906 bis Juni 1907 Die Direktion der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft beehrt sich hiermit, statuteugemäß ihren Bericht über das verflossene Jahr zu überreichen. Frankfurt a. M., im Juni 1907 Die Direktion: Dr. med. August Knoblauch, I. Direktor Robert de Neufville, II. Direktor Dr. phil. Pius Sack, I. Sekretär Dr. med. Heinrich von Mettenheimer, II. Sekretär. r> .^ I. Teil 3' Geschäftliche Mitteilungen. ^- An unsere Mitglieder. Unser Museumsneubau an der Viktoria-Allee ist vollendet und wird im Spätherbst dieses Jahres seiner Bestimmung über- geben werden. Am 14. Mai hat Ihre Majestät die Kaiserin und Königin den Bau besichtigt und sich eingehend über die geplante Neuaufstelluug der Sammlungen berichten lassen. Berufene Sachverständige bezeichnen unseren Neubau als einen der zweckmäßigsten modernen Museumsbauten, die sie kennen. So hat Prof. Ernst Haeckel aus Jena in unserer wissenschaftlichen Sitzung vom 2. März d. J. öffentlich erklärt, daß unser Museum geradezu ein Vorbild für alle neu zu errichtenden naturhistorischen Museen sein werde. Zur Aufführung des Baues standen uns M. 1 200 000. — zur Verfügung, wovon M. 800 000. — von der Dr. Sencken- bergischen Stiftung gemäß des mit der Stadtgemeinde abge- schlossenen Vertrages vom 18. August 1903 getragen wurden, während M. 400 000.— im Kreise unserer Mitglieder und Gönner durch eine Sammlung aufgebracht worden sind, die im Jahre 1899 in die Wege geleitet wurde. Außer anderen hochherzigen Spendern haben sich damals inzwischen verstorbene Mitglieder der Gesellschaft mit namhaften Beiträgen beteiligt, so die Herren Albert Keyl und Dr. Albert von Reinach mit je M. 50 000.—, Freiherr Karl Wilhelm von Rothschild und Dr. Eugen Lucius mit je M. 30 000.— u. a. Die Kosten des Neubaues und seiner baulichen Einrich- tung belaufen sich auf rund M. 1 100 000. - . Hierzu kommen für Einrichtung der Hörsäle, Laboratorien und Arbeitszimmer weitere M. 85 000.—, während für die Kosten des Umzuges M, 15 000,— zurückgestellt woi-den sind. — 6* — Wiv dürfen mit Stolz bekennen, daß dem monumentalen Äußeren der neu erstandeneu wissenschaftlichen Institute an der Viktoria- Allee, die unserer Vaterstadt zu einer hervorragen- den Zierde gereichen, und der zweckmäßigen Einrichtung unseres Museums der Wert der reichhaltigen Sammlungen entspricht. Allein die Geschenke der letzten Jahre, die im alten Museum nicht mehr zur Schau gestellt werden konnten, werden unser Frankfurter Museum in die erste Reihe der deutschen Museen stellen. Besonders seien hervorgehoben ein 18 m langer Dinosaurier aus Nordamerika, das durch Herrn Jakob H, Schiff vermittelte, wahrhaft fürstliche Geschenk des Herrn Morris K. Jesup in New-York, andere fossile Saurier aus dem schwarzen Jura und dem Solnhofer Schiefer, Geschenke der Herren A. G winner in Berlin und J. We ruh er in London, die in voller Naturtreue künstlerisch modellierte Gruppe einer Gorillafamilie, ein Geschenk des Herrn Dr. Arthur Weinberg, hier, die geologische und Petrefakten- sammlung von Reinachs, die Belli sehe und Ritt er sehe Mineraliensammlungen aus dem Taunus, Odenwald und Spessart, die Naumannsche Erzstufensammlung, die Mannsche Schmetter- lings-, die von Mo eilen dor ff sehe Konchyliensammlung, die von Homey ersehe Sammlung deutscher Vogeleier und die von Erlangersche und Sc hillings sehe Ausbeute an afrika- nischen Vögeln und Groß- Säugetieren. Es sind Objekte, die einem Wert von weit über */* Million Mark entsprechen. Zur Schaustellung dieser Sammlungen, deren bedeutender Umfang sich bei Aufstellung des Voranschlags für unseren Neu- bau nicht annähernd voraussehen ließ, erweisen sich die im alten Museum vorhandenen Schränke, deren Zahl seit 1887 wegen Raummangels nicht weiter vermehrt werden konnte, als ganz unzureichend. Weitere Geldgeschenke und Vermächt- nisse, die wir in den letzten Jahren in der Höhe von rund M. 50 000. — erhielten, haben es uns indessen ermöglicht, einige neue Schränke zu beschaffen, wobei wir den Ansprüchen, die in bezug auf Sicherheit und Staubdichtigkeit an moderne Museumsschränke gestellt werden, gerecht werden mußten. So haben wir wenigstens in unserer Wirbeltiersammlung moderne Eisenschränke mit Spiegelglasscheiben aufstellen können. Wir bedürfen abei-, obwohl wir sämtliche im alten Museum vor- — 7* — handenen Holzschränke, die zum größeren Teil noch aus dem Jahre 1821 stammen, in unserem Neubau verwenden, noch einer Aiizalil weiterer Schränke, namentlich für die Aufstellung un- serer mineralogischen und geologischen Sammlung, sowie Pulte für die Schausammlung der Insekten, Mollusken u. dergl. Abgesehen hiervon erfordert die Neuaufstellung unse- rer Sammlungen andere große Aufwendungen, über deren Höhe sich der Besucher eines fertig eingerichteten Museums wohl kaum Rechenschaft geben wird. Hierher gehören u. a. die Montierung der großen Skelette rezenter und fossiler Wirbeltiere, Photographien von Rekonstruktionen vorsintflutlicher Tiere, Faunen- und Vegetationsbilder aus unseren Kolonien, mit kleinen Naturästen versehene Klötzchen für die Vogelsammlung, Papp- schächtelchen und Glasröhrchen für Mollusken, Mineralien und Petrefakten, Standgläser für niedere Tiere und für vergleichend- anatomische und entwickelungsgeschichtliche Spiritus- oder E^rmolpräparate, Insektenkästen, geographische Verbreitungs- karten der wichtigsten Land- und Seetiere, geologische Relief- karten und Profile, kristallographische Modelle, Erläuterungs- tafeln und Etiketten der ausgestellten Objekte und viele andere Anschauungsmittel, welche die wissenschaftlichen Schätze eines Museums erst dem Besucher erschließen und deshalb unentbehr- lich sind. Die hieraus erwachsenden Kosten setzen sich aus zahlreichen kleineren Beträgen zusammen; ihre Gesamtsumme beläuft sich aber selbst bei Beschränkung auf das Allernotwen- digste auf viele Zehntausende. Auf Grund eingezogener Voranschläge haben wir die Kosten dieser inneren Einrichtung unseres neuen Mliseums auf weitere M. 250000 berechnet, die wir aus den Mitteln der Gesell- schaft zu bestreiten außer stände sind. Bei dieser Sach- lage sind im April d. J. die Direktion und die Sektionäre des Museums mit einer beschränkten Anzahl von Mitgliedern der Gesellschaft, denen die Förderung der Naturwissenschaften in unserer Vaterstadt besonders am Herzen liegt, zusammengetre- ten und haben zunächst die ansehnliche Summe von M. 116365. — aufgebracht. Es fehlen uns indessen immer noch weitere Mittel, um bei der Eröffnung unseres neuen Museums der Allgemeinheit ein voll- wertiges Institut übergeben zu können. — 8* ~ Deshalb wenden wir uns von neuem au den großen Kreis unserer Mitglieder, denen in erster Linie die Einriclitung unserer Hörsäle und Laboratorien und die geplante Neuauf Stellung un- serer reichen Sammlungen zugute kommen wird. Möge ein jeder, der es bisher unterlassen hat, mithelfen, das erstrebte Ziel zu erreichen! Das Bewußtsein, nach seinen Ver- hältnissen mitgearbeitet zu haben an der Neu- gestaltung des alten, ehrwürdigen Sencken bergi- schen Museums, dieses stolzen Denkmals deutschen Bürgersinnes, möge eines jeden schönster Lohn sein! „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, „Erwirb es, um es zu besitzen." (Goethe.) — 9* — Jaliresbericht des IL Direktors Robert de Neufville. Mit Rücksicht auf die im Herbst stattfindende Feier bei der Eröffnung des neuen Museums hat die Verwaltung be- schlossen, in diesem Jahre von der üblichen Jahresfeier Ende Mai abzusehen, zumal auch am 23. Mai noch eine besondere wissenschaftliche Sitzung zur Erinnerung an den 200. Geburts- tag Linnes abgehalten wurde. Da über die großen, hochherzigen Zuweisungen für die innere Einrichtung unseres neuen Museums, die infolge unseres Aufrufes aus dem Kreise unserer Mitglieder gespendet wurden, schon berichtet ist, so bleibt mir nur übrig, hier ein größeres Vermächtnis und die wichtigeren Schenkungen für die wissen- schaftlichen Sammlungen zu erwähnen. Testamentarisch hat der am 13. April 1907 in der Stadt Mexiko verstorbene diplomierte Bergingenieur Hans Hein- rich Bode unserer Gesellschaft das ansehnliche Legat von M, 30000.— hinterlassen, ohne besondere Bestimmungen über dessen Verwendung zu treffen. In dankbarer Anerkennung dieses hochherzigen Vermächtnisses wurde der Verstorbene, der erst seit 20. Mai 1905 unserer Gesellschaft augehört hat, in die Reihe unserer ewigen Mitglieder aufgenommen. Hans Bode war 1878 zu Frankfurt a. M. geboren; nachdem er die hiesige Musterschule und das Kaiser-Friedrich-Gymnasium ab- solviert hatte, verbrachte er seine ganze Studienzeit von 1897 bis 1902 auf der Bergakademie zu Freiberg i. S. und widmete sich nach Ableistung seines einjährigen Militärdienstes in Würz- burg in den Jahren 1904 und 1905 praktischen Arbeiten in verschiedenen sächsischen Bergwerken, in denen er teils als Volontär, teils in fester Stellung als Steiger tätig war. Anfangs 1906 trat er vorübergehend bei der hiesigen Zentrale für Berg- — 10* — wesen in Stellung, wo er namentlich seine Kenntnisse des praktischen Kohlenbergbaues zu verwerten Gelegenheit fand. Zu seiner weiteren Ausbildung entschloß sich Bode Ende 1906 zu einer größeren Reise nach Nordamerika und besuchte zu- nächst eine Anzahl von Bergwerken in Denver (Colorado), um deren Einrichtungen kennen zu lernen. Ein altes Leiden ver- anlaßte ihn indessen, ein milderes Klima aufzusuchen; er wandte sich nach Mexiko, und nachdem er auch dort mehrere Bergwerke besichtigt hatte, nahm er seinen vorläufigen Aufenthalt in Mexico Cit}'. Allein die Strapazen der vielen Reisen und das ihm nicht zusagende Höhenklima warfen ihn auch hier aufs Krankenlager und nach kurzer, schwerer Leidenszeit verschied der strebsame, hoffnungsvolle Gelehrte im jugendlichen Alter von neunundzwanzig Jahren. In treuer Anhänglichkeit an unsere Gesellschaft hat uns ferner der am 11. Juni 1906 verstorbene Privatier Karl Boss testamentarisch ein Kapital von M. 6000.— vermacht, mit der Bestimmung, dessen Zinsen zur Vermehrung der Sammlungen zu verwenden. Aus dem Zinsertrag des ersten Jahres wurde ein Gipsabguß des Riesenammoniten von Seppenrade in West- falen gekauft, der einen Durchmesser von 2 Meter hat. Das Original befindet sich im Museum zu Münster in Westfalen. Für die Vermehrung der SchausammluDgen der Säugetiere und Reptilien sorgten in erster Linie Baron und Baronin von Erlanger in Nieder-Ingelheim, indem sie eine größere Zahl von fertig montierten biologischen Gruppen überreichten, die ihr verstorbener Sohn Carlo aus seiner großen Reiseausbeute für unser Museum bestimmt hatte. Ein ganz hervorragendes Schaustück von hohem wissen- schaftlichem Werte, dessen Erwerb wir seit langen Jahren erstrebt haben, verdanken wir der außerordentlichen Freigebig- keit des Herrn Dr. Arthur Weinberg, die Gruppe einer Gorillafamilie, bestehend aus einem etwa 35 -40jährigen Männchen von 1,30 m Höhe, einem erwachsenen Weibchen und einem nach Schätzung der Eingeborenen erst mehrere Monate alten männlichen Jungen nebst den zugehörigen Skeletten. Die Tiere stammen aus dem Kongogebiet; sie zeichnen sich durch tadellose P^rhaltung des Haarkleides aus und sind von Friedrich K e r z in Stuttgart in geradezu künstlerischer Naturtreue montiert. - 11* — In den letzten Tagen, am 21. Mai d. Js., hat uns Frau Pauline Brönner gel). Goldsclimidt die zu dem Nachlaß ihres kürzlich verstorbenen Gatten Joh. Georg Hugo Brönner gehörige Sammlung von Geweihen einheimischen Wildes (90 Hirsch- und 330 Rehgeweihe), sowie ein Ölbild ihres sei. Schwieger- vaters Julius Brönner (gemalt von Anton Burger) und eine Porträtmedaille des Senators Johann Karl Brönner (1738 — 1812) zum Geschenk gemacht. Vorerst wird die schöne Sammlung auf Wunsch der verehrten Schenkerin, die sich in pietätvoller Weise nicht von den Jagdtrophäen ihres ver- storbenen Gatten trennen möchte, in deren Wohnung verbleiben ; später wird sie in unserem neuen Museum entsprechende Aufstellung finden. Die paläontologische Sammlung hat Herrn Bankdirektor Arthur G winner in Berlin und Herrn Dr. H. Merton in Heidelberg, die beide schon in früheren Jahren dieser Abteilung unseres Museums ihr besonderes Interesse zugewandt haben, wiederum prachtvolle Schaustücke zu verdanken. Herr A. G winner schenkte einen sehr schön erhaltenen Fteroäactyhis spedahilis Meyer aus dem Malm von Solnhofen; Herr Dr. Merton schenkte eine Platte mit Uintacrinns sociaJis Grinnel aus Kansas. Auf einer Platte von 2 Quadratmeter liegen 40 Kelche dieser stiellosen Seelilie mit ausgebreiteten Armen, Die Platte ist die schönste, die bisher bekannt wurde. Frau Baron von Rein ach, die im vorigen Jahr duich die Schenkung der Laub er sehen Sammlung mit den ungemein wertvollen Suiten aus Mosbach der paläontologischen Abteilung eine reiche Zuwendung gemacht hat, ermöglichte uns in diesem Jahre den Ankauf von zwei großen fossilen Schildkröten aus dem Miocän von Kansas, Testuäo oshorni Hay und T. nehra- scensis Leidy. Die Mittel zur Begründung einer Sektionsbibliothek für die mineralogische Abteilung stellten uns die Herren Prof. L. Edinger und Leo Ellinge r in dankenswerter Weise zur Verfügung. Durch Eintausch erhielt fernerhin die paläontologische Sammlung manches wertvolle Stück, so z. B. vom Museum in L a Plata den Gipsabguß eines ganzen Skelettes von MyJodon robustits Owen, eines Riesenfaultieres, gegen Fossilien aus ~ 12* — dem Mesozoicum. Durch Veimittelung unseres korrespondie- rendeu Mitgliedes Dr. R. S. Schar ff in Dublin erhielten wir aus dem dortigen Museum die uns fehlenden Skeletteile des Riesen- hirsches, so daß wir den prachtvollen Schädel mit Geweih, den unser Museum schon lange besitzt, nunmehr zu einem ganzen Skelett ergänzen können. Unsere Gegengabe bestand in einer fertig montierten Entwickelungsreihe von Pcäudma, Wirbeltier- resten aus dem Untermiocän von Weisenau bei Mainz und Land- schnecken aus den Mittelmeerländern, aus der Originalausbeute von Prof. Kobe lt. Von wichtigeren Ankäufen ist eine Meteoritenplatte von 67 cm Länge und 19V2 kg Gewicht zu erwähnen, die durch das Hamburger Museum geliefert wurde. Über die weiteren, zum Teil ebenfalls recht wertvollen Schätze, die dem Museum im verflossenen Jahre zur Verfügung gestellt wurden, geben die Berichte der einzelnen Sektionen nähere Auskunft. Allen Spendern sei auch an dieser Stelle der herzlichste Dank der Direktion ausge- sprochen! Wir gedenken nunmehr zunächst der Verluste, die die Gesellschaft infolge Ablebens zahlreicher Mitglieder erlitten hat. Wir beklagen aufs tiefste den Tod unseres arbeitenden Mitgliedes Sanitätsrat Dr. med. Eugen Schott, sowie der bei- tragenden Mitglieder Hans Bode, Karl Boss, Ph. J. Brück- mann, Kommerzienrat Hugo Buderus, Heinrich Clauer, August du Bois, Moritz Ad. Elissen, Frau Johanna Fl ei seh mann, H. Katz, Christian Joh. Knauer, Stadt- rat Anton Meyer, Ingenieur Heinrich Pichler, Ernst Scharff, Johannes Schneider, Stadtrat A. Seidel und Sanitätsrat Dr. med. Sigmund Zimmern, ferner unserer ewigen Mitglieder Dr. jur. Fritz Hoerle, Rechnungsrat Friedrich Ja en nicke in Mainz und Justizrat Dr. jur. Otto Ponfick in Darmstadt. Aus der Reihe unserer korrespondierenden Mitglieder haben wir den genialen Gelehrten, Regierungsrat Dr. Fritz Schaudinn in Hamburg verloren. Er starb am 22. Juni 1906 im jugendlichen Alter von 35 Jahren, tief betrauert von der ganzen Kulturwelt. Schaudinns hervorragende Bedeutung — 13* — begründete u. a. seine glänzende Arbeit über den Generations- wechsel der Coccidien, wofür ihm die Gesellschaft 1903 den Tiedemannpreis zuerkannt hat. In der ersten wissenschaft- lichen Sitzung des vergangenen Winters am 27. Oktober 190() hielt die Gesellschaft eine Gedächtnisfeier für Fritz Seh au- di nn ab, in der Prof. Dr. H. Reichen bach über „Die Be- deutung Schaudinns für Zoologie und Medizin" sprach. (Siehe Seite 55*). Wir werden allen Dahingeschiedenen ein treues Gedenken bewahren. Aus der Reihe der beitragenden Mitglieder sind ferner ausgeschieden durch Austritt : Frau H. Adler, sowie die Herren D. D. S. Charles Adams, Rudolf Andreae jr., Geh. Ober- baurat Gotthold Clausnitzer, Carl Ad. Gehring, Stadtrat E. Lautenschlager, Dr. med. I. G. Mönckeberg in Gießen, Prof. Dr. M. Peschel, Lehrer Peter Schmidt, Carl Reine- mer und Philipp Thorn; durch Wegzug: die Herren Dipl. Ingenieur Richard Holey, Dr. med. F. Juliusberg, Prof. Dr. K. von Noorden, Oberlandesgerichtsrat P. Versen, Generalarzt Dr. med. Villaret, sowie durch Übertritt in die Reihe der ewigen Mitglieder: die Herren Alexander Hauck und Geh, Kommerzienrat Jean Joh. Valentin Andreae. Die Gesamtzahl der im Berichtsjahr ausgeschiedenen bei- tragenden Mitglieder beträgt somit 35. Neu eingetreten sind dagegen 121 beitragende Mitglieder und zwar: Herr Bergwerksdirektor Joh. Karl Andresen, Kgl. Norwegischer Konsul, „ Leo Beyfuß, „ Bernhard Bisch heim, „ Generaloberarzt Dr. med, August Boeckh, Frau Natalie Brach, Herr Ludwig Braunfels, „ Franz Brechenm acher, „ Wilhelm Brendel, „ Heinrich Briel, „ Dentist Franz Bucher, „ Cornelius Cante, „ Oberstabsarzt Dr. Paul Cammert, — 14* — Herr Ernst Creizenach, „ Dipl. Ingenieur Carl Cudell, „ Dr. phil. Georg Du Bois, Frau Marie Eckert, Herr Direktor Hermann Eichmeyer, „ stud. rer. nat. Philipp E Hing er, „ Dr. med. Gustav Embden, „ Fabrikant Jakob Hermann Epp stein, „ Sanitätsrat Dr. Philipp von Fabricius „ Direktor Louis Fade, „ Louis Feist, „ Regierungsrat Ernst de la Fontaine, „ Dr. phil. Franz Franck, „ Dr. phil. Eduard Fresenius, „ Jakob Fries-Dondorf, „ stud. rer. nat. Wilhelm Fries, „ Rechtsanwalt Dr. jur. Adolf Fuld, „ Dr. med. Heinrich E'ulda, „ Dr. jur. Sally Gans, „ Karl Gins, „ Bürgermeister Otto Grimm, „ Referendar Paul Grüder, „ Oscar Günther, „ stud. rer. nat, F. Haas, „ Viktor Haas-Hüttenbach, „ Militärintendanturrat Georg Haeckel, „ Dr. jur. Ludwig Heilbrunn, „ Philipp Heinz, „ August Hinckel, „ Dr. med. Raphael Hirsch, Frau Dr. R. Hirsch, Herr Salomon Hochschild, „ Hans Hoch st rasser, Fräulein Cecile Hoerle, Herr Eugene Hoerle, „ Julius Hoerle, „ Wilhelm Holz, „ Nikolaus Horam, „ Stadtrat Anton H o r k h e i m e r , ~ 15* — ^ Herr Lehrer Hans Horn, Dr. med, HansHübner, i. „ Wolfgang Job, \--^. „ Bernhard Junge, „ Julius Kahn, X „ Dr. med. Fritz Kalber Iah, „ Edgar Katzenstein, „ Ernst Keller, Direktor der Elisabethenschule „ Gewerberat Johannes Kliewer, „ Buchdruckereibesitzer Jean Paul Knauer, „ Prof. Erich Körner, „ Max Landauer, Lehranstalt f üi* Zoll- und S t e u e r b e a m t e der Provinz Hessen-Nassau, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. jur. Wilhelm Leser, „ Dr. phil. Otto Li er mann, Direktor des Wöhler- Realgymuasiuras, „ Dr. med. Sidney Lilienfeld, „ Simon Löwenstein, Fräulein ErnestaLuraschi, . Herr Conrad Lussmann, „ Prof. Dr. med. Hugo Lüthje, Direktor am städ- tischen Krankenhause, „ Leonhard Mayer-Dinkel, „ Eduard Meyer-Petsch, „ Direktor Walter M er ton, „ Hermann Minjon, „ Henry Minoprio, „ Dr. Moehring, „ Dr. med. Viktor 0. Müller, „ Samuel Neu, „ Oberlehrer Dr. phil. Theodor Neu mann, „ Dipl. Bergingenieur Hans Oehmichen, „ Justizrat Dr. Hermann Oelsuer, „ Philipp 0hl, „ Oberlehrer Dr. phil. Franz Paehler, „ Generalkonsul Henri von Panhuys, „ Dipl. Bergingenieur Gurt Patzschke, Frau Oscar Pf äff, — 16* — Herr Gerichtsassessor Dr. jur. Adolf Reiss, „ Dr. med. Emil Reiss, Fräiileiu Sophie Reiss, Herr Ludwig Rollmann, r, Eduard Rosenbusch, „ Ingenieur Otto Sauermann, „ Theodor Heinrich Schlesinger, „ Karl Schloßmacher, „ Generalarzt Dr. Schmiedicke, „ Gustav M. Schneider, „ Sigmund Schott, „ Dr. med. Karl Sim rock, ., Oberstabsarzt Dr. Spam er, „ Dr. pliil. Eduard Strauß, „ Regierungsbaumeister Wilhelm Theiss, „ Dr. phil. Gustav Wahl, „ Fabrikdirektor Eduard Weber, „ Emil Weiller, „ Friedrich We in sp erger, „ Julius Wiesbader, „ Gustav Wilhelmi-Winkel, „ Dr. phil. Franz Will, „ Gerichtsassessor Dr. jur. Benno Wolf, , Konsul Louis Zeiss-Bender, sämtlich in Frankfurt a. M. sowie: Herr Konrad Andreae in Rapallo, y, Oberförster H. Behlen in Haiger, „ Baron von Bernus auf Stift Neuburg bei Heidel- berg, „ Prof. Dr. P. Duden in Höchst, Fräulein Dr. phil. Clara Hamburger iu Heidelberg, Herr Oberförster von Harling in Rod an der Weil, „ Dr. K. Kratz in Mainkur, „ Julius Renck in Offenbach, „ August Seidler in Hanau, „ Geh. San. -Rat Dr. Otto Thilenius in Bad Soden. Die Zahl der beitragenden Mitglieder beträgt somit am heutigen Tage 913 gegen 827 bei der letzten Jahresfeier. — 17* — Zu arbeitenden Mitgliedern wurden ernannt: Dr. med. Rudolf von Wild und Dr. phil. Gustav Wahl, In die Reihe der ewigen Mitglieder wurden auf- genommen: Alexander Hauck, Dr. med. I. Guttenplan, G. Stellwag, Ch. Knauer, Jean Joh. Valentin Andreae und Hans Bode. Die Zahl der ewigen Mitglieder beträgt sonach zur Zeit 124. Viele der ewigen Mitglieder sind bis zu ihrem Tode Jahre- und Jahrzehnte lang beitragende Mitglieder unserer Gesellschaft gewesen und zu ihrem bleibenden Gedächtnis haben die Hinter- bliebenen in pietätvoller Gesinnung die Namen der Verstorbenen in die Reihe unserer ewigen Mitglieder eintragen lassen. In anderen Fällen sind die Frauen und Söhne verstorbener Mit- glieder unserer Gesellschaft beigetreten. Erfreulicher Weise haben sich auch mehrere Frankfurter, die schon lange Jahre im Auslande leben, als ewige Mitglieder aufnehmen lassen. Es zeigt sich hierin deutlich die treue Anhänglichkeit und das warme Interesse an unserer Gesellschaft, der von ihrer Gründung im Jahre 1817 an zahlreiche Frankfurter Familien nunmehr durch mehrere Generationen als Mitglied angehören. Auch haben sich wiederum mehrere Mitglieder freiwillig bereit erklärt, ihren Jahresbeitrag um das mehrfache des ordentlichen Beitrages zu erhöhen, was wir dankbar und gerne erwähnen wollen. Zu korrespondierenden Mitgliedern wurden ernannt: Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. G. von Neumayer, Exzellenz in Neustadt a. d. Haardt, Marchese Tommaso Allery di Monte rosato in Palermo, Dr. I. Dewitz in Scy-Moulin (Elsaß), Prof. Dr. E. Buchner in Berlin. Die Zahl der korrespondierenden Mitglieder einschließlich des korr. Ehrenmitgliedes beläuft sich nunmehr auf 173. Aus der Direktion hatten Ende 1906 nach zweijähriger Amtszeit satzungsgemäß auszuscheiden der I. Direktor Dr. phil. A. Jassoy und der I. Sekretär Bankier W. Melber. An ihre Stelle traten für die Jahre 1907 und 1908 Dr. med. A. Knob- lauch und Dr. phil. P. Sack. 2 — 18* — Die Stelle eines Direktors des Museums der Ge- sellschaft ist zum 1. Januar dieses Jahres neu geschaffen und dem seitherigen Kustos Dr. F. Eöraer übertragen worden. Die diesjährige Generalversammlung fand am 20. Februar 1907 statt. Sie genehmigte entsprechend dem Antrag der Revisionskommission die Rechnungsablage für das Jahr 1906 und erteilte dem ersten Kassierer Alhard Andrea e- von Grunelius Entlastung. Ferner genehmigte die Generalver- sammlung den Voranschlag für 1907, der in Einnahmen und Ausgaben mit M. 79 200.99 balanziert. Nach dem Dienstalter schieden aus der Revisionskommission Charles Schar ff und Moritz von Metzler aus. An ihrer Stelle wurden Arthur A n d r e a e und Robert Oster rieth gewählt. Vorsitzender der Revisionskommission für das Jahr 1907 istRobertOsterrieth. Im Wintersemester 1906/1907 wurden 14 wissenschaftliche Sitzungen abgehalten, die sich einer sehr regen Teilnahme erfreuten. Es hielten Vorträge: 27. Oktober 1906: Prof. Dr. H. Reichenbach: „Die Be- deutung Schaudinns für Zoologie und Medizin," 3. November 1906: Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx: „Die Toll- wut und ihre Bekämpfung." 17. November 1906: Prof. Dr. A. Voeltzkow, Berlin: „Die Comoren aus eigener Anschauung." (Mit Lichtbildern). 24. November 1906: Prof. Dr. M. Möbius: „Über den Stamm- baum des Pflanzenreiches." 1. Dezember 1906: Dr. F. Römer: „Die Abnahme der Tier- arten mit der Zunahme der geographischen Breite." 8. Dezember 1906: Dipl. Ingenieur P. Prior: „Über Metallo- graphie." 5. Januar 1907: Dr. E. Wolf: „Das Deutsche Wattenmeer." 12. Januar 1907: Dr. E. Strauß: „Die moderne Eiweiß-Chemie und ihre biologische Bedeutung." 19. Januar 1907: Prof. Dr. G. Greim, Darmstadt: „Über die Permanenz der Ozeane." 2. Februar 1907: Prof. Dr. E. Deckert: „Die Erdbeben- gebiete und Vulkanreihen Amerikas. (Mit Lichtbildern). 9. Februar 1907: Prof. Dr. M. Neisser: „Biologische Licht- wirkungen." (Mit Experimenten). — 19* - 23. Februar 1907: Dr. F. Dr ever mann: „Die Entstehung der Versteinerungen und ihr Vorkommen in den Erd- schichten." 2. März 1907: Prof. Dr. L. S. Schultze, Jena: „Zur Ethuo- logie der Kalahari und ihrer Grenzgebiete." (Mit Licht- bildern). 9. März 1907: „Festsitzung zur Erteilung des Tiedemann- Preises." Der Tiedemann-Preis, dessen Kommission aus den Herren Prof. Alb recht, Edinger. Ehrlich, Lepsius, Marx, Möbius und Reichenbach bestand, wurde Prof. Dr. E. Buchner in Berlin zuerkannt. (Näheren Bericht siehe Teil II, Seite 113). Außerdem fand am 23. Mai 1907 zur Feier des 200. Ge- burtstages Karl von Linnes eine wissenschaftliche Sitzung statt, in der Prof. Dr. M. Möbius über „Linne als Botaniker" und Dr. F. Römer über „Die Bedeutung Linnes für die Systematik" sprachen. Mit der Feier war eine Ausstellung von Bildern und den hauptsächlichsten Werken Linnes verbunden, die Prof. Dr. L. von Heyden aus seiner Bibliothek gütigst zur Verfügung gestellt hatte. Am Tage der Feier ist ein Be- gi'üßungstelegramm an die Universität Upsala gerichtet und von dieser in herzlichen Worten erwidert worden. Der Stiebelpreis für 1906 wurde Prof. Dr. med. Oskar Vulpius in Heidelberg für seine Arbeit „Die Sehnenüberpflanzung und ihre Verwertung in der Behandlung der Lähmungen" (Leipzig 1902) zuerkannt. Der Preis ist am 30. Dezember 1865 anläßlich des 50 jährigen Doktorjubiläums eines der Stifter unserer Gesellschaft, des Geh. Hof rats Dr. med. Salorao Friedrich Stiebel begründet worden und wird in jedem 4. Jahre für „die beste Arbeit im Gebiete der Entwickelungs- geschichte der Menschen und Tiere oder der Kinderkrankheiten" in Gemeinschaft mit der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung und dem Ärztlichen Verein erteilt. In die Preiskommission waren diesmal von unserer Gesellschaft Prof. Dr. H. Reichen- bach und Dr. med. H. von Metten heim er delegiert. Von unseren Publikationen sind im Berichtsjahre er- schienen : 2* — 20* — I. Abhandlungen : Band 29, Heft 2, ausgegeben am 5. April 1907: E. Stromer, geographische und geologische Be- obachtungen im Uadi-Nätrun und Färegh in Ägypten. Mit 1 Tafel und 1 Kartenskizze, E. Stromer, Fossile Wirbeltierreste aus Uadi- Färegh und Uadi-Nätrun in Ägypten. Mit 1 Tafel und 3 Abbildungen im Text. E. Stromer, geologische Beobachtungen im Fajüm und am unteren Niltal. Mit 1 Tafel. IL Bericht 1906, 178 und 124 Seiten, mit 2 Karten und 16 Abbildungen im Text. Die Vorlesungen der Dozenten waren sehr gut besucht. Im Winter 1906/07 wurden folgende Vorlesungen ab- gehalten : Prof. Dr. H. Reichenbach: „Die niederen Tiere (Urtiere und Schwämme)". Prof. Dr. W. Schauf : „Die wichtigeren Mineralien". (Fort- setzung der Sommervorlesung.) Dr. F. Dr ever mann: „Die Entstehung der Tierwelt im Laufe der Erdgeschichte". Prof. Dr. M. Möbius (im Auftrage des Dr. Senckenbergi- schen Medizinischen Instituts): „Kryptogamen, I. Teil: Algen und Pilze". Im Sommer 1907 lasen : Prof. Dr. H. R e i c h e n b a c h : „ Quallen , Polypen und Würmer". Direktor Dr. F. Römer: „Zootomisch- mikroskopischer Übungskursus (Zoologisches Praktikum)". Prof. Dr. W. Schauf: „Besprechung der wichtigeren Mine- ralien (Schluß): Silikate, insbesondere gesteinbildende". Dr. F. Dr ever mann: „Anleitung zu geologischen Beobach- tungen in der Natur (mit Exkursionen)". Prof. Dr. M. Möbius (im Auftrage des Dr. Sencken- bergischen Medizinischen Instituts: „Physiologie und Biologie der Pflanzen (Wachstum und Bewegung)". Das Naturhistorische Museum ist wegen des Umzuges seit dem 20. Dezember 1906 geschlossen. - 21* - Sehr rege war wie immer der Verkehr mit auswärtigen Gesellschaften und einzelnen Gelehrten. In Tausch verkehr ist die Gesellschaft mit folgenden Vereinen neu eingetreten: Es erhalten den Bericht: Botanical Society of Edinburgh („Transactions" und „Proceedings"). Verein für Naturkunde an der Unterweser, Geeste- münde („Jahresbericht"). Museo Zoologico della R. Universitä di Napoli („Annuario"). Government Museum of Natal, Pietermaritzburg („Report" und „Annais"). Department of Natural History — Imperial Mu- seum — , Tokyo („Proceedings"). Societe d'etudes scientifiques d'Angers („Bulletin"). Es erhalten Abhandlungen und Bericht: Musee Royale d'histoire naturelle de Bei gi que, Brüssel („Memoires"). Biological Society of Liverpool („Ceylon Report", „Report of the Lancashire Seafisheries" und Tiermaterial). Musee d'Histoire naturelle. Paris („Bulletin"). Prof. Dr. F. Richters erhielt für seine laugjährige Tätig- keit in unserer Gesellschaft und Schule den Roten Adlerorden IV. Klasse, der ihm in der ersten wissenschaftlichen Sitzung von Bürgermeister Geh. Rat Dr. Var reu trapp mit einer ehrenden Ansprache feierlich überreicht wurde. Prof. Dr. W. Schauf hatte im vorigen Sommer seinen 25. Vortragszyklus beendet und daher gestaltete die Direktion den Beginn der 26. Vorlesungsreihe am 27. November 1906 zu einer akademischen Festsitzung, zu der zahlreiche laogjährige Hörer und Freunde des verdienten Dozenten, sowie die Mit- glieder der Verwaltung erschienen waren. Der I. Direktor Dr. A. Jassoy hielt eine ehrende Ansprache, in der er Prof. Schauf den Dank der Gesellschaft für seine langjäh- rige, ersprießliche Lehrtätigkeit aussprach. Exzellenz Professor D. Dr. S c h m i d t - M e t z 1 e r überbrachte die Glückwünsche der Dr. Senckenbergischen Stiftung. — 22* — Am 20. April 1907 waren fünfzig Jalire verflossen, seit- dem unser Konservator Adam Koch in den Dienst der Gesell- schaft getreten ist. Die Direktion und Verwaltung haben diesen Ehrentag des verdienstvollen Beamten durch eine besondere akademische Feier im Hörsaal um zwölf Uhr mittags festlich begangen. Dr. A. Knoblauch feierte als I. Direktor mit herzlichen Worten der Anerkennung den Jubilar als treuen Mitarbeiter und hob besonders seine Verdienste um die Auf- stellung der einheimischen Tierwelt in biologischen Gruppen hervor, die Adam Koch in unserem Museum zuerst eingeführt hat und die für andere Museen vorbildlich geworden sind. Manche hervorragende Schaustücke sind von der Künstlerhand Adam Kochs in seiner fünfzigjährigen Schaffeuszeit entstan- den, die eine Zierde der neuen Schausammlung sein werden. Stadtrat A. von Metzler brachte die Glückwünsche der Dr. Senckenbergischen Stiftungsadministration, Prof. Hart- mann die des Physikalischen Vereins, Prof. Dr. L. von Heyden überreichte eine mit Blumen gefüllte silberne Schale als Ehren- gabe der Sektionäre uüd Verwaltungsmitglieder und sprach Herrn Koch besonders den herzlichen Dank der Sektionäre aus. Dr. F. Römer, der die Glückwünsche der Museumsbearaten über- mittelte, feierte Herrn Koch als Vorbild treuer Pflichterfüllung und vielseitiger Leistungen, die bei der künstlerischen Auf- stellung der Tiergruppen ständig zur Wirkung kommen und den jüngeren Präparatoren ein Beispiel sind. Als Erinnerung an die letzten Jahre gemeinsamer Arbeit im alten Hause schenkten die Museumsbeamten eine photographische Tafel, deren Entwurf und Aufnahmen von R. Moll gemacht sind. Sie ent- hält die Bilder der Direktoren von 1857 und 1907, sowie aller Angestellten des Museums. Der Gefeierte dankte tiefbewegt für die Anerkennung und Ehrung, die ihm zuteil geworden. Am 5. Januar 1907 fand die feierliche Übernahme der lebens- großen, in Marmor ausgeführten Büste des am 15. Oktober 1904 verstorbenen Mitgliedes der Gesellschaft D. F. Heynemann statt. Sie ist ein Geschenk der Kinder des Entschlafenen, Konsul Karl Heynemann, Fritz Heynemann, Frau Dr. Lotte Volz geb. Heynemann und Frau Justizrat Minni Dreves geb. Heynemann, und von dieser bei Lebzeiten ihres Vaters in künstlerischer Vollendung modelliert. — 23* — Im Juli und August 1906 unternahm unser Assistent Dr. E. Wo 1 f im Auftrage der Gesellschaft aus den Erträgnissen der V. Rein ach Stiftung eine Sammelreise an die Nordsee, von der ein reiches Material, namentlich an Tieren des Deutschen Watten- meeres, heimgebracht wurde. Dr. Wolf war mehrere Wochen an der biologischen Anstalt auf Helgoland tätig und hatte von dort aus Gelegenheit zum Besuch des Wattenmeeres, worüber er in der wissenschaftlichen Sitzung vom 5. Januar durch einen Vortrag berichtete. Gelegentlich dieser Reise besichtigte Dr. Wolf die Museen von Berlin und Hamburg. Die Arbeiten innerhalb des Museums bezogen sich, wie in den früheren Jahren, im wesentlichen auf die Herrichtung der neuen Schausammlung und im letzten halben Jahre auf die Vorbereitungen zum Umzug. Die Sektionäre waren bemüht, die Sammlungen zu revidieren. Überflüssiges auszuscheiden und alles für den Transport herzurichten. Für alle Herren war der verflossene Winter bereits eine schwere, arbeitsreiche Zeit. Im Februar wurde mit dem eigentlichen Umzüge begonnen. Die Stellung der Möbelwagen mit Gespann und Kutscher wurde vertragsmäßig der Firma H. Dellie hausen übertragen, während die Anwerbung der notwendigen Hilfskräfte von der Gesellschaft selbst übernommen wurde. Hauptsächlich waren Tischler nötig, da die wichtigste Arbeit in dem Abschlagen und Neuaufstellen der alten Holzschränke besteht. Nicht nur für die wissen- schaftliche Sammlung, sondern auch für einzelne Teile der Schausammlung müssen wir die alten Holzschränke, die zum Teile über 80 Jahre alt sind, wieder verwenden. Da viele derselben weder Rückwände noch Böden haben, sondern in das alte Museum direkt eingebaut sind, so entsteht durch diese Schrank- arbeiten ein großer Aufenthalt, so daß der eigentliche Umzug nur mit Unterbrechungen bewerkstelligt werden kann. Im all- gemeinen wurde in der Weise vorgegangen, daß eine bestimmte Abteilung zunächst ausgeräumt und verpackt wurde; dann wurden die Schränke abgebrochen, ins neue Museum transportiert und dort an den für sie bestimmten Stellen wieder aufgeschlagen. Und erst nach Erledigung aller Reparaturen wurden die Samm- lungsteile überführt und in die Schränke wieder eingeordnet. Bisher sind vollständig mit Schränken und Sammlungsobjekten umgezogen: die botanische Sammlung, die Konchyliensammlung — 24* — und die Reptiliensammlung. Von der geologisch-paläontologischen Abteilung, sowie von der Lokalsammlung sind die Schränke bereits im Neubau, während die Sammlungsteile noch in den alten Räumen verpackt stehen. Die eisernen Schränke sind fast sämtlich für die Schausammlung wieder verwandt worden; manche davon mußten allerdings geteilt und in ihren Dimensionen geändert werden, welche Arbeit viele Wochen in Anspruch nimmt. Nunmehr wird mit der mineralogischen Sammlung und mit den Säugetieren umgezogen. Den Umzug der einzelnen Sammlungen hoffen wir bis An- fang Juli beendet zu haben, so daß alsdann nach Schluß der Vorlesungen die dazu notwendigen Sammlungen, Lehrmittel etc. umgeräumt werden können. Von Mitte Juli an werden dann voraussichtlich auch das Bureau und die Arbeitszimmer im neuen Museum in Betrieb genommen. Frau Sondheim war wie in früheren Jahren die Ver- arbeitung des anatomischen Materials übertragen. Sie hat unsere Sammlung durch eine große Zahl hervorragender Präparate, namentlich aus der Embryologie und Parasitenkunde, bereichert. An freiwilligen Mitarbeiterinnen hatten wir außer FrauSo n d h e i m noch Fräulein Türck, die bereitwilligst bei der Durchsicht, Reinigung und Neuordnung der geologisch-paläontologischen Sammlung mithalf. Beiden Damen danken wir auch an dieser Stelle herzlichst für ihre sehr geschätzte Arbeit. In der Hausmeisterstelle trat ein Wechsel ein, da der bis- herige, auf Probe angenommene Maschinist H. Steckenreuter krankheitshalber nicht definitiv angestellt werden konnte. Seit 15. Februar 1907 versieht Berthold Diegel, bisher Heizer und Maschinist am Heiliggeist-Hospital, probeweise den Haus- meisterposten. Wilhelm Post verließ uns nach Beendigung dreier Lehrjahre, um in die Firma Hartmann & Braun überzutreten. Durch Annahme von drei neuen Lehrlingen Christian Kopp, Gustav Metzger und Hermann Münster, wurden den einzelnen Herren weitere Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. Wenn auch die letzten Monate durch die Vorbereitungen und den Beginn des Umzuges besonders reich an Mühe und Arbeit gewesen sind und an alle unsere Mitarbeiter und Beamten große Anforderungen gestellt haben, so dürfen wir anderseits — 25* — berichten, daß bei allen Beteiligten eine große Arbeitsfreudigkeit zu bemerken ist. So blicken wir voll Befriedigung auf das abgelaufene Jahr, in dem uns wiederum aus dem Kreise unserer Mitglieder und hochherziger Förderer der Naturwissenschaften die tatkräftigste Unterstützung zuteil geworden ist. Dieses freudige Be- wußtsein des stetig wachsenden Interesses der gesamten Bürgerschaft Frankfurts läßt uns aber auch voll Zuversicht in die Zukunft blicken, in der mit der Eröffnung unseres neuen Museums neue, große Aufgaben an unsere Gesellschaft heran- treten werden. — 26^ Verteilung der Amter im Jahre 1907. Direktion : Dr. med. A. Knoblauch, I. Direktor j A. Andreae-Ton Gruuelius, Kassier R. de Neuf Tille, II. Direktor Generalkonsul Stadtrat A. von Dr. phil. P. Sack, I. Sekretär ■ Metzler, Kassier Dr. med.H. v.Mettenheimer,II.Sekr. Dr. jur. F. Berg, Konsulent Revisions-Kommission : R. Osterrietli, Vorsitzender I E. Roques-Mettenlieimer A. Andreae W. Stock A. Ladenburg | Direktor W. von der Velden Abgeordneter für die Revision der vereinigten Bibliotheken: Dr. phil. J. Guide Abgeordn. für die Kommission der vereinigten Bibliotheken : Prof. Dr. H. Reichenbach Bücher-Kommission : Prof. Dr. F. Richters, Vorsitzender Dr. F. Sack Prof. Dr. M. Möbius j Prof. Dr. W. Schauf Prof. Dr. H. Reichenbach 1 Dr. F. Römer Redaktion der Abhandlungen W. Melber, Vorsitzender Prof. Dr. 0. Boettger Prof. Dr. L. von Heyden Prof. Dr. M. Möbius Prof. Dr. H. Reichenbach Dr. F. Römer Redaktion des Berichts: Dr, med. A. Knoblauch, Vorsitzender R. de Neufville Dr. phil. P. Sack F. W. Winter Bau-Kommission : Dr. med. A. Knoblauch, Vorsitzender A. Andreae-von Grunelius Prof. Dr. L. von Heyden Dr. phil. A. Jassoy Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx R, de Neufville Prof. Dr. H. Reichenbach San.-Rat Dr. E. Roediger Dr. med. 0. Schnaudigel Dr. phil. F. Römer Finanz-Kommission : Direktor H. Andreae, Vorsitzender Dr. phil. A. Jassoy A. Andreae-von Grunelius Dr. med. A. Knoblauch L. Elling-er I Komm. -Rat E. Ladenburg- 0. Höchberg | R. de Neufville — 27* — Dozenten : ( Prof. Dr. H. Reiclienbach Zoologie 1 und Dr. F. Römer Botanik Prof. Dr. M. Möbins Mineralogie Prof. Dr. W. Schauf ^ , . j T. ,.. ^ , . f Prof. Dr. F. Kinkelin und Geologie und Paläontologie \ [ Dr. F. Drevermann Bibliothekar : Bibliotheliseliretär : Dr. phil. 0. Wahl Tli. Hassler Musenms-Kommission : Die Sektionäre und der II. Direktor Sektionäre : Vergleichende Anatomie und Skelette .... Prof. Dr. H. Reiclienbach Säugetiere Prof. Dr. W. Kobelt Vögel R. de Neufville Reptilien und Batrachier Prof. Dr. 0. Boettger Fische A. H. Wendt . , , . . , , „ , T • T [ Pi'of- Dr. L. von Heyden, Arthropoden mit Ausschluß der Lepidopteren . „, . t^ ^ n ■, ^ j *^ , ,, *^ *^ 1 A. Weis, Dr. J. Golde und und Krustaceen „ t^c^i l Dr. P. Sack Lepidopteren vacat. Krustaceen Prof. Dr. F. Richters Mollusken Prof. Dr. W. Kobelt Wirbellose Tiere mit Ausschluß der Arthro- poden und Mollusken Prof. Dr. H. Reiclienbach „ ., ( Prof. Dr. M, Möbius und Botanik l i^ ^.. \ M. Durer Mineralogie Prof. Dr. W. Schauf , , . , ^ , , . ( Prof. Dr. F. Kinkelin und Geologie und Paläontologie •! Prof. Dr. 0. Boettger Direktor des Museums: Dr. phil. F. Römer Zoologischer Assistent: Geologisch-paläont. Assistent; Dr. phil. E. Wolf Dr. phil. Fr. Drevermann Konservatoren : Handwerker : Lehrlinge : Adam Koch Christian Fahlberg Christian Kopp August Koch Rudolf Moll Gustav Metzger Hermann Franz Hermann Münster Im Bureau: Frl M. Pixis 28* Verzeichnis der Stifter der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Becker, Johannes, Stiftsgärtner am Dr. Senckenbergischen med. Institut 1817. t 24. November 1833 *v. Bethmanu, Simon Moritz, Staatsrat 1818. f 28. Dezember 1826 Bögner, Joh. Willi. Jos., Dr. med., Mineralog (1817 zweiter Sekretär) 1817. t 16. Juni 1868 Bloss, Joh. Georg, Glasermeister, Entomolog 1817. f 29. Februar 1820 Bnch, Joh. Jak. Kasimir, Dr. med. und phil., Mineralog 1817. f 13. März 1851 Cretzschmar, Phil. Jak., Dr. med., Lehrer der Anatomie am Dr. Sencken- bergischen med. Institut, Lehrer der Zoologie von 1826 bis Ende 1844, Physikus und Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftung (1817 zweiter Direktor) 1817. f 4. Mai 1845 =*'£hrmanD, Joh, Christian, Dr. med., Medizinalrat 1818. f 13. August 1827 Fritz, Joh. Christoph, Schneidermeister, Entomolog 1817. f 21. August 1835 *Freyreiss, Georg Wilh,, Prof. der Zoologie in Rio Janeiro 1818. f I.April 1825 *v. Gerning, Joh. Isaak, Geheimrat, Entomolog 1818. f 21. Februar 1837 *Grruneliu8, Joachim Andreas, Bankier 1818. f 7. Dezember 1852 von Heyden, Karl Heiur. Georg, Dr. phil., Oberleutnant, nachmals Schöff und Bürgermeister, Entomolog (1817 erster Sekretär) 1817. f 7. Jan. 1866 Helm, Joh. Friedr. Aut., Verwalter der adeligen uralten Gesellschaft des Hauses Frauenstein, Konchyliolog 1817. f 5. März 1829 *Jassoy, Ludw. Daniel, Dr. jur. 1818. f 5. Oktober 1831 Kloss, Joh. Georg Burkhard Franz, Dr. med., Medizinalrat, Prof. 1818. t 10. Februar 1854 *Löhrl, Johann Konrad Kaspar, Dr. med., Geheimrat, Stabsarzt 1818. t 2. September 1828 *Metzler, Friedr., Bankier, Geheimer Kommerzienrat 1818. f 11. März 1825 Meyer, Bernhard, Dr. med., Hofrat, Ornitholog 1817. f 1- Januar 1836 Miltenberg, Wilh. Adolf, Dr. phil, Prof., Mineralog 1817. f 31, Mai 1824 *Melber, Joh. Georg David, Dr. med. 1818. f H- August 1824 Anmerkung: Die 1818 eingetretenen Mitglieder, die nachträglich unter die Reihe der Stifter aufgenommen wurden, sind mit * bezeichnet. — 29* — Neeff, Christian Ernst, Dr. med., Prof., Lehrer der Botanik, Stifts- und Hospi- talarzt am Dr. Senckenbergischen Bürgerhospital 1817. f 15. Juli 1849 Neuburg^jJoh. Georg', Dr. med., Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftung, Mineralog und Ornitholog (1817 erster Direktor) 1817. f 25. Mai 1830 de Neufville, Mathias Wilh., Dr. med. 1817. f 31. Juli 1842 Renss, Job. Wilh., Hospitalmeister am Dr. Senckenbergischen Bürgerhospital 1817. t 21. Oktober 1848 *Rüppell, Wilh. Peter Eduard Simon, Dr. med., Zoolog und Mineralog 1818. t 10. Dezember 1884 *T. Soemmerring, Samuel Thomas, Dr. med., Geheimrat, Professor 1818. t 2. März 1830 Stein, Joh. Kaspar, Apotheker, Botaniker 1817. f 16. April 1834 Stiebel, Salomo Friedrich, Dr. med., Geheimer Hofrat, Zoolog 1817. t 20. Mai 1868 *Varrentrapp, Joh. Konr., Dr. med., Prof., Physikus und Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftung 1818. f 11. März 1860 Völcker, Georg Adolf, Handelsmann, Entomolog 1817. f 19. Juli 1826 * Wenzel, Heinr. Karl, Dr. med., Geheimrat, Prof., Direktor der Primatischen medizinisch-chirurgischen Spezialschule 1818. f 18. Oktober 1827 *v. Wiesenhütten, Heinrich Karl, Freiherr, Königl. bayr, Oberstleutnant, Mineralog 1818. f 8. November 1826 — 30* — Verzeichnis der Mitglieder. I. Ewige Mitglieder.*) An Stelle der Entrichtung eines Jahresbeitrages haben manche Mitglieder vorgezogen, der Gesellschaft ein Kapital zu schenken, dessen Zinsen dem Jahresbeitrag min- destens gleichkommen, mit der Bestimmung, daß dieses Kapital verzinslich angelegt werden müsse und nur die Zinsen für die Zwecke der Gesellschaft zur Verwendung kommen dürfen. Solche Mitglieder entrichten demnach auch über den Tod hinaus einen Jahresbeitrag und werden nach einem alten Sprach- gebrauch als „Ewige Mitglieder" der Gesellschaft bezeichnet. Vielfach wird diese altehrwürdige Einrichtung, die der Gesellschaft einen dauernden Mitglieder stamm sichert und daher für sie von hohem Werte ist, von den Angehörigen verstorbener Mitglieder benützt, um das Andenken an ihre Toten bleibend in dem Senckenbergischen Museum wach zu halten, zumal die Namen sämtlicher „ewigen Mitglieder" nicht nur den jedesmaligen Jahresbericht zieren, sondern auch auf M a r m 0 r t a f e 1 n in dem Treppenhause des Museums mit goldenen Buchstaben eingegraben sind. Die beigefügten Jahreszahlen bezeichnen das Jahr der Schenkung oder des Vermächtnisses. Simon Moritz v. Beiliiiiaiin 1827 G. H. Hauck-Stee? 1848 Georg Heiiir. Schwendel 1828 Dr. J. J. K. ßucli 1851 Job. Friedr. Auf. Helm 1829 G. v. St. George 1853 Georg- Ludwig Gontard 1830 J. A. Grunelius 1853 Frau Susanna Elisabetli Betlimaun- P. F. Chr. Kroger 1854 Holweg 1831 I Alexander Gontard 1854 Heinrich Mylius sen. 1844 i M. Frhr. v. Bethmann 1854 Georg Melchior Mjlius 1844 j Dr. Eduard Rüppell 1857 Baron Amschel Mayer v. Roth- Dr. Th. Ad. Jak. Em. Müller 1858 Schild 1845 Julius Nestle 1860 Joh. Georg Schmidborn 1845 Eduard Finger 18G0 Johann Daniel Souchay 1845 Dr. jur. Eduard Souchay 1862 Alexander r. Bethmann 1846 J. N. Gräffendeich 1864 Heinrich v. Bethmann 1846 E. F. K. Büttner 1865 Dr. jur. Rat Fr. Schlosser 1847 K. F. Krepp 1866 Stephan v. Guaita 1847 Jonas Mylius 1866 H. L. Döbel in Batavia 1847 Konstantin Fellner 1867 *) I — V nach dein Mitgliederbestand am 1. Juni 1907. Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. — 31* — Dr. Hermann y. Meyer 1869 W. D. Soemmerring 1871 J. G. H. Petsch 1871 Bernhard Dondorf 1872 Friedrich Karl Rücker 1874 Dr. Friedrich Hessenberg 1875 Ferdinand Lanrin 1876 Jakob Bernhard Rikoif 1878 Joh. Heinr. Roth 1878 J. Ph. Nikol. Manskopf 1878 Jean Noe du Fay 1878 GS' Friedr. Metzler 1878 Frau Louise Wilhelniine Emilie Gräfin Böse, geb. Gräfin von Reichenbach-Lessouitz 1880 Karl August Graf Böse 1880 (inst. Ad. de Neufville 1881 Adolf Metzler 1883 Joh. Friedr. Koch 1883 Joh. Wilh. Roose 1884 Adolf Soemmerring 1886 Jacques Reiss 1887 Dr. Albert von Relnach 1889 Wilhelm Metzler 1890 *Albert von Metzler 1891 L. S. Moritz Frhr. v. Bethmann 1891 Victor Moessinger 1891 Dr. Ph. Jak. Cretzschmar 1891 Theodor Erckel 1891 Georg Albert Keyl 1891 Michael Hey 1892 Dr. Otto Ponflck 1892 Prof. Dr. Gg. H. v. Meyer 1892 Fritz Neumüller 1893 Th. K. Soemmerring 1894 Dr. med. P. H. Pfefferkorn 1896 Baron L. A. v. Löwenstein 1896 Louis Bernus 1896 Frau Ad. von Brüuing 1896 Friedi'. Jaenuicke 1896 Dr. phil. Wilh. Jaenuicke 1896 P. A. Kesselmeyer 1897 Chr. G. Lndw. Vogt 1897 Anton L. A. Hahn 1897 Moritz L. A. Hahn 1897 Julius Lejeune 1897 Frl. Elisabeth Schultz 1898 Karl Ebenau 1898 Max von Gnaita 1899 Walther vom Rath 1899 *Prof. D. Dr. Moritz Schmidt 1899 Karl von Grunelius 1900 Dr. jur. Friedrich Hoerle 1900 Alfred von Neufville 1900 Wilh. K. Frhr. v. Rothschild 1901 Marcus M. Goldschmidt 1902 Paul Siegm. Hertzog 1902 Prof. Dr. Julius Ziegler 1902 Moritz von Metzler 1903 Georg Speyer 1903 Arthur Gwinner 1903 Isaak Blum 1903 Eugen Grumbach-Mallebrein 1903 *Robert de Neufville 1903 Dr. phil. Eugen Lucius 1904 Carlo V. Erlanger 1904 Oskar Dyckerhoff 1904 Rudolph Sulzbach 1904 Johann Karl Majer 1904 Prof. Dr. Eugen Askenasy 1904 D. F. Heynemann 1904 Frau Amalie Kobelt 1904 *Prof. Dr. Wilhelm Kobelt 1904 P. Hermann v. Mumm 1904 Philipp Holzmanu 1904 Prof. Dr. Achill Andreae 1905 Frau Luise Volkert 1905 Karl Hoff 1905 Julius Wernher 1905 Edgar Speyer 1905 J. A. Weiller 1905 Karl Schaub 1905 W. de Neufville 1905 Arthur Sondheimer 1905 Dr. med. E. Kirberger 1906 Dr. W. Schöller 1906 Bened. M. Goldschmidt 1906 A. AVittekind 1906 Alexander Hauck 1906 Dr. med. J. Guttenplan 1906 Gustav Stellwag 1907 Christian Knauer 1907 Jean Joh. Val. Andreae 1907 Haus Bode 1907 — 32* — II. Beitragende Mitglieder. a) ansässige beitragende Mitglieder: Abraham, Siegmund, Dr. med. 1904 Ackenhausen, H. E. 1905 Adickes, Franz, Dr. med., Oberbürger- meister 1891 Adler, Arthur, Dr. jur. 1905 Adler, Franz, Dr. phil. 1904 Albert, August 1905 *Albrecht, Eugen, Dr. med., Professor, Direktor des Dr. Sencken- bergischen pathologisch -anato- mischen Instituts 1904 Albrecht, Julius, Dr., Zahnarzt 1904 Alexander, Franz, Dr. med. 1904 Alexander, Theodor 1904 Almeroth, Hans 1905 Alt, Friedrich, Buchhändler 1894 *Alten, Heinrich 1891 Frl. Amschel, Emy 1905 Andre, C. A. 1904 Andreae, Albert 1891 Frau Andreae, Alharda 1905 Andreae, Arthur 1882 Andreae, Heinrich Ludwig 1904 *Andreae, Hermann. Bankdir. 1873 Andreae, J. M. 1891 Andreae, Richard 1891 Andreae, Rudolf 1878 Andreae, Viktor 1899 *Andreae-v. Grunelius, Alhard 1899 Frau Andreae-Lemme, Karoline Elise 1891 Andresen, Job. Karl, Bergwerkdirek- tor, Kgl. norweg. Konsul 1906 Apolant, Hugo, Dr. med. 1903 V. Arand, Julius 1889 Armbrüster, Gebr. 1905 Askenasy, Alex., Ingenieur 1891 Auerbach, L., Dr. med. San. -Rat 1886 Auerbach, M., Dr., Amtsgerichtsrat 1905 ♦Auerbach, S., Dr. med. 1895 Auffarthsche Buchhandlung 1874 Aurnhammer, Julius 1903 Avellis, Georg, Dr. med., 1904 Bacher, Karl 1904 Baer, Jos. Moritz, Stadtrat 1873 Baer, Max, Generalkonsul 1897 Baer, M. H., Dr. Justizrat 1891 Baer, Simon Leop, Buchhändler 1860 Baer, Theodor, Dr. med. 1902 Baerwald, A., Dr. med. 1901 Baerwindt, Franz, Dr. med., San. -Rat 1901 Bangel, Rudolf 1904 Bansa, Julius 1860 von Bardeleben, Friedr. , General- major z. D. 1900 *Bardorfi, Karl, Dr. med. 1864 Barndt, W., Generalagent 1902 de Bary, Aug., Dr. med. 1903 de Bary, Jakob, Dr. med., San.-Rat 1866 de Bary, Karl Friedr. 1891 de Bary-Jeanrenaud, H. 1891 *Bastier, Friedrich 1892 V. Baumgarten, A. , Kaiserl. Russ. Kammerherr u. Generalkonsul, Wirkl. Staatsrat, Exzell. 1904 Baunach, Alexander, Konsul 1904 Baunach, Robert 1900 Bauer, Max 1906 Baur, Karl, Dr. med. 1904 Bechhold, J. H., Dr. phil. 1885 Beck, Carl, Dr. med. 1905 Becker, H., Dr. phil., Prof. 1903 Becker, F. Ph., Dr. med. 1905 Beer, J. L., Kommerzienrat 1891 Behrends, Robert, Ingenieur 1896 Behrends-Schmidt, Karl, Konsul 1896 Behringer, Gustav 1905 Beit, Eduard, Kommerzienrat 1897 Benario, Jacques, Dr. med. 1897 Bender, August 1897 Frau Berend, Paula, Dr. 1905 Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. — 33* Berg, Alexander, Dr. jur., Rechts- anwalt 1900 *Berg, Fritz, Dr. jur., Rechtsanwalt 1897 Berlizheimer, Sigmund, Dr. med. 1904 Bermann, Ferdinand, Dr. med. 1904 Frl. Berthold, Bertha 1903 Bertina, Karl 1904 V. Bethmann, S. Moritz, Frhr. 1905 Beyfuß, Leo 1907 Binding, Gustav 1904 Binding, Karl 1897 Binding, Konrad 1892 Bing, Albert 1905 Bischheim, Bernhard 1907 Bittel-Böhm, Theodor 1905 Bittelmann, Karl 1887 Bleicher, H., Stadtrat Prof. Dr. 1903 *Blum, Ferd., Dr. med. 1893 Frau Blum, Lea 1903 Blumenthal, Adolf 1883 *Blumenthal, E., Dr. med., San.-Rat 1870 *Bockenheimer, Jakob, Dr. med., Geh. San.-Rat 1864 Bode, Paul, Dr. phil, Direktor der Klingeroberrealschule 1895 Boeckh, August, Generaloberarzt, Dr. med. 1906 Boettger, Bruno 1891 *Boettger, Oskar, Dr. phil, Prof. 1874 Böhm, Henry, Dr. med. 1904 Böhme, John, Zahnarzt 1904 Boller, Wilhelm, Dr. phil., Oberlehrer 1903 Bolongaro, Karl 1860 Bonn, Sally 1891 Bonn, William B. 1886 Borchardt, Heinrich, Zahnarzt 1904 Borgnis, Alfred Franz 1891 Borgnis, Karl 1900 Frau Brach, Natalie 1906 Braun, Franz, Dr. phil. 1904 Braun, Leonhard, Dr. phil. 1904 Braun , Wunibald , Kommerzienrat 1903 Braunfels, Ludwig 1906 Braunfels, Otto, Gefr. Kommerzienrat; Konsul 1877 Brechenmacher, Franz 1906 Brendel, Wilhelm 1906 Brentano-Brentano, Josef 1906 Briel, Heinrich 1906 Brodnitz, Siegfried, Dr. med. 1897 Brofft, Franz 1866 Brück, Richard, Rechtsanwalt 1904 Brückmann, Karl 1903 Budge, Siegfried 1905 Bücheier, Anton, Dr. med. 1897 Bucher, Franz, Dentist 1906 V. Büsing-Orville, Adolf, Frhr. 1903 Bütschly, Wilhelm 1891 Büttel, Wilhelm 1878 Bullnheimer, Fritz, Dr. phil. 1904 Burchard, Kurt, Dr. jur., Prof. 1904 Burgheim, Gustav, Justizrat Dr. 1905 Cahen-Brach, Eugen, Dr. med. 1897 Cahn, Albert 1905 Cahn, Heinrich 1878 Cahn, Paul 1903 Cammert, Paul, Oberstabsarzt Dr. med. 1907. Frau Canne, Anna 1905 Canne, Ernst, Dr. med. 1897 Cante, Cornelius 1906 ♦Carl, August, Dr. med., San.-Rat 1880 Cassel, B. B. 1905 V. Chappuis , Hermann , General - leutnant z. D., Exzellenz 1904 Christ, Fritz 1905 Clemm, Otto, Bankdirektor 1903 Cnyrim, Ernst 1904 Creizenach, Ernst 1906 Creizenach, Ignaz 1905 Cohen, Eduard 1900 Cudell, Carl, Dipl. -Ingenieur 1906 CuUmann, Rudolf 1905 Cunze, D., Dr. phil. 1891 Curti, Theodor 1905 Curtis, F., Dr. phil., Prof. 1903 Daube, Curt, Sanitätsrat Dr. 1906 Daube, G. L. 1891 Degener-Böning, Emil 1906 3 — 34* Delliehausen, Oskar 1904 Delosea, S. R., Dr. med. 1878 Demmer, Theodor, Dr. med. 1897 Deutsch, Adolf, Dr. med. 1904 Diener, Richard 1905 Diesterweg, Moritz 1883 Dietrich, Heinrich 1906 Dietze, Hermann 1891 Dietze, Karl 1870 Ditmar, Karl Theodor 1891 Ditter, Karl 1903 Doctor, Ferdinand 1892 Dondorf, Karl 1878 Dondorf, Otto 1905 Donner, Karl Philipp 1873 Dreves, Erich, Dr., Justizrat 1903 Dreyfus, Is. 1891 Drory, William, Direktor 1897 Drory, William, Dr. phil. 1904 Du Bois, Georg, Dr. phil. 1906 *Dürer, Martin 1904 Ebeling, Hugo, Dr. med. 1897 Ebenau, Fr., Dr. med. 1899 Eberstadt, Albert 1906 Frau Eckert, Marie 1906 Eckhardt, Karl, Bankdirektor 1904 *Edinger, L., Dr. med., Prof. 1884 Egan, William 1891 *Ehrlich, P., Dr. med., Prof., Geh. Med.-Rat 1887 V. Eichhorn, Hermann, Generalleutnant und Kommandierender General d. XVIII. Armeekorps, Exzellenz 1905 Eichmeyer, Hermann, Direktor 1907 Eierniann, Arnold, Dr. med. 1897 *Ellinger, Leo 1891 Ellinger, Philipp, stut. rer. nat. 1907 Embden, Gustav, Dr. med. 1907 Emmerich, Otto 1905 Enders, M. Otto 1891 Engelhard, Karl Phil. 1873 Epstein, Jak. Herrn., Fabrikant 1906 Epstein, J., Dr. phil., Prof. 1890 Eschelbach, Jean 1904 Ettlinger, Albert, Dr. med. 1904 Euler, Rudolf, Direktor 1904 Eyssen, Remigius Alex. 1882 v.Fabricius, Ph., Dr. med. San.-Rat 1907 Fade, Louis, Direktor 1906 Fay, C. F. 1904 Feis, Oswald, Dr. med. 1903 Feist, Jakob, Dr. jur. 1905 Feist, Louis. 1906. Fellner, Johann Christian 1905 Fellner, Otto, Dr. jur. 1903 Fester, August, Bankdirektor 1897 Fischer, Karl 1902 Fischer, Ludwig 1902 Fleck, Otto, Oberförster 1903 Fleisch, Karl 1891 Flersheim, Albert 1891 Flersheim, Martin 1898 Flersheim, Robert 1872 *Flesch, Max, Dr. med., Prof. 1889 Flinsch, Bernhard 1905 Flinsch, Heinrich, Stadtrat 1866 Flinsch, W., Kommerzienrat 1869 Flörsheim, Gustav 1904 de la Fontaine, Ernst, Regierungsrat 1907 Forchheimer, Hugo 1903 Forst, Carl, Dr. phil. 1905 *Franck, E., Direktor 1899 Frank, Franz, Dr. phil. 1906 Frank, Hch., Apotheker 1891 Fresenius, Eduard, Dr. phil. 1906 Fresenius, Phil., Dr. phil, Apotheker 1873 *Freund, Mart., Dr. phil., Prof. 1896 Freyeisen, Willy 1900 *Fridberg, R., Dr. med., San.-Rat 1873 Fries, Heinrich 1905 Fries Sohn, J. S. 1889 Fries, Wilhelm, stud. rer. nat. 1907 Fries-Dondorf, -Jakob 1906 V. Frisching, Moritz 1905 J'ritzmann, Ernst, Dr. phil. 1905 Frohmann, Herbert 1905 Fromberg, Leopold 1904 Fuld, Adolf, Dr.jur., Rechtsanwalt 1907 Fulda, Heinrich, Dr. med. 1907 Fulda, Karl Herrn. 1877 Fulda, Paul 1897 — 35" *üäbler, Bruno, Landgerichtsrat 1900 Gans, Adolf 1897 Gans, Fritz 1891 Gans, L., Dr. phil., Geh. Kommerzien- rat 1891 Ganz, S., Dr. jur., Prof , Rechtsanwalt 1906 Gaurn, Fritz 1905 Geiger, B., Dr. jur., Justizrat 1878 Geisow, Hans, Dr. phil. 1904 Geist, George, Dr. med. dent. 1905 Frau Gräfin v. Geldern, Friederica, Dr. med. 1904 *Gerlach, Karl, Dr. med. 1869 Gerlach, K., Oberlehrer 1903 Gerth, H., stud. rer. nat. 1905 Frau Getz, Elisabeth, Geheimr. 1905 Getz, Moritz 1904 Gillhausen, Karl 1905 Gins, Karl 1906 Gloeckler, Alexander, Dr. med., San.- Rat 1905 Glogau, Emil August, Zahnarzt 1904 Goering, Viktor, Direktor des Zoolog. Gartens 1898 V. Goldammer, F. 1903 Goldschmid, J. E. 1901 Goldschmidr, Julius 1905 Goldschmidt, M. S. 1905 V. Goldschmidt - Rothschild , Max , ^rhr., Generalkonsul 1891 Goll, Richard 1905 Goltermann, Ludwig 1904 Gombel, Wilhelm 1904 Gottschalk, Joseph, Dr. med. 1903 Grandhomme, Fr., Dr. med. 1903 Gräntz, Fritz, Dr. phil., Oberlehrer 1904 Graubner, Karl 1905 Greef, Ernst 1905 Greb, Louis 1903 Greiff, Jakob, Rektor 1880 Grieser, Ernst 1904 Grimm, Otto, Bürgermeister 1907 Großmann, Emil, Dr. med. 1906 Grüder, Paul, Referendar 1906 Grünewald, August, Dr. med, 1897 V. Grunelius, Adolf 1858 V. Grunelius, Max 1903 V. Grunelius, M. Ed. 1869 V. Günderrode, Waldemar, Freiherr 1905 Günther, Oskar 1907 Günzburg, Alfred, Dr. med. 1897 *GuIde, Johann, Dr. phil. 1898 Haack, Karl Philipp 1905 Haag, Ferdinand 1891 Haas, F., stud. rer. nat. 1906 Haas, Ludwig, Dr. 1906 Haas-Hüttenbach, Viktor 1906 Häberlin, E. J., Dr. jur., Justizrat 1871 Haeckel, Georg, Militär-Intendantur- rat 1907 Haeffner, Adolf, Direktor 1904 *Hagen, B., Dr. med., Hofrat 1895 Hagens, K., Dr., Wirkl. Geh. Ober- Justizrat u. Oberlandesgerichts- Präsident, Exzellenz 1900 Hahn, Julius 1906 Hallgarten, Fritz, Dr. phil. 1893 Hallgarten, H. Charles L. 1891 Hamburger, K., Dr. jur., Geh. Justiz- rat 1891 Happel, Fritz 1906 Harbers, Adolf, Direktor 1903 Harbordt,Ad., Dr. med., San.-Rat 1891 v.Harnier, E., Dr., Geh. Justizr. 1866 Hartmann, Eugen, Professor 1891 Hartmann, Johann Georg 1905 Hartmann, Karl 1905 Hartmann-Bender, Georg 1906 Hartmann-Kempf, Rob., Dr. phil. 1906 Haßlacher, Franz, Patentanwalt 1905 Hauck, Fritz 1905 Hauck, Georg 1898 Hauck, Max 1905 Hauck, Otto 1896 Haurand, A., Geh. Kommerzienrat 1891 Hausmann, Franz, Dr. med. 1904 Hausmann, Julius, Dr. phil. 1906 Heerdt, Rudolf, Direktor 1906 Heichelheim, Sigmund, Dr. med. 1904 Heicke , Karl , Stadtgartendirektor 1903 3* — 36* Heilbrunn, Ludwig, Dr, jur., Rechts- anwalt 1906 Heilmann, Heinrich 1906 Heimpel-Manskopf, W. E. Aug. 1899 Heinz, Philipp 1907 Heister, Ch. L. 1898 Henrich, K. F., Kommerzienrat 1873 Henrich, Ludwig 1900 Henrich, Rudolf 1905 *Hergenhahn, Eugen, Dr. med. 1897 Hertzog, Georg 1905 Frau Herxheimer, Fanny 1900 Herxheimer, Karl, Dr. med , Direktor am Stadt. Krankenhause 1898 Herz, Alphonse J. 1906 Herz-Mills, Ph. Jac, Direktor 1903 Herzberg, Karl, Konsul, Bankdirektor 1897 Hesdörffer, Julius, Dr. med. 1903. Hesse, Hermann 1900 Heuer & Schoen 1891 Heußenstamm, Karl, Dr. jur., Bürger- meister a. D. 1891 *v. Heyden, Lukas, Dr. phil. , Prof., Major a. D. 1860 V. Heyder, Georg 1891 Hinkel, August 1906 Hirsch, Ferdinand 1897 Hirsch, Raphael, Dr. med. 1907 Frau Hirsch, Lina, Dr. 1907 Hirschberg, Max, Dr. med., San. -Rat 1892 Hirschfeld, Otto H. 1897 Hirschhorn, Fritz 1905 Hirschler, Leopold 1903 Hochschild, Salomon 1906 Hochschild, Zachary, Direktor 1897 Höchberg, Otto 1877 Hochstraßer, Hans 1907 Fräulein Hoerle, Cecile 1907 Hoerle, Eugene 1907 Hoerle, Julius 1907 Hofer, Willy Hch. 1906 Hoff, Alfred, Konsul 1903 Hofmann, Otto 1905 Hohenemser, Moritz W. 1905 Hohenemser, Otto, Dr. med. 1904 Hohenemser, Robert, Dr. jur. 1905 HoU, Joseph, & Co. 1905 Holz, Wilhelm 1907 V. Holzhausen, Georg, Frhr. 1867 Holzmann, Eduard, Ingenieur 1905 Homberger, Ernst, Dr. med. 1904 Homburger, Aug., Dr. med. 1899 Homburger, Michael 1897 Homm, Nikolaus 1906 Horkheimer, Anton, Stadtrat a.D. 1906 Horkheimer, Fritz 1892 Horn, Hans, Lehrer 1906 Frau Horstmann, Elise 1903 Horstmann, Georg 1897 Huck, August 1900 V. Hoven, Franz, Baurat 1897 *Hübner, Emil, Dr. med. 1895 Hübner, Hans, Dr. med. 1906 Hüttenbach, Adolf 1903 Hupertz, Eduard, Dr. jur., Oberstaats- anwalt 1905 Jacquet, Hermann 1891 Jaffe, Gustav, Rechtsanwalt 1905 Jaffe, Theophil, Dr. med., San.-Rat 19U5 Jäger, Alfred, Dr., Veterinärarzt 1903 Jaeger-Manskopf, Fritz 1897 *Jassoy, August, Dr. phil., Apotheker 1891 Jassoy, Julius 1905 Jassoy, Ludwig Wilhelm 1905 Frau Jay, Louis 1903 Jelkmann, Fr., Dr. phil. 1893 Illig, Hans, Direktor 1906 Job, Wolfgang 1907 Frau Jordan - de Rouville, L. M. 1903 Junge, Bernhard 1907 Jungmann, Eduard 1897 Junior, Karl 1903 Jureit, J. 0. 1892 Kahn Bernhard 1897 Kahn, Ernst, Dr. med. 1897 Kahn, Hermann 1880 Kahn, Julius 1906 Kalb, Moritz 1891 Kalberlab, Fritz, Dr. med. 1907 *Kallmorgen, Wilh., Dr. med. 1897 Katzenelienbogen, Albert, Dr. jur. 1905 37* — Katzenstein, Edgar 1906 Kayser, Heinr., Dr. med. 1903 Kayser, Carl 1906 Kayßer, Fritz, Architekt 1899 Keller, Adolf 1878 Keller, Ernst, Direktor der Elisa- bethenschule 1907 Keller, Otto 1885 Kessler. Hugo 1906 Kindervatter, Gottfried 1906 *Kinkelin, Friedrich, Dr. phil., Prof. 1873 Kirch, Wilhelm 1905 Kirchheim, S., Dr. med. 1873 Kissner, Heinrich 1904 Klein, Walter, Amtsgerichtsrat 1906 Kleyer, Heinr., Kommerzienrat 1903 Kliewer, Johannes, kgl. Gewerberat 1907 Klimsch, Eugen 1906 Klippel, Karl 1891 Klitscher, F. Aug. 1878 Klotz, Karl E., Bankdirektor 1891 Knauer, Jean Paul 1906 Knickenberg, Ernst, Dr. med. 1897 ♦Knoblauch, Aug., Dr. med., Direktor des städtischen Siechenhauses 1892 Knoblauch, Paul, Dr. med. 1905 Frau Koch, geb. von St. George 1891 Koch, Karl 1902 Koch, Louis 1903 Köhler, Hermann 1891 Kölle, Karl, Stadtrat 1905 Kömpel, Eduard, Dr. med. 1897 König, Albert, Dr. med., Stadtarzt 1905 König, Karl, Dr. med. 1904 V. Königswarter, H., Baron 1891 Königswerther, Heinrich 1906 Könitzers Buchhandlung 1893 Könitzer, Oskar 1906 Kohn, Julius, Dr. med. 1904 Körner, Erich, Prof. 1907 Koßmann, Alfred, Bankdirektor 1897 Kotzenberg, Gustav 1873 Kotzenberg, Karl 1903 Kowarzik, Jos., Bildhauer 1898 Kramer, Robert, Dr. med. 1897 Kreuscher, Jakob 1880 Kreuzberg, August 1905 Küchler, Ed. 1886. Küchler, Fr. Karl 1900 Künkele, H. 1903 Kugler, Adolf 1882 Kuhlmann, Ludwig 1905 Kullmann, Karl 1904 Kulp, Anton Marx 1891 Kutz, Arthur, Dr. med. 1904 Labes, Philipp, Dr. jur., Direktor 1905 *Lachmann, Beruh., Dr. med., Sani- tät srat 1885 Ladenburg, August 1897 Ladenburg,Ernst, Kommerzienrat 1897 Lambert, Richard, Prof. 1903 Lampe, Eduard, Dr. med. 1897 Lampe, J. D. W. 1900 Landauer, Fredy 1905 Landauer, Max 1907 Lapp, Wilhelm, Dr. med. 1904 *Laquer, Leopold, Dr. med., San.-Rat 1897 Lauterbach, Ludwig 1903 Lehmann, Leo 1903 Leisewitz, Gilbert. 1903. Lehranstalt für Zoll- und Steuerbeamte der Provinz Hessen -Nassau 1907 Lejeune, A., Dr. med. 1900 Lejeune, Alfred 1903 Lejeune, Ernst 1905 Leser, Wilhelm, Dr. jur., Oberlandes- gerichtsrat 19&7 Leuchs-Mack, Ferdinand 1905 *Levy, Max, Dr. phil , Oberlehrer 1893 *Libbertz, A., Dr., San.-Rat 1897 Liebmann, Jakob, Dr. jur., Justizrat 1897 Liebmann, Louis, Dr. phil. 1888 Liermann, Otto, Dr. phil., Direktor des Wöhler-Realgymnasiums 1907 Lilienfeld, Sidney, Dr. med. 1907 Lindheimer, Dr. Justizrat 1905 Lindley, William, Baurat 1904 Lismann, Karl, Dr. phil., Zahnarzt 1902 Frau Livingston, Frank 1897 — 38* — Frl. Livingston, Rose 1903 *Loretz,Wilh.,Dr.med., San.-Rat 1877 Lotichius, W. Heinr. 1903. Löwenstein, Simon 1907 Fräulein Luraschi, Ernesta 1906 Llischer, Karl 1905 Lußmann, Konrad 1907 Lust, Heinrich Frdr. 1905 Lüthje, Hugo, Dr. med., Prof., Direk- tor am städt. Krankenhause 1906 Mai er, Herrn. Heinr., Direktor 1900 Majer, Alexander 1889 Manskopf, Nicolas 1903 Mappes, Heinrich, Generalkonsul 1905 *Marx, Ernst, Dr. med., Prof., Stabs- arzt 1900 Marx, Karl, Dr. med. 1897 Frau von Marx, Mathilde 1897 Matthes, Alexander 1904 Matti, Alex., Dr. jur., Stadtrat 1878 May, Ed. Gust. 1873 May, Franz L., Dr. phil. 1891 May, Martin 1866 May, Robert 1891 V. Mayer, Adolf, Freiherr 1903 V. Mayer, Eduard, Buchhändler 1891 V. Mayer, Hugo, Freiherr 1897 Mayer, Ludo 1903 Mayer-Dinkel, Leonhard 1906 Melber, Friedrich 1903 *Melber, Walter 1901 Frau Merton, Albert 1869 Merton, Alfred 1905 Merton, Hugo, Dr. phil. 1901 Merton, W., Dr. phil. h. c. 1878 Merton, Walter, Direktor 1906 Mettenheimer, Beruh., Dr. jur. 1902 *von Mettenheimer, H., Dr. med. 1898 Metzger, L., Dr. med. 1901 Metzler, Hugo 1892 V. Metzler, Karl 1869 Meusert, Jakob 1905 Meyer, P., Dr. jur., Ober-Regierungs- rat 1903 *v. Meyer, Edw., Dr. med. 1893 Meyer-Petsch, Eduard 1906 Minjon, Hermann 1907 Frau Minjon, Sophie 1898 Minoprio, Heinrich 1907 Minoprio, Karl Gg. 1869 *Möbius, M., Dr. phil., Prof. 1894 Möhring, Dr. 1906 Moessinger, W. 1891 Morf, F. H., Dr. phil., Prof. 1903 Mosessohn, Sally, Dr. phil. 1904 Mouson, Jacques 1891 Mouson, Joh. Daniel. Stadtrat 1891 Müller-Knatz, J. 1905 Müller, Karl, Berginspektor 1903 Müller, 0. Victor, Dr. med. 1907 Müller, Paul 1878 Müller Sohn, A. 1891 Mumm V. Schwarzenstein, A. 1869 Mumm V. Schwarzenstein, Alfred 1905 Mumm V. Schwarzenstein, Fr. 1905 Nassauer, Max, Dr. phil. 1905 Nathan, S. 1891 *Naumann, Edmund, Dr. phil. 1900 Nebel, August, Dr. med. 1896 Neher, Ludwig, Baurat 1900 Frau Neisser, Emma 1901 *Neisser, Max, Dr. med., Prof. 1900 Nestle, Hermann 1900 Nestle, Richard 1891 Nestle, Wilhelm 1903 Netto, Kurt, Prof., Bergingenieur 1897 Neu, Samuel 1906 Neuberger, Julius, Dr. med. 1903 Neubürger, Otto, Dr. med. 1891 Neubürger, Theod., Dr. med., Geh. San.-Rat 1860 de Neufville, Eduard 1900 *de Neufville, Robert 1891 de Neufville, Rud., Dr. phil. 1900 V. Neufville, Adolf 1896 V. Neufville, G., Adolf 1896 V. Neufville, Curt 1905 V. Neufville, Karl, Gen.-Konsul 1900 Neumann, Paul, Dr. jur. 1905 Neumann, Theodor, Dr. phil., Ober- lehrer 1906 Neustadt, Adolf 1903 Neustadt, Samuel 1878 — 39* — Niederhofheim, Heinr. A , Direktor 1891 Nies, L. W. 1904 V. Obernberg, Ad., Dr. jur., Stadtrat a. D. 1870 Obernzenner, Julius 1905 Ochs, Hermann 1873 Ochs, Richard 1905 Oehler, Eduard, Geh. Kommerzienrat 1906 Oehler, Rud., Dr. med. 1900 Oehmichen, Hans, Dipl. Berging. 1906 0hl, Philipp 1906 Oelsner, Hermann, Dr. jur., Justizrat 1906 Oppenheim, Eduard, Bankdirekt. 1905 Oppenheim, Moritz 1887 Oppenheimer, Benny 1903 Oppenheimer, Joe, Dr. jur. 1905 Oppenheimer, Lincoln Menny 1903 Oppenheimev, 0., Dr. med. 1892 Oppenheimer, Oskar F. 1905 d'Orville, Eduard 1905 Osterrieth - du Fay, Robert 1897 Oswalt, H., Dr., Justizrat 1873 Otto, Richard, Dr., Prof., Stabsarzt 1904 Pabst, Gotthard 1904 Pachten, Ferd., Dr. jur. 1900 Paehler, Franz, Dr. phil., Oberlehrer 1906 von Panhuys, Henry, Generalkonsul 1907 Parrisius, Alfred, Dr. phil., Bank- direktor 1904 von Passavant, G. Herrn. 1903 Passavant, Philipp 1905 Passavant, Rudy 1905 von Passavant-Gontard, R., Kommer- zienrat 1891 Patzschke, Gurt, Dipl. Berging. 1907 Pauli, Ph., Dr. phil,, Stadtrat a.D. 1901 Peipers, August 1905 Peise, Georg 1905 Peters, Hans, Zahnarzt 1904 Petersen, E., Dr. med. 1903 ♦Petersen, K. Th., Dr. phil., Prof. 1873 Frau Pfaff, Oskar 1906 Pfeffel, Aug. 1869 Pfeiffer, Ludw. 1901 Pfeiffer-Belli, C.W. 1903 Pfungst, Arthur, Dr. phil. 1900 Picard, Lucien 1905 Pinner, Oskar. Dr. med., San.-Rat 1903 Plieninger, Theod., Direktor 1897 Pohle, L., Dr. phil., Prof. 1903 Ponfick, Wilhelm, Dr. med. 1905 Popp, Georg, Dr. phil. 1891 Poppelbaum, Hartwig. 1905 Posen, Eduard, Dr. phil. 1905 Posen, J. L. 1891 Posen, Sidney 1898 *Prior, Paul, Hütteningenieur 1902 Propach, Robert 1880 Prösler, J. Wilhelm 1906 Prümm, Max, Ingenieur 1900 Quincke , Herm ann . 0 berlandesgeri ch t s- rat 1903 Raab, A., Dr. phil., Apotheker 1891 Ratazzi, Karl 1905 Ravenstein, Simon 1873 Ra witscher, Ludwig, Dr. jur., Land- gerichtsrat 1904 Regius, Karl 1905 Frau Regnier, Emma, geb. Fischer 1900 Reh, Robert 1902 *Rehn, J. H., Dr. med., Geh. San.-Rat 1880 Rehn, Louis, Dr. med., Prof., Direktor am Stadt. Krankenhause 1893 Reichard-d'Orville, Georg 1905 Frau Gräfin v. Reichenbach-Lessonitz, geb. Freiin Göler v. Ravensburg 1903 *Reichenbach, Heinrich, Dr. phil., Prof. 1872 Frau Baron von Reinach 1905 Reinert, Felix, Dr. jur., Direktor der Internat. Baugesellschaft 1905 Reiss, Adolf, Dr. jur., Gerichtsassessor 1906 Reiss, Emil, Dr. med. 1907 Reiss, Paul, Justizrat 1878 Fräulein Reiss, Sophie 1907 Rennau, Otto 1901 — 40* — Richter, Johannes 1898 *ßichters, Ferdinand, Dr. phil., Prof. 1877 Frau Riese, Karl 1897 Riese, Otto, Baurat 1900 Riesser, Eduard 1891 Rikoff, Alfons, Dr. phil. 1897 Rintelen, Franz, Dr. 1904 Ritsert, Eduard, Dr. phil., Fabrik- direktor 1897 Ritter, Hermann 1903 *Roediger, Ernst, Dr. med., 8an.-Rat 1888 Roediger, Paul, Dr. jur. 1891 Rollmann, Ludwig 1906 *Rörig, Ad., Dr. med.. Forstmeister a. D. 1897 Rößler, Friedrich, Dr. phil., Direktor 1900 Rößler, Heinrich, Dr. phil. 1884 Rößler, Hektor 1878 Roger, Karl, Bankdirektor 1897 Rehmer, Wilhelm 1901 Ronnefeld, Adolf 1905 Ronnefeld, Friedrich 1905 Roos, Heinrich 1899 Roos, Israel, Dr. phil. 1905 Rose, Christian 1905 Roques, Adolf., Dr. phil. 1900 Roques-Mettenheimer, Etienne 1897 Rosenbaum, E., Dr. med. 1891 Rosenbusch, Eduard 1907 Rosengart, Jos., Dr. med. 1899 Rosenthal, Rudolf, Dr. jur., Rechts- anwalt 1897 Roth, Karl, Dr.med., Medizinalrat 1903 Rother, August 1903 Rothschild, Otto, Dr. med. 1904 Rueff, Julius, Apotheker 1873 Ruff, Franz, Ingenieur 1905 Rumpf, Christian 1899 Rumpf,'Gustav Andreas, Dr. phil. 1905 Ruppel, W., Dr. phil., Prof. 1903 Sabarly, Albert 1897 Frau Sabarly, Marianne 1905 Sachs, Hans, Dr. med. 1903 *Sack, Pius, Dr. phil. 1901 Salomon, Bernhard, Prof., General- direktor 1900 Sandhagen, Wilhelm 1873 Sarg, Francis C. A., Konsul 1906 *Sattler , Wilhelm , Stadtbaumeister 1892 Sauerländer, Robert 1904 Sauermann, Otto, Ingenieur 1906 *Schäffer - Stuckert , Fritz, Dr. dent. surg. 1892 Scharff, Charles A. 1897 Scharff, Julius, Bankdirektor 1900 *Schauf, Wilh., Dr. phil., Prof. 1881 Schaumann, Gustav, Stadtrat 1904 Scheib, Adam 1905 Scheller, Karl, Buchhändler 1897 Schepeler, Hermann 1891 Scherenberg, Fritz, Polizei-Präsident 1905 Scherlenzky, Karl August 1905 Schiermann - Steinbrenk, Fritz 1903 Schiff, Ludwig 1905 Schild, Eduard 1904 Schild, Rudolf, Dr. med. 1903 Schiller, Gustav 1902 Schlesinger, Theodor Heinrich 1907 Schleußner, Friedr., Direktor 1900 Schleußner, Karl, Dr. phil. 1898 Schloßmacher, Karl, jun. 1906 Schlund, Georg 1891 Frau Schmidt, Rudolf 1904 Schmidt-Polex, Anton 1897 *Schmidt-Polex, Fritz, Dr. jur. 1884 Schmidt-Polex, Karl, Dr. jur., Justiz- rat 1897 Schmidt-Scharff, Eugen 1905 Schmiedicke, Generalarzt, Dr. 1906 Schmölder, P. A. 1873 *Schnaudigel, Otto, Dr. med. 1900 Schneider, Gustav M. 1906 Scholz, Bernhard, Dr. med. 1904 Schott, Alfred, Direktor 1897 Schott, Sigmund 1906 Schott, Theod., Dr. med., Prof. 1903 Schrey, Max 1905 Schürmann, Adolf 1891 Schulz, Karl 1905 — 41* — Schulze-Hein, Hans 1891 Schulz-Euler, Karl Fr. 1906 Schumacher, Heinr. 1885 Schumacher. Peter, Dr. phil. 1905 Schuster, Bernhard 1891 Schuster-Kabl, F. W., Bankier 1905 Schwarz, Georg Ph. A. 1878 Schwarzschild, Martin 1866 Schwarzschild-Ochs, David 1891 Scriba, Eugen, Dr. med. 1897 Seefrid, Wilh , Direktor 1891 Seeger, ü., Architekt 1898 Seeger, Oskar 1904 Seeger, Willy 1904 *Seitz, A. , Dr. phil., Direktor des Zoolog. Gartens 1893 Seitz, Heinrich 1905 Seligman, Henry 1891 Seligman, Milton, Dr. jur. , Amts- richter 1905 Seuffert, Theod., Dr. med. 1900 Sichel, Ignaz 1905 Sidler, Karl 1905 *Siebert, Aug., Kgl. Gartenbaudirekt. 1897 • Siebert, Arthur, Bankdirektor u. Kgl. Württemberg. Konsul 1900 Siegel, Ernst, Dr. med. 1900 Siesmayer, Philipp 1897 Simrock, Karl, Dr. med. 1907 Sioli, Emil, Dr. med., Direktor der Irrenanstalt 1893 Sippel, Albert, Dr. med., Prof. 1896 Sittig, Edmund, Prof., Oberlehrer 1900 Solm, Richard, Dr. med. 1903 Sommer, Julius. Direktor 1906 Sommerhoff, Louis 1891 Sommerlad, Friedrich 1904 Sondheim, Moritz 1897 Sonnemann, Leopold 1873 Spamer, Hermann, Oberstabsarzt, Dr. 1907 Spieß, Gustav, Dr. med., Prof. 1897 Sporleder, Oskar 1905 V. Steiger, Louis, Baron 1905 Stern, Adolf 1906 Stern, Maier 1905 Stern, Paul, Dr. phil. 1905 Stern, Richard, Dr. med. 1893 Frau Stern, Theodor 1901 Stern, Willy 1901 Sternberg, Paul 1905 Stettheimer, Eugen, Rentner 1906 Frau V. Stiebel, H., Konsul 1903 Stiebel, Karl Friedrich 1903 Stock, Wilhelm 1882 Stoeckicht, Karl 1905 Strauß, Eduard, Dr. phil. 1906 Strauß, Ernst 1898 Straus, F., Dr. med. 1904 Streng, Wilhelm, Dr. med. 1897 Strömsdörfer, Jean, Konsul 1906 Stroüf, Ignatz, Dr. phil. 1903 Sulzbach, Emil 1878 Sulzbach, Karl, Dr. jur. 1891 Szamatülski, Dagobert, Apotheken- besitzer 1905 *Teichmann, Ernst, Dr. phil. 1903 Thebesius, Louis, Dr. jur., General- konsul 1900 Theiß, Wilhelm. Regierungs-Baumstr. 1907 Thoma, Phil. 1893 Thome, Robert, Eisenbahn-Direktions- Präsident, Wirkl. Geh. Ober- regierungsrat 1900 Thoms, Heinrich, Dr. phil., Kreis- tierarzt 1904 Treupel, Gustav, Dr. med., Prof. 1903 Trost, Fritz 1897 Ullmann, Albert 1905 Ullmann, Karl, Dr. phil. 1906 Ulrich, Otto 1902 Varrentrapp, Adolf, Dr. jur. , Geh. Reg.-Rat, Bürgermeister a. I). 1900 Frl. Velde, Julie, Oberlehrerin 1902 V. d. Velden, Wilh., Bankdirektor 1901 Vogler, Karl, Dr. phil., Oberlehrer 1903 *Vohsen, Karl, Dr. med. 1886 Vowinckel, M., Direktor 1891 Wagener, Alex 1904 Wagner, Gottfried 1905 42* — ♦Wahl, Gustav, Dr. phil. 1907 Frau Gräfin v. Wartensleben, Gabriele, Dr. phil. 1902 Weber, Eduard, Direktor 1907 Weber, Heinrich, Dr. med. 1897 Weiller, Emil 1906 Weiller, Jakob H. 1891 Weiller, Lionel 1905 Weidmann, Hans, Direktor 1905 Weinberg, Arthur, Dr. phil. 1897 Weinberg. Karl, Gen.-Konsul 1897 Weinschenk, Alfred 1903 VYeinsperger, Friedrich 1906 *Weis, Albrecht 1882 Weisbrod, Aug., Druckerei 1891 Weismann, Daniel 1902 Weismantel, 0., Dr. phil. 1892 Weller, Albert, Dr. phil. 1891 *Wendt, A. H. 1901 Werner, Felix 1902 Wertheim, Karl, Justizrat 1904 Wertheimber, Julius 1891 Wertheimber-de Bary, Ernst 1897 Wertheimer, Otto, Dr. phil. 1905 Wetzlar-Fries, Emil 1903 Wiederhold, Kurt, Dr. phil. 1904 Wiesbader, Julius 1906 ♦v. Wild, Rudolf, Dr. med. 1896 Wilhelm!, Adolf 1905 Wilhelmi -Winkel, Gustav 1907 Will, Franz, Dr. phil. 1907 Willemer, Karl, Dr. med. 1905 ♦Winter, Friedr. W. 1900 Frl. Winterhalter, E., Dr. med. 1903 Winterwerb, ßud. , Dr. jur., Bank- direktor 1900 Wirth, Richard, Dr. 1905 Wolf, Benno, Dr. jur., Gerichtsassessor 1906 Wolff, Ludwig, Dr. med. 1904 Wormser, Siegmund H., Bankdirektor 1905 Wüst, K. L. 1866 Wronker, Hermann 1905 Wurmbach, Julius 1905 Zeiß-Bender, Louis, Konsul 1907 Zeltmann, Theod. 1899 Ziegler, Karl 1905 b) auswärtige beitragende Mitglieder ♦Alzheimer, Alois. Dr. med. in München 1896 Andreae, Konrad in Rappallo 1906 Becker, J., Direktor in Hanau 1904 Behlen, H., Kgl. Oberförster in Haiger 1906 von Bernus, Baron auf Stift Neuburg bei Heidelberg 1907 Bibliothek, Königl., in Berlin 1882 Brugger, R , Dr. med., Generalober- arzt in Cassel 1907 V. Brüning, Gustav, Dr. phil. in Höchst a. M. 1903 Delkeskamp, Rudolf, Dr. phil., Privat- dozent in Giessen 1904 Drehwald, Karl, Bankdirektor in Offenbach 1900 Drüner, Leo, Dr. med.. Stabsarzt in Trier 1904 Duden, P., Prof. Dr. in Höchst 1906 Frau Baronin von Erlanger, Nieder- Ingelheim 1905 Feist, Fr. , Dr. phil. , Prof. in Kiel 1887 Fresenius, Ant., Dr. med., San. -Rat in Jugenheim 1893 Goldschmidt, Rieh., Dr. phil., Privat- dozent in München 1901 Grosch, K., Dr. med. in Offenbach a. M. 1904 V. Guaita, Georg, Dr. phil. in Frei- burg i. B. 1898 Fräulein Hamburger, Clara, Dr. phil. in Heidelberg 1906 von Harling, Kgl. Oberförster in Rod a. d. Weil 1906 Hauck, Moritz in Darmstadt 1874 Heraus, Heinrich in Hanau 1889 Herxheimer, G. , Dr. med. in Wies- baden 1901 Hopf, Karl in Niederhöchstadt i.T. 1904 43* — Kratz, K., Dr. phil. in Mainkur Krekel, E. Fr., Forstmeister in Hof- heim i. T. 1904 Laurenze, Ad. in Großkarben 1903 Lenz, Dr., Tierarzt in Aschaffenburg 1903 V. Leonhardi, Moritz, Freiherr in Groß- karben 1904 *Lepsius, B., Dr. phil., Prof., Fabrik- direktor in Griesheim a.M. 1883 V. Lindequist, Oskar, General - Oberst und Generaladjutant Sr. Maje- stät des Kaisers und Königs, Generalinspekteur der IIL Armeeinspektion, Exzellenz, in Hannover 1900 Frl. Mayer, Josephine in Langen- schwalbach 1897 von Meister, Herbert, Dr. phil. in Sindlingen 1900 von Meister, Wilhelm, Dr., Regierungs- präsident in Wiesbaden 1905 Frau Dr. Oestreich, Anna, in Marburg 1901 Port, G., Dr. med., Prof. in Heidel- berg 1904 Reichard, Adolf, Dr. phil. in Helgo- land 1901 Reiss, Eduard, Dr. med. in München 1903 Renck, Julius in Darmstadt 1906 Rothschild, David, Dr med. in Bad Soden 1904 Schaffnit, Karl, Dr. phil. Apotheker in Rödelheim 1903 Schmick, Rudolf, Oberbaurat in Darm- stadt 1900 Schmitt, H., Dr. med. in Arheiligen bei Darmstadt 1904 Scriba, L. in Höchst a. M. 1890 Seidler, August in Hanau 1906 Thilenius, Otto, Dr. med.. Geh. San.- Rat in Bad Soden 1907 Weiß, Jul., in Montigny b. Metz 1897 Wetzel. Heinr. in Bensheim 1864 Wittich, Ernst, Dr. phil. in Darm- stadt 1898 — 44* — III. Außerordentliche Ehrenmitglieder. 1900 Wallot, Paul, Prof., Dr. phil., Geh. Hof- und Baurat in Dresden 1903 Schmidt-Metzler, Moritz, Prof., D., Dr. med., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz in Frankfurt a, M. IV. Korrespondierendes Ehrenmitglied. 1866 Rein, J. J., Dr. phil. Geh. Regierungsrat, Professor der Geographie an der Universität Bonn. V. Korrespondierende Mitglieder.*) 1850 Scheidel, Sebastian Alexander, Privatier in Bad Weilbach 1860 Weinland, Christ. Dav. Friedr., Dr. phil. in Hohen-Wittlingen bei Urach Württemberg 1860 Weismann, August, Dr. phil., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Freiburg i. B. (von hier) 1862 Steffan, Phil., Dr. med. in Marburg i. H. (von hier) 1862 Deichler, J. Christ., Dr. med. in Jugenheim (von hier) 1868 Hornstein, F., Dr. phil,, Prof. in Kassel 1869 Barboza du Bocage, Jose Vicente, Lente Catedratico an der Escola Polytechnica und Direktor des Museo Nacional in Lissabon 1872 Westerlund, Karl Agardh, Dr. phil. in Ronneby, Schweden 1872 Hooker, Jos. Dalton, Dr., früher Direktor des botanischen Gartens in Kew bei London 1873 Günther, Albert, Dr., früher Keeper of the Department of Zoology am British Museum (N. H.) in London 1873 Sclater, Phil. Lutley, Secretary of the Zoological Society in London 1873 V. Leydig, Franz, Dr. med., Geh. Med. -Rat, Prof. emer. der vergleichen- den Anatomie und Zoologie in Würzburg 1873 Schmarda, Ludwig Karl, Dr., Geh. Hof rat, Prof. emer. in Wien 1873 Schwendener, Simon, Dr., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Botanik und Direktor des bot. Instituts der Universität Berlin 1873 Fries, Th., Dr., Prof. in Upsala 1873 Schweinfurth, Georg, Prof., Dr. in Berlin 1874 Gasser, Emil, Dr. med.. Geh. Med, -Rat, Prof. der Anatomie und Direk- tor des anat. Instituts der Universität Marburg (von hier) *) Die beigefügte Jahreszahl bedeutet das Jahr der Ernennung. — Die verehrl. Korrespondierenden Mitglieder werden höflichst gebeten, eine Verände- rung des Wohnortes oder des Titels der Direktion der Senckenbergischen Natur- forschenden Gesellschaft anzuzeigen. — 45^ — 1875 Bütscbli, Johann Adam Otto, Dr. i)hil., Geh. Hofrat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Heidelberg (von hier) 1875 Klein, Johann Friedrich Karl, Dr., Geh. Bergrat und Prof. der Minera- logie an der Universität Berlin 1875 Moritz, A., Dr., Direktor des physikalischen Observatoriums in Tifiis 1876 Liversidge, Archibald, Dr., Prof. der Chemie und Mineralogie an der Universität Sidney, Australien 1876 Meyer, Adolf Bernhard, Dr. med.. Geh. Hofrat in Dresden 1876 Wetterhan, J. D. in Freiburg i. Br. (von hier) 1877 v. Voit, Karl, Dr. med.. Geh. Rat, Prof. der Physiologie an der Uni- versität München 1877 Becker, L., Oberingenieur in Wandsbeck b. Hamburg 1878 Chun, Karl, Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Leipzig (von hier) 1880 Jickeli, Karl, Dr. phil. in Hermannstadt 1881 Todaro, A., Prof. Dr., Direktor des botanischen Gartens in Palermo 1881 Snellen, P. C. F. in Rotterdam 1882 Retowski, Otto, k. Staatsrat, Konservator an der Kaiserl, Eremitage in St.-Petersburg 1882 Retzius, Magnus Gustav, Dr. med., Prof. emer. in Stockholm 1882 Russ, Ludwig, Dr. in Jassy 1883 Koch, Robert, Prof., Dr. med., Geh. Med. -Rat, Generalarzt I. KI. ä la suite des Sanitätskorps, o. Mitglied des K. Gesundheitsamts in Berlin 1883 Loretz, Mart. Friedr. Heinr. Herrn., Dr. phil.. Geh. Bergrat in Berlin 1883 Ranke, Johannes, Dr., Prof. der Anthropologie an der Universität München, Generalsekretär der Deutschen anthropol. Gesellschaft 1883 Jung, Karl, Kaufmann, hier 1883 Boulenger, George Albert, F. R. S., I. Class Assistant am British Museum (N. H.), Department of Zoology, in London 1884 Lortet, Louis, Dr., Professeur de Parasitologic et de Microbiologie ä la Faculte de Medecine in Lyon 1884 Se. Königliche Hoheit Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, Dr. med. in Nymphenburg 1884 von Koenen, Adolf, Dr., Geh. Bergrat, emer. Prof. der Geologie und Paläontologie in Göttingen 1884 Knoblauch, Ferdinand, früher Konsul des Deutschen Reiches in Noumea, Neukaledonien, (von hier) 1886 von Bedriaga, Jacques, Dr. in Florenz 1886 Koerner, Otto, Dr. med., Prof. der Ohrenheilkunde an der Universität Rostock (von hier) 1887 Schinz, Hans, Dr. phil., Prof. der Botanik und Direktor des botan. Gartens der Universität Zürich 1887 Stratz, C. H., Dr. med. im Haag, Holland 1887 Breuer, H., Dr., Prof., Direktor des Realgymnasiums in Wiesbaden 1887 Hesse, Paul, Kaufmann in Venedig 1888 von Kimakowicz, Mauritius, Kustos der zool. Abteilung des Äluseums des Siebenbürgischen Vereins für Naturw. in Hermannstadt — 46* — 1888 Brusina, Spiridion, Dr., Prof, der Zoologie und Direktor des zool. National-Museums der Universität Agram 1888 Rzehak, Anton, Prof. der Paläontologie und Geologie an der tech- nischen Hochschule in Brunn 1888 Reuss, Johann Leonhard, Kaufmann in Kalkutta (von hier) 1889 Roux, Wilhelm, Dr. med,, Prof. der Anatomie und Direktor des anat. Instituts der Universität Halle a. S. 1890 von Berlepsch, Hans, Graf auf Schloß Berlepsch, Hessen-Nassau 1890 Fritsch, Anton Johann, Dr., Prof. der Zoologie und Kustos der zool. und paläont. Abteilung des Museums der Universität Prag 1890 Haacke, Joh. Wilh., Dr. phil. in Lingen bei Ems 1891 Engelhardt, Hermann, emer. Prof. in Dresden 1891 Fischer, Emil, Dr. phil., Prof. der Chemie und Direktor des chemischen Instituts der Universität Berlin 1891 Hartert, Ernst, Dr. phil.h. c, Curator in charge of the Zoological Museum in Tring, Herts 1891 Strubell, Adolf, Prof., Dr. phil., Privatdozent der Zoologie au der Universität Bonn 1892 Beccari, Eduard, Prof. emer. Florenz 1892 van Beneden, Eduard, Dr., Prof. der Zoologie an der Universität Lüttich 1892 Dohrn, Anton, Prof., Dr., Geh. Rat und Direktor der zoologischen Station in Neapel 1892 Engler, Heinrich Gustav Adolf, Dr., Geh. Reg. -Rat, Professor der Botanik und Direktor des bot. Gartens und des bot. Museums der Universität Berlin 1892 Haeckel, Ernst, Dr., VVirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof. der Zoologie und Direktor des zoologischen Instituts der Universität Jena 1892 Möbius, Karl August, Dr., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Zoologie in Berlin 1892 Nansen, Fridtjof, Prof., Dr., königl. norwegischer Gesandter in London 1892 Schulze, Franz Eilhard, Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor der Zoologie und Direktor des zoologischen Instituts der Universität Berlin 1892 Straßburger, Eduard, Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Botanik und Direktor des bot. Gartens der Universität Bonn 1892 Sueß, Eduard, Dr., Prof. der Geologie und Direktor des geologischen Museums der Universität Wien 1892 Waldeyer, Heinrich Wilhelm Gottfried, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof. der Anatomie und Direktor des anatomischen Instituts der Universi- tät Berlin 1892 Fleischmann, Karl, Konsul, Kaufmann in Guatemala 1892 Bail, Karl Adolf Emmo Theodor, Prof., Dr., Gymnasial - Oberlehrer a. D. in Danzig 1892 Conwentz, Hugo Wilhelm, Prof., Dr., Direktor des westpreuss. Pro- vinzial-Museums in Danzig 1893 Verworn, Max, Dr. med., Prof. der Physiologie und Direktor des physiol. Instituts der Universität Göttingen 1893 Koenig, Alexander Ferd., Prof., Dr. phil., Privatdozent der Zoologie an der Universität Bonn — 47* — 1893 Liermann, Wilh., Prof., Dr. med., Dir. d. Landkrankenhauses in Dessau (von hier) 1893 Noll, Fritz, Dr. phil.. Prof, der Botanik an der Universität Bonn und an der landwirtschaftlichen Akademie Poppeisdorf 1894 Urich, F. W., Secretary of the Trinidad Field Naturalists' Club in Port of Spain, Trinidad 1894 Douglas, James, President of the Copper Queen Company ,, Arizona" in New York 1894 Pagenstecher, Arnold, Dr. med.. Geh. San. -Bat, Inspektor des natur- historischen Museums in Wiesbaden 1894 Dreyer, Ludwig, Dr. phil. in Wiesbaden 1894 Dyckerhofi, Rudolf, Dr. ing., Fabrikbesitzer in Biebrich a. Rh. 1895 Kraepelin, Karl Mathias Friedrich, Prof, Dr., Direktor des natur- historischen Museums in Hamburg 1895 ßolau, Heinrich, Dr., Direktor des zoologischen Gartens in Hamburg 1895 Kükenthal, Willy, Dr. phil., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts und Museums der Universität Breslau 1895 Seeley, Harry Go vier, Professor of Geography and Lecturer in Geology am King's College in London 1895 V. Behring, Emil, Dr. med., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof. der Hygiene an der Universität Marburg i. H. 1895 Murray, John, Dr. phil., Director of the Challenger Expedition Publi- cations Office in Edinburgh 1896 Scharff, Robert, Dr. phil.. Keeper of the Science and Art Museum in Dublin (von hier) 1896 Bucking, Hugo, Dr. phil.. Prof, der Mineralogie an der Universität Straßburg i. E. 1896 Greim, Georg, Dr. phil , Prof. der Geographie an der technischen Hoch- schule in Darmstadt 1896 Möller, Alfred, Dr. phil , Prof., Oberforstmeister und Direktor der Forst- akademie Eberswalde 1896 Lepsius, Richard, Dr. phil. Geh. Oberbergrat, Prof. der Geologie und Mineralogie an der technischen Hochschule und Direktor der geolo- gischen Landesanstalt für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt 1896 von Mehely, Lajos, Prof., Kustos des Nationalmuseums in Budapest 1897 Verbeek, Rogier Diederik Marius, Dr. phil., Ing. im Haag, Holland 1897 Voeltzkow, Alfred, Prof., Dr. phil., in Berlin 1897 Rüst. David, Dr. med. in Hannover 1897 Kaiser, Heinr., Dr., Prof. an der tierärztlichen Hochschule in Hannover 1898 V. Ihering, H., Prof., Dr., Direktor des Museums in Sao Paulo 1898 Forel, A., Dr. med., Prof. in Chigny bei Morges, Kanton Waadt 1898 Sarasin, Fritz, Dr. in Basel 1898 Sarasin, Paul, Dr. in Basel 1898 Burckhardt, Rud., Prof., Dr., Direktor der Zoologischen Station in Rovigno 1898 Schmiedeknecht, Otto, Prof., Dr., Blankenburg in Thüringen 1899 Kossei, Albrecht, Dr. med., Prof. der Physiologie und Direktor des physiologischen Instituts der Universität Heidelberg — 48* — 1899 Maryaiiski, Modest, Bergingenieur in Santa Maria bei Albany, West- australien 1899 Stirling, James, Government Geologist of Victoria in Melbourne 1899 Le Souef, Dudley, Director of the Acclimatisation Society, Royal Park in Melbourne 1899 Martin, Charles James, Dr., Director of the Lister Institute of Preventive Medicine in London 1899 Strahl, H., Dr. med., Prof, der Anatomie und Direktor des anat. In- stituts der Universität Gießen 1899 Fischer, Emil, Dr. med. in Zürich 1899 Lenz, H., Prof., Dr. phil., Direktor des naturhistor. Museums in Lübeck 1899 Schenck, H., Dr. phil., Prof. der Botanik und Direktor des bot. Gartens in Darmstadt 1900 Dönitz, Wilhelm, Prof., Dr. med.. Geh. Med.-Rat in Charlottenburg 1900 Ludwig, H., Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts und Museums der Universität Bonn 1900 Eng-elmann, W., Dr. med.. Geh. Med.-Rat, Prof. der Physiologie und Direktor des physiol. Instituts der Universität Berlin 1900 Munk, Herrn., Dr. med., Prof. der Physiologie an der Universität Berlin 1900 Fresenius, Heinrich, Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Prof. in Wiesbaden 1900 Zinndorf, Jakob in Offenbach 1900 Spandel, Erich in Nürnberg 1900 Montelius, Oskar, Dr., Prof. in Stockholm 1900 Becker, Jago, Direktor in Valencia (Spanien) 1901 Thilo, Otto, Dr. med. in Riga 1901 Nissl, Franz, Dr. med., Prof. der Psychiatrie und Direktor der psychia- trischen Klinik der Universität Heidelberg 1901 von Wettstein, Rieh., Dr., Prof. in Wien 1901 Steindachner , Franz, Dr. phil.. Geh. Hofrat, Intendant des K. K. naturhist. Hofmuseums in Wien 1901 V. Graff, Ludw., Dr., Hofrat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Graz 1901 Döderlein, Ludw., Dr., Prof. in Straßbmg i. Eis. 1901 Simroth, Heinr., Dr., Prof. in Leipzig 1901 Schillings, 0. G., Weiherhof bei Düren 1901 Lampert, Kurt, Prof., Dr., Oberstudienrat und Vorstand des kgl. Natu- ralien-Kabinets in Stuttgart 1901 Friese, Heinrich, in Schwerin (Mecklenburg) 1902 Treboul, E., President de la Societe nationale des sciences naturelles et mathematiques, Cherbourg 1902 Schneider, Jakob Sparre, Direktor des Museums in Tromsö 1902 Kayser, E., Dr., Prof. der Geologie und Paläontologie und Direktor des geol. Instituts der Universität Marburg 1902 Spengel, J. W., Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Gießen 1902 Credner, Herin., Dr., Prof., Geh. Bergrat in Leipzig ~ 49* — 1902 Reis, Otto M.,. Landesgeolog in München 1902 Notzny, Albert, Bergwerksdirektor und Bergassessor auf Heinitzgrube in Beuthen, Oberschlesien 1902 Beyschlag, Franz, Prof., Dr., Geh. Oberbergrat, Direktor der geol. Landesanstalt in Berlin 1902 Schmeisser, K., Geh. Bergrat, Berghauptmann und Oberbergarats- Direktor in Breslau 1902 de Man, J. G., Dr. in lerseke, Holland 1902 Boveri, Theod., Dr., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Würzburg 1902 Weidmann, Karl, Kgl. Torfverwalter in Carolinenhorst, Pommern 1902 Oestreich, Karl, Dr., Privatdozent in Marburg (von hier) 1902 Preiss, Paul, Geometer in Ludwigshafen 1903 Weber, Max, Dr., Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts in Amsterdam 1903 Fürbringer, Max, Dr., Geh. Hofrat, Prof. der Anatomie und Direktor des anatomischen Instituts der Universität Heidelberg 1903 de Vries, Hugo, Dr., Prof. der Botanik in Amsterdam 1903 Schlosser, Max, Dr., II. Konservator der paläont. Sammlung in München 1903 Klunzinger, B., Dr., Prof. emer. in Stuttgart 1903 V. Schröter Guido, Konsul des deutschen Reiches in San Jose, Costa-Rica 1904 Vigener, Anton, Apotheker in Wiesbaden 1904 Wolterstorff, W., Dr., Kustos des naturhistor. Museums in Magdeburg 1904 Vicomte du Buysson, Robert in Paris 1904 Seine Durchlaucht Fürst Albert von Monaco in Monte Carlo 1904 Brauer, August, Prof., Dr., Direktor des königl. zool. Museums in Berlin 1905 Hauthal, Rudolf, Prof., Dr., Direktor des Römermuseums in Hildesheim 1905 Hagenbeck, Karl, in Stellingen bei Hamburg 1905 V. Linstow, Otto, Dr. med., Generaloberarzt a. D. in Göttingen 1905 Langley, J. N., Prof., Dr. in Cambridge 1905 Lob, Jacques, Prof., Dr. in San Francisco 1905 Haberlandt, Gottlieb, Dr., Prof. der Botanik und Direktor des bot. Gartens der Universität Graz 1905 Kuschel, M., Polizeirat a. D. in Guhrau in Schlesien 1905 Konow, F. W., Pfarrer in Teschendorf b. Stargard 1905 Ehlers, E., Dr., Geh. Rat, Prof. der Zoologie und Direktor des zool. Instituts der Universität Göttingen 1906 Witzel, Louis, Rittergutspächter in Comuna Prundu Jude^ul Jefov, Rumänien (von hier) 1906 Jesup, Morris K., Präsident des Naturhistorischen Museums in New- York 1906 V. Neumayer, G., Prof. Dr., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz in Neustadt a. d. Haardt 1906 di Monterosato, Tom. All., Marchese in Palermo 1906 De Witz, J., Dr. in Scy-Moulin, Elsaß 1907 Buchner, E., Dr. phil., Prof. in Berlin — 50* Rechte der Mitglieder. Durch die Mitgliedschaft werden folgende Rechte erworben : 1. Das Naturhistorische Museum an Wochentagen von 8 — 1 und 3 — 6 Uhr zu besuchen und Fremde einzuführen. 2. Alle von der Gesellschaft veranstalteten Vorlesungen und wissenschaftlichen Sitzungen zu besuchen. 3. Die vereinigte Senckenbergische Bibliothek zu benutzen. Außerdem erhält jedes Mitglied alljährlich den „Bericht". — 51* — Auszug aus der Bibliothek-Ordnung. 1. Den Mitgliedern der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, sowie denen des Ärztlichen Vereins, des Physikalischen Vereins und des Vereins für Geographie und Statistik steht die Bibliothek an allen Werktagen von 10 — 1 Uhr und — Samstag ausgenommen — von 6 — 8 Uhr zur Benutzung offen. Das Ausleihen von Büchern findet nur in den Vormittagsstunden statt. 2. Das Lesezimmer ist dem Publikum zugänglich und jeder- mann kann daselbst Bücher zur Einsicht erhalten. Bücher, die am Abend im Lesezimmer benutzt werden sollen, müssen bis spätestens 11 Uhr am Vormittage des betreffenden Tages schriftlich bestellt sein. 3. Zur Entleihung von Büchern sind die hiesigen Mitglieder der beteiligten Vereine und deren Dozenten berechtigt und der Bibliothekar ist gehalten, in zweifelhaften Fällen den Ausweis der persönlichen Mitgliedschaft durch die Karte zu verlangen. Auswärts wohnende Mitglieder sowie andere Personen haben den Bürgschein eines hier wohnenden Mitgliedes beizubringen. 4. An ein Mitglied können gleichzeitig höchstens 6 Bände ausgeliehen werden ; 2 Broschüren entsprechen 1 Band. 5. Die Rückgabe der Bücher an die Bibliothek hat nach 4 Wochen zu erfolgen; die Entleihungsfrist kann jedoch verlängert werden, wenn die Bücher nicht von anderer Seite in Anspruch genommen werden. 6. Jeder Entleiher ist verpflichtet, der von der Bibliothek an ihn ergangenen Aufforderung zur Rückgabe unbedingt Folge zu leisten, ferner im Falle einer Reise von mehr als acht Tagen die Bücher vorher zurückzugeben, wenn auch die Entleihungsfrist noch nicht abgelaufen sein sollte. 7. Auswärtige Dozenten erhalten Bücher nur durch Bevoll- mächtigte, die Mitglieder unserer Gesellschaft oder eines der genannten Vereine sind und den Versand besorgen. 8. Am 15, Mai jedes Jahres sind sämtliche entliehenen Bücher behufs Revision, die Anfang Juni stattfindet, an die Bibliothek zurückzuliefern. 4* — 52* — CS >■ SC Ca 3D QC CO a OD 9 «S S3 ,^ -«1 0-( oa S '*Oi-IC0C0CC>005(M-*CCCCC0'^C>— 'OOOl^- ■^OC^i-HrHCDCOCO-rHOOlOOOSCOOOCOi-HC^ l>OiOt>-COGOOLQO^eQOi05TH-rH005'^CO'* ecoooio»n-r-icococoT-icoi— ii-Hc^-^T-ioaoiO T-((Mi-((Xl-<* T-HCOi-ICO T-H lH CO O PQ bo M es CO rt bß n 0 2-^ p ö CO "in ?S >-' •^ " OS OT »? a -i ja "O 2^ ^ Sh a rt P^ ü 'l^ 'S tS '3 'S. 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Klasse überreicht. Der Vorsitzende berichtet sodann über den Fortgang der Arbeiten im Neubau. Das Gebäude ist baulicherseits im wesentlichen fertiggestellt; nun müssen zunächst die neuen Schränke, die allerdings bei den beschränkten Mitteln der Ge- sellschaft bis jetzt erst zum kleineren Teil beschafft werden konnten, für die Sammlungen aufgestellt werden. Diese lang- wierige Arbeit wird den ganzen Winter über dauern. Die Sammlungen selbst können daher kaum vor nächstem Frühjahr in den Neubau verbracht werden, und da eine ersprießliche Lehrtätigkeit der Dozenten ohne Sammlungen nicht denkbar ist, müssen eben auch die Vorlesungen zunächst noch im alten Hause stattfinden. Nur einige frisch montierte Tiere, die v. Erlanger- schen und Schillings sehen Giraffen, Zebras und einheimisches Wild, sind Ende September in den Neubau überführt worden. Die Mitgliederzahl ist von 773 im letzten Herbst auf 854 gestiegen, trotzdem der Tod zahlreiche Lücken gerissen hat. Der größte Verlust für die Gesellschaft ist der ilires korre- spondierenden Mitgliedes Fritz Schaudinn, der im jugend- lichen Alter von 35 Jahren gestorben ist und an dessen Grabe die Zoologie und Medizin der ganzen Kulturwelt trauert. Schaudinn hat im Jahre 1898 mit Dr. Römer gemeinsam eine — 55* — kühne Forschungsreise ins nördliche Eismeer unternommen, deren Frucht, die „Fauna arctica", ein grundlegendes Werk für die Tiergeographie dieser Gebiete geworden ist. 1903 hat die Gesellschaft Schaudinn für seine glänzende Arbeit über den Generationswechsel der Coccidien mit dem Tiedemann-Preis ausgezeichnet. Sie glaubt, das Andenken des allzufrüh Ver- storbenen nicht besser ehren zu können als dadurch, daß sie den ersten Vortrag des Winters den hervorragenden Arbeiten Schaudinns widmet. Hierauf hält Prof. Dr. H. Reichenbach den angekün- digten Vortrag über: „Die Bedeutung Schaudinns für Zoologie und Medizin." Am 22. Juni d. Js. wurde die Biologie von einem Verlust betroffen, den man ohne Übertreibung als unersetzlich bezeichnen kann. Fritz Schaudinn, der bahnbrechende Forscher auf dem Gebiete der Urtiere, insbesondere der krankheitserregenden, der noch zuletzt den langgesuchten Erreger der Syphilis ent- deckt hat, wurde in seinem 35. Lebensjahre vom Tode ereilt, Redner hebt besonders den Inhaltsreichtum seiner Werke her- vor, die nicht selten in Form von vorläufigen Mitteilungen er- schienen und bei allem gesicherten Tatsachenmaterial, das sie enthalten, eine weite Perspektive auf wichtige Ergebnisse eröff- nen, die erst in der ausführlichen Arbeit ihre Erledigung finden sollten. Aus den nahezu 50 Veröffentlichungen Schaudinns werden einige wichtige Resultate näher beleuchtet. So die Ent- deckung des Zerfalles der Foraminiferenkerne in Chromatinele- mente — Chromodialsubstanz — , die Entdeckung des Gene- rationswechsels bei Wurzelfüßlern, die Befruchtungs- und Tei- lungserscheinungen, sowie die Feststellung der Entwicklungs- kreise von Sonnentierchen und Amoeben, bei welch letzteren er bereits Flagellatenstadien nachgewiesen hatte. Der Vor- tragende erwähnt sodann die bahnbrechenden Untersuchungen Schaudinns über Trichosphärium und über den Generations- wechsel der Coccidien. Über diese wurde bereits früher aus- führlich berichtet, als die Senckenbergische Gesellschaft am 10. März 1903 der Coccidienarbeit den Tiedemann-Preis zuer- kannte. ') Durch beide Untersuchungen wurde insbesondere ') Bericht 1903, Seite 154*. — 56* — das Malaria-Problem seiner Lösung entgegengeführt. Das Inter- esse der medizinischen Welt an diesen Ergebnissen steigerte sich und Schau dinn wurde im Auftrage des Kaiserlichen Gesundheitsamtes uacli Rovigno geschickt, um dort weitere Protozoenstudien zu machen. Während seines Aufenthaltes in Rovigno entstanden nun wichtige Arbeiten, so über die per- niziöse Enteritis des Maulwurfs ; er beobachtete das Eindringen der lebendigen Malariaparasiten in die roten Blutkörperchen und suchte die Malariarezidive zu erklären ; an Wurzeltierchen und Darmamoeben, deren Entwicklung er zum Teil feststellte, bemühte er sich die Scheidung von somatischen und propagatorischen Kernsubstanzen (Chromidien) zu erweisen und vieles andere. Wohl die bedeutendste seiner damaligen Arbeiten ist die Feststellung des Generations- und Wirtswechsels zweier im Blut der Eule lebenden Protozoen. Gelang ihm doch der Nach- weis, daß von diesen Parasiten Stadien durchlaufen werden, die er als Trypanosomen- und Spirochaetenformen bestimmen konnte, was nicht nur von theoretischer, sondern auch von praktischer Bedeutung ist, da ja diese Formen Erreger von schweren Krankheiten des Menschen und der Tiere sind. Die Tragweite der beinahe lückenlosen Ergebnisse des fraglichen Werkes ist also gar nicht zu ermessen. Als Leiter der neu- gegründeten Abteilung für Protistenkunde im Reichsgesundheits- amt bestätigte er die so sehr bezweifelten Befunde von Looß über die Einwanderung des Gotthardwurms in den Menschen und im Frühjahr 1905 gelang es ihm, im Anschluß an seine Spirochaetenstudien den Erreger der Syphilis zu entdecken. Sein letztes Lebensjahr widmete er dem Institut für Schiffs- und Tropenhygiene zu Hamburg, wo er einer tückischen Darm- erkrankung erlag. Um einen Begriff von der Sorgfalt, der Umsicht und dem weiten Blick des feinsinnigen Forschers zu geben, der mit intuitiver Gewalt und großem Kombinationstalent der Natur die schwierigsten Geheimnisse entriß, geht Redner auf einige Teile der Trypanosomenarbeit näher ein. Er schildert die Ein« Wanderung des Parasiten aus der Eule in seinen Zwischenwirt, die Stechmücke, die beim Blutsaugen erfolgt, die außerordentlich verschiedenen und ergiebigen Vermehrungsarten, die Wanderung und Vermehrung in der Mücke bis zur Infektion der Eule durch — 57* — einen neuen Stich u. a. Von besonderem Interesse ist die Ent- wicklung der beweglichen Formen (Trypanosomen) aus den weniger beweglichen, sowie die Infektion der Mückeneier, so daß also bereits die Larve und Puppe die Parasiten enthalten kann, die dann durch frisch ausgeschlüpfte Mücken nach kurzer Zeit auf den Vogel übertragen werden. Ein Meisterwerk seiner biologischen Beobachtung bilden ferner die Darstellungen des anatomischen Baues der Mücke und der Feststellung der physiologischen Vorgänge beim Stechen, Saugen und Verdauen, soweit sie für das Leben des Parasiten von Bedeutung sind. Es gelang unter anderem der Nachweis von Gärungspilzen in den Mageusäcken der Mücke als ständige Gäste, die ebenfalls durch Übertragung auf die Mückeneier vererbt werden. Durch die Entwicklung von Kohlensäure beim Lebensprozeß dieser Pilze wird das Gerinnen des von der Mücke aufgenommenen Blutes eine Zeitlang verhindert und so das Weiterleben der Trypanosomen ermöglicht. Durch das in den Pilzen enthaltene Enzym entsteht die Giftwirkung des Mücken- stiches und ein vermehrter Blutzufluß beim Saugen. Es wird ferner noch die Wanderung der Trypanosomen in der Mücke und der Übertragungsvorgang beim Stechen erörtert. Der Vortragende geht dann noch kurz auf die Ausblicke ein, die Schau diun am Schluß seiner Abhandlung auf die hier in Betracht kommenden parasitären Erkrankungen erörtert, wie Schlafkrankheit, Rekurrenzfieber, gelbes Fieber und Malaria. Mit Seh and inn ist nicht nur ein Heros der Wissenschaft, sondern auch ein Wohltäter der Menschen dahingegangen, der durch seine Entdeckungen Großes geleistet und der Wissen- schaft neue Wege gebahnt hat. Ein schönes Porträt von Fritz Schaudinn, von Blatt- pflanzen umgeben, war ausgestellt. II. Sitzung vom 3. November 1906. Vorsitzender: Dr. phil. A. Jassoy. Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx spricht über: „Die Tollwut und ihre Bekämpfung." Vortragender setzt auseinander, daß die Tollwut eine ursprünglich dem Hundegeschlecht eigene Infektionskrankheit ist und daß sie vom Hund auf Menschen und Tiere zunächst — 58* — tibertragen wird. Niemals kann die Tollwut von selbst ent- stehen. Nach einer Besprechung der Anzeichen der Tollwut bei Tier und Mensch und der Eigenschaften des noch unbe- kannten Wuterregers geht der Vortragende zur Erörterung der Mittel über, die für die Bekämpfung die zweckmäßigsten sind. Jede Tollwutprophylaxe muß beim Hund einsetzen ; daher ist das sicherste Mittel, die Wut einzuschränken, zunächst die Verminderung der Hunde. Diese wird durch hohe Hundesteuer erzielt. In Zeiten, in denen auch nur die geringste Möglich- keit der Infektion vorliegt, ist der Maulkorbzwang dringend notwendig. Wie bei jeder Seuche, so sehen wir auch bei der Wut ein beständiges Schwanken in ihrer Ausbreitung. In den letzten zehn Jahren, in denen Deutschland zum Teil hochgradig verseucht war, sind nicht weniger als 30000 Tiere der Wut erlegen oder als verdächtig getötet worden. Da sich unter diesen allein 1240 Rinder und zahlreiches anderes Nutzvieh befand, so ist die Tollwut also auch eine Seuche, die am National- wohlstande zehrt. Redner erörtert dann eingehend die Pasteur sehe Tollwut- schutzimpfung ihrem Wesen und ihrer Bedeutung nach. Es handelt sich dabei nur um eine Schutzimpfung und nicht um ein Heilverfahren. Die Aussichten sind um so besser, je früher nach der Verletzung die Behandlung eingeleitet worden ist. Während die Mortalität bei Gebissenen, die nicht geimpft sind, 10—20 Prozent beträgt, so stellt sich die der Schutzgeimpften auf 0,2 — 0,5 Prozent. Es ist zu hoffen, daß sich die Resultate bei der gleichzeitigen Anwendung von Antiwutserum noch besser gestalten werden. Eine Heilung der Wut kommt nicht vor; auch das Serum ist hier machtlos und wird es auch immer bleiben. Vortragender schließt mit der dringenden Mahnung, bei erfolgter Verletzung sich nach Ausbrennen der Wunde sofort nach Berlin ins Koch sehe Institut zur Schutzimpfung zu begeben. III. Sitzung vom 17. November 1906. Vorsitzender: Dr. phil. A. Jassoy. Prof, Dr. A. Voeltzkow, Berlin, spricht über: „Die Comoren aus eigener Anschauung". Mit seiner zweiten Reise nach Madagaskar in den Jahren 1903—1905 hat Prof. Voeltzkow auch eine Erforschung der — 59* — nordwestlich von Madagaskar gelegenen Gruppe der Comoren- Inseln verbunden, die unter französischem Protektorat stehen. Die bedeutendste Insel, Groß-Comoro, die längere Zeit vom Vortragenden untersucht wurde, umfaßt etwa tausend Geviert- kilometer und ist wie die übrigen Inseln vulkanischen Ursprungs. Der heute noch tätige Vulkan, der Karthala, erhebt sich bis zu 2500 Meter Höhe. Trotz reichlicher Niederschläge und üppiger Bewaldung der Bergabhänge ist die Insel sehr wasserarm, weil der Regen in dem vulkanischen, porösen Boden rasch verschwindet. Die Insel besitzt keinen einzigen Fluß oder Bach ; nur hoch im Gebirge findet man ein paar, das ganze Jahr über nie versie- gende schwache Quellen. Die Küstenbewohner benutzen das brackige Wasser, das sich während der Flut in bruunenartigen Vertiefungen der Lavaf eisen ansammelt, und behelfen sich für Trinkzwecke mit der Milch der unreifen Kokosnüsse, Im Innern der Insel hat man, um Trinkwasser zu gewinnen, ganz eigen- artige Zisternen erfunden, indem man die großen Affenbrot- bäume bis auf die Rindenpartie aushöhlt und das Regenwasser durch künstliche Rinnen am Stamm dorthin leitet. Natürlich sammeln sich in diesem Wasser auch viele Tiere, besonders Moskitolarven. Auf der Nordhälfte der Insel, deren vulkanische Tätig- keit erloschen ist, befindet sich ein Kratersee mit salzigem Wasser, das als Heilmittel dient. Die Ostküste ist ohne Hafen und besteht aus schroffen, schwarzen Lavawändeu. Auf der Westküste liegt der Haupthafen M'Roni, den Vor- tragender als Standquartier für seine wissenschaftliche Durch- forschung der Insel wählte. Die Städte auf Groß-Comoro bieten im allgemeinen dasselbe Bild. Niedrige aus Lava- blöcken erbaute, einstöckige Häuser schließen sich zu schmalen Straßen zusammen und werden von einer hohen, mit Wart- türmen verstärkten Mauer umgeben. Daran schließen sich nach außen oft noch dorfartige Ansiedelungen, überschattet von Mangobäumen und Kokospalmen und versteckt in den Bananenhainen. Die Bevölkerung, die eine Abart des Kisuaheli spricht, ist eine recht gemischte, läßt aber doch drei Haupttypen unter- scheiden. Die erste Besiedelung der Insel geschah wohl durch die Araber und mit ihnen kamen Schwarze von der Küste Ost- — 60* — afrikas. Um 1500 erschienen dann Schirazier vom Persischen Meer, die noch heute die herrschende Rasse bilden. Ihnen folgten später Madagassen und Einwanderer vom afrikanischen Festland, die sich unter einander vermischten. Ihrem Bekennt- nis nach Muhamedaner, kleiden sich die Vornehmen arabisch, das Volk dagegen wie überall in Ostafrika. Zum Studium des hohen Vulkans, des Karthala, verlegte Prof. Voeltzkow seinen Wohnsitz für zwei Wochen an den oberen Rand des die Abhänge des Kegels in einer breiten Zone umziehenden Urwaldes, in eine Höhe von 1800 Meter und be- suchte von dort aus mehrfach den Vulkan selbst. Prachtvolle Lichtbilder zeigen den Riesenkrater von vier Kilometer Durchmesser und seinen inneren Kessel. Andere Bilder erläutern die verschiedenen Arten von Lavaströraen, basaltische und schlackische Laven, deren Verwitterung und allmähliche Besiedelung mit Pflanzen. Den Schluß des Vortrages bilden Ausblicke auf die wirtschaftliche Ausnutzung der Insel, die in Händen einer französischen Gesellschaft liegt. 1887 wurde sie von dem französischen Naturforscher Humblot ius Leben gerufen und beschäftigt zurzeit 1200 farbige Arbeiter. Sie unterstützte auch die wissenschaftlichen Arbeiten des Vor- tragenden in bereitwilligster Weise, Kakao gedeiht vortrefflich, doch verursachen die Ratten einen enormen Schaden, der auf 50 000 Francs jährlich geschätzt wird, Kaffee steht ebenfalls gut; dagegen wird die weniger gewinnbringende Gewürznelke gegenwärtig durch Vanille ersetzt. Leider ist das Insekt, das die Befruchtung der Vanilleblüten in der Heimat in Mexiko bewirkt, hier nicht lebensfähig. Es muß daher die Befruchtung künstlich durch Arbeiter vorgenommen werden. Natürlich ist die- ses Verfahren nicht ganz zuverlässig, so daß nur etwa 60 Pro- zent der Blüten zur Schotenbildung kommen und etwa 800 be- fruchtete Blüten erst 1 Kilogramm präparierter Vanille ergeben. Trotzdem wurden 1902 schon etwa 4000 Kilogramm Vanille geerntet. Auf dem vulkanischen Boden gedeihen selbst in 1800 Meter Meereshöhe alle Gemüse noch vortrefflich, besonders Kartoffeln. Im Norden der Insel werden auf Weideflächeu Rinder ge- züchtet. — 61* — IV. Sitzung vom 24. NoYember 1906. Vorsitzender: Dr. phil A. Jassoy. Prof. Dr. M. Möbius spricht: „Über den Stammbaum des Pflanzenreiches". Seitdem die Abstammung der Organismen von einander als Tatsache anerkannt ist, sucht man das System, in dem man die Tiere und Pflanzen anordnet, so zu gestalten, daß es diese Abstammung erkennen läßt, also dem Stammbaum entspricht. Zu dessen Rekonstruktion bieten eigentlich die paläontologischen Reste die einzig sichere Grundlage, da diese aber nicht nur lückenhaft, sondern vielfach auch von unsicherer Bestimmbarkeit sind, so müssen wir uns hauptsächlich auf die vergleichende Morphologie stützen, also in derselben Weise verfahren wie alle, auch die ersten Systematiker, die ein sogen, natürliches System aufzustellen versuchten. Wenn wir dabei auf den Anfang des Stammbaumes zurückgehen wollen, so kommen wir zu den ein- fachsten einzelligen Organismen, von denen das Pflanzenreich wie das Tierreich einen gemeinsamen Ursprung genommen hat; wir sehen sie verkörpert in den niedersten Flagellaten, an die sich höhere Formen dieser Gruppe anschließen. Von ihnen gehen zunächst mehrere kleine Reihen aus, die sich nicht weiter fortgebildet haben, wie die Kieselalgen, Schleimpilze u. a., dann aber auch die Volvocaceen, kleine, grüne, bewegliche Algen, aus denen sich die grünen einzelligen Algen und die grünen Fadenalgen entwickelt haben. Diese dürfen wir als die sich nach oben in die höheren Pflanzen fortsetzende Reihe be- trachten, während von ihnen seitlich abzweigen einerseits die braunen und roten Meertange, andererseits durch Vermittlung der Schlauchalgeu (Siphoneen) die Pilze und Flechten. An ge- wisse grüne Algen dürften sich die einfachsten Lebermoose anschließen, von denen die höheren Lebermoose und die Laub- moose abgeleitet werden können, letztere auch einen selbständig sich hoch entwickelnden Zweig repräsentierend. Gewisse Lebermoose bilden einen Übergang zu den Ge- fäßkryptogamen. Sie waren bekanntlich in der Vorzeit viel stärker und reicher entwickelt als jetzt, und wir kennen unter den versteinerten Formen Familien, die jetzt ausgestorben, aber als Übergangsglieder und Ergänzungen systematisch sehr wert- — 62* — voll sind. Außerdem haben aber die entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen Hofmeisters schon vor Darwin den Zu- sammenhang zwischen Moosen, Gefäßkryptogamen und Phanero- gamen aufs klarste gezeigt und gewisse Entdeckungen der letzten Jahre haben ihn auffallend bestätigt. Trotzdem bleiben die Einzel- heiten vielfach noch zweifelhaft. Man leitet von den Formen selbst durch Vermittlung einer ausgestorbenen Gruppe die Cycadeen ab und von den Bärlappen in analoger Weise die Koniferen, während die Schachtelhalme in den ausgestorbenen Kalamarien ihre höchste Entwicklung erreicht haben. Von den Koniferen sind die Gnetaceen und Dikotylen abzuleiten, wenn nicht vielleicht die letzteren von ersteren abstammen. Als ziemlich sicher nimmt man jetzt an, daß die Monokotylen erst nach den Dikotylen entstanden sind, sich also aus ihnen, wenn auch sehr frühzeitig, entwickelt haben. Auf die Phylogenie der Familien innerhalb dieser großen Gruppen kann nicht ein- gegangen werden. Es läßt sich nur etwa sagen, welche Formen als die einfachsten und ältesten anzusehen sind und welche an das Ende der beiden Reihen gestellt werden. Der Vortragende erläutert seine interessanten Ausführungen durch mehrere Tabellen, die erwähnten Pflanzen darstellende Wandtafeln, einige natürliche Pflanzen und mikroskopische Prä- parate. Er schließt mit der Betrachtung, daß wir in der phylogenetischen Entwickelung des Tier- und Pflanzenreiches eine Entwickelung vom Niederen zum Höheren, vom Einfacheren zum Komplizierteren nach uns noch unbekannten Gesetzen vor uns haben, die der Entwickelung des einzelnen Organismus analog ist, und daß die Anpassungstheorie nur in gewissem Grade uns verständlich macht, warum so verschiedenartige Oi-ganismen entstanden sind. Der Stammbaum ist in seinen Einzelheiten für uns noch ein Rätsel, an dessen Auflösung noch lange zu arbeiten sein wird, V. Sitzung vom 1. Dezember 1906. Vorsitzender: Dr. phil. A. Jassoy. Dr. F. Römer spricht über: „Die Abnahme der Tierarten mit der Zunahme der geographischen Breite." (Siehe Teil II, Seite 63.) — 63* — VI. Sitzung vom 8. Dezember 1906. Vorsitzender: Dr. phil. A. Jassoy. Bei Eröffnung der Sitzung legt der Vorsitzende den neuen Bericht der Gesellscliaft vor, der mit Ende Mai abschließt und eben den Mitgliedern zugegangen ist. Der jährliche Samm- lungszuwachs, der noch vor nicht langer Zeit auf 10 — 15 Seiten erledigt werden konnte, wird auf annähernd 60 Seiten be- sprochen und zeigt schon hierdurch das erfreulich rasche Wachs- tum der Sammlungen, von dem in dem Museum selbst nichts zu merken ist, da Neuanschaffungen und Geschenke in den alten Räumen nicht mehr zur Aufstellung kommen können. Während die Säugetiersammlung ihre stärkste Vermehrung aus der Reiseausbeute des verstorbenen Freiherrn Carlo von Erlanger sowie durch Ankäufe und Geschenke aus dem Zoolo- gischen Garten erfuhr, wuchs die Vogelsammlung vornehmlich durch Gaben der drei Frankfurter Herren : A.W itzel,R. deNeufville und W. Seeger, die Fischsammlung durch die unausgesetzten Be- mühungen des Herrn A. H. Wen dt. In der Mineraliensammlung repräsentiert allein die Naumann sehe Erzstuf ensammluug, die Ritt er sehe und Stübelsche Sammlung einen Zuwachs, wie er in einem Jahre noch nie vorgekommen ist. In der geo- logisch-paläontologischen Abteilung ist neben vielem anderen die Schenkung der schönen Laub er sehen Sammlung durch Baronin von Rein ach, die eines amerikanischen Riesensauriers, einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges, durch Morris K. Je sup in New York und mehrerer anderer großer Vorwelttiere durch Julius Wernher in London zu erwähnen. Der Vorsitzende konstatiert weiter, daß dieses starke Wachsen der Sammlungen auch nach Abschluß des diesjährigen Berichtes andauert, so daß der nächste Jahresbericht noch umfangreicher ausfallen wird. Trotz alledem betont der Vorsitzende immer wieder die große Lückenhaftigkeit der alten Bestände und die Unbrauchbarkeit vieler älterer Sammlungsobjekte für eine moderne Schausammlung. Besonders bittet er die Mitglieder, der Lokalsammlung zu ge- denken. Hier kann fast jedes Mitglied etwas beisteuern. Die Tiere des Waldes, vor allem die ganz kleinen, die heimischen Vögel mit Nestern und Nestjungen, abweichend gefärbte Tiere der Heimat, Irrgäste, Tiere im Sommer- und Winterkleid und — 64* — in den verschiedenen Jugendkleidern sind äußerst willkommen, allerdings nur in tadellosen Exemplaren. Bestimmte Wünsche vermag die Gesellschaft gar nicht zu äußern, da sehr vieles fehlt und das Vorhandene vielfach schlecht erhalten ist. Ausgestellt ist eine wunderschöne Sammlung von Kolibris, ein soeben eingetroffenes Geschenk des Herrn Robert de Neu f- ville, sowie 2 große fossile Schildkröten aus dem Miocän von Kansas, ein prächtiges Geschenk der Frau von Rein ach. Hierauf spricht Dipl.-Ing. P. Prior über: „Metallographie." Die Metallographie ist eine junge Wissenschaft, die sich mit der Erforschung des Gefüges der Metalle und ihrer Le- gierungen befaßt. Um die Erkenntnis des Gefüges zu ermög- lichen, werden die verschiedensten Hülfsmittel herangezogen, vor allem das Mikroskop mit seinen stärksten Vergrößerungen. Wie mau zur Erforschung eines tierischen Organes, beispiels- weise eines Knochens, nicht nur seine elementare Zusammen- setzung kennen muß, sondern histologische, biologische und pathologische Vorgänge zu studieren hat, so gibt auch über das Wesen der Legierungen die chemische Analyse allein keinen Aufschluß. Man muß das Verhältnis der Bestandteile zu ein- ander, ihr Verhalten bei Temperatur- und Druckänderungen und schließlich ihr Verhalten bei fremden und störenden Bei- mengungen erforschen. Die Legierungen sind als Lösungen aufzufassen und die Erscheinungen, welche man bei Lösungen im gewöhnlichen Sinne beobachtet, lassen sich bei den Legierungen wiederfinden. Das Verhalten erstarrenden reinen Wassers, sowie erstarrender Kochsalzlösungen dient als Beispiel zum Verständnis der Vorgänge bei erstarrenden Legierungen. Bei den Systemen Blei-Antimon sieht man schon mit bloßem Auge, daß der Vorgang analog dem ist, der sich bei einer gefrierenden Salzlösung vollzieht. Auch die Systeme Blei-Silber verhalten sich gleichartig ; hier ist dieser Vorgang schon lange praktisch ausgebeutet, da ein Blei- entsilberungsverfahren auf demselben beruht. Das theoretische Verständnis hat erst die metallographische Forschung gebracht. Die größte Bedeutung hat die Metallographie jedoch für die Eisen- und Stahlindustrie. Das Eisen selbst tritt uns in drei ^ — 65* — Formen entgegen, deren Übergangstemperatuien durch Bei- mengungen verändert werden können. Der Kohlenstoff kann auch im Eisen in verschiedenen Formen ausgeschieden werden, sogar als ganz außerordentlich kleine Diamanten. So lange wir nur die einfachsten vorkommenden Verhältnisse betrachten, sehen wir auch hier noch große Ähnlichkeit mit den Bildern, die wir bei erstarrenden Salzlösungen finden; doch treten hier durch die Komplikationsmöglichkeiten auch schwieriger zu deutende Erscheinungen auf, deren exakte Forschung Aufgabe der Metallographie ist; z. B. ist ihr auch die Aufklärung für das anfangs so rätselhafte Verhalten der Rapidstähle gelungen. So jung die Wissenschaft der metallographischen Forschung auch noch ist, so hat sie sich doch schon zu einem blühenden Zweige am Baume naturwissenschaftlicher Erkenntnis entwickelt. VII. Sitzung vom 5. Januar 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Der Vorsitzende begrüßt die zahlreich erschienenen Mit- glieder in der ersten Sitzung des neuen Jahres, des 90. Jahres seit der Gründung der Gesellschaft, und teilt mit, daß mit Ende 1906 nach zweijähriger Amtsführung satzuugsgemäß der I. Direktor Dr. A. Jassoy und der I. Sekretär Bankier W. Melber aus der Direktion ausgeschieden sind. An ihre Stelle wurden für die Jahre 1907 und 1908 Dr. med. A. Knoblauch und Oberlehrer Dr. P. Sack gewählt. Die Stelle eines Direktors des Museums der Gesellschaft ist zum 1. Januar d. J. neu geschaffen und dem seitherigen Kustos Dr. Fritz Römer übertragen worden. Vor Beginn des Vortrages findet in feierlicher Weise die Übernahme der in Marmor ausgeführten Büste des am 15. Oktober 1904 verstorbenen Mitgliedes der Gesellschaf t D. F. Heynemann statt. Sie ist ein Geschenk der Kinder des Entschlafenen, Konsul Karl Heynemann, Fritz Heynemann, Frau Dr. Lotte Volz geb. Heynemann und Frau Justizrat Min ni Drewes geb. Heynemann, und von dieser bei Lebzeiten ihres Vaters in künstlerischer Vollendung modelliert. D. F. Heynemann war am 24. Mai 1829 in Hanau geboren. Kaufmann von Beruf war er als Dreißigjähriger der Gesellschaft beigetreten und hat ihr 45 Jahre lang als arbeitendes Mitglied angehört. 1869 hat 5 — 66* — er die VeiwaltuDg der Kouchyliensaramlung des Museums übernommen und außerdem eine besonders ersprießliche Tätigkeit in der Redaktionskommission für die Abhandlungen entfaltet, in der er von 1884 bis 1895 und von 1899 bis zu seinem Tode den Vorsitz geführt hat. Auch in der Baukommission war er unablässig tätig, nachdem er bereits in einem am 25. Oktober 1884 gehaltenen Vortrag „Über natur- wissenschaftliche Museen und ihre Einrichtungen" auf die Not- wendigkeit der Errichtung eines Museumsneubaues und der Trennung der wissenschaftlichen Sammlung von der Schau- sammlung hingewiesen hatte. In zwei Amtsperiodeu, 1884 und 1885 und 1888 und 1889, bekleidete Heynemann das Amt des zweiten Direktors. Er war der eigentliche Gründer und eifrigste Förderer der Medaillensammlung der Gesellschaft, die er in zwei umfassenden Arbeiten in den Berichten 1900 und 1906 beschrieben hat. Von Jugend auf hat sich Heyuemann einem bis dahin fast gänzlich vernachlässigten Zweige der Natur- wissenschaften gewidmet, dem Studium der Nacktschnecken, und hat das Interesse an dieser Schneckengruppe durch eine Reihe aus- gezeichneter Arbeiten aus dem schwierigen Gebiete seines Spezial- faches neu belebt und sich die allgemeine Anerkennung seiner Fachgenossen erworben. Heynemanns letzte Arbeit „Über die geographische Verbreitung der Nacktschnecken " war zur Zeit seines Todes im Druck und ist inzwischen im SOsten Bande der Abhandlungen der Senckeubergischen Gesellschaft erschienen. Der Vorsitzende dankt mit warmen Worten für das kost= bare Geschenk, mit dem Versprechen, daß die Gesellschaft das Andenken ihres treuen Mitarbeiters und Freundes stets in hohen Ehren halten werde. Hierauf hält Dr. E. Wolf, der im vorigen Sommer von der Gesellschaft mit einer zoologischen Sammelreise in die Nordsee beauftragt war, einen Vortrag über: „Das deutsche Wattenmeer." Der Vortragende hatte durch die biologische Anstalt auf Helgoland, an der er mehrere Wochen arbeitete, Gelegenheit, auf einer Studienfahrt das deutsche Watteumeer aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Diese durchaus eigenartige jV[eeresbildung erstreckt sich von der dänischen Grenze im — 67* — Norden an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste entlang bis zur Eibmündung und von hier westwärts bis zur Mündung der Ems. Die Watten, d. h. größere oder kleinere Sand- oder Schlickflächen, werden nur zur Ebbezeit sichtbar; während der Flut sind sie von den Wogen vollständig bedeckt. Durch die namentlich zur Winterszeit auftretenden gewaltigen Sturmfluten sind diese Bildungen einer stetigen Veränderung unterworfen. Die Zerstörungswut der Wellen macht sich aber nicht nur an den Wattflächen, sondern auch an den Inseln und am Fest- lande bemerkbar. Aus den Schilderungen der Chronisten ist zu ersehen, daß große Landstrecken oft in einer Nacht ver- nichtet wurden. Hunderte von Menschen und Tausende von Tieren gingen dabei zu Grunde. Schon frühe hatte man des- halb angefangen, die gefährdeten Gebiete durch mächtige Dämme zu schützen, und so wird langsam unter gewaltigen fiuanziellen Opfern das dem Meere wieder abgerungen, was im Laufe der Jahrhunderte die Beute seiner Wogen geworden ist. Auch das Küstenland ist von ganz eigenartiger Beschaffen- heit. Es treten uns hier nur mit Sand und Geröll bedeckte, meist mit Wald bestandene Höhenzüge entgegen, die Geest. An sie schließt sich ein äußerst fruchtbarer, meist nur einige Kilometer breiter Küstenstrich an, die Marsch. Weite Gebiete werden aber auch von öden unwirtsamen Sumpfbildungeu, dem Moor, eingenommen. Im Meere tritt der Artenreichtum weniger in den Vorder- grund, dagegen ist ein ungeheuerer Individuenreichtum zu ver- zeichnen. So verschiedenartig die Landbildungen sind, so wechsel- voll erweist sich auch der Grund des Meeres. Neben reinem Sandboden finden wir mächtige Schlickablagerungen; weite Schlickflächen wechseln mit gewaltigen Torfbildungen ab. Jeder dieser „Gründe" hat wieder eine eigenartige Fauna. Die Muschelbäuke, die Schlick- und Torfbewohner, die Tierwelt der oberflächlichen Wasserschichten usw. werden von dem Vortragenden genauer geschildert. Tritt uns hier auch nicht das farbenprächtige Meer des Südens mit der Mannigfaltigkeit seiner Bewohner entgegen, und vermissen wir auch manche Naturschönheiten südlicher Küstenländer, so finden wir doch im Wattenmeer eine Eigenart, die einen längeren Aufenthalt daselbst überaus lohnend erscheinen läßt. 5* — 68* — Till. Sitzung vom 13. Januar 1907. Vorsitzender: Robert de Neufville. Dr. E. Strauß spricht über: „Die moderne Eiweiß-Chemie und ihre biologische Bedeutung". Wenn bisher die Physiologie und Pathologie noch nicht die definitive Lösung für eine große Anzahl von Problemen auf dem Gebiete des Stoffwechsels, der Ernährung, der Zellfunktioneu gefunden hat, wenn unsere genaue chemische Kenntnis der Zucker- und Harnsäuregruppe noch nicht im weitesten Sinne für die Deutung biologischer, speziell krankhafter Vorgänge ausgebeutet werden konnte, so ist der Grund hierfür in der Tatsache zu suchen, daß bisher ein fast undurchdringliches Dunkel das Wesen der Eiweißstoffe verhüllte. Sind es doch diese mit ganz besonderen physikalischen und chemischen Eigen- schaften ausgestatteten Substanzen, welche das materielle Sub- strat aller Lebensvorgänge darstellen. In ihnen hat ohne Zweifel die natürliche Synthese ihre höchste Leistung erreicht; eine Mannigfaltigkeit der Formen, eine Kompliziertheit der Konsti- tution ohnegleichen entspricht denn auch dem unendlich feinen und verwickelten Getriebe von Funktionen, denen die Eiweiß- körper dienen, jenen Funktionen, die wir „organisches Leben" nennen. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften dieser Körper, ihre hohe Molekulargröße, die eigentümlichen Eigenschaften ihrer Lösungen, ihre merkwürdigen Zersetzungen haben lange Zeit die Chemiker von ihrer Untersuchung ab- geschreckt; Mediziner und Physiologen haben mit zum Teil recht ungenügenden Methoden Versuche zur Klassifizierung und Charakteristik angestellt, und wenn auch das eine oder andere Detail solcher Untersuchungen schon im rein chemischen Sinne ein greifbares Resultat genannt werden durfte, so war doch bis in die neueste Zeit hinein kein genügendes Tatsachen- material gegeben; auf Grund dessen man sich so klare Vor- stellungen über die Eiweißkörper hätte bilden können, wie dies beispielsweise bei den Kohlehydraten oder Bretten der Fall ist, Vorstellungen, welche die biologischen Anschauungen befruchten konnten. Mit Befriedigung dürfen wir heute sehen, wie sich das Dunkel zu lichten beginnt ; wir verdanken dies den genialen ~ 69* — Arbeiten Emil Fischers, der mit zum Teil ganz neuen Methoden, ja sogar auf prinzipiell neuen Wegen, in das geheim- nisvolle Gebiet vorgedrungen ist. Und wenn es auch noch der Arbeit vieler Hände, der Aufwendung größter Mittel und langer Zeit bedarf, um zum Ziele zu gelangen, die Fragen sind end- lich richtig gestellt, und wo in der Naturwissenschaft ein richtig gestelltes Problem ist, da wird auch die Lösung gefunden werden. Die moderne Eiweißchemie ging systematisch aus von der genauen Erforschung der einfachsten Bausteine des großen Eiweißmoleküls, von den sogen. Aminosäuren, welche immer erhalten werden, wenn man irgendeinen Eiweißkörper z. B. mit starken Mineralsäuren völlig zersetzt — bis zum Verschwin- den jener für das Eiweiß charakteristischen „Biuretreaktion". Schon längst war eine kleine Zahl solcher Aminosäuren bekannt : das Glycocoll, das Leucin, das Tyrosin u. a. Durch Kossels schöne Arbeiten sind die sog. Diaminosäuren: Arginiu, Lyfin, Histidin bekannt geworden. Fischer hat nun zunächst alle Aminosäuren, soweit sie bekannt und durch Synthese zugänglich waren, genau untersucht und zum großen Teil neu dargestellt. Hier war es vor allem wichtig, von dem „Alanin" (der Amino- propionsäure) ab, die optischen Isomeren der einzelnen Säu- ren darzustellen, das sind die beiden Formen derselben Substanz, deren eine die Ebene des polarisierten Lichtstrahls nach rechts, deren andere sie nach links dreht, eine Eigenschaft, welche man nach der Theorie von Le Bei und Van 't Hoff auf das Vorhandensein eines „asymmetrischen" Kohlenstoffatoms zurück- führt. Dies ist bereits biologisch von größter Bedeutung ; denn es hat sich gezeigt, daß der lebendige Organismus gleichsam auf ein bestimmtes optisches Isomeres einer Substanz eingestellt ist. Es ist durchaus nicht gleichgültig, ob wir ihm zur Zer- setzung, zum Gebrauch, die „Rechts"- oder „Linksform" dar- bieten. Besonders sind die Fermente (Pepsin, Trypsin, Hefe u. s. w.) in diesem Sinne scharf orientiert. Und gerade diese letztere Tatsache, die schon in der Zuckerchemie eine große Rolle spielte, hat in der Folge für den Eiweißaufbau höchste Wichtigkeit erlangt. Von den nunmehr genau bekannten Aminosäuren hat fast jede einzelne durch interessante Be- ziehungen eine besondere biologische Bedeutung: das Serin — 70* — als erste Oxylsäure; daran auschließend das nahe verwandte Cyst ein, in welchem der Sauerstoff des Hydroxyls durch Schwefel ersetzt ist; die Diaminosäuren Lysiu und Diamino- trioxydodekansäure wegen ihrer nahen Beziehungen zur Zuckergruppe; die aromatischen Derivate Phenylanalin und Tyrosin, welche wahrscheinlich zur Farbstoff bildung, zur Jod- bindung (in der Schilddrüse zum Beispiel), zum „Adrenalin" der Nebenniere, zum „Alkapton" in genetische Beziehung gebracht werden können; schließlich das Prolin, das His tidin und das Tryptophan wegen ihrer Verwandtschaft mit dem Indol und Skatol, welche ja in den Endprodukten des Stoffwechsels vorkommen. Fischer hat nun nach genauer Kenntnis aller dieser Bausteine eine Methode ausgearbeitet, um in den Eiweißkör- pern die „Monoaminosäuren" zu bestimmen. Durch Anwendung dieser, der sogenannten „Estermethode" — denn es ist das Wesentlichste daran, daß man die „Ester" der Aminosäuren der fraktionierten Destillation unterwirft — ist es geglückt, nach- zuweisen, daß qualitativ, aber nicht quantitativ, alle Eiweißkörper — d. h. die große bisher untersuchte Anzahl — aus den gleichen Aminosäuren zusammengesetzt sind. Diese Tatsache ergibt sich sofort, wenn man die quantitativen Analysenresultate miteinander vergleicht, welche an verschie- denen Eiweißstoffen (z. B. Eieralbumin, Edestin, Keratin, Spongin) nach Fischers Methode erhalten worden sind. Hier springt eine biologisch wichtige Folgerung in die Augen, daß nämlich im Organismus für den Aufbau ganz bestimmter Eiweißkörper in den Organen eine gruppenauslesende Tätigkeit stattfinden muß. Die bedeutungsvolle Frage: wie wird körperfremdes in körpereigenes Eiweiß verwandelt? erhält nun eine neue Beleuchtung. Vielleicht findet eine solche auswählende Um- wandlung schon im Magendarmkanal durch das Pankreasferment statt; wir werden dessen „auswählende" Fähigkeit nun — an dem wichtigsten Punkte von Fischers Arbeiten — kennen lernen. Fischer hat, von der Einsicht geleitet, daß die „Albu- mosen" und die „Peptone" für unsere Methoden nicht in genügen- der Reinheit und Einheitlichkeit faßbar sind, begonnen, durch säur eamid artige Verkettung von Aminosäuren Produkte darzustellen, welche bereits eiweißartige Eigenschaften haben, — 71* — aber noch unter der Peptongrenze stehen, die „Peptide." Bis zur Verkettung von sieben Aminosäuren ist Fischer bereits gelangt; er hat eine große Anzahl der verschiedensten Peptide dargestellt und es hat sich gezeigt, daß deren Eigenschaften sich schon beträchtlich denen der Peptone, ja des Eiweißes selbst, nähern. Von ganz besonderem Interesse ist hierbei die Beobachtung, daß durch Pankreasferment nur bestimmte, nicht alle Peptide, und zwar auch von diesen nur bestimmte optische Isomere gespalten werden. Hier hat man also die Möglichkeit, aus der Anzahl künstlich gewonnener Peptide durch die natürliche auswählende Tätigkeit eines Verdauungsfermentes diejenigen Formen auszusuchen, welche für den weiteren Auf- bau wichtig sind. Die Spaltbarkeit der Peptide durch das Pan- kreasferment hängt ab von der Struktur, der Art und Zahl der Aminosäuren und von der (optischen) Konfiguration. An diesem Punkte angelangt, sehen wir, wie wichtig die genaue Erforschung der optischen Aktivität, welche eben durch die Konfiguration bedingt wird, war. Eine ganze Reihe von Fragen hat sich natürlich an diese neue hochinteressante Körperklasse geknüpft und sicher werden die „Peptide" berufen sein, noch die großen Fragen der Biologie lösen zu helfen. Ist nun ihre Zugehörigkeit zu den eiweißartigen Substanzen schon durch ihr Verhalten gegen das Pankreasferment sichergestellt, so iiat doch Fischer die Richtigkeit seiner Annahme einer peptidartigen Verkettung im Eiweiß noch dadurch endgültig bewiesen, daß es ihm gelungen ist, aus dem Seidenfibroin (einem Albuminoid) ein bereits vorher synthetisch gewonnenes Peptid, das „Glycil- d-alanin", zu isolieren. Hiermit ist der Weg geöffnet, der sicher durch das bisher unauflösliche Gewirr von „Peptonen" und „Albumosen" hindurch zur Erkenntnis der Konstitution der Eiweißkörper führen wird. IX. Sitzung vom 19. Januar 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Prof. Dr. G. Greim, Darmstadt, spricht über: „Die Permanenz der Ozeane''. Daß sich auf den Kontinenten Ablagerungen, aus Meer- wasser entstanden, vorfinden, ist unbestrittene und unbestreit- — 7-2* — bare Tatsache, ebenso wie Hebungen und Senkungen schon durch das heutige Vorkommen dieser marinen Sedimente in den höheren Teilen unserer Faltengebirge bewiesen werden. Etwas anderes ist jedoch die Antwort auf die Frage der Permanenz der sogen, abyssischen Gebiete, d. h. die Antwort darauf, ob an den Stellen, wo sich jetzt die weiten flachen Fluren der eigentlichen Tiefsee ausdehnen, auch zu Zeiten Land gewesen ist, oder ob dieselben von jeher zu allen Zeiten von tiefem Meer bedeckt waren. Für die erste Ansicht scheinen eine Anzahl geologischer Gründe zu sprechen, so die Ergebnisse, welche Neumayr bei seiner Rekonstruktion der Verteilung von Land und Meer zur Jurazeit erhielt; außerdem wurden dafür von jeher die sogen, „biologischen Beweise" ins Feld geführt. Auch die durch die Paläontologie sichergestellte, teilweise sprunghafte Entwicklung von Floren und Faunen zu manchen Zeiten scheint die Ansicht zu bestätigen. Zahlreich sind dann freilich auch die Einwürfe dagegen. So setzt vor allem die durch alle geo- logischen Zeiten stetig weitergehende Entwicklung der Gesamt- flora und Fauna ununterbrochenes Vorhandensein von Land im Gebiet des Kontinentalblocks voraus, das auch durch die stratigraphischen Befunde erwiesen ist. Damit wäre aber auch eine Permanenz der Ozeane verbunden. Weiterhin weisen die Dichteverhältnisse der Teile der Erdkruste unter dem Meer und auf dem Kontinent auf Permanenz beider hin. Zugleich kann das fast vollständige Fehlen der eigentlichen „Tiefsee"-Ab- lagerungen, der Verwandten des heutzutage sich bildenden „roten Tons", innerhalb der Grenzen der heutigen Kontinente als Beweis herangezogen werden, daß dieselben nie von der Tief see bedeckt waren, und zuletzt geben auch die mittleren Abdachungsverhältnisse der Erdkruste einen dahiugehenden Anhalt. Trotz dieses Beweises darf aber die Frage heutzutage noch nicht als entschieden angesehen werden. Im Gegenteil haben zwei neuere gut belegte Beobachtungen eigentlich nur bewiesen, daß wir erst noch nahe am Anfang der Beantwortung dieser mit zu den wichtigsten Problemen der Geologie und physikalischen Geographie gehörenden Frage stehen. Eine präzisere Stellung der Vorfragen ist jedoch durch die Unter- suchungen schon erreicht und in einigen Gebieten schon Sicher- heit erzielt, wie insbesondere bei Untersuchung und Erkennung — 73* — der sogen. Transgressionen. Einige halten durch sie die Frage für gelöst, indem sie aus den morphologischen Eigenschaften des Meeresbodens folgern wollen, daß den permanenten ab3^ssischen (Tiefsee-)Gebieten auf der anderen Seite der Kontinentalblock gegenüberstehe, der zeitweise und in einzelnen Teilen von Trans- gressionen und Ingressionen betroffen werde, die durch die Hebungen und Senkungen einzelner Teile der Kruste bewirkt wurden. X. Sitzung vom 2. Februar 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Der Vorsitzende heißt Prof. Dr. E. Deckert, Dozent für Handelsgeographie an der hiesigen Akademie, herzlich willkom- men und erteilt ihm das Wort zu einem Vortrage über: „Die Erdbebengebiete und Vulkanreihen Amerikas". Die letztvergangenen Jahre geben mancherlei Veranlassung über Erdbeben, Vulkanausbrüche und ihre wechselseitigen Be- ziehungen zu berichten. Dem großen Quetjaltenango-Beben (am 1. April 1902) folgten die furchtbaren Ausbrüche der St.-Vincent- Soufriere und des Mont Pele (7. und 8. Mai 1902) auf dem Fuße, und das merkwürdige Zusammenspiel der beiden westindischen Vulkane, sowie das Mitspiel der mittelamerikanischen Vulkane Izalco, Nasaya und Sta. Maria und des mexikanischen Colima dauerten ein volles Jahr, während in Kaschaar, Ardidochan und Manila starke Erderschütterungen stattfanden. Im April 1904 hatte Saloniki das stärkste Beben eines Menschenalters, im Juni Lima, im November Formosa. Im April 1905 folgte das ver- heerende vorderindische Beben mit seinem Schütterzentrum bei Lahore, im August die Vulkaueruption auf der Samoa-Insel Sa- wai, im September das neue, schreckliche Beben in Kalabrien. Das Jahr 1906 aber brachte im März ein weiteres verheerendes Beben auf Formosa und im April den gewaltigsten Vesuvaus- bruch seit 79 n. Chr. Im April ereignete sich aber auch die vernichtende Erdbebenkatastrophe von San Francisco und im August die ganz ähnliche Katastrophe von Valparaiso, so daß durch die gleiche Ursache sowohl die blühendste nordamerika- nische als auch die blühendste südamerikanische Hafenstadt am Stillen Ozean in Trümmer sank, während im Dezember das neueste, große zentralasiatische Beben und im Januar 1907 das _ 74* — neueste, verheerende Kingston-Beben die Reihe bis auf weiteres beschlossen. Von Vuli^anen erwachten im Jahre 1906 nament- lich der Kilauka und der Aleutenvulkan Bogoslof zu neuem Leben. Für die Beurteilung der äußeren und inneren Wechsel- beziehungen der Beben unter sich, ebenso wie der Beben mit den Vulkanen bieten die amerikanischen Verhältnisse besonders giinstige Voraussetzungen. Dort ist die gesamte Tektonik und Morphologie der Länder und Meere verhältnismäßig einfach und durchsichtig, die Beobachtungsreihen sind aber wenigstens aus einzelnen Gebieten gute und brauchbare. Vor allem gilt das von Westindien, wo die Beben von Kingston, Guadeloupe und Haiti einerseits und die Vulkanausbrüche des Mont Pele und der St.-Vincent-Soufriere anderseits sich harmonisch in ein großes System einfügen. Es handelt sicli dabei um die weitere Aus- gestaltung des Kaiibischen Meeresbeckens durch Absenkungen und Einbrüche. Der Druck des großen Senkuugsfeldes führt auf der Höhe des schmalen Inselrückens, der das Karibenmeer vom Atlantischen Ozean trennt, seit der Tertiärzeit zu Bodenzer- reißungen und Wasserdampfexplosionen, sowie aus den geöffneten Schlünden zu Ascheauswurf und Lavaergüssen. Unter anderem ist namentlich auch der Riesenobelisk, der aus dem Krater des Mont Pele zu 700 Meter Höhe herauswuchs, der aber nur ein ephemeres Dasein hatte, eine unmittelbare Wirkung jenes Druckes gewesen. In Mittelamerika stehen die Erdbeben und Vulkan- ausbrüche in ganz ähnlicher Beziehung zu der weiteren Ver- tiefung und Ausdehnung des Stillen Ozeans, und die gesamte vulkanische und seismische Tätigkeit ist dort noch viel umfang- reicher und lebhafter als in Westindien. Die Aleutenvulkane bieten ein schönes Seitenstück zu den Antillenvulkanen, und das Beringsmeer zeigt ähnliche Verhältnisse wie das Kariben- meer; nur ist es in seiner Ausdehnung noch nicht so weit vor- geschritten wie dieses, namentlich nicht so tief. Der Druck seines Senkungsfeldes bewirkt aber gegenüber dem Shishadin, dem Matushin und anderen Vulkanen ähnliche Erscheinungen wie beim Mont Pele, und das abwechselnde Aufsteigen und Versinken der Spitzen des 1796 aus dem Meere aufgetauchten Bogoslof- Vulkans erinnert an den „Aiguille" des Mont Pele. Die häufigen Erdbeben der Gegend werden bei der spärlichen Besiedlung meist nicht bemerkt, und die Ausdehnung der Schütter- — 75* — gebiete ist schwer zu beurteilen. Bei den mexikanischen Vulkanen zeigt sich allenthalben eine strenge Abhängigkeit der Vulkane von den seismischen Verhältnissen und damit zugleich von der weiteren Ausgestaltung des Stillen Ozeans. Das Gleiche gilt auch von den südmexikanischen Beben und Vulkanriesen. Die Einzelforschung und die Beobachtungsweisen lassen hier viel zu wünschen übrig; die allgemeinen Beziehungen sind aber von Ecuador, Peru und Chile ziemlich klar. Auf dem Scheitel der großen Antiklinalen, die die Andenketten darstellen, er- erfolgen hier ebenfalls Zerreißungen und vulkanische Explosionen oder Lavaergüsse. So spielen zurzeit um Quito herum ab- wechselnd der Cotopaxi, der Pichincha, der Tuugeragua, der Cumbal und andere Feuerberge, während der Sangaj^ seit 1728 übei'haupt nicht zur Ruhe gekommen ist. So haben auch der Maipo und Tupangato im Osten von Valparaiso, der Villan und Antuco östlich von Concepcion und der Villarica und Calbuco östlich von Valdivia in Abhängigkeit von den dort gelegenen habituellen Schütterherden vor der historischen Zeit mehrfach heftige Ausbrüche gehabt. Auch im Hinterland des kalifornischen Hauptschütterherdes, am Goldenen Tor von San Francisco, tobten einst Vulkane, und nur gegenwärtig sind dieselben in ihrer Tätigkeit erlahmt; die Möglichkeit eines Wiedererwachens ist aber bei ihnen nicht völlig ausgeschlossen. Jedenfalls er- folgen durch den Schollendruck, den die starken Erdbeben an- deuten, umfangreiche, oberflächliche Bodenzerreißungen und Spaltenbildungen. Im Mississippibecken handelt es sich bei den nicht selten großen Beben, die Schüttergebiete bis zu 2 Millionen Quadratkilometer gehabt haben, um eine Senkung der inneren Landesteile, bezw. um eine Synklinalebildung, wo- bei sich Kraterschlünde nicht öffnen können. Die Senkung scheint aber erneut fortschreitende Verschlimmerung der Missis- sippiüberschwemmungen im Gefolge zu haben. Diese Ausführungen, die von trefilichen Lichtbildern er- läutert waren, sind die Resultate langjähriger vulkanologischer Studien, die Prof. Deckert auf alle wichtigeren Vulkane Amerikas geführt haben. So hat er den Mont Pele noch kurze Zeit vor seinem Ausbruch bestiegen und konnte daher ein an- schauliches Bild von den gewaltigen Verheerungen der ameri- kanischen Erdbeben geben. — 76* — XI. Sitzung vom 9. Februar 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Prof. Dr. M. Neisser spricht über: „Biologische Lichtwirkungen." Seit Urzeiten ist das Licht als Gottheit verehrt worden, so der Sonnengott Baal von den Babyloniern, der Lichtgott Mitra von den Indern usw. Literatur und bildende Kunst haben immer wieder das Licht verherrlicht. Goethe nennt Geist und Licht die höchsten denkbaren Energien. Aber der leuchtende Körper, das Licht, leuchtet nicht nur, sondern wärmt auch und löst chemische Reaktionen aus. Die chemischen Lichtwirkiingen z. B. auf Chlorsilber sind lange bekannt. Auch Butter und Rahm verändern sich unter Lichteinwirkuug sehr schnell. Das Prisma löst bekanntlich die in ihrer Gesamtheit weiß erscheinenden Bestandteile der Lichtstrahlen auf und ordnet sie entsprechend ihrer Wellenlänge, von den langen Wellen mit geringer Brech- barkeit, den roten Strahlen, bis zu den kürzesten Wellen mit größter Brechbarkeit, den violetten Strahlen. Die Wellenlänge ist bestimmbar und wird nach iJi|ji, das ist Millioustelmillimeter angegeben. Leuchtende Körper senden Lichtwellen von 100 bis 60000 [jifji aus, aber das intakte Auge empfindet nur Licht- wellen zwischen 760 und 320 iJi(x als Licht; Star-Operierte empfinden gelegentlich Lichtwellen von so geringer Wellenlänge, daß sie dem normalen Auge unsichtbar sind, noch als Licht. Die Linse des Auges, so durchsichtig sie scheint, ist also nicht einmal für alle als Licht erscheinenden Strahlen durch- gängig. Viele anderen durchsichtigen Körper, wie Luft, Wasser, Glas, sind auch nur für einen Teil der vom leuchtenden Körper ausgehenden Strahlen durchgängig. Am meisten läßt reiner Quarz die Strahlen ungehindert passieren, zumal die chemisch wirksamen, die ultravioletten, deren Wellenlänge kürzer als 380 |jL[x ist. Den ultravioletten entsprechen auf der anderen Seite des Spektrums die langen, wenig brechbaren, wärmespen- denden ultraroten Strahlen. Die ultraroten haben das größte, die ultravioletten das geringste Durchdringungs vermögen. Am längsten bekannt sind die Wirkungen des Lichtes auf die Pflanze. Nur unter dem Einfluß des Lichtes vermag das Chlorophyll die Kohlensäure der Luft zu zerlegen, nur unter — 77* — dem Eiufluß des Lichtes bildet die Pflanze Clilorophyll. Das Licht hat auch richtende Wirkung auf die Pflanze, die dem Licht zustrebt, deren Blüten sich im Lichte öffnen und deren Blätter sich nach dem Lichte richten. Die gelbroten Strahlen bewirken die Kohlensäure-Zerlegung, die violetten sind die richtenden. Dem Chlorophyll der Pflanzen entspricht der Blutfarbstoff bei Mensch und Tier. Bekannt ist die in der langen Polarnacht entstehende und gefürchtete Polar-Anämie, die sich in gelb- grauer Gesichtsfarbe, Mattigkeit, Reizbarkeit usw. äußert. Wir wissen heute, daß das Licht für die Blutbildung von direkter Bedeutung ist. Andere Lichteinflüsse auf den Menschen sind auch längst bekannt, z. B. verhält sich das Wachstum der Nägel im Winter zu dem im Sommer wie 100 : 125 ; dazu kommen die enormen psychischen Einflüsse von Licht und Farbe, die sich Züchter und Tierhalter schon lange zunutze machen. Die Licht- wiikung auf die Haut, das Verbrennen, wurde vielfach auf die Wärmewirkung bezogen; durch den Dänen Fin sen ist die rationelle Benutzung des Lichtes für die Heilkunde ermöglicht. Durch die Finsensche Schule ist auch erst einwandfrei die bakterientötende Wirkung der violetten und ultravioletten Strah- len nachgewiesen. Ein bedeutender Fortschritt ist die Ent- deckung der photodynamischen Substanzen durch Tapp einer. Ähnlich wie die photographische Platte durch Zusatz bestimmter Stoffe lichtempfindlicher gemacht werden kann, gibt es Stoffe (fluoreszierende), welche die Lichteinwirkung auf lebende Zellen vermitteln, auf die Licht allein wirkungslos ist. Damit in Zu- sammenhang scheint die erfolgreiche Behandlung von Pocken- kranken mit rotem Licht usw. zu stehen. Schließlich spielt auch das Leuchten in der Biologie eine bedeutende Rolle. Es gibt leuchtende Blätter, leuchtendes Holz, leuchtendes Fleisch, Meer- leuchten usw. Immer handelt es sich um leuchtende kleinste Lebewesen, häufig um leuchtende Bakterien. • Sie sind, wie Mo lisch gezeigt hat, so verbreitet, daß etwa ^/i aller Fleisch- proben unter entsprechenden Bedingungen von selbst zu leuchten beginnen. Wie harmlos sie sind, zeigt die Tatsache, daß auch Austern, die doch roh genossen werden, nicht selten leuchten. Die biologischen Lichtversuche geben die Grundlage für die hygienische Forderung nach reichlichem Licht, die in unseren Großstätten mit ihrer Lichtnot besonders berechtigt ist. — 78* — XII. Sitzuug vom 23. Februar 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Dr. F. Dreverraann spricht über: „Die Entstehung der Versteinerungen und ilir Vor- kommen in den Erdschichten". Der Redner gibt zunächst eine Erklärung des Wortes „Versteinerung". Man bezeichnet jetzt ganz allgemein mit die- sem Namen Reste von Tieren oder Pflanzen, die zu einer Zeit lebten, welche vor dem Beginn der Jetztzeit lag. Nicht nur in „Stein" umgewandelte Überreste erhalten also diesen Namen, sondern z. B. auch das Mammut, das mit Fleisch, Haut und Haaren im Eise Sibiriens erhalten blieb. Eine Versteinerung braucht aber durchaus nicht von einem Tier herzurühren, wel- ches jetzt gänzlich ausgestorben ist; wir kennen z. B. Reste des Auerochsen, des Rentiers, des Lemmings u. s. w., die als echte Versteinerungen zu bezeichnen sind, weil sie in Schichten gefunden werden, die in der Eiszeit abgelagert wurden, also vor Beginn unserer Zeit. Anderseits aber nennt man Reste von manchen Tieren, wie z. B. vom Rieseualk, der Seekuh und ande- ren, nicht Versteinerungen, weil die Tiere erst in geschichtlicher Zeit ausstarben, resp. ausgerottet wurden. Unsere Überliefe- rungen sind lückenhaft, und zwar kennen wir weit weniger Landtiere als Wasserbewohner, weil auf dem Festlaude unter den gewöhnlichen Bedingungen jeder tierische Rest schnell ver- west. Dies erschwert die Erkennung des Zusammenhangs der verschiedenen Formen. Weiter müssen wir berücksichtigen, daß uns nur die harten Teile, also die Knochen und Zähne der Wirbeltiere, die Schalen der Muscheln u. s. w. vorliegen und daß die für den Zoologen so wichtigen Weichteile vollkommen fehlen. An der Hand einer Übersichtstabelle wird dann die Ein- teilung der unendlich langen Erdgeschichte besprochen, wie sie von den Geologen festgestellt worden ist. Hier sind die Ver- steinerungen das einzige Mittel zur Erkennung des relativen Alters einer Schicht ; das absolute Alter werden wir immer nur schätzen können, da wir die Bedingungen nicht kenneu, unter denen in den verflossenen Jahnnillionen die Erde sich befand. Die Versteinerungen sind auch das einzige Hilfsmittel, um zu erkennen, ob zu einer bestimmten Zeit an irgend einer Stelle — 79* — die Wogen des Ozeans alles bedeckten, ob ein warmes oder kaltes Klima herrschte; ja die Paläontologie versucht sogar die Meerestiefen festzustellen, die zu den verschiedensten Zeiten auf der Erde herrschten. Nie war die ganze Erde vom Meere bedeckt; einmal hier, einmal da trat es aus seinen Küsten und brach weit in das Land ein. Immer ganz allmählich erfolgte ein solches Unteiiauchen des Festlandes; Meerestiere fanden ihr Grab da, wo früher Wälder rauschten. Dann hob sich der Boden des Meeres wieder heraus, und in dem verfestigten Schlamm finden wir heute die Reste der Bewohner der Fluteu. Denn das ist ein Satz, der feststehen muß: Wo wir Versteinerungen von Meerestieren findeu, da stand einmal das Meer; und wenn wir eine Lage von Meeresmuscheln finden, darüber eine mit Süßwasserbewohnern und dann noch einmal eine solche mit marinen Resten, dann ist hier das Meer eben zweimal gewesen, und dazwischen lag eine Zeit, in der das Land aus dem Ozean herausgetreten war. Zur Veranschaulichung der Arbeitsweise eines Geologen schildert der Redner drei Exkursionen, eine in die Eifel, eine in das Herz von Schwaben und die dritte nach Flörsheim. Auf der ersten sammelt der Geolog auf einem uralten Korallen- rilfe die zahlreichen Tiere, die zu einer Zeit hier lebten, als es noch keine Menschen, ja keine Säugetiere, Vögel, Reptilien und Lurche gab, als eigenartige Fische die höchststehenden Wesen waren. Die zweite Exkursion führt nach Holzmadeu, dem all- berühmten Fundort zahlreicher Ichthyosaurier und Meereskroko- dile, prächtiger Seelilien und Ammonshörner, wunderbar erhal- tener Fische und anderer Tiere. Einige Neuerwerbungen des Museums zeigen die hervorragende Erhaltuugsart, als Glanz- stück darunter das beste bisher überhaupt gefundene Exemplar eines LMhyoscmrus mit dem Abdruck der Hautbekleidung, an dem besonders die hohe dreieckige Rückenflosse und die halb- mondförmige Schwanzflosse in die Augen fallen. Die dritte und letzte Exkursion zeigt den großen Kalkbruch bei Flörsheim, wo die Versteinerungen beweisen, daß hier zur Tertiärzeit ein lang- sam sich aussüßender, abgeschlossener Salzwassersee bestand, in den von dem umliegenden Festland bei Überschwemmungen Landschnecken, Knochen von Landtieren u. a. hineingespült wurden. — 80* — XIII. Sitzung vom 2. März 1907. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. Der Vorsitzende begrüßt Prof. Dr. Ernst Häckel aus Jena, korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft, der dem Vortrage seines Assistenten Prof. Schnitze beiwohnen wollte und am Vormittag den Neubau an der Viktoria-Allee in allen seinen Einzelheiten genau besichtigt hatte, um darin An- regung und Winke für das Phylogenetische Museum zu finden, das in Jena für die umfangreichen Sammlungen Hack eis ge- plant wird. Prof. Häckel dankt für den herzlichen Empfang und spricht der Gesellschaft seine volle Anerkennung über den schönen und zweckmäßigen Museumsbau aus, dessen Besich- tigung für ihn außerordentlich wichtig und lehrreich gewesen sei. Dann spricht Prof. Dr. L. S. Schnitze, Jena, den der Vorsitzende auch als alten Bekannten und Freund auf das wärmste willkommen heißt, über: „Die Ethnologie der Kalahari und ihrer Grenzgebiete." Der Vortragende gibt einen Überblick über die Bevöl- kerung Südafrikas im Bereiche der Kalahari und ihrer Rand- gebiete, betrachtet vom Gesichtspunkte der Abhängigkeit des Völkerlebens von den Faktoren der geographischen Lage, des Klimas und des Landreliefs. Ein Vergleich der Bantustämme im Westen mit denen im Osten der Kalahari ergab einen großen Unterschied in der Kulturhöhe der Ovambo und Herero einer- seits, und der Betschuaneu anderseits. Die kulturelle Rück- ständigkeit der ersteren ist sicherlich zum großen Teile auf die Unzugänglichkeit der Küsten und den Küstenstrich zurück- zuführen, der fast die ganze Westküste des außertropischen Südafrikas einfaßt. Anderseits haben sich die Betschuaneu, deren Land wahrscheinlich noch in älterer Zeit den Kultur- einflüssen zugänglich war, nach mehrfachen Richtungen hin als der Kultur genähert zu erkennen gegeben. Ln westlichen Randgebiet der Kalahari ist die Abhängigkeit der Lebens- führung und politischen Organisation der Stämme von der Nieder- schlagsmenge und Bodengestaltung ihrer Heimatländer besonders klar nachzuweisen. In der zentralen Kalahari selbst erweisen sich die Eingeborenen (Bakalahari) trotz der ungünstigen Wasserverhältnisse, die diesen Teil Südafrikas zu dem uuzu- — 81* — gäDglichsten und unwirtlichsten Gebiet gemacht haben, doch unverkennbar als Außenposten eines fest ansässigen Hirten- und Ackerbauvolkes, das am Ostrand der Kalahari große Gebiete mit Kafferkorn bepflanzt und seine üppigen Weidefelder für umfangreichen Herdenbetrieb ausnützt. Im schroö'en Gegensatz zu diesen hochentwickelten Bantustämmen stehen die Reste der ältesten Urbevölkerung Südafrikas, die Buschmänner. Der Vor- tragende schildert das Leben des Buschmannes in erster Linie vom Gesichtspunkte des harten Daseinskampfes aus, der diesen lebendigen Zeugen aus der Urgeschichte der Menschheit den Weg zu jeder Kulturentwickluug verlegt hat. Der Kampf mit den eindringenden Hirtenvölkern führte zu einer in unversöhn- lichem Haß unaufhaltsam fortschreitenden Vernichtung. XIV. Sitzung vom 9. März 1907. Festsitzung zur Erteilung des Tiedemann-Preises. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. In dem mit der Büste Tiedemanns und mit frischem Grün geschmückten Saale eröffnet der Vorsitzende die Fest- sitzung mit einem kurzen geschichtlichen Überblick. Friedrich Tiedemann, geboren am 23. August 1781 zu Kassel, studierte seit 1798 in Marburg, Würzburg und Paris und ward 1806 Professor der Anatomie und Zoologie in Landshut, 1816 Professor der Physiologie und Anatomie in Heidelberg. Schon in den ersten Jahren nach Gründung der Senckenbergi- schen Naturf ersehenden Gesellschaft, am 14. Juni 1820, wurde er zum korrespondierenden Mitgliede derselben ernannt und ist seitdem bis zu seinem am 22. Januar 1861 in München er- folgten Tode in engen Beziehungen zu der Gesellschaft geblieben. Ende 1849 zog sich Tiedemann von dem akademischen Lehr- amte zurück, nachdem im badischen Aufstand sein ältester Sohn Gustav Nikolaus als Kommandant von Rastatt am 11. August 1849 standrechtlich erschossen worden und seine beiden jüngeren Söhne mit Weib und Kind nach Amerika geflüchtet waren. Er siedelte nach Frankfurt über und hat hier Ruhe und Trost in seinem Leid in dem wissenschaftlichen Verkehr mit den aus- gezeichneten Männern der Senckenbei'gischen Gesellschaft, einem Spieß, Mappes, Varrentrapp, Lucae u, a. gefunden, 6 ~ 82* — Als auf Anregung der Gesellschaft am 10. März 1854 das fünfzigjährige Doktorjubiläum Tiedemanns von den Gelehrten ganz Europas hier im „Holländischen Hof" gefeiert wurde, ist dem Jubilar eine Medaille in Gold, Silber und Bronze überreicht und gleichzeitig zu seinem Gedächtnis der Tiedemann-Preis gestiftet worden. Seit 1875 ist dieser Preis, der aus 500 Mark und der Medaille in Silber besteht, regelmäßig alle vier Jahre am 10. März, an dem Tage der Promotion Tiedemanns, für die aus- gezeichnetste Arbeit aus dem Gebiete der vergleichenden Ana- tomie und Physiologie im weitesten Sinne einem deutschen Forscher zuerkannt worden. Acht Gelehrte sind also jetzt im Besitz des Preises, Hermann v. Meyer, Otto Bütschli, Robert Koch, Paul Ehrlich, Emil Fischer, Emil v. Beh- ring, Albrecht Kossei und Fritz Schaudinn. Die Preiskommission hat diesmal aus den Professoren Dr. Albrecht, Edinger, Ehrlich, Lepsius, Marx, Mob ins und Reichenbach bestanden. Als Vorsitzender der Preiskommission berichtet zunächst Prof. Dr. Edinger über die Sitzungen in der Kommission und die Arbeiten, die für eine Preiserteilung in Betracht gezogen waren. Sodann übernimmt Prof. Dr. Lepsius das Referat über die preisgekrönte Arbeit. (Siehe Teil 11, Seite 113). XV. Sitzung vom 23. Mai 1907. Festsitzung zur Feier des 200. Geburtstages Karl V. Linnes. Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch. In dem mit Pflanzengrün dekorierten Saale ist eine Aus- stellung von Bildern Linnes und seiner hervorragendsten Werke veranstaltet, unter denen namentlich eine vollständige Serie von den 13 verschiedenen Ausgaben des hauptsächlichsten Werkes von Linne „Systema naturae" auffällt. Diese wie andere seltene Bücher Linnes entstammen der Privatbibliothek des Prof. Dr. V. Hey den, der sie für die Festsitzung zur Ver- fügung gestellt hat. Auch aus der Senckenbergischen Bibliothek ist manches wertvolle Werk Linnes ausgelegt. — 83* — Zunächst gedenkt der Vorsitzende mit kurzen Worten der Beziehungen Senckenbergs zu dem gleichaltrigen Linne. Freilich sind sich beide Männer niemals persönlich begegnet; doch bestand zweifellos ein reger geistiger Verkehr zwischen ihnen, indem Senckenbergs Vorbild für seinen zu begrün- denden „Hort US medicus" der botanische Garten der Uni- versität Upsala gewesen ist, den Linne 1742 neu angelegt hatte. ^) In allen Kulturstaaten werden heute Gedächtnisfeiern für Linne veranstaltet ; an vielen Orten seines Vaterlandes wird sein Denk- mal enthüllt; in New-York soll die schlanke Brücke über den Bronx River, die den Botanical Garten mit dem Zoological Park verbindet, in Zukunft den unsterblichen Namen Linnes tragen. Wohl hat von jeher die Botanik in erster Linie den Gefeierten für sich in Anspruch genommen ; bei der hervorragenden Bedeu- tung Linnes für die Systematik überhaupt hat indessen die Gesellschaft geglaubt, auch den Zoologen zu Worte kommen lassen zu sollen. Prof. Dr. Möbius spricht hierauf über: „Linne als Botaniker". Der Vortragende beginnt mit einer kurzen Schilderung von Linnes Lebenslauf, der durch die Schwierigkeiten interes- sant ist, mit denen Linne zu kämpfen hatte, um sich ganz dem Studium der Pflanzenwelt widmen zu können. Die Liebe zu dieser war ihm angeboren und so groß, daß er auf der Schule andere Arbeiten vernachlässigte und von seinem Vater einem Handwerker in die Lehre gegeben werden sollte. In diesem Falle, wie auch später in entscheidenden Momenten, fand Linne Rettung bei einem vermögenden Gönner, so auf der Schule und auf Universität Upsala, als er ganz verarmt war. Sein zukünftiger Schwiegervater gab ihm Geld, um in Holland zu promovieren. Hier stellte ihn der Bürgermeister Cliff ort als Leiter seines Gartens an, und als er 1738 nach Stockholm zurückgekehrt war, lernte er den Reichsrat Tessin kennen, der ihm schließlich die Professur in Upsala verschaffte, die er bis zu seinem Tode (1781) inne hatte und sogar noch auf seinen Sohn vererbte. Linnes Stärke lag in dem scharfen Blick, den er für die charakteristi- 1) Siehe .Bericht" 1903, Seite 120. 6* — 84* — sehen Eigenschaften der Pflanzen hatte und in seinem klassifi- katorischen Talent ; ungeheurer Eifer für die Sache und großer Fleiß im Arbeiten unterstützten seine Fähigkeiten. Durch einen französischen Forscher wurde er angeregt, die Staubgefäße und Stempel als Einteilungsprinzip der Pflanzen zu verwenden und darauf ein neues System zu begründen, das er hauptsächlich während seines Aufenthalts in Holland ausbaute. Da es sich viel praktischer erwies, als alle vorher aufgestellten Systeme, eroberte es sich rasch die ganze botanische Welt und begründete den Ruhm seines Erfinders, der sehr wohl einsah, daß sein 24 klassiges, sogenanntes Sexualsystem ein künstliches und un- natürliches sei, und daß man nach einem „natürlichen" System der Pflanzen streben müsse. Das galt aber nur für die Theorie, in Wirklichkeit blieb er immer bei seinem künstlichen System. Sein zweites Hauptverdienst in der Botanik liegt in der Ein- führung der „binaeren Nomenklatur", d. h. darin, daß er jede Pflanze mit zwei Worten benannte, deren erstes die Gattung und deren zweites die Art ausdrückte, wozu dann der Name des Benenners zu fügen ist. Damit machte Linne einem un- erträglichen Zustand der Unordnung und Ungewißheit ein Ende. Eine Übersicht der gesamten botanischen Wissenschaft gab er in seiner „Philosophia botanica", die insofern als ein Machwerk in ganz scholastischem Geiste bezeichnet werden kann, als darin nicht von der Anschauung ausgegangen wird, sondern nur BegriSe herrschen. Sie dient aber dazu, um sich die Erklärungen für die vielen in der Botanik üblichen Be- zeichnungen einzuprägen, und ist offenbar auch in diesem Sinne von Goethe benutzt worden, der, ebenso wie Rousseau, eine große Verehrung für Linne besaß. Man kann sagen, daß Linne die dringenden Wünsche nach Ordnung und Be- nennung für die botanische Systematik zu seiner Zeit mit einem Schlage befriedigte, daß er sich damit seinen Ruhm und sein Verdienst erwarb. Er bildet den Abschluß einer Periode, ohne der Begründer einer neuen zu sein. Die Erforschung des eigent- lichen Pflauzenlebens, die das Ziel der gegenwärtigen Periode ist, war ihm fremd und er hat sie durch seine Abneigung gegen mikroskopische Studien eher zurückgehalten. Trotzdem wird er immer wegen der früher erwähnten Leistungen zu den be- rühmtesten Botanikern gezählt werden. — 85* — Zum Schlüsse spricht Dr. F. Römer über „Linnes Bedeutung für die Sj^stematik". Um die Leistungen Linnes auf diesem Gebiet recht zu würdigen, gibt Redner zunächst eine Schilderung über die Un- klarheit und Verwirrung, die zur Zeit Linnes in der zoologischen Systematik und Namengebung herrschten. Die Einteilung des Tierreiches von Aristoteles in acht Klassen, vier Klassen von Wirbeltieren und vier Klassen von wirbellosen Tieren, war seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. maßgebend. In der Benennung von Tieren und Pflanzen herrschte vollkommene Willkürlichkeit; jeder wählte die Namen nach seinem Gutdünken und in seiner Sprache. Vielfache Verwechslungen waren die Folge; eine internationale Verständigung war nicht möglich. Dieser Wirr- warr in der Benennung der Tiere ist wohl in Zusammenhang zu bringen mit der Unklarheit oder dem gänzlichen Fehlen von Vorstellungen über systematische Begriffe und deren logischen Wert. VorLinne finden wir kaum einen Versuch, die Einzel- wesen, die der Naturforscher vor sich hat, zu kleineren oder größeren Begriffen zu vereinigen. Es fehlt auch jedes Ein- dringen in das Wesen eines Tieres und jedes Suchen nach Zu- sammenhang der Organismen. Die wissenschaftliche Welt stand noch auf dem Boden des mosaischen Schöpfungsberichtes, und von Moses, der etwa 1500 v. Chr. starb, bis auf Linne, der 1707 nach Chr. geboren wurde, ist keine neue Schöpfungs- geschichte der organischen Welt aufgestellt worden, die eine bleibende Bedeutung gewann. Der Verfall der Bildung des klassischen Altertums und die siegreiche Ausbreitung der christ- lichen Weltanschauung wirkten hemmend auf die naturwissen- schaftliche Forschung. An der Klärung dieser drei Fragen, zoologisches System, wissenschaftliche Namengebung und Schöpfungstheorie, hat Linne nicht gleich glücklich mitgearbeitet. Seine Einteilung der Wirbeltiere blieb beiden vier Klassen des Aristoteles; doch vertiefte er durch Heranziehung anatomischer und biologischer Merkmale die Charakterisierung der einzelnen Klassen. Seine Einteilung der wirbellosen Tiere in nur zwei Klassen, Insekten und Würmer, bedeutet gegen Aristoteles einen Rückschritt. Aber eine unzweifelhafte Verbesserung und ein gewaltiger Fort- — 86* — schritt war Linnes schärfere Gliederung der Tierklassen in Ordnungen. Gattungen und Arten. Dazu führten ihn sicherlich seine Vorstellungen und Gedanken über den Artbegriff. Freilich hat Linne auch hierin nichts neues gebracht, denn mit seiner Definition der Arten „tot sunt species diversae, quot diversas formas ab initio creavit infinitum ens" stellte er sich auf den Boden des mosaischen Schöpfungsberichtes. Man muß es als ein besonderes Glück ansehen, daß Linne diese Ansicht von der Unabänderlichkeit der Art hatte, denn sonst wäre er nicht zu einem so folgerichtig und logisch vollendeten System ge- kommen. Die Konstanz der Art ergab für ihn die Möglichkeit und zugleich die Notwendigkeit ihrer einheitlichen Benennung. Den Mangel einer wissenschaftlichen Artbenennung hat Linne zum erstenmal gefühlt, als er 1732 von seiner Reise nach Lappland zurückkehrte und der wissenschaftlichen Welt Rechen- schaft über die dort gesammelten, vielen, neuen Pflanzen- und Tierarten geben wollte. Die Notwendigkeit einer exakten Art- beschreibung und Namengebung betont er zum erstenmale 1737 in seiner Schrift „Critica botanica'', einer Kampfschrift gegen die damals üblichen, langatmigen Beschreibungen und langen Namen der Pflanzen. Linnes großes Verdienst bestand in der Aufstellung kurzer und klarer Diagnosen, in denen die wesentlichsten Merk- male einer Art übersichtlich aufgestellt sind, und in der Ein- führung der binaeren Nomenklatur, einer festen, sicheren Be- nennung der Art durch zwei lateinische Namen, für die Gattung und für die Art. Der Artname, etwa dem Taufnamen ver- gleichbar, dient zur gemeinschaftlichen Benennung der Einzel- wesen, die sich in allen hauptsächlichsten Eigenschaften gleich sind und nur in kleinen, nebensächlichen Merkmalen abweichen. Der Gattungsname, etwa dem Familiennamen entsprechend, drückt die gemeinsame Bezeichnung für eine Reihe von sich nahestehenden Arten aus. So sind z. B. Felis leo (der Löwe), Felis tigris (der Tiger), Felis lynx (der Luchs), Felis domestica (die Hauskatze) verschiedene Arten derselben Gattung Felis. Sodann ordnete Linne alle bis dahin bekannten Tier- und Pflanzenarten zu einem übersichtlichen Fachwerk an, in das sich neue Arten leicht an der richtigen Stelle eintragen ließen. Linnes Vorgehen fand bei den Zoologen eine ungeteilte Auf- — 87* — nähme und alsbald erschienen zahlreiche Arbeiten, die in ver- schiedenen Tiergruppen die binaere Nomenklatur anwandten. Der Wert dieses Systems liegt ja auch klar auf der Hand. Linne hat viele Jünger der Biologie zugeführt. Zu seiner wissenschaftlichen Bedeutung kam noch der Zauber seiner Persönlichkeit und sein enthusiastischer Eifer für die Arbeit. Selbst das schwedische Königshaus beteiligte sich an der Natur- forschung und besaß umfangreiche Sammlungen. Wenn auch die Nachfolger Linnes in der Beschreibung neuer Arten auf- gingen und eine Speziesmacherei ohne tieferes Eindringen be- trieben, so darf man die Schuld dafür dem Meister selbst nicht beimessen. Freilich entstand daraus teilweise eine Verachtung der Systematik, die bis fast auf unsere Zeit angehalten hat. Aber die moderne Zoologie mit dem unglaublichen An- schwellen des Materials und der neuen Tierarten hat die Notwendigkeit exakter Bestimmungen und systematischer Forschungen wieder zur Anerkennung gebracht. Wenn wir heute auch eine andere Auffassung von der Art haben, als Linne vor 150 Jahren und die Art von viel höheren Gesichtspunkten betrachten, so stehen wir doch jetzt noch auf dem Boden der Linne sehen Nomenklatur. Die Deutsche Zoologische Gesellschaft hat im Jahre 1894 Regeln für die wissenschaftliche Benennung der Tiere herausgegeben, die voll- ständig auf Linne fußen und in den letzten Jahren nach Vereinbarung auf Kongressen international angenommen worden sind. Die wichtigste Bestimmung darin ist das Prioritätsgesetz, welches bestimmt, daß der zuerst aufgestellte Name eines Tieres, wenn er von einer erkennbaren Beschreibung begleitet ist, angenommen werden muß. Als Ausgangspunkt für diese Be- nennung gilt die 10. Ausgabe von Linnes „Systema naturae", in der er 1758 zum erstenmal seine binaere Nomenklatur durch- führte. Jede Tierart erhält daher den binaeren Namen, den ihr Linne 1758 oder ihr erster Beschreiber nach ihm gegeben hat. Alle späteren Namen werden als Synonyma zu dem giltigen Namen aufgeführt. Die strenge Durchführung dieser Regel hat „Systema naturae" zu einem Fundamental werk für die systematische Zoologie gestempelt, auf das jeder Bearbeiter zurückgreifen muß. Im Jahre 1894 hat die Deutsche Zoologische Gesellschaft einen Neudruck dieses wichtigen Werkes heraus- geben lassen. Alle vor Linne erschienenen zoologischen Werke sind aber dadurch wertlos geworden, während die nach Linne herausgegebenen Arbeiten, die in bestimmten Gruppen die neue Nomenklatur einführeu, sehr hoch im Preise stehen. Gewissermaßen als neue Ausgabe von L i n n e s „ Systema naturae" ist das „Tierreich" der Deutschen Zoologischen Ge- sellschaft gedacht, das eine Kennzeichnuug aller lebenden Tierarten bringen soll. Für dieses war also Linne überall der Ausgangspunkt. Während aber „Systema naturae" in der 13. Ausgabe 10 Bände umfaßte, wird das Tierreich wahrscheinlich mehrere hundert Bände stark werden. Auch die Botanik ist mit einem ähnlichen Werk „Das Pflanzenreich" neuerdings der Zoologie gefolgt. So steht die heutige Systematik auf den Schultern Linnes und hat die von ihm eingeführte Beuennungsweise zu Regeln für die wissenschaftliche Namengebung ausgebaut. Daher ist es wohl berechtigt, des großen Systematikers, dessen Name mit dem eines Cuvier und Darwin in goldenen Lettern an der Fassade unseres neuen Museums aufgeschrieben steht, an seinem 200. Geburtstage in Dankbarkeit zu gedenken. — 89* — Geschenke für die Ausstattiiiig: des neuen Mnsenms. In hochherziger Weise sind uns zum Schmuck der Ver- waltungsräume in unserem neuen Museum Geschenke von lier- vorragendem künstlerischem Wert überwiesen worden : Von T. H. Voigt, Hofphotograph Sr. M. des Kaisers und Königs (Inhaber W. Ha tzig- Voigt), Frankfurt a. M.-Homburg V. d. H., nach seinen Originalaufnahmen : Zwei gerahmte Kohle- drucke Seiner Majestät des Kaisers (Größe 1, 13 X 0,83m) und Ihrer Majestät der Kaiserin (Größe 1,48X 1,10m), bestimmt für das Sitzungszimmer der Direktion. Von der Administration der Dr. Senckenbergi- schen Stiftung: Die Kopie des großen, im Besitz der Stiftung befindlichen Ölgemäldes von Johann Christian Sencken- berg, gemalt von Tischbein im Jahre 1771^), von Professor Erich Koerner, in Rahmen, bestimmt für das Sitzungszimmer der Verwaltung. In sinniger und pietätvoller Weise hat uns Frau Johanna Ziegler die Decke des Sitzungszimmers zur Erinnerung an ihren am 15. September 1902 verstorbenen Gatten, unser hoch- verdientes Verwaltungsmitglied Prof. Dr. Julius Ziegler, malen lassen. Das Deckengemälde ist die vergrößerte Kopie des Blütenkranzes, den sich Ziegler nach seiner genauen Angabe an die Decke seines Arbeitszimmers malen ließ, nach- dem im Jahre 1891 seine „Pflanzenphänologischen Beobach- tungen zu Frankfurt am Main" in unserem Bericht erschienen waren. Eine zweiunddreißigjährige, sorgfältige Beobachtung der ^) Vgl. E. Roediger „DiePorträtsammlung der Dr. Senckenbergischen Stiftung«. Bericht 1898 Seite 125. — 90* — verschiedenen Vegetationsstufen unserer heimischen Pflanzenwelt liegt dem Gemälde zugrunde, das Ziegler „Pflanzeuuhr" zu nennen pflegte.^) Wie im Laufe des Tages die Ziffern der Uhr die Stunden bezeichnen, so sind die Zeiten des Jahres durch die Entwicklungsstufen gewisser Pflanzen charakterisiert. In der Mitte des Kreises strahlt die Sonne mit der Magnet- nadel. Der Jahreskreis ist in zwölf Monate eingeteilt ; die Eis- schleife im Januar verbindet den Winter mit dem Frühling. Die Zeit des ersten Erscheinens der Schmetterlinge und des Kommens und Gehens der Schwalben ist auf dem Bilde an- gedeutet. Die vier Landschaften aus Z i e g 1 e r s Beobachtungsgebiet, welche die Eckwinkel ausfüllen, sollen die Jahreszeiten versinn- bildlichen. Auf dem Frühlingsbilde sehen wir die Sachsen - häus er Warte inmitten blühender Obstbäume und jugendlichen Buchengrüns. Im Vordergrund steht ein biederer Sachsen- häuser mit seinem Dachshunde. Das Sommerbild zeigt Kron- berg im Taunus mit der alten Burg; nach rechts hin be- merkt man eine üppige Edelkastanie und die Villa Reiß, an deren Stelle jetzt Schloß Friedrichshof steht. Die Herbstland- schaft zeigt uns von Bergen aus mit seinen Zwetschenbäumen und seinem Weinbau den Blick auf die Höhen des Taunus, auf Feldberg und Altkönig. Links grüßt unser altehrwürdiger Pfarrturm. Der Winter führt uns nach Rödelheim. Das Haus links von der Brücke, genannt „Zum Stern", war Eigentum der Großeltern Zieglers. Links ist das Rabenwäldchen, im Hintergrund wieder der Taunus. Die Namen der zum Kranze verwendeten Pflanzen sind nachstehende : Januar: Haselnuß. Februar: Winterling, üartenscbneeglöckchen, Schwarzerle. März: Frühlingsknotenblume, gelber Sah-an, Leberblümchen, Seidel- bast, gelber Hartriegel, Buschwindröschen, Waldschlüsselblume, Sahlweide, hohlwurzeliger Lerchensporn. April: Mandel, Roßkastanie, Aprikose, Muskathyazinthe, Johannis- beere, spitzblätteriger Ahorn, weiße Birke, Süßkirsche, Schlehe, goldgelbe Johannisbeere, Pürsich, Buche, Zwergmandel, traubiger Hollander, kleinblät- terige Linde, Apfel, tatarisches Geißblatt, weiße Narzisse, Syringe. i)Vgl. Bericht 1903 Seite 174*. — 91* — Mai: Maiblume, Besenginster. Sauerdorn, Vogelbeere, gemeines üeiß- blatt, Goldregen. Weißdorn, Quitte, weißer Hartriegel, Wiesensalbei. Pfingst- rose, schwarzer Hollunder. Tollkirsche, unechte Akazie, roter Hartriegel, Gartensalbei. Juni: Fingerhut, Hundsrose. Gartenrose, Walderdbeere. Süßkirsche, gemeine Eainweide. Johannisbeere, Edelkastanie, tatarisches Geißblatt, weiße Lilie, Himbeere, Stachelbeere. Juli: Trompetenbaum, weißer Hartriegel, gemeines Geißblatt, Winter- roggen, Hasenlattich, Schneebeere, Tollkirsche, Saathafer, zweizeilige Gerste, Vogelbeere, Winterweizen, Aprikose, syrischer Eibisch, Goldrute. August: Schwarzer Hollunder, Mirabelle, Reineclaude, Sternblume, roter Hartriegel, Sauerdorn, Eibe, weiße Funkie, Zwetschc, Schneeball, Herbstzeitlose. September: Gemeine Rainweide, Haselnuß, Pfirsich, Buche, Roß- kastanie, Pfaffenhütchen, Edelkastanie. Oktober: Tulpenbaum, Bergahorn, großblätterige Linde. Johannis- beere, weiße Birke, Buche, Roßkastanie, Weinrebe. November: Stieleiche, Süßkirsche, Weinrebe. Dezember: Wohlriechende Winterblume. Zum Sclimuck der Eingangshalle des neuen Museums stiftete Baurat L. Nelier ein großes Medaillon mit dem Porträt Senckenbergs, modelliert von H. Beiz und in Kupfer ge- trieben von G. Kuodt, das über dem mittleren Bogen der drei- teiligen Halle unter der Haupttreppe angebracht wurde. 92" JInseiimsbericIit. 1. Zoologische Sa mm lung. 1. Säugetiere. Wie schon in dem Jahresbericht des zweiten Direktors erwähnt wurde, hat die Säugetiersammlung dadurcli eine große Bereicherung erfahren, daß Baron und Baronin von Erl anger in Niederingelheim die bisher fertig gestellten biologischen Gruppen, die ihr verstorbener Sohn Carlo aus seiner großen abessinischen Reiseausbeute für unser Museum bestimmt hatte, überreichten. Diese Stücke werden gewiß hervorragende An- ziehungspunkte für unsere Schansammlung sein. Sie haben für unser Museum noch besonderen wissenschaftlichen Wert da- durch, daß sie eine wichtige Ergänzung des von E. Rüppell vor achtzig Jahren in Nord-Ostafrika erbeuteten Materials bilden. Die wissenschaftiche Bearbeitung der Er langer sehen Säugetiere steht noch aus; daher wird auch die Aufzählung der genauen Namen der geschenkten Tiere bis dahin verschoben. Ein weiteres Prachtstück für die Schausammlung ist die von Dr. Arthur Weinberg in hochherziger Weise geschenkte Gruppe der Gorillafamilie, die von F. Kerz, Inspektor am Kgl. Naturalienkabinet in Stuttgart, in meisterhafter Weise modelliert und montiert wurde. Die wissenschaftliche Be- arbeitung dieser Gruppe mit Bild wird ein späterer Bericht bringen. Geschenke: Frl. Paula Meyer: Bassaris astuta Licht. Mexiko. Neue Zoologische Gesellschaft: Cynomys Indovi- cianus (Ord.) $ Nordamerika; Cervns siJxa Temm. et Schleg. neu- geboren. — 93* — R. Steltzner (Chr. Enders Nachf.); Lepiis variabilis L. aus der Umgebung von St. Petersburg : L. cunicuhis L. schwarze Varität von Seligenstadt in Hessen. A. Andreae- von Grunelius: Geweih von Cervus aristotelis Cuv. : Gehörn von Capra spec, in Assuan gekauft. Frau Konsul Eben au: Gehörn mit Schädelbasis von Bnhalus caffer L., Deutsch Ost-Afrika. Kauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Ateles atcr F. Cuv.; Nydipithecus trivirgatus Gray $ von Süd- Amerika; Lemur macaco L. a c?m L. c?, N. -Amerika ; Poe- phila gouldiae Gould c? ; P. acuücauda liechi Heinroth ; Amaäina flaviprymna Gould, Australien ; Estrelda amandava L. c?, Indien ; Agapornis pullaria (L.), W.-x\frika; ^n?ea dnereah. $; Dendro- cygna javanica (Horsf.), Java; Branta magellanica Gray juv. (6 Tage alt). Lehrer H. Otto, Mors: 3 Eier von Gorvus corone L. und 1 Ei von Syrnium aluco L. aus einem Nest (beschrieben in der „Deutschen Jägerzeitung" Nr. 14 Band 47 1906 von H. Otto). August Ladenburg: Phasianus coldiicus L. J, hahnen- fedrig. Seine Durchlaucht Fürst H o h e n 1 o h e - Ö h r i n g e n , Her- zog von Ujest, Slavenitz: Phasianus torquatus Gm. c? und $. R. Steltzner (Chr. Enders Nachf.): 3 Nester der indi- schen Salanganenschwalbe, CoUocalia esculenta (L.) Dr. E. Wolf (von seiner Nordseereise 1906): Uria lomvia L., Nestvogel. Tausch: Museum für Naturkunde in Mannheim: Attagis gayi Less., Peru. Kauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Geranaetus mdanoleucus (Vieill.), Chili; Calloecpludon galeatuui (h-dth.) ^ $, Australien ; Cariama hiirmeisteri Hartl. d*, Argentinien ; Branta magellanica Gray $ juv. (2'/2 Monate alt); FuUgida ynarila L. 6 ad und juv. W. Jamrach, London : Mesia argentauris Hodgs. c?: 2 Phyl- loscopus superdliostis Gm.: Copsydms satdaris (L.); 2 Sutoria — 97* — sutoria Forst, juv. ; Parus cinereus Vieill. ; Siva cyamiroptera Hodgs.: 2 Zosterops palpebrosa (Temm.); 2 AetJwptjga ignicauda Hodgs. c? juv. ; 2 Stachi/ris nigrkeps Hodgs.; Enicurus schistaceus Hodgs.: Niltava granclis Blytli <^ ad: N. sundava Hodgs. c? ad.; Gissa cJiinensis (Bodd.); Coracias affinis Mc Clell , Ostindien. 0. Frit sehe, Taucha: GoccycoUus iris Oust. Scl., Sene- gambien ; Eriocnemis luciani (Bourc.) c? : E. vestita (Long. ) <^ u. ^ : 2 HeJianthca typica Bonap. ^ u. $ von Ecuador : Lophornis sticto- lophns Salv. u. Elliot; Halcyon pileatus Bodd. ad.; Pelargoptsis fraseri Sharps ad., Malakka; Tanysiptera sylvia Gould, Austra- lien ; Corythaix donaldsoni Sharpe, Somaliland. Williams & Son, Dublin: 2 Pyirhocorax gracidus L., d" u. $; Corvus frugilegus 1j. ^ ] Falco aesalon Timst.^; Gharadrius squatarola (L.) J*; Limosa lapponica L. ankfurter Wald im Juni; in der S. H. auch aus Birstein. I, V. Br. bicolor Macq. — aus dem Frankfurter Wald in der S. H. I. Br. grüeicollis Staeg. — an der Oberschweinstiege im Juni ; in der S. H. gleichfalls aus dem Frankfurter Wald. I. Trichonta Winn. Tr. melanura Staeg. — erhielt v. Heyden im Mai aus altem Holz. I. Tr. obesa Winn. — fand ich in wenigen Exemplaren im April am Mönchsbruch. I. Phroiiia Winn. Ph. basalis Winn. — im April am Königsbrunnen im Frankfurter Wald ; V. Heyden fing mehrere Stücke im März an Weiden- blüten. I. Ph. forcipula Winn. — ist im Frankfurter Wald im Frühjahr nicht selten ; v. Heyden fing ein Stück im September am Fenster. I. Ph. rustica Winn. — fing ich im April am Mönchsbruch ; in der S. H. befinden sich Stücke aus dem Taunus (Juli). I, III. Ph. tenuis Winn. — ist im Frühjahr in den Wäldern nicht selten. Ich besitze Stücke aus dem Frankfurter Wald (März), vom Mönchsbruch (April) und aus der Bergstraße (Mai). I. Exechia Winn. E. hicincta Staeg. — in der S. H. aus Frankfurt. I. E. contaminata Winn. — in der S. H. aus Frankfurt. I. E. dorsalis Staeg. — aus Birstein in der S. H. V. E. fungorum Deg. — an Weidenblüten im März (S. S.), in der S. H., auch aus Birstein. I, V. E. interrupta Zett. — aus Frankfurt in der S. H. I. E. lateralis Meig. — in der S. H. vom Rurapenheimer Sand im Oktober, im Dezember von Fichten geklopft. I. Zyg-omyia Winn. Z. pictipennis Staeg. — in der S. H. aus Birstein und von Pinus picea geklopft. I, V. Z. vara Staeg. — Frankfurt (S. H.). I. Sceptonia Winn. Sc. concolor Winn. — am Forsthaus im Juni und Juli ver- einzelt. I. ~ 15 — Sc. nigra Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. I. Epicypta Winn. E. punctum Stann. — v. Heyden zog diese Art im Juli aus Schwämmen. I. Mycothera Winn. M. dimidiata Staeg. — aus altem Holze im Mai. I. M. semifusca Meig. — im Frankfurter Wald im September. I. Mycetophila Meig. M. amoena Winn. — wurde im Oktober von v. Heyden aus Baum- schwämmen gezogen. I. M. bimaculata Fabr. — fing v. Heyden im Mai in Bergen am Fenster. I. M. biusta Meig. — v, Heyden erhielt diese Art im Oktober aus Agaricus ; ich erbeutete das Tier im April am Königsbrunnen und im Mai am Sandplacken. I, III. M. lineola Meig. — aus Frankfurt (v. Heyden). I. M. lunata Meig. — in der S. H. aus Birstein (Oktober). V. M. punctata Meig. — ist im ganzen Gebiete von März bis De- zember gemein. I — V. M. signata Meig. — ist ebenfalls in der Ebene und im Taunus vom Frühjahr bis Herbst nicht selten. I — IV. M. xanthopyga Winn. — ist im Juni in der Nähe der Ober- schweinstiege nicht selten. I. Dynatosoma Winn. D. fuscicorne Meig. — findet sich von April bis September in feuchten Wäldern, sowohl in der Ebene als auch im Gebirge; v. Heyden zog die Art im August aus Schwäm- men. I — V. Cordyla Meig. C. crassicornis Meig. — fand ich einmal im September am Königs- brunnen im Frankfurter Wald. I. Hlhionidae, Scatopsinae. Scatopse Geoffr. Sc. flavicollis Meig. — in der S. H. in wenigen Stücken aus Königstein (Mitte Oktober). III. — 16 — Sc. flavipes Meig. — v. Heyden fing Mitte Mai in der Kessel- bruchschneise ein Pärchen in copula. I. Sc. inermis Ruthe. — in der S. H. aus Lorch a. Rh. (Mitte Juni). II. Sc. infumata Hai. — in der S. H. ein von Winnertz bestimmtes Stück, das Anfang August am Fenster gefangen wurde. I. Sc. tiotata Linn. — fange ich alljährlich von April bis Oktober in Anzahl am Fenster ; v. Heyden zog die Tiere auch aus dem Mulme hohler Bäume. I. Sc. picea Meig. — in mehreren Stücken aus Königstein in der S. H. III. Sc. pulicaria Low — ist im ganzen Gebiet gemein. I — V. Aspistes Meig. Ä. berolinensis Meig. — kommt nach Jaennicke im Taunus vor. III. Bibioninae. Penthetria Meig. P. holosericea Meig. — fand ich einmal Ende April in sehr großer Anzahl im Luhrwald bei OSenbach. Die Tiere kamen an einer etwas nassen Stelle zu Dutzend aus der Erde. In der S. H. von der Torfstelle am Kleinen Feldberg (Mitte Mai). I, III. Bibio Geoffr. B. flavipes Meig. - ist nicht selten im Herbst. Ich besitze Stücke aus dem Frankfurter Wald, v. Heyden außerdem von Wies- baden und Mombach. I — III. B. hortulanus L. — ist im Mai und Juni überall gemein. I— V. B. Johannis L, — ist ebenfalls (von April bis Juni) im ganzen Gebiet verbreitet. Die Larven fand ich Ende April im Großgerauer Wald am Fuße einer hohlen Eiche in der Erde. I-V. B. laviger Meig. — ist nicht sehr häufig. Ich besitze Tiere aus Offenbach, Enkheim und dem Frankfurter Wald; Böttcher fand das Tier im Mai bei Wiesbaden. I, III. B. Marci L. — ist im April und Mai überall gemein. I — V. B. pomonae Fabr. — ist in der Ebene ziemlich selten ; ich fing nur einmal zwei Stück im Juni an der Küuigswiese, häu- figer ist das Tier im Gebirge. Ich besitze Tiere aus Ober- — 17 — . Ursel und Königstein, v. Heyden auch solche aus Birstein (Juli). I, III, V. B. reticulatus Lw. — ist recht selten. Ich fing Ende April ein Pärchen im Enkheimer Wald. I. B. varipes Meig. — ist im April und Mai bei uns nicht selten. Ich besitze Stücke aus dem Röderwald, von Enkheira, Gries- heim, Offenbach und Mombach (ßickhardt) ; v. Heyden fing mehrere Exemplare an Salix caprea bei Falkenstein; bei Wiesbaden im Mai und Juni (S. B.). I — III. B. venosus Meig. — Diese Art ist bei uns außerordentlich selten, v. Heyden fing ein Pärchen bei Hofheim an den Blüten von Salix caprea Ende April; Böttcher erbeutete das Tier bei Wiesbaden im April. III. Dilophus Meig. D. femoratus Meig. — ist wohl nicht häufig. Ich besitze nur ein Stück aus Offenbach ; in der S. H. ein Stück aus Bürgel und ein Exemplar aus dem Frankfurter Wald. Flugzeit: April und Mai. I. D. vulgaris Meig. — ist von Mai bis Oktober häufig auf Blüten anzutreffen. Ich besitze zahlreiche Stücke aus der Ebene, dem Taunus und Vogelsberg (Dr. Forst). I, III, V. Chironomidae. Ceratolophus Kieff. G. femoratus Meig. — ein Stück in der S. H. aus Frankfurt. I. Ceratopogon Meig. C. bipunctatus L. — in größerer Anzahl in der S. H. aus Frank- furt und Birstein. September und Oktober. I, V. C. brunnipes Meig. — fand ich wiederholt in den Wiesen an der Hohen Mark, auch in der S. H. III. C. ciliatus Winn. — Ende September aus Frankfurt in der S. H. I. C. crassipes Winn. — in der S. H. aus Frankfurt. I. C. erythrocephalus Staeg. — aus Birstein in der S. H. V. C. leucopexa Meig. — in d. S. H. aus Frankfurt. I. C. lucorum Meig. — in großer Zahl in der S, H. aus Frank- furt. I. C. minutus Meig. — 5 Stück aus Frankfurt in der S. H. I. 2 — IS- C', niger Winn. — erhielt ich in Anzahl aus dem Frankfurter Wald. I. C. nitidus Macq. — wurde von Jaennicke bei Frankfurt ge- fangen, I. C. ochraceus Winn, — erhielt v. Heyden Anfang Mai aus dürrem Waldholz. I. C. pallipes Meig. — in der S. H. aus Frankfurt, I, C. pavidus Winn. — erhielt v. Heyden Anfang Mai aus Bürgel. I. C. piceus Winn. — aus Frankfurt in der S H. I. C. rubiginosus Winn. — aus Crontal und Birstein Anfang Juni S. H. III. V. Chii'onomiis Meig. Ch. albinianus Meig, — kommt nach Jaennicke bei Frankfurt vor. I. Ch. cdbipennis Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. I. Ch. annularis Deg. — fand ich im Mai an der Hohen Mark. III. Ch. aprilinus Meig. — fing ich am Lämmerspieler Weg bei Offenbach Anfang Mai. I. Ch. brevitibialis Zett. — in Anzahl aus den Oft'enbacher Wiesen (S. S.) und aus dem Frankfurter Wald (S. H.). I, Ch. dispar Meig. — Anfang April aus dem Enkheimer Wald in der S. H. I. Ch. dorsalis Meig. — fing ich Ende Juli in größerer Zahl im Röderwald. I. Ch. ferrugineo-vittatus Zett. — aus dem Lorsbacher Tal (S. S.) und aus der Umgebung von Wiesbaden. (S. K.) III. Ch. flaveolus Meig. — in der S, H. mehrere Stücke aus dem Frankfurter Wald. I. Ch. flexilis L. — Ich fing Anfang Juni ein Stück im Lorsbacher Tal. III. Ch. histrio Fabr. — in mehreren Exemplaren aus Frankfurt in der S. H. I. Ch. liigubris Zett. — vom Lämmerspieler Weg bei Offenbach (S. S.) und vom Rumpenheimer See (S. H.). I. Ch. nubeculosus Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. I. Gh. pedellus Deg. — ist von April bis August an Wiesen- und Waldrändern gemein. I. Ch. plmnosus L. — ist von April bis September im ganzen Gebiete in der Nähe von Wiesen anzutreffen. I — V. — 19 — Ck. prasiniis Meig. — wurde Ende Juli bei Mainz gefangen (S. H.). 11. Ch. productus Zett. — kommt nach Jaennicke bei Frankfurt vor. I. Ch. pnsill/(s L. — vom See bei Rumpenheim Mitte September in der S. H. I. Ch. quadrimacidatus Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. I. Ch. rlparins Meig. — fand ich Anfang August im Röderwald. I. Ch. rufipes L. — in der S. K. aus der Umgebung von Wies- baden. II. Ch. scalaenus Schrnk. — fing v. Heyden Anfang Juli am Forst- haus. I. Ch. tendens Fabr. — scheint weit verbreitet zusein. Fundorte: Wiesen bei Enkheim, Crontal, Schmitte bei Gießen und Bir- stein (S. H.) Mai bis Oktober. I, III. IV, V. Ch. tentcms Fabr. — am Mainufer bei Frankfurt und Rumpen- heim, ferner bei Nauheim und Birstein. (S. H). Flugzeit: April bis Oktober. I, IV, V. Ch. tenuis Macq. — fing ich Anfang August im Röderwald. I. Ch. virescens Meig. — in den Ofltenbacher Wiesen (S. S.) und am Mainufer (S. H.). I. Ch. viridicoll'is Wulp. — ein Stück vom Lämmerspieler Weg bei Offenbach (S. S.). I. Ch. viridis Macq. — von der Königswiese, von Enkheim und Offenbach (S. S.), ferner aus Ems, Soden, Mainz und Bir- steiu (S. H). Flugzeit: Mai bis August. I, II, III, V. Ch. viridulus L. — aus Schmitte im August (S. H.). IV. Cricotopus Wulp. Cr. annulipes Meig. — ein Stück aus Frankfurt in der S. H. I. Cr. hicindus Meig. — aus Birstein im August (S. H.). V. Cr. ephippiwn Zett. — v. Heyden fing Anfang April mehrere Stücke am Rhein bei Bingen. II. Cr. motitatrix Linn. — in der S. H. aus Birstein im Oktober. V. Cr. ornatus Meig. — aus dem Frankfurter Wald im Anfang Juli (S. H.). I. Cr. plebejus Meig — aus Birstein Mitte September (S. H.). V. Cr. sylvestris Fabr. — fing ich in mehreren Stücken im Röder- wald. I. Cr. tibialis Meig. — Anfang April bei Bingen (S. H.). IL 2* — 20 — Cr. tremulus L. — erbeutete ich wiederholt am Lämmerspieler Weg bei Offenbach im Grase. I. Cr. trifasciatus Panz. — erhielt v. Heyden Anfang April aus Bingen. II. Camptoclaäius Wulp. C. aterrimus Meig. — mehrere Stücke von der Trift bei Offen- bach im Oktober (S. S.). I. C. byssinus Schrnk. — scheint im Herbste bei Birstein recht gemein zu sein. In vielen Exemplaren in der S. H. V. C. miimmis Meig. — am Main bei Frankfurt, bei Bingen und Birstein (S. H.) April, Oktober und November. I, II, V. Orthocladius Wulp. 0. atomariiis Zett. — in der S. H. aus Frankfurt. I. 0. capumms Zett. — Mitte August am Mainufer auf Gebüsch (S. H.). I. 0. coracinus Zett. — zwei Stück aus Eppstein in der S. S. — Juli. III. 0. sordidellus Zett. — von Hofheim (S. S.) und aus Birstein (S. H.). III, V. 0. stercorarius Deg. — aus Sachsenhausen und vom Goldstein, im Februar in der Luft tanzend. I. Tanytarsus Wulp. T. flavellus Zett. — vom Forsthaus, aus Ems und Birstein in der S. H. (April bis Juli). I, III, V. T. latus Staeg. — Mitte März aus dürrem Waldholz gezogen (S. H.). I. T. pusio Meig. — Anfang Juli im Frankfurter Wald (S. H.). I. T. ie?iuis Meig. — Anfang Mai aus Königstein. III. Eurycneinus Wulp. Eu. elegans Meig. — von Ginnheim und Offenbach (S. S.), aus dem Frankfurter Wald, von Flörsheim und Bingen in der S. H. (Juni bis August). I, II. Metriocnemus Wulp. M. fuscipes Meig. — vom Mainufer Anfang April und vom Wald hinter Offenbach Ende Oktober. I. M. hirticollis Staeg. — aus Birstein (S. H.). V. M. iiicomptus Zett. — gleichfalls aus Birstein (S. H.). V, — 21 — Diamesa Meig. D. notata Staeg. — 2 Stück aus Eppstein in meiner Samm- lung. III. Taiiypus Meig. T. choreus Meig. — mehrere Exemplare von der Hohen Mark in der S. S. III. T. culiciformis L. — aus Offenbach und dem Enkheiraer Wald (S. S.), aus Birstein und Ems (S. H.) (Anfang Mai, August und September). I, III, V. T. melanops Wied. — am Hellerhof, bei Königstein, Schmitte und Birstein (S. H.). Mai bis September. I, III, IV, V. T. monüis L. — vom Läramerspieler Weg bei Offenbach. I. T. nebulosns Meig. — in OÖ'enbach am Fenster im April (S.S.). I. T. nervosus Meig. — aus dem Frankfurter Wald (S. H.). I. T. ornatus Meig. — mehrere Stlicke aus dem Offenbacher Wald in der S. S. I. T. punctipemiis Meig. — an der Mainkur auf Weidengebüsch, bei Mombach und Birstein (Mitte Mai). S. H. I, II, V. T. signaius Zett. — im Mai an der Oberschweiustiege selten. I. T. varius Fabr. — in Offenbach am Fenster, im Röderwald und an der Mainkur (S. S.), bei Darmstadt und Schmitte (S. H.) Mai bis August. I, IV. Culieidae. Culicinae. Anopheles Meig. A. bifurcatus L. — v. Heyden fing ein Exemplar dieser Art in seiner Wohnung in Frankfurt a. M. am Fenster. I. A. mamlipennis Meig. — 6 Stück in Frankfurt a. M. am Fenster gefangen in der S. H., außerdem Exemplare aus Friedberg und Birstein; ein Stück aus Höchst (Fr. Winter). I, IV, V. Culex L. C. annulatus Schrnk. — ist im Sommer in unseren Wäldern, im Herbst und Winter in unseren Wohnungen häufig. I, II. C. amiulipes Meig. — aus dem Röderwald und von Offenbach im Mai (S. S.), Mitte Juni am Fenster (S. H.). I. C. bicolor Meig. — besitze ich aus dem Röderwald und dem Schwanheimer Wald (August und September). I, — 22 — C. cantans Meig. — zog ich in Menge aus Larven, die ich im April im Luderbach fand. I. C. dorsalis Meig. — Ich fand einige Exemplare im Röderwald (Mai). I. C. nemorosus Meig. — habe ich wiederholt aus Larven gezogen. Das Tier ist im Frühjahr und Sommer in unseren Wäldern häufig. I— V. C. pipiens L. — ist während des ganzen Jahres in unseren Wäldern, bezw. in den Wohnungen häufig. I — V. C. vexans Meig. — in meiner Sammlung ein Männchen, das ich im Mai im Röderwald fing; in der S. H. gleichfalls ein Männchen aus Soden (Mitte August). I, IIL Corethrinae. Mochlonyx Lw. M. velutinus Ruthe. — Die Larven und Puppen dieser seltenen Art fand ich wiederholt Mitte April im Luderbach ; die Tiere sind im Freien im Mai zu finden. L Corethra Meig. C. fiisca Staeg. — fing ich Ende August bei Eppstein. III. C. phimicornis Fabr. — Die Larven finden sich im Mai in größeren Wassertümpeln (im Wald und bei Rödelheim). Die Art ist wohl im ganzen Gebiet verbreitet. Fundorte: Offenbach, Enkheim, Schwanlieim, Taunus und Birstein (Juli bis September). I — V. Ptychopteridae. Ptychoptera Meig. Pt. albimana Fabr. — scheint nach den vorliegenden Funden seltener in der Ebene, häufiger im Gebirge vorzukommen. Fundorte: Offenbach, Ginnheim (S. S.), Birstein (S. H). I, V. Pt. contaminata L. — am Köuigsbrunnen, am Hellerhof, Sumpf bei Nied (Mai und Juni). Ich zog das Tier auch aus Larven, die ich im Lehen bei Offenbach fand. I. Pt.lacustris Meig. — aus der Umgegend von Wiesbaden in der S. K. ; nach Jaeunicke im Taunus. III. Pt. paludosa Meig. — aus Offenbach in der S. S. ; nach Jaeu- nicke auch im Taunus. I, III. Pt. scuteUaris Meig. — nach Jaeunicke im Taunus. III. — 23 ~ Dixidae. Dixa Meig. Z>„ aestivalis Meig. — fand v. Heyden Anfang Juli am Forst- haus. I. D. macidaia Meig. — besitze ich in mehreren Exemplaren von der Hohen Mark ; in der S. H. aus Birstein. III, V. Blepharoceridae. Lipoueura Lw. L. brevirostn's Lw. — ich besitze einige Stücke aus Eppstein. III. Simulidae. Simulium Latr. S. argijreatum Meig. — fand ich Ende August in großer Anzahl am Oberforsthaus; in der S. H. aus Birstein. I, N. S. maculatum Meig. — im Mai und Juni im Frankfurter Wald und bei Eppstein (S. S.), auch in der S. H. I, III. S. ornaiuni Meig. — tritt oft in Scharen auf, namentlich im August. Fundorte: Frankfurt, Offenbach, Bürgel, Soden, Feldberg, Birstein. I, III, V. S. reptans L. — im Röderwald und am Mainufer (S. S.), aus Jugenheim und Birsteiu (S. H.) April bis August. I, V. Psychodidae. Ulomyia Walk. U. fuliginosa Meig. — fing ich einmal Ende April im Lehen bei Offenbach. I. Pericoma Walk. P. canescens Meig. — fand ich Anfang Oktober in großer Menge bei Dornholzhausen ; in der S. H. Exemplare aus Soden, III. P. fusca Macq. — erbeutete ich einmal Anfang Juli im Röder- wald. I. P. nubila Meig. — kommt im September in Scharen am Königs- brunnen vor. In der S. H. Stücke aus dem Diebsgrund, von Darmstadt und Soden. I, III. P. ocellaris Meig. — im Gebüsch am Luderbach, auf Hecken im Offenbacher Wald und bei Königstein (S. H.), Mai bis August. I, III. — 24 — P. palustris Meig. — bei Hofheim an einer Sunipfstelle und bei der Schmitte (S. H.) von April bis August. III, lY. P. tristis Meig, — fing ich in mehreren Stücken Ende Juni am Fenster, v. Heyden besitzt Stücke aus Soden (Anfang Sep- tember). I, III. Psychoda Latr. Ps. albiyennis Zett. — ein Stück aus dem Luhrwald b. Offen- bach in S. S. und aus dem Frankfurter Walde in der S. H. (Ende August, Oktober). I. Ps. alteroiata Say — fing ich alljährlich in Menge in Offenbach am Abortfenster, desgl. in Königstein. Die Stücke in der S. H. stammen aus dem Stiftsgarten in Frankfurt. Flug- zeit: Ende August bis Oktober. I, III. Ps. humeralis Meig. — zog v. Heyden Anfang April aus Eichen- mulm. I. Ps. phalaeiioides L. — findet man öfters im Herbst am Fenster unserer Waldwirtschaften ; in der S. H. 2 Stück aus Frank- furt. (September und Oktober). I. Rhyphidae. Rhyphus Latr. Rh. fenestralis Scop. — ist das ganze Jahr hindurch in den Gärten und Kellern sehr häufig und läßt sich aus faulenden Pflanzenstoffen leicht ziehen. I — V. Cec idoniyiidae. Heteropezinae. Miastor Mein. M. nervös HS Winn. — wurde von v. Heyden aus altem Holz ge- zogen. I. Lestremiinae. Lestreniia Macq. L. carnea H. Lw. — in der S. H. I. L. leucophaea Meig. — in mehreren Stücken in der S. H. I. Cecidomyiinae. Lasioptera Meig. L. auricinda H. Lw. — aus den Galleu von Festuca pratensis Huds. in der S. H. I. — 25 — L. cerealis Lind. — aus Anschwellungen von Seeale cereale L. in der S. H. I. L. erytigii Vall. — aus Stengelgallen von Eryngium campestre L. vom Mombacher Sand (]\Iitte Juni) in der S. H. II. L. ruhi Heeg. — aus den Gallen von Rubtis idaeus L. in der S. H. I. Clinorrhyuclia H. Lw. Cl. ehrysmithemi H. Lw. — aus den Gallen von Anthemis ar- vensis L. in der S. H. I. Cl. tanaceti Kieff. — aus den Köpfen von Tanacetum vulgare L. in der S. H. I. Rliabdophaga Westw. Eh. heterohia H. Lw. — Ende Mai aus den Blütengalleu von Salix amygdalina L. in der S. H. I. Rh. saliciperda Duf. — Mitte Mai aus den Stengelgallen von Salix purpurea L. in der S. H. I. Dasyueura Eond. Perrisia Kieff. P. bryofiiae Bouche — Ende Juli und Anfang August aus den Gallen von Bryonia dioica Jacq. in der S. H. I. P. epilobii F. Lw. — auf Epilobium angustifoliurn L. in der S. H. I. P. genisticola F. Lw. — Im Juli aus Blattgallen von Oenista tinc- toria L. in der S. H. I. P. rosarum Hardy — v. Heyden erhielt das Tier anfangs Mai aus überwinterten Blättern von Rosa canina L. I. P. strobi Winn. — aus überwinterten Fichtenzapfen in der S. H,, auch bei Jaennicke. I. P. trifolii Lw. — Ende Juni aus den Köpfen von Trifolium pra- tense L. in der S. H. I. P. urticae Perr. — Mitte Juni aus den Gallen von Urtica di- oica L. in der S. H. I. P. veronicae Vall. — Mitte Mai aus den Knospengallen von Veronica chamedrys L. in der S, H. I. Asphondjiia H. Lw. A. echii H. Lw. — v. Heyden fand die Larve anfangs April in den Köpfen von Echium indgare L. I. A. genistae H. Lw. — in der S. H. aus den Gallen von Oenista germanica L., Mitte Mai. I. — 26 — A. sarothamni H. Lw. — V. Hey den erhielt die Mücke Mitte Mai aus den Gallen von Sarothamnus scoparius Koch. I. Rhopalomyia Rübs. Rh. millefolii H. Lw. — in der S. H. aus Achillea millefolium B. I. Rh. tanaceiicola Karsch — in der S. H. aus Tanacetum vulgare L. I. Oli^otrophus Latr. 0. annulipes Hart. — schwärmt im ersten Frühjahr über Buchen- laub (S. S.). I, III. 0. betulae Winn. — aus Gallen von Betula alba L. I. 0. biirsarius Bremi. — Ende August aus den Gallen von Gle- choma hederacea L. in der S. H. I. 0. capreae Winn. — Mitte Mai aus Gallen von Salix caprea L. in der S. H. I. O.juniperinus L. — im April und Mai aus Gallen von Juni- perus commutiis L. in der S. H. I. Jauetiella Kieff. J. thymi Kieff. — erhielt v. Heyden Anfang Juni aus den Gal- len von Thymtis seiyylhwi L. I. Mayetiola Kieff. M. secalina Lw. — v. Heyden fand die Larve Anfang November in Roggenpflanzen am Gimbacher Hof und erhielt das Tier Ende April. III. Mikiola Kiefi. M. fagi Hart. — ist aus den großen Blattgallen von Fagus sil- vatica L. leicht zu ziehen. (S. B., S. H., S. S.) Im ganzen Gebiete verbreitet. I — V. Arthrocnodax Rübs. A. peregrina Winn. — aus den Gallen von Prunus spinosa L. in der S. H. I. Contarinia Rond. C. pisi Winn. — aus Gallen von Pisurn sativum L. gezogen. I. C. pulchripes Kiefli. — aus Gallen von Genista pilosa L. in der S. H. I. C. pyrivora Riley. — aus jungen Früchten von Pirus com- munis L. I. -- 27 — C. tritici Kirbj' — Ende Juni und Juli auf TrUicum rvlyare L. aus Soden. III. Thecodiplosis Kieff. Th. brachyntera Schwäg. — Puppen auf den Nadeln von Pinus sylvestris L in der S. H. I. Loewiola Kieff. L. centaureae F. Lw. — Anfang September aus den Köpfen von Centaur ea jacea L. I. Cecidomyia Meig. C. nana Winn. — erhielt v. Heyden Anfang- Mai aus altem Holz. I. C. ochracea Winn. — in der S. H. I. Lestodiplosis Kieff. L. arcuata Winn. — Mitte Mai aus altem Holz (S. H.). I. L. fascipennis Winn. — nach Jaennicke bei Frankfurt. I. L. pulchella Winn, — erhielt v. Heyden Mitte Mai aus Eichen- holz. I. L. polypori H. Lw. — Mitte Mai aus überwinterten ßaum- schwämmen. I. Porricoiidyla Rond. F. albimana Winn. — ein Stück in der S. H. I. P. analis Winn. — in der S. H. aus Frankfurt. I. P. dorsalis Winn. — gleichfalls in der S. H. I. P. leucopexa Meig. — fing v. Heyden Mitte Juni im Hofheimer Wald. III. Rübsaanienia Kieff. R. pectoralis Winn. — v. Heyden fand die Mücke wiederholt im Apiil und Mai am Fenster. I. Lininobiidae, Limnobiinae. Dicranoiuyia Steph. D. chorea Wied. — fand ich im April im Röderwald ; auch in der S. H. mehrere Stücke aus B'rankfurt. I. D. dumetorum Meig. — in der S. H. I. D. v/odesta Wied. — am Forsthaus, bei Königstein, Falkenstein — 28 — uud Schmitte (S. H.), bei Wisselslieim (S. S.); Mai bis Sep- tember. I, III, IV. D, morio Fabr. — ein Stück aus dem Offenbacher Wald in der S. H. Anfang Mai. I. D. stigmatica Meig. — fing ich Ende April im Garten. I. D. trinotata Meig. — von der Hohen Mark (S. S.) und von Königstein (S. H.) im Juni. Die Tiere tanzten in der Luft. III. Bhipidia Meig. Rh. imiseriata Schin. — zog v. Heyden aus altem Holz. I. Limiiobia Meig. L. albifrons Meig. — zog ich aus einer Puppe, die im Walde bei Offenbach unter nassem Laub lag (Anfang Mai). I. L. bifasciata Schrnk. — von Hanau im Juni (S. S.), aus dem Taunus in der S. H., von Wiesbaden in der S. K. I, III. L. fJavipes Fabr. — fand v. Heyden im Juni bei Crontal. III. L. macrostigma Schum. — aus dem Frankfurter Wald in der S. S. (September). I. L. 7iigropunctata Schum. — aus dem Frankfurter Wald in der S. H. L L. nuheculosa Meig. — fand ich im September an der Hohen Mark. HI. L. quadrinotata Meig. — von Lorsbacli in der S. S., von Wies- baden in der S. K. ; v. Heyden zog diese Art aus Baum- pilzen. (Juni bis Oktober). I, III. L. Stigma Meig. — fand v. Heyden im Juni im Frankfurter Wald. L L. tripunctata Fabr. — im Frankfurter Wald (S. H.), im Luhr- wald bei Offenbach (S. S.), bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Eriopterinae. Rhypholophus Kol. Rh. haemorrhoidalis Zett. — im September am Königsbrunnen in Scharen (S. S.), in Soden an Hecken (S. H.). I, III. Rh. lineatus Meig. — an nassen Gräben im Frankfurter Wald und bei Großgerau (S. S), bei Hofheim, Köuigstein und Soden (S. H.) im April. I, III. Rh. nodulosus Macq. — bei Mönchsbruch im April (S. S.). I. — 29 — Molophihis Curt. M. ater Meig. — v. Heyden fing Mitte Mai bei Köiiigstein ein Pärchen in copula; bei Wiesbaden (S. K.). III. M. obscurus Meig. — bei Wiesbaden (S. K.). III. M. ochraceus Meig. — besitze ich von der hohen Mark, v. Heyden von der Schmitte. (Juni bis August). III. Acyphona O.-Sack. A. macidata Meig. — aus der Umgegend von Wiesbaden in der S. K. III. Erioptera Meig. E. flavescens L — von der Oberschweinstiege und dem Enten- see (S. H.), aus Wisseisheim (S. S.), bei Wiesbaden (S. K.) von Juni bis August. I, III, IV. Symplecta Meig. S. punctipeimis Meig. — ist auf unseren Wiesen nicht selten, auch im Taunus (S. S.). I, III. S. stictica Meig. — auf den Sol wiesen bei Wisseisheim im August (S. H.). IV. Gonomyia Meig. G. alboscuteUata Ros. — am Chausseehaus bei Wiesbaden Ende Juni (S. B.). III. Q. teiiella Meig. — v. Heyden fand Mitte Mai ein Pärchen bei Soden. III. Trichocerinae. Epiplirag'ma O.-S. E. ocellaris L. — aus dem Frankfurter und Offenbacher Wald, vom Kühkopf (S. S.), Wiesbaden (S. K.); v. Heyden zog das Tier aus Larven, die er Mitte Mai in faulem Eichenholze fand. Flugzeit: Juni. I, III. Ephelia Schin. E. marmorata Meig. — im Frankfurter und Offenbacher Wald (S. S.), bei der Schmitte (S. H.), bei Wiesbaden (S. K.) im Juli und August. I, III, IV. Poecilostola Schin. P. migiistipennis Meig. — bei Wiesbaden (S. K.). III. P. pictipennis Meig. — im Frankfurter Wald, bei Offenbach und Kumpenheim (S. S.), bei Hofheim (S. H.). 1, III. — 30 — Liiiinophila Macq. L.ferruginea Meig. — im Sumpf am Hellerhof, am Eiitensee bei Soden, am Feldberg, bei Birstein (S. H.). Flugzeit : Mai bis August. I, III, V. L. Uneola Meig. — bei Rumpenheim Mitte Juni (S. H.). L. leucophaea Meig. — bei Hof heim im August (S. H.). III. L. nemoralis Meig. — am Feldberg (S. H.). III. Tricliocera Meig. Tr. annulata Meig. — bei Birstein (S. H.) V. Tr. fuscata Meig. — im Frankfurter Wald und Röderwald (S. S.). Februar bis November. I. Tr. hiemalis Deg. — in der Ebene und im Gebirge vom Spät- herbst bis zum Frühjahr. I — V. Tr. maculipennis Meig. — ist überall verbreitet, aber nicht so häutig wie Tr. hiemalis. I — V. Tr. reyelationis L. — im Herbst und Frühjahr in der Ebene häufig. I. Anisomera Meig. A. bicolor Meig. — aus Birstein in großer Zahl in der S. H. V. Penthoptera Schin. P. chirothecata Scop. — ein Exemplar aus Dornberg in der S. H. I. P. cimicoides Scop. — bei Wiesbaden (S. K.). III. Pedicilnae. Amalopis Hai. A. immaculata Meig. — ein am Feldberg Ende Mai gefangenes Exemplar in der S. H. ; bei Wiesbaden (S. K.). III, A. inconstans O.-S. — im Reichenbachtal im September (S. H.), bei Wiesbaden (S. K.). III. A. Schineri Kol. — an der Hohen Mark (S. S.) und bei König- stein (S. H.), Juni bis September. III. Pedicia Latr. P. rivosa L. — in den höheren Lagen des Taunus von Mai bis Oktober vereinzelt. Fundorte: bei Königstein, au den Wiesen am Altkönig, bei der Schmitte und Wiesbaden (S. K.) I, III, IV. 31 Ula Hal. Ü. macroptera Macq. — 2 Stück in der S. H. aus Frankfurt, I, Dicranota Zett. D. bimaculata Schum. — bei Frankfurt (S. H.) und Wiesbaden (S. K.). I, III. Tipiilidae, Dolichopezinae. Dolicliopeza Curt. D. albipes Ström — bei Wiesbaden (S. K.). III. Ctenophorinae. Dictenidia Brülle. D. bimaculata L. — am Fuchstanz (S. S.), bei Falkenstein (S. H.) und bei Wiesbaden (S. K.). Juni bis August, v. Heyden zog die Art aus altem Eichenholz. I, III. Xiphura Brülle. -X. atrata L. — aus Schwanheim (Bucking), am Fuchstanz (S. S.) Juli und August, v. Heyden zog die Art in Anzahl aus altem Holz. I, III. vai\ ruficomis Meig. — mit der Stammform ; auch bei Wiesbaden (S. K.). v. Heyden erhielt diese Varietät gleich- falls aus altera Holz im Mai. I, III. H. nigricornis Meig. — bei Wiesbaden (S. K.). III. Ctenophora Meig. Ct. elegans Meig. — am Altkönig (S. S.), bei Wiesbaden (S. K.) und bei Ingelheim (S. H.). — Juli und August, v. Heyden erhielt die Art im Mai aus dürrem Waldholz. I, II, III. Ct. festiva Meig. — bei Wiesbaden (S. K.); v. Heyden erhielt auch diese Art aus dürrem Holz. I, III. Ct. flaveolata Fabr. — am kleinen Feldberg (S. S.), bei Wiesbaden (S. K ) und bei ßirsteiu. — • Juni bis August. III, V. Ct. ornata Meig. — wurde von Herrn Stern aus Holz gezogen ; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Ct. pecthiicornis L. — fand ich in Anzahl im Reichenbachtal ; bei Wiesbaden (S. K.j; aus dürrem Waldholz gezogen (S. H.). I, III. — 32 — Tipulinae. Tipula L. T. caesia Schum. — bei Wiesbaden (S. K.). III. T. fascipennis Meig. — zog ich im Mai aus Larven, die ich im Offenbacher Wald fand; bei Wiesbaden (S. K.). — Juni. I, III. T. flavolineata Meig. — nach Jaenniclie bei Frankfurt. I. T. fulvipenvis Deg. — bei Wiesbaden (S. K.) und Birstein (S. H.). III, V. T. hortensis Meig. -- im Frankfurter Wald, an der Hohen Mark, bei Eppstein und Birsteiu ^ Mai bis September. I, III, V. T. juncea Meig. — bei Wiesbaden (S. K.). III. T. lateralis Meig. — bei Enkheim und im Taunus — Mai und Juni. I, III. T. limata L. — • im Frankfurter Wald, im Taunus (auch bei Wiesbaden) — Mai. I, III. T. maxima Poda — im Frankfurter und Schwanheimer Wald, im Taunus und bei Birstein — Mai und Juni. I, III, V. T. melanoceros Schum. — bei Offenbach im Mai (S. S.). I. T. mellea Schum. — am Feldbeig im Mai ; v. Hej^den zog die Art aus dürrem Holz. I, III. I. nigra L. — bei Enkheim, im Frankfurter und Schwanheimer Wald, bei Wisseisheim — Juli und August. I, IV. T. nubeciilosa Meig. — im Offenbacher Wald (S. S.), bei König- stein (S. H.) und Wiesbaden (S. K.) — Mai und Juni. I, III. T. ochracea Meig. — im Frankfurter Wald, bei Wiesbaden (S. K.) — Juni. I, III. T. oleracea L. — im Frankfurter und Enkheimer Wald (S. S.), bei Wiesbaden i^S. K.), Wisseisheim (S. S.) und Birstein (S. H.) — Juni bis Oktober. I, III, IV, V. T. paludosa Meig. — bei Offenbach und Bürgel (S. S.), bei König- stein (S. H.) — Juli bis September. I, III. T. pabulina Meig. — im April im Frankfurter Wald (S. H.). I. T. peliostigma Schum. — im Taunus. III. T. pridnosa Wied. — zog ich aus Larven im Mai ; an der Hohen Mark (S. S.). I, III. T. rufina Meig. ~ bei Wiesbaden (S. K.). III. T. scripta Meig. — überall in unseren Auwäldern; v. Heyden fand die Larve unter Moos. I. — 33 — T. sehne Meig. — bei Offenbach; im Frankfurter Wald (S.H.). I. T. tenuicornis Schum. — im Mai im Röderwald. I. T. truncorum Meig. — im Offenbacher Wald im Mai. I. T variipennis Meig. — im Röderwald (S. S.), bei Falkenstein und Soden (S. H.). I, HI. T. vernalis Meig. — an der Hohen Mark (S. S.) und bei Wies- baden (S. K.) — im Mai. III. T. vittata Meig. — im Röderwald (S. S.) und bei Wiesbaden (S. K.) im Mai und Juni. I, III. Pachyrrhiua Macq. P. analis Schum. — im Röderwald (S. S.) — August. I. P. cornicina L. — bei Königstein im Juli. III. P. crocala L. — im Mai und Juni in den Wäldern nicht selten. I, III, V. P. lineata Scop. — bei Hohenstein im Juli (S. S.) und bei Wies- baden (S. K.). III. P. limulicornis Schum. — Anfang Juni bei Bingen (S. H). II. P. maculata Meig. — bei Offenbach im Mai (S. S.), bei Wies- baden (S. K.). I, III. P. pratensis L. — ist von April bis August in den Wäldern gemein. I — V. P. Scolaris Meig. — kommt nach Jaennicke bei Frankfurt vor. I. Cylindrotomidae. Cylindrotouia Macq. C. distinctissima Wied. — in der S. H. von der Schmitte. IV. Liogma O.-S. L. glabrata Wied. — bei Frankfurt (Jaennicke). I. II. Orthorrhapha Brach ycera. Strationiyiida e. Pachygastrinae. Pachygaster Meig. P. atra Panz. — ist im Mai und Juni im Frankfurter Wald häufig. Ich erbeutete sie alljährlich im Stationsgebäude der Waldbahn in Neu-Isenburg in großer Anzahl am Fenster ; 3 — 34 — V. Heyden erhielt das Tier aus überwinterten Baum- stämmen. I. P. Leachii Curt. — im Frankfurter Wald sehr selten (Jaen- nicke). I. P. meromelas Duf. — v. Heyden zog die Art aus Holz. [Das von Jaen nicke als P. argenüfer beschriebene Tier trägt den Zettel „P. meromelas Duf. vid. Low."]. I. P. minutissima Zett. — erhielt v. Heyden aus dürrem Holze. [Das als P. tenella von Jaennicke beschriebene Stück wurde von Low. als P. minutissima Zett. erkannt]. var. imicolor Jaenn. (1 Exemplar) wurde von v. Heyden aus faulem Holze gezogen. I. P. tarsalis Zett. (=:r rohiistus Jaenn.) erhielt v. Heyden in großer Anzahl im Juni aus dürrem Holze und aus Baumschwämmen. L Ephippioinyia Bezzi. E. ephippium Fabr. — fand ich wiederholt im Juni im Frank- furter Wald, bei Kelsterbach und Enkheim; v. Heyden zog das Tier aus Larven, die er im September in einem Neste von Formica fuUginosa fand, — bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Nemotelus Geoffr. N. fraternus Low. — Nur ein von Low selbst bestimmtes Exem- plar in der S. H. I. N. nigrinus Fall. — ist im Mai bei Oberursel nicht selten — auch bei Wiesbaden (S. K.). III. N. notatus Zett. — besitze ich von den salzigen Wiesen bei Wisseisheim (August), in der S. H. von Nauheim und Soden. III, IV. N. pantherinus L. — fing ich bei Oberursel und bei Wissels- heim. III, IV. JSf. uliginosus L. — gleichfalls aus Wisseisheim in meiner Samm- lung; V. Heyden erbeutete das Tier bei Soden. III, IV. Oxycera Meig. 0. amoena Low — befindet sich in zwei Exemplaren in der S. H. I. NB. 0. engadensis Jaenn. ist nach Low nur eine Va- rietät von 0. amoena Lw. 0. analis Meig. — aus Schwanheim (Jaenn.). I, — 35 — 0. formosa Meig. — kommt im Mai im Taunus hie und da vor. (Oberursel, Soden). III. 0. Meigenü Staeg. — In der S. H. befinden sich 7 Stück, die im Juli auf Hecken gefangen wurden, ein Stück stammt aus Bürgel bei Offenbach; ein weiteres Exemplar wurde aus einer Puppe gezogen, die an einer nassen Stelle im Frankfurter Wald gefunden wurde. I. 0. pulchella Meig. — einige Exemplare in der S. H., die im Juli auf Hecken erbeutet wurden ; ein Stück trägt als Fundort Soden; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. O.pygmaea Fall. — kommt nach Jaennicke selten im Taunus vor. (Das eine Exemplar in der S. H. stammt aus dem En- gadin.) III. 0. trilineata Fabr. — erbeutete ich mehrmals bei Enkheim ; in der S. H., auch einige Stücke aus den Torfstichen bei Eber- stadt (Juli); bei Wiesbaden (S. K.) I, III. Stratiomyiinae. Hirtea Scopoli. H. Jongicornis Scop. — ist im Frankfurter Wald im Mai und Juni auf Blüten nicht selten. Ich erzog das Tier im Mai aus Larven, die ich im August in einer Pfütze fand und die als Puppe überwinterten. — Bei Wiesbaden (S. K.) I, III, IV. Stratiomyia Geoör. Str. chamaehon L. — ist im Oö'enbacher und Frankfurter Wald im Juni und Juli auf Blüten nicht selten. Ich zog sie wiederholt aus Larven. I. Str. equestris Meig. — erbeutete ich nur zweimal im Juli bei Offenbach. I. Str. furcata Fabr. — findet sich im Juni und Juli vereinzelt in der Ebene: bei Offenbach, Oberrad und im Frankfurter Wald. Ich erhielt mehrere Stücke aus Larven, die ich Anfang Juni in einem Tümpel bei Griesheim fand. I, Str. potamida Meig. — scheint sehr selten zu sein. Ich besitze nur ein Stück aus der hiesigen Gegend, das ich im Mai 1896 bei Offenbach erbeutete. In der S. H. befindet sich kein Exemplar aus der Umgegend von Frankfurt. I. 3* — 36 — Odoiitomyia Meig. 0. angulata Panz. — befindet sich in zwei Stücken aus Dorn- holzhausen in der S. H. III. 0. annulata Meig. — fand ich einmal im Juni bei der Hohen Mark. In der S. H. gleichfalls nur ein Stück mit der Be- zeichnung „Frankfurt". I, III. 0. argentata Fabr. — ist durch ein Stück aus hiesiger Gegend in der S. H. vertreten. I. 0. felina Panz. — kommt nach Jaennicke sehr selten in der Umgebung von Frankfurt vor. I. 0. hydroleon L. — kommt nur vereinzelt im Taunus vor. IIL 0. ornata Meig. — ist im Mai an sumpfigen Stellen nicht selten. Ich habe die Art wiederholt aus Larven gezogen. I, III. 0. tigrina Fabr. — ist im Frankfurter und Offenbacher Wald im Mai und Juni häufig. Ich habe sie alljährlich in größerer Anzahl aus Larven gezogen ; auch bei Wiesbaden (S. K.). I, IIL Hoplodonta ßond. H. viridula Fabr. — findet sich häufig von Mai bis Juli im Frankfurter und Offenbacher Wald. Ich zog sie wieder- holt aus Larven und Puppen. I, III. var. canina Panz. ist die häufigste Form, var. subvittata Meig. kommt nur ganz vereinzelt im Taunus und auf dem Kühkopf vor. Sarginae. Chrysochroma Willist. Gh. bipundatum Scop. — 1 Stück aus Frankfurt in der S. H. I. Sargus Fabr. S. cuprarius L. — ist von Mai bis Juli auf Blättern gemein, var. nuheculosiis Zett. — 2 Stück in der S. H. aus Soden; auch bei Wiesbaden. I, III. 8. iridatus Scop. — ist im Juni nicht selten im Taunus zu finden. III. Chloromyia Dune. Chi. formosa Scop. — ist im Mai und Juni auf Blättern gemein. I, III, V. Microchrysa Lw. M. polita L. — ist von Mai bis August überall gemein. I— V, — 37 — Beridinae. Beris Latr. B. chalyheata Forst. — ist im Mai und Juni im Frankfurter und Offenbacher Wald nicht selten. I. B. clavipes L. — 2 von Low bestimmte Tiere dieser Art be- finden sich aus der Umgebung von Frankfurt in der S. H. bei Wiesbaden (S. K.). I, III. B. fuscipes Meig. — ist von Mai bis Juli in der Ebene und im Taunus nicht häufig. Ich besitze auch 3 Stück aus dem nördlichen Taunus (Hohenstein). I, III. B. vaUata Forst. — kommt nur ganz vereinzelt im Gebiete vor. Ich erbeutete 2 Stück Anfang Juni am Buchrain- weiher bei Offenbach; auch bei Wiesbaden. I, III. Actina Meig. A. nitens Latr. — findet sich sehr selten im Taunus (Falken- stein, V. Heyden) und im Frankfurter Wald. Ich besitze auch ein Stück aus Schwanheim (Bucking). I, III. Chlorisops Rond. Chi. tibialis Meig. — In der S. H. fand ich ein von Low be- stimmtes Stück aus Frankfurt. I. Xylophagidae. Xylophag-us Meig. X. ater Meig. — fing ich nur zweimal im Freien (Mai), v. Heyden zog das Tier in großer Anzahl aus Holz. I. var. compeditus Mg. — gleichfalls aus Holz gezogen (S. H.). Xylomyia Rond. X. maciilata Meig. — erhielt ich aus einer Puppe, die ich im Mai im Mulme einer hohlen Buche fand. v. Heyden zog das Tier in großer Anzahl aus dürrem Holz. I. X. marginata Meig. — v. Heyden fing im Mai zwei Stück bei Biebrich am ausfließenden Safte von Aesculus Iiippocastanum; vom Neroberg bei Wiesbaden in der S. B. II, III. X. varia Meig. — kommt nach Jaennicke in der Frankfurter Gegend vor. Die Art fehlt in der S. S. und in der S. H. — 38 — Coenomyiidae. Coenomyia Latr. C. ferruginea Scop. — ist im Taunus und Vogelsberg von Mai bis Juli nicht selten. Ich besitze die Art aus Königstein und Oberursel, v. Heyden aus Alsfeld und besonders zahl- reich aus Falkenstein. Außerdem besitze ich auch ein Stück aus dem Röderwald (Dr. Guide). I, III, V. Tabanidae. Pangoniinae, Chrysops Meig. Chr. coecutiens L. — ist im Taunus nicht selten ; ich besitze auch einige Exemplare von Neu-Isenburg (Juli und August). I, III. Chr. parallelogrammus Zett. — bei Wiesbaden (S. K.). III. Chr. quadratus Meig. — ist ziemlich selten. Ich besitze Stücke aus Offenbach und Auerbach a. d. Bergstraße; auch bei Wiesbaden (S. K). — Juni und Juli. I, III. Chr. relidus Meig. — ist im Taunus und in der Ebene häufig, wie die zahlreichen Fundstellen von Tieren in der S. H. und in meiner Sammlung beweisen. I, III. Chr. rußpes Meig. — findet sich am Wasser, wenn auch nicht häufig. Ich besitze Stücke aus dem Offenbacher Wald und vom Kühkopf; v. Heyden fand das Tier bei Rumpenheim und Bürgel. - Bei Wiesbaden (S. B.). I, III. Tabaninae. Hexatoiua Meig. H. pellucens Fabr. — ist nicht häufig. In meiner Sammlung sind mehrere Tiere aus Offenbach, darunter ein Männchen, das ich am 1. Juni an Evonymusblüten fing; auch bei Wies- baden. — Juni bis September. I, III. Haematopota Meig. H. italica Meig. — ist bei uns recht selten. Ich besitze nur 2 Weibchen aus dem Offenbacher Wald (Juli). I. H. pluvialis L. — ist dagegen von Juni bis Ende September im ganzen Gebiete gemein. I — V. — 39 — Tabamis L. T. aidmnnaUs L. — findet sich im September am Feldberg sehr vereinzelt. III. T. hovinus L. — ist von Juni bis September in der Ebene und im Gebirge häufig. Ich fing ihn wiederholt au den Blüten von Evonymus. Die Männchen schweben über Rasenflächen in der Luft. I— V. T. bromius L. — ist gleichfalls den ganzen Sommer sehr ge- mein. I — V. T. cordiger Meig. — fing ich einmal bei Hoheustein (Juli). III. T. fulvus Meig. — ist nicht sehr häufig. Ich besitze einige Stücke aus Offenbach. Auch die Exemplare in der S. H. sind aus der Ebene; bei Wiesbaden (S. K). I, III. T. gigas Herbst — ist nicht häufig. Ich besitze ein Männchen, das ich bei Offenbach Ende Mai an Evonymus fing, und ein Weibchen aus Oberursel. In der S. H. ein Stück, das am Fenster gefangen wurde. I, III. T. glaucopis Meig. — kommt nach Jaennicke nicht selten im Frankfurter Wald vor; — bei Wiesbaden (S. K.). I, III. T. luridus Fall. — ist nicht häufig. Ich besitze je ein Stück aus Schwanheim, Neuweilnau und vom Kühkopf (Anfang Juni). I, III. T. macnlicornis Zett. — ist in der Ebene ziemlich häufig. Fund- orte : Offenbach , Eöderwald und Kühkopf, Rauental und Wiesbaden (S. B.). (Ende Mai und Anfang Juni). I. II, III. T. micans Meig. — ist namentlich im Taunus von Juni bis August recht häufig. Das Männchen setzt sich im Sonnenschein auf den Weg (v. Heyden). I — V. T. montanns Meig. — ist im Mai und Juni recht häufig im Ge- birge. Ich besitze Tiere aus Neuweilnau, von der Hohen Mark, aber auch aus der Bergstraße; bei Wiesbaden (S. K.). Flugzeit : Ende Mai bis August. I, III. T. pJehejus Fall. — ist in der S. H. durch Stücke vom Kleinen Feldberg und aus Birstein vertreten. Ein Stück trägt die Bezeichnung „Bergen (August), an Umbelliferen"; — bei Wiesbaden (S. K.). I, III, V. T. rnsticus L. — ist im August an nassen Stellen ziemlich häufig. In meiner Sammlung befinden sich nur Stücke aus der Ebene ; in der S. H. auch ein Exemplar aus Birstein. I, III, V. — 40 — T. solsüüalis Schin. — erbeutete ich mehrmals im Juni bei Offen- bach ; bei Wiesbaden (S. B.). I, III. T. spodopterus Meig. — scheint recht selten zu sein. Ich besitze nur ein Stück vom Feldberg. Flugzeit: Juli. III. T. sudeücus Zell. — ist nicht sehr häufig. Ich besitze mehrere Exemplare, die ich im August in Eppstein erbeutete. III. T. tropicus Panz. — kommt im Mai und Juni in der Ebene und im Gebirge recht häufig vor. I — V. Leptididae. Leptidinae. Atherix Meig. Ath. Ibis Fabr. — ist nicht häufig im Taunus (Jaennicke). III. Ath. marginata Fabr. — im Taunus, Anfang Juli (S. B.). III. Leptis Fabr. L. anmdata Deg. — fand ich zwei Mal Ende Mai bei Offenbach an Baumstämmen; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. L. conspicua Meig. — im Frankfurter Wald (Jaennicke); in mei- ner Sammlung aus Auerbach an der Bergstraße ; bei Wies- baden. — Mai bis Juli. I, III. L. hnmacidata Meig. — in meiner Sammlung aus Offenbach, Hohenstein und Lorch a. Rh. (Juni und Juli). I, II, III. L. latipennis Low — Zwei Stück in meiner Sammlung, die ich Ende Mai im Luhrwald bei Offenbach fing; bei Wies- baden (S. K.). I, III. L. liueola Fabr. — kommt nach Jaennicke im Frankfurter Wald vor. Ich besitze Stücke aus Offenbach und Auerbach an der Bergstraße; bei Wiesbaden (S. B.) — Juni. I, III. L. maculata Deg. — aus Offenbach; in der S. H. auch aus Ober- ursel; bei Wiesbaden (S. B.). I, III. L. notata Meig. — kommt nach Jaennicke selten im Frankfurter Wald vor. I. L. scolopacea L. — ist im ganzen Gebiete nicht selten. I— V. L. strigosa Meig. — erbeutete ich zweimal bei Offenbach (An- fang Mai und Anfang Juli). I. L. tringaria L. — ist nicht sehr häufig. In meiner Sammlung sind Stücke aus Offenbach, dem Frankfurter Wald, Ober- — 41 — ursel und Hohenstein; bei Wiesbaden (S. B.). Flugzeit: Juli bis September. 1, III. L. vitripennis Meig. — fing ich einmal bei Offenbach Ende Mai und einmal bei Neuweilnau ; bei Wiesbaden häufiger. — Mai und Juni. I, III. Chrysopilns Macq. Chr. auratus Fabr. — ziemlich häufig im Frankfurter Wald, bei Offenbach und im Taunus. I, III. Chr. aureus Meig. — seltener wie die vorhergehende Art. Ich besitze Stücke aus Offenbach, Schwanheim und vom Küh- kopf; bei Wiesbaden. — Juni und Juli. I, III. Chr. erythrophthalmus L. — bei Wiesbaden (S. K.). III. Chr. flaveolus Meig. — fing ich zweimal, in Offenbach (Mai) und Schwanheim (August). I. Chr. helvolus Meig. — kommt nach Jaennicke bei Büdingen vor; bei Wiesbaden (S. B.). IIL V. Chr. nubeculns Fall. — wurde in der Umgebung von Frankfurt von mir noch nicht gefangen, er findet sich aber nach Jaennicke im Taunus. III. Sympboroinia Frauenf. S. Immaculata Meig. — bei Wiesbaden im Juni (S. B.). III. Acroceridae, Acrocerinae. Acrocera Meig. A. globulus Panz. — ist nicht häufig. Ich besitze ein Stück, das Herr Bickhardt im Enkheimer Wald fand. Nach Jaennicke kommt die Art auch bei Schwanheim und Büdingen vor. In der S. H, aus Birstein. I, V. Oucodes Latr. 0. gihhosus L. — ist nicht selten im Frankfurter, Enkheimer und Offenbacher Wald. (Juni und Juli). I. 0. pallipes Latr. — Jaennicke fing ein Stück bei Kelsterbach. I. 0. varius Latr. — scheint bei uns sehr selten zu sein. In der S. H. sind einige Stücke aus dem Taunus, Eine Puppe fand von Heyden auf einem Blatt. III. -_ 42 — 0. sonatus Erichs. — ist gleichfalls recht selten. Nach Jaennicke sind Fundorte Schwauheim und Büdingen. In der S. H. aus Birstein, bei Wiesbaden (S. K.). I, III, V. Asilidae, Dasypogoninae. Lepto^aster Meig. L. cylindrica Deg. — bei Offenbach, Enkheim, Oberursel, König- stein, Soden und Wiesbaden. In der S. H. auch aus Bir- stein. Flugzeit: Ende Mai bis Juli. I, III, V. L. guttiventris Zett. — aus Ems in der S. H. (Juli). III. L. nigricornis Lw. — fing ich in 4 Exemplaren im Juli bei Offenbach. I. L. puhicornis Lw. — in der S. H. aus Frankfurt ; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Anmerkung: Die von Jaennicke als L. piisüla Jaenn. beschriebenen Stücke tragen den von Low selbst geschrie- benen Vermerk : „ist die normsde pubicornis Lw." Die Art ist demnach einzuziehen. Dioctria Meig. D. atricapilla Meig. — ziemlich häufig im Frankfurter, Offen- bacher und Schwanheimer Wald; in der S. H. aus Soden und Lorsbach: bei Wiesbaden (S. K.). Mai und Juni. I, III. D. Baumhaueri Mg. — besitze ich aus Schwanheim (Juni); bei Wiesbaden (S. B.). I. D. flavipes Meig. — ist recht häufig. Ich besitze Exemplare aus Offenbach und dem Taunus ; v. Heyden solche aus Morabach, Lorsch und Eberstadt; bei Wiesbaden (S. K.). — Ende Mai bis Juli. I, IL III. I). Harcyniae Lw. — bei Wiesbaden im Juni und Juli. III. D. hyaUpennis Fabr. — scheint recht selten zu sein. Ich fing einige Exemplare Mitte Juli bei Offenbach ; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. D. linearis Fabr. — ist ebenfalls selten. Ich fing ein Stück am 1. Juni auf dem Kühkopf; in der S. H. gleichfalls nur ein Stück aus Soden, auch in der S. K, ein Stück aus Wiesbaden. I, III. — 43 ~ D. longicornis Meig. — kommt uach Jaenii. bei Dornholzhausen vor; bei Wiesbaden (S. K.). 111. B. oelanäka L. — ist nicht selten. Ich besitze Stücke aus dem Röderwald, aus Ofienbach und Hohenstein ; v. Heyden fing die Art bei Hof heim und am Feldberg; bei Wiesbaden (S. K.). (Juni und Juli) I, III. D. Beinhardi Wied. — in der S. H. aus Birstein, bei Wies- baden (S. K.). IIT, V. B. rufipes Deg. — kommt im Mai und Juni im ganzen Gebiete zerstreut vor. Fundorte : Enkheim, Offenbach, Schwan- heim, KiJnigstein und Hohe Mark; Wiesbaden. — Mai bis Juli. I. III. Dasypogon Meig. B. teutonns L. — besitze ich aus Auerbach, Jaennicke aus Jugenheim, v, Heyden aus den Wiesen am Main und von Birstein ; bei Wiesbaden (S. K.). Die Art ist selten. Juni bis August. I, III, V. Selidopog-on Bezzi. *S^. diadema Fabr. — kommt im Juni und Juli auf sandigen Stellen an der Bergstraße vor. Fundorte : Auerbach^ Eber- stadt, Jugenheim. I. Holopogou Lw. H. fumipennis Meig. — nach Jaennicke bei Schwanheim, in dei' S. H. aus Lorsch (Rheinhessen), in der S. K aus Wies- baden. I, II, III. H. nigripennis Meig. — erbeutete Jaennicke bei Eberstadt, V. Heyden bei Ems. Anfang Juni. I, III. Lasiopogon Lw. L. cinctus Fabr. — besitze ich aus Offenbach, v. Heyden aus dem Frankfurter Wald und von Mombach (Mai bis Juni). I. Cyrtopogon Lw. C. lateralis Fall. — 2 c? dieser schönen Art fand ich Ende Mai am Altkönig auf Steinen sitzend. III. Laphria Meig. L. aurea Fabr. — wurde nur ein einziges Mal im Freien be- obachtet. Ich fing 4 Stück im Juli 1897 am Fuchstanz. Die Stücke in der S. H, sind aus Holz gezogen. III. — 44 — L. diodriaeformis Meig. — scheint recht selten zu sein. 2 Stück aus dem Offenbacher Wald im Juli; bei Wiesbaden und im Taunus (S. B.) - — Juli bis September. I, III. L. fimhriata Meig. — besitze ich aus Hohenstein (Juli 1905). III. L. flava L, — ist im Juni und Juli im Taunus häufig, seltener in der Ebene. (Ich fing sie einigemal im Offenbacher Wald.) In der S. H. auch aus Birsteiu. I, III, V. L. fuUginosa Panz. — fing ich einmal im Juni in copula an der Oberschweinstiege, Jaennicke am Oberforsthaus. I. L. fiilva Meig. — erhielt ich Mitte Juni im Röderwald und Ende August am Forsthaus. v. Heyden hat zwei Exemplare aus Puppen gezogen. I. L. gibhosa L. — kommt nach Jaennicke im Taunus vor. III. L. gilva L. — ist im Taunus von Juni bis August nicht sehr selten. Fundorte: Lorsbach, Köuigstein, Oberursel und Wiesbaden. Ein Stück fing ich auch Mitte Juli in Offen- bach in einem photographischen Atelier. I, III. L. marginata L. — kommt im Juni und Juli in der Ebene ver- einzelt, im Taunus häufiger vor. I, III. Andrenosouia Rond. A. atrum L. — ist bei uns ziemlich selten, in der S. H. aus Schwanheim und Mombach; bei Wiesbaden Ende Juli (S. B.). I, II, III. Asilinae. Philonicus Lw. Ph. albiceps Meig. — ist von Ende Juni bis zum Herbst in der Ebene ziemlich häufig. Im Taunus scheint das Tier nur selten vorzukommen. Fundorte: Frankfurter Wald, Enk- heim, Schwanheim, Mombach, Wiesbaden (S. K.). I, III. Pampoueriis Lw. P. germanicus L. — scheint gleichfalls im Taunus selten zu sein. In der Ebene bis jetzt gefunden im Frankfurter Wald, im Luhrwald bei Offenbach, bei Mombach und an der Bergstraße; im Taunus bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Asihis L. Ä. crahroniformis L. — fing ich im August und September öfters auf dem Schwanheimer Sand und den angrenzenden Feldern. — 45 — In der S. H. sind Stücke aus Mombach; bei Wiesbaden (S. K.). I, II, III. Antipalu8 Lw. A. varipes Lw. — fing ich zweimal im Juni bei Scliwanheim ; V. Heydeu besitzt das Tier aus Mombach. Jaennicke gibt als Fundort Rüsselsheim an ; bei Wiesbaden (S. K.). I, II, III. Prolophanes Lw. P. pundipennis Meig. — fing ich zweimal im Juli bei Offenbach. Jaennicke gibt als Fundort die Bergstraße an. I. Dysmachus Lw. (= Lophouotns Macq.) D. forcipula Zell. — ist von Juni bis August recht häufig. Ich besitze Tiere aus Eukheim und von der Hohen Mark; V. Heyden erbeutete das Tier alljährlich in großer Anzahl bei Falkenstein; bei Wiesbaden. I, III. D. spiniger Zell. — ist nicht gerade häufig. Ich fing das Tier einige Mal bei Offenbach und im Röderwald, Jaennicke im Taunus. — Ende Mai bis Juli. I, III. D. trigonus Meig. — ist nicht selten in der Ebene und im Taunus. — Juni und Juli. I, III. Eutolmus Lw. Eu. rufibarhis Meig. — fing ich wiederholt im Juli bei Offenbach. Die Stücke aus hiesiger Gegend in der S. H. stammen aus dem Taunus. I, III. Machimus Lw. M. atricapillus Fall. — ist im Juli und August nicht selten im Offenbacher und Frankfurter AVald, im Taunus und Vogels- berg. I, III, V. M. chrysitis Meig. — in der S. H. aus dem Taunus. III. M. rusticiis Meig. — gleichfalls aus dem Taunus in der S. H.; bei Wiesbaden (S. K.}. III. Neoitamus Ost.-Sack. N. cothurnatus Meig. — im Jammertal bei Katzenelnbogen (Juli 1905). III. N. cyanurus Lw. - - fing ich wiederholt im Offenbacher Wald. Ein Tier zog ich aus einer Puppe, die ich unter einem Stein fand. Flugzeit: Juli und August. I. — 46 — N. geniculates Meig. — ist von Jnni bis September in der Ebene und im Taunus häufig. I, III. Helig'nioiieura Big. H. flavicornis Ruthe. — in der S H. aus Schwanheim; bei Wies- baden (S. K.). I, III. H. palUpes Meig. — fand ich einmal im August im Offenbacher Wald; bei Wiesbaden (S. K ). I, III. Epitriptus Lw. E. arthriticus Zell. — fing ich Ende Juni im Enkheimer Wald. In der S. H. sind Exemplare aus Mombach und dem Taunus. I, II, III. E. cingulatus Fabr. — im Juli und August vereinzelt. Fund- orte : Frankfurter Wald, Enkheim, Oifenbach, Taunus. I, III. Tolmerus Lw. T. poecilogaster Lw. — Mitte Juli im Taunus (S. B.). III. T.pyragra Zell. — vom Oberforsthaus im August; in der S. H. gleichfalls aus dem E^rankfurter Wald. I. Bombyliidae. Anthracinae. Exoprosopa Macq. E. capucina Fabr. — im Juni und Juli an sandigen Stellen in der Nähe von Kieferwäldern: im Frankfurter und Offen- bacher Wald, auf dem Schwanheimer Sand; in der S. H. aus Mombach; bei Wiesbaden (S. K.). I, II, III. E. Cleomene Egg. — 6 Stück im Juli bei Hohenstein an Thymian (S. S.). III. Arg-yramoeba Schin. Ä. anthrax Schrank (= sinuata Meig.) — fing ich bei Walldorf an Klafterholz, am Fuße des Turmes auf dem Staufen, bei Oberursel; in der S, H. aus dem Frankfurter Wald; in der S. ß. vom Pferdskopf und vom Chausseehaas bei Wies- baden. Flugzeit: Ende Mai bis September. I, III. Ä. hinotata Meig. — ein Stück im Juli bei Hohenstein an Steinen (S. S.). III. Ä. varia Fabr. — findet sich von Juni bis Mitte August an sandigen Stellen, besonders auf blühendem Thymian. Fund- — 47 — orte: Trift bei Offenbach, am Goldstein, am Schwanheiraer Sand, Hohenstein. I, III. Hemipenthes Lw. H. morio L. — ist von Juni bis September überall auf Wald- wegen gemein. Ich zog das Tier aus Larven, die in den Raupen von Panolis piniperda schmarotzten. I — V. Autlirax Fabr. A. afer Fabi'. — kommt mit Arg. varia Fabr. auf sandigen Stellen vor. S. oben ! I, II. A. circumdatiis Meig. — am Altkönig (S. S.), bei Wiesbaden (S. K. und S. B.). III. A. fenestratus Fall. — findet sich an denselben Stellen wie Arg. varia Fabr. S. oben! I, II. A. hottentottus L. — nicht selten im Frankfurter und Offen- bacher Wald und bei Wiesbaden. (Juli und August). I, III. A. maurus L. — am Goldstein und im Luhrwald bei Offenbach (S. S.), bei Wiesbaden (S. K.). — Juli und August. I, III. A. Panisais Rossi — kommt nach Jaennicke im Taunus vor; bei Wiesbaden (S. B.). III. Lomatiinae. Lomatia Meig. L. lateralis Meig. — bei Wiesbaden (S. K.). III> Bombyliinae. Bombjiius L. B. ater Scop. — ist im Juni an sonnigen Hängen im Taunus nicht selten. Fundorte: Hohe Mark (besonders die Ab- hänge des Altkönigs), Doruholzhausen und Homburg. III. B. canescens Miku. — fing ich einigemal auf der sogenannten Trift bei Offenbach; bei Wiesbaden (S.K.). (Mai und Juni.) I, III. B. cinerascens Mikn. — kommt in hiesiger Gegend selten vor (Jaennicke) ; bei Wiesbaden (S. K.). III. B. discolor WC&n. — ist von Mitte Mai bis Juni an Waldrändern auf Blüten nicht selten. I — V. B. fugax Wied. — scheint sandige Orte zu bevorzugen, ich fing das Tier nur auf der sandigen Trift am Mühlheimer Weg — 48 — bei Offenbach. Die Stücke in der S. H. stammen von Mom- bach, also gleichfalls von Sandboden. I, II. B. major L. — ist bei uns die häufigste Art, die von Mitte März bis Mai an blumenreichen Orten stets zu treffen ist. I— V. B. medius L. — wurde von Jaennicke bei Schwanheim ge- fangen. I. B. minor L. — in der S. H. von Mombach. II. B. venosus Mikn. — fing ich im Mai mehrere Male bei Offen- bach, Jaennicke im Frankfurter Wald. In der S. H. be- finden sich Stücke aus dem Taunus ; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Anastoechus Ost.-Sack. Ä. nitidulus Fabr. — fing ich in mehreren Exemplaren in der Nähe der Hanauer Pulverfabrik (13. 6. 1897). I. Systoechus Lw. S. denopterus Mikn. — besitze ich aus Offenbach, Hanau und aus Hoheustein ; v. Heyden aus dem Frankfurter Wald. Flugzeit: Juni und Juli. I, III. S. sidphiireus Mikn. — erbeutete ich öfters im Luhrwald bei Offenbach und bei Schwanheim ; die Stücke in der S. H. stammen vom Entensee bei Bürgel. Flugzeit: Juni und Juli. I. » Dischistns Lw. D. minimus Schrank — befindet sich in der S. H. in mehreren Stücken aus Dornholzhausen. III. Phthiria Meig. PUh. canescens Lw. — kommt wohl überall, wenn auch nicht häufig," in der Ebene vor. Fundorte: Offenbach, Rumpen- heim, Langen, Soden, die Hohe Mark und Wiesbaden (Juli und August). I, 111. Phth. miniita Fabr. — in der S. H. aus dem Taunus. III. PUh. pidicaria Mikn. — ist im Juni und Juli recht häufig in der Ebene und im Gebirge. Fundorte: Offenbach, Mom- bach, Königstein, Hohe Mark, Dornholzhausen, Wiesbaden. I, II, III. Ploas Latr. PI. virescens Fabr. — fing ich im Mai und Juni wiederholt bei Offenbach; in der S, K. von Wiesbaden. I, III. — 49 — Therevidae. Thereva Latr. Tli. anilis L. — auf sandigem Boden nicht selten. Röderwald, Enkheim, Mombacli, Offenbach, Walldorf. Flugzeit: Mai und Juni. v. Hej-den zog das Tier Mitte Mai aus dürrem Waldholz. I, II. Tli. annulata Fabr. — erbeutete ich mehrmals auf der Offen- bacher Trift. In der S. H. gleichfalls von saudigen Stellen (Mombach); ein Stück wurde aus einer Larve gezogen, die V. Heydeu Anfang Mai in faulem Eichenholze fand ; bei Wiesbaden (S. K.). I, II, III. Th. arcuata Lw. — kommt nach Jaennicke selten im Gebiete vor; bei Wiesbaden (S. K.). III. Th. bipunctata Meig. — gleichfalls sehr selten (Jaennicke). III. Th. circumscripta Lw. — fand Böttcher Mitte Juli im Taunus. III. Th. fulvci Meig. — fing ich einigemale im Juli bei Offenbach. I. Th. margimda Meig. — ist ziemlich häufig bei Offenbach, Mom- bach, in der Bergstraße und im Taunus (Mai und Juni). I, II, III. Th. nohilitata Fabr. — fing ich nicht selten bei Offenbach, Schwanheim und im Röderwald, Kirschbaum bei Mombach und Wiesbaden. Flugzeit: Juni und Juli. v. Heyden fand eine Puppe des Tieres am Fuße einer Eiche. I, II, III. Th. pleheja L, — fand ich Ende Mai einigemale bei Offenbach. I. Th. subfasciata Schum. — Mehrere Larven fand ich Ende Mai im Mulm einer hohlen Weide bei Offenbach; die Tiere schlüpften Mitte Juni aus; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Psilocephala Zett. Ps. ardea Fabr. — ist recht selten. Ich besitze einige Stücke aus dem Röderwald und ein Exemplar aus Mombach (Bucking). V. Hej-den fing das Tier bei Lorsch, Kirsch- baum bei Wiesbaden. Flugzeit : Ende Mai bis August. I, II, III. P.S. exiniia Meig. — ist in der S. S. nur durch ein Stück aus hiesiger Gegend (Offenbacher Wald) vertreten. Auch in der S. H. nur ein Stück aus der Frankfurter Gegend (Juni). I. Ps. melaleuca Lw. -— ist sehr selten; v. Heyden erhielt Ende Mai ein Tier aus einer Larve, die er im Winter in Eichen- mulm fand. I. 4 — 50 — Scenopinidae. Scenopinus Latr. Sc. fenestralis L. — fand ich im Juni und Juli nicht selten am Fenster, auch im Taunus, v. Heyden erhielt das Tier wiederholt aus faulem Eichenholz und aus Larven, die sich im Mulm hohler Eichen fanden. I, III. Sc. glahrifrons Meig. — ist nicht häufig. Ich besitze zwei Stück aus Schwanheim (1. VII). v. Heyden zog das Tier An- fang Juli aus dürrem Waldholz ; bei Wiesbaden (S. K.). I, III. Sc. niger Deg. — läßt sich aus dürrem Waldholz leicht ziehen (Mai). I. JEmp^idae. Hybotinae. Hybos Meig. H. femoratus Müll. — fand ich im Juli in Hohenstein, Jaen- nicke in Büdingen. III, V. H. fumipennis Meig. — besitze ich aus Eppstein und Hohen- stein. In der S. H. mehrere Tiere mit der Bezeichnung „Frankfurt". (Juli). I, III. H. cuUciformis Fabr. — ist in der Ebene wohl die häufigste Art. Fundorte : Frankfurter Wald, Offenbach, Cronberg. Falkenstein, Hohenstein, Wiesbaden. (Juli und August). I, III. H. (jrossipes L. — ist ebenfalls häufig im Frankfurter und Offenbacher Wald sowie im Taunus und Vogelsberg. Flug- zeit: Mai bis September. I, III, V. Syneches Walk. S. muscarius Fabr. — ist sehr selten. Ich besitze nur ein Stück aus Offenbach. In der S. H. gleichfalls nur ein Stück mit der Bezeichnung „Wiesen bei Offenbach." Flugzeit: Juli und August. I. Bicellaria Macq. B. rufa Meig, — fing ich in 4 Exemplaren am 22. 8. 1904 bei Oberursel. III. B. simpUcipes Zett. — 2 Stück aus Hohenstein (Juli), (S. S.); in der S. H. ein von Low bestimmtes Exemplar, gleichfalls aus dem Taunus; bei Wiesbaden (S. K.) Mai bis Juli, III, — 51 — B. spuria Fall. — ist im Juli und August im Taunus nicht selten; auch in der S. H. III. Empidinae. Rimiupliomyia Meig. Bh. albosegmentata Zett. — findet sich im April und Mai ver- einzelt im Frankfurter und Offenbacher Wald ; die von Low bestimmten Stücke in der S. H. sind ebenfalls aus der Gegend von Offenbach. 1. Eh. amoena Lw. - in der S. H. aus Frankfurt. 1. Wi. anthracina Meig. — im Taunus selten (Jaennicke). III. Bh. atra Meig. — besitze ich in mehreren Stücken aus dem Offenbacher Wald. (Mai). I. Bh. cinerascens Meig. — ist von Mitte April bis Ende Mai in der Ebene und im Taunus nicht selten. Ich besitze Tiere aus Offenbach und Oberursel, v. Heyden solche aus Bürgel und Falkeustein. I, III. Bh. genkulata Meig. — erbeutete v. Heyden Mitte Mai im Frankfurter Wald. I. Bh. nigripes Fabr. — schwebt gern über Wasserpfützen. Fund- orte: Luhrvvald bei Offenbach, Hof heim, Wiesbaden und Hohenstein. (Mai bis Juli). I, III. Bh. plaüjptera Panz. — kommt von Mai bis September im ganzen Gebiete, aber nur einzeln vor. Ein Stück in der S. H. trägt die Aufschrift: ^2. 5. abends im Zimmer". I— V. Bh. plumifera Zett. — fing ich einmal im Offenbacher Wald. (2. 5. 1896.) I. Bh. spinipes Fall. — besitze ich aus Offenbach und Hohenstein, V. Heyden aus Bürgel. (Juli bis September). I, III. Bh. spissirostris Fall. — erhielt ich aus Offenbach , v. Heyden aus Bürgel. (Mai). I. Bh. sulcata Meig. — ist im ganzen Gebiete, namentlich in feuchten Laubwäldern gemein. (April bis Juli). I — V. Bh. temdrostris Fall. — im Taunus nicht selten. III. Bh. tephraea Meig. — Mitte Juni am Chausseehaus bei Wies- baden (S. B.). III. Bh. tibialis Meig. — in der S. H. aus Birstein ; in der S. B. von Wiesbaden — Mai. III, V. 4* — 52 — Bh. umhripennis Meig. — aus Salzhausen und Birstein in der S. H. (August). IV, V. Rh. variabilis Fall. — aus Soden und Frankfurt (S. H.). I, III. Rh. vesiculosa Fall. — fing v. Heyden im Mai am Feldberg. III. Empis L. E. abbreviata Lw. — besitze ich in einigen Stücken vom Läramer- spieler Weg bei Offenbach. (Juni). I. E. aeqimlis Lw. — fing ich gleichfalls mehrere Male bei Offen- bach. I. E. albinervis Mg. — Offenbach Anfang Mai; v. Heyden er- beutete das Tier im Oktober am Feldberg. I, III. E. borealis Linn. — ist im Taunus nicht selten; ich besitze eine Reihe von Tieren dieser schönen Art aus dem Urseltal; V. Heyden solche „von der Sumpf stelle am Kleinen Feld- berg". Flugzeit: Mai. III. E. chioptera Fall. — findet sich von April bis August im ganzen Gebiete nicht selten. Fundorte : Frankfurter und Offenbacher Wald, Oberursel, Falkenstein, Königstein und Birstein. I — V. E. ciliata Fabr. — ist im Mai im Frankfurter und Offenbacher Wald nicht selten; aus Schwalbach in der S. B., in der S. H. befinden sich auch einige Exemplaie aus Birstein. I, III, V. E. decora Meig. — besitze ich nur aus dem Taunus (Oberursel) und aus Wisseisheim (Mai bis August). III, IV. E. discolor Lw. — Mehrere Exemplare in meiner Sammlung, die ich im Juli in Hohenstein erbeutete. III. E. fallax Egg. — erbeutete ich an einer Stelle im Luhrwald bei Offenbach in zahlreichen Stücken (Mitte April bis Ende Mai). I. E. femorata Fabr. — ist im Mai überall in unseru Wäldern häufig. I, III. E. grisea Fall. — in der S. H. vom Feldberg (Juni). III. E. livida L. — ist von Mai bis August in den Wäldern recht gemein. I, III. E. lugubris Lw. — Ein von Low bestimmtes Exemplar in der S. H. I. E. lidea Meig. — ist, namentlich im Mai, in unseren Wäldern recht häufig, auch bei Wiesbaden. Flugzeit: Mai bis Juli, I, III. — 53 — E. macidata Fabr. — flog ich Mitte Mai einige Male im Frank- furter und Offenbaclier Wald. Die Stücke in der S. H. sind aus dem Frankfurter Wald und aus Birstein. I, V. E. morosa Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. I. E. nitida Meig. — fing ich im Mai bei Offenbach ; v. Heyden erhielt das Tier aus Birstein. I, V. E. opaca Meig. — kommt im Mai gleichfalls im Offenbacher Wald vor. I. E. petmaria Fall. — besitze ich aus dem Luhrwald bei Offen- bach. I. E. 2)ennipes L. — ist selten in der Ebene, recht häufig dagegen im Gebirge. Fundorte: Königstein, Soden, Crontal, Bir- steiu und Hohenstein (Mai und Juni). I, III, V. E. plumipes Zett. — Ende Mai im Taunus (S. B.). III. E. punctata Meig. — besitze ich aus dem Frankfurter und Offenbacher Wald, v. Heyden auch aus Birstein. I, V. E. stercorea L. — ist im Mai und Juni auf Waldwiesen recht häufig in der Ebene und im Gebirge. I — V. E. tessellata Fabr. — ist überall gemein. Die Art besucht gern stark duftende Blüten. I — V. E. trigramma Meig. — erbeutete ich im Offenbacher Wald und an der Hohen Mark, Böttcher bei Wiesbaden, v. Heyden am Kleinen Feldberg und bei Birstein (Mai und Juni), I, III, V. E. vemalis Meig. — scheint recht selten zu sein. Ich besitze wenige Stücke aus Oberursel und Hohenstein, v. Heyden 2 Stücke aus Birstein (Mai bis Juni). Ill, V. E. vitripennis Meig. — ist gleichfalls sehr selten. Ich besitze 2 Stück aus dem Röderwald. (Juni). I. Hilara Meig. H. cJiorica Fall. — traf ich Ende Mai bei der Hohen Mark an einem Busch schwärmend. III. H. flaoipes Meig. — bei Wiesbaden im Juli (S. B.). III. H. fuscipes Fabr. — besitze ich von einer feuchten Stelle am Lämmerspieler Weg bei Offenbach. (April bis Mai). I. H. griseola Zett. — kommt im Frühjahr im Frankfurter und Offenbacher Wald vor. I. H. Jitorea Fall. — bei Wiesbaden im Juli. III. H. higuhris Zett. — fing ich im Mai einige Male im Enkheimer Wald. I. — 54 — H. matrona Hal. — in der S. H. mit der Bemerkung: „Schwebt in großen Mengen über stehendem Wasser". I. H. maura Fabr. — ist im Frankfurter und Offenbacher Wald gemein. (April bis Juni). I. //. nigrina Fall. — Ich besitze wenige Stücke aus dem Lnhr- wald bei Offenbach. (Mai). I. H. pilosa Zett. — am Buchrainweiher bei Offenbach und von der Hohen Mark. (Ende Mai). I, III. H.pinetorum Zett. — erbeutete ich in Anzahl bei Eppstein, V. Heyden bei Oberursel. (Mai bis August). III. Ocydrominae. Microphorns Macq. M. velutinus Macq. — ist im Juni im Frankfurter und Offen- bacher Wald an Blüten von Taraxacum officinale nicht selten. I. Oedalea Meig. Oe. apicalis Lw. — kommt nach Jaennicke in der Umgegend von Frankfurt vor. I. Oe. ßavipes Zett. — fand ich einmal Mitte Mai bei Jugeuheim an der Bergstraße. I. Oe.palUpes Zett. — wurde von Jaennicke aufgefunden. I. Ocydiomia Meig. 0. glabricula Fall. — ist von Mai bis September in Gebüschen und auf Blüten nicht selten. Fundorte : Frankfurter Wald, Oberursel, Crontal, Soden und Birstein. I, III, V. Leptopeza Macq. L. flavipes Meig. — erbeutete ich einmal Mitte Juni im Schwan- heimer Wald; V. Heyden besitzt das Tier von der Hohen Mark. I, III. Hemerodromiinae. Cliuocera Meig. (Eiicelidia Mik.) Eh. Zetter stedti Fall. — erbeutete ich Mitte Juli in Anzahl an einem Mühlwehr bei Hohenstein. III. Hemerodromia Meig. //. precatoria Fall. — erbeutete v. Heyden im Mai an einem Sumpf hinter dem Feldberg. III. — 55 — üolichocephala Macq. D. irrorata Fall. — 4 Stück aus Frankfurt in der S. H. 1. Trichopeza Rond. Tr. longicornis Meig. — fiug v. Hej'den im Juni im Reichenbach- tal. III. Tachydromiinae. Drapetis Meig. Dr.pusiUa Lw. — besitze ich vom Schwanlieimer und Rumpen- heimer Sand. In der S. H. gleichfalls einige Exemplare von letztgenanntem Orte. (August bis Oktober). I. Stilpon Lw. St. graminum Fall. — aus dem Frankfurter Wald ; auch in der S. H. I. Tachypeza Meig. T. nnhila Meig. — aus dem Frankfurter Wald (Oberschwein- stiege). I. Tachydromia Meig. T. cothurnata Macq. — kommt oft im Walde beim Streifen in das Netz. (Mai bis Juli). I. T. cursitans Fabr. — wie die vorhergehende Art, aber seltener. I. T. flavipes Fabr. — an der Guudraühle bei Wiesbaden Ende Mai (S. B.). III. T. fulvipes Meig. — wurde von Jaennicke erbeutet. I. T. lutea Meig. — im Juli bei Wiesbaden (S. B.). III. T. maculqjes Meig. — erhielt ich im Mai und Juni regelmäßig im Luhrwald bei Offenbach. I. T. major Zett. — ist im Mai im Offenbacher Wald nicht selten ; Böttcher fing die Art im Juli bei Wiesbaden. I, III. DolicJiopodidae. Dolichopodinae. Sciapns Zell. Sc. albifrons Meig. — besitze ich aus dem Frankfurter, Oö'en- bacher und Enkheimer Wald : in der S. H. vom Entensee bei Bürgel (Juli und August). I. Sc. confristans Wied. — erbeutete ich im Juni bei Schwanheim. I. — 56 — Se. longtdus Fall, — ting ich auf den sumpfigen Wiesen bei Walldorf ; v. Heyden besitzt Stücke vom Entensee bei Biirgel. Flugzeit: Juni bis August. I. Sc. nervosus Lehm. — besitze ich von der Oberschweinstiege und der Tempelseemühle bei Offenbach, v. Heyden von Bingen und Lorsch. (Juni bis September). I, IL Sc. platypterus Fabr. — kommt vereinzelt im Frankfurtei Wald vor. Ich besitze Tiere von der Königswiese, v. Heyden solche aus dem Wartforst und außerdem aus Birstein. (Juni und Juli). I, V. Sc. Wiedemanni Fall. — In der S. H. befinden sich einige Exem- plare dieser Art aus dem Frankfurter Wald und von Lorsch. I, IL Neui'igona Rond. N. Erichsonii Zett. — in der S. H. aus Frankfurt. I. N. ^pallida Fall. — aus dem Frankfurter und Seh wanheimer Wald ; in der S. H. auch aus Lorsch (Rheinhessen). I, II. N. quadrifasciata Fabr. — ist im Frankfurter und Offenbacher Wald recht häufig. Flugzeit: Mai bis Juli. I. Hygroceleuthus Lw. H. diadema Hai. — Ein c? dieser seltenen Art fing ich Mitte Juli im Offenbacher Wald auf Gebüsch, ein $ Mitte Juni im Röderwald. I. Dolichopns Latr. D. agilis Meig. — erbeutete ich in Anzahl bei Eppstein und Höllenstein. (Juli bis August). III. B. arbtistorutn Stann. — streifte ich im Juni am Buchrainweiher bei Offenbach. I. D. atratus Meig. — ist auf ausgedehnten Sumpfwiesen im Juni und Juli nicht selten. Fundorte: Walldorf, Höllenstein, Reichenbachtal. I, III. D. atripes Macq. — scheint recht selten zu sein. Ich besitze nur wenige Stücke aus dem Lorsbacher Tal (Juli). III. D. campestris Meig. — findet sich bei Wiesbaden. III. B. claviger Stann. — in der S. H. aus Frankfurt. I. B. confusus Zett. — besitze ich aus Walldorf; Jaennicke gibt Mombach als Fundort an ; in der S. H. Stücke mit der Bezeichnung Frankfurt. I, IL — 57 — I), discifer Stann. — in der S. H. vom Feldberg (Juni). III. D. excis'us Lw. — erbeutete ich wiederholt im Luhrwald und an der Rohrmiihle bei Offenbach (Mai und Juni). I. B. linearis Meig. — besitze ich aus dem Offenbacher Wald und aus Walldorf (Juni bis August). I. D. longicornis Stann. — ist in der S. H. aus Mainz vertreten. II. B. longitarsis Stanu. — ist in unseren Wäldern ziemlich ver- breitet, ohne häufig zu sein. Fundorte: Frankfurter und Offenbacher Wald, Eppsteiu und Höllenstein (Juli). I, III. B. nuhilus Meig. — ist recht selten ; in meiner Sammlung einige Stücke aus Offenbach ; v. Heyden besitzt Exemplare aus Soden (Mai und Juni). I, III. B.pennatus Meig. — Ich besitze ein Stück dieser Art aus Eppstein. III. B. picipes Meig. — fing ich einigemal an der Oberschweinstiege; in der S. H. sind Stücke aus dem Falkensteiner Wald und den Wiesen am Altkönig (April und Mai). I, III. B. pliimipes Scop. — ist im Mai und Juni auf den Walldorfer Wiesen nicht selten ; in der S. H. sind Stücke vom Feldberg und von Birstein. I, III, V. B. popidaris Wied. — in der S. H. aus Frankfurt. I. B. siynatus Meig. — besitze ich aus Eppstein und Hohenstein, V. Heyden aus dem Reichenbachtal und aus Birstein — Juni und Juli. III, V. B. simplex Meig. — fing ich bei Walldorf und a. d. Kühkopf in Anzahl ; auch in der S. H. (Juni). I. B. trivialisR?i\. — führt Jaennicke ohne nähere Fandortangabe auf. B. iingidatus L. — ist überall sehr häufig. I — V. B. urbanus Stann. — in der S. H. I. Poecilobothrns Mik. P. nohilitatus L. — fing ich wiederholt an der Tempelseemühle und im Luhrwald bei Offenbach. In der S. H. sind Stücke aus dem Weiher bei Oberrad und aus Rumpenheim (Juni und Juli). I. Hercostomns Lw. //. cJiaerophyUi Meig. — fing ich öfters am Fenster der Wald- bahnhaltestelle Neu-Isenburg und an der Oberschweinstiege. (Juli). I. — 58 — H. chrysosygas Wied. — ist nicht sehr häufig bei Oberrad, Offen- bach, Isenburg und der Oberschweinstiege. (Juni u. Juli). I. H. cretifer Walk. — fand ich in großer Anzahl im Taunus an Mühlwehren und Wasserfällen. Fundorte: Königstein, Epp- stein, Hohenstein. (Juli und August). III. H. germanus Wied. — im Frankfurter Wald häufig. (Mai bis August). I. H. gracilis Stann. — in der S. H. aus Frankfurt. I. H. nigripennis Fall. — am Forsthaus ; aus Lorsch in der S. H. I, II. H. rust ICHS Lw. — in der S. H. I. H. vivax Lw. — besitze ich in einigen Stücken von der Hohen Mark. (Juni). III. Hypophylins Lw. H. crinipes Staeg. — in der S. H. aus Frankfurt. I. H. discipes Ahr. — in der S. H. aus Frankfurt; bei Wiesbaden (Böttcher). I, III. H. ohscurelhis Fall. — aus Frankfurt in der S. H. I. H. sphenoptertis Lw. — an der Oberschweinstiege im Juni. I. Sybistrouia Meig. S. nodicornis Meig. — im Frankfurter Wald (Jaennicke), bei Wiesbaden (Böttcher). III. (xymnopternus Lw. G. aerosus Fall. — ist von Mai bis Juli in unseren Wäldern gemein. Fundorte: Königswiese, Oberschweinstiege, Tempel- seemühle und Luhrwald bei Offenbach, Walldorf und der Taunus. I, III. G. hrevicornis Staeg. — an der Hohen Mark am Wasser. III. G. chalybeus Wied. ~ bei Hohenstein im Juli. III. G. cupreus Fall. — in unseren Wäldern im Juni nicht selten. Fundorte: Oberforsthaus, Schwanheira, Buchrainweiher bei Offenbach, Walldorf, Hohe Mark. I, III. G. metallicus Stann. — Zwei Stück aus dem Luhrwald bei Offenbach. I. Diaphorinae. Chrysotus Meig. Ch. gramineus Fall. — im Juni und Juli am Forsthaus, bei Epp- stein u. Königstein, in der S. H. auch aus Birstein. 1, 111, V. — 59 — Ck. Jaesus Wied. — scheint ziemlich selten zu sein. Ich besitze nur zwei Tiere aus dem OSenbacher Wald ; in der S. H. einige Exemplare vom Oberforsthaus (Juli). I. Ch. melampoclius Lw. — in der S. H. I. Ch. neglechis Wied. — aus dem Frankfurter Wald im Juli; auch in der S. H. I. Ch. rhapMoides Zett. an nov. spec. (Low vidit) — einige Tiere aus Frankfurt und Birstein in der S. H. I, V, Diapliorns Lw. D. Hoffmannseggn Meig. — aus Soden und Birstein in der S. H. (August). III, V. D. oculatus Fall. — besitze ich aus Eppstein (Juli). III. Nematoproctns Lw. N. distendens Meig. — aus Crontal in der S. H. (Juni). III. Argyra Macq. A. argyria Meig. — aus Hohenstein im Juli. III. A. diaphana Fabr. — von der Mainkur, aus dem Frankfurter und OfEenbacher Wald, von Falkenstein. (Mai). I, III. A. leiicocephala Meig. — fing ich im Luhrwald bei Offenbach und bei Hohenstein. (Juni und Juli). I, III. Leucostola Lw. L. vesüta Wied. — in der S. H. aus Bürgel (Gebüsch im Mai). I. Rhaphiinae. Rhaphiam Meig. Bh. longicorne Fall. — besitze ich nur aus dem Taunus (Ober- ursel und Eppstein); in der S. H. gleichfalls Tiere aus dem Taunus (Falkensteiner Wald und Feldberg) und aus Birstein (Mai und Juni). III, V. Porphyrops Meig. P. crassipes Meig. — in der S. H. aus dem Frankfurter Wald und von Falkenstein i. T. (Mai). III. P. nasuta Fall. — aus Falkenstein und Birstein im Mai. S. H. III, V. P. nemorum Meig. — in der S. H. aus Frankfurt. III. P. spinicoxa Lw. — kommt von Mai bis Juli vereinzelt im Taunus vor. Fundorte: Eppstein und Oberursel. III. P. siiavis Lw. — fing ich im Juli bei Hohenstein. III. — 60 — Xiphaudriuin Lw. X append iculatum Zett. — aus Birstein in der S. H. V. X caliginosum Meig. — ist im Taunus im Juli und August nicht selten. Ich besitze Tiere aus Hohenstein und Epp« stein, V. Heyden solche aus Soden und von der Schmitte. III. Systenus Lw. S. adpropinqimns Lw. — • wurde von v. Heyden aus faulem Buchenmulm gezogen. (Vergl. Low, Neue Beiträge V.) I. S. leucurus Lw. — „Die Art wurde von Herrn v. Heyden ent- deckt, welcher sie aus dürrem Holze zog." (Low, Neue Beiträge VI.) I. S. SchoUzü Lw. — „von Herrn v. Heyden bei Frankfurt ge- fangen". (Low, Neue Beiträge VI.) I. Hydrophorinae. Medeterus Fisch. M. amhigims Zett. — aus dürrem Holze im Juni (v. Heyden). I. 31. apicalis Lw. — im Mai aus dürrem Holze (S. H.). I. M. diadema L. — ist im Frankfurter und Offenbacher Wald im Juni nicht häufig, in der S. H. auch aus Lorsch. I, IL M. infumatus Lw. — zog v. Heyden aus dürrem Waldholz. I. M.jacidits Fall. — fand ich einige Male im August bei Offen- bach im Luhrwald an Baumstämmen. I. M. miiralis Meig. — zog v. Heyden aus dürrem Waldholze. I. M. obscurns Zett. — erbeutete ich im Juli bei Walldorf. I. M. pcdlipes Zell. — in der S. H. aus Frankfurt. I. M. trimcorum Meig. — fing ich im Juli bei Hohenstein an einem Brückengeländer in großer Zahl. III. Scellus Lw. Sc. notatus Fabr. — fand ich Mitte Juni im Luhrwald bei Offen- bach; auch im Frankfurter Wald (Jaennicke). I. Hydrophorus Fall. H. bisetus Lw. — im Luhrwald bei Offenbach (April und Mai). I. H. brunicosus Lw. — in der S. H. aus Frankfurt. I. //. Jitoreus Fall. — fand ich Anfang August in Anzahl am Mainufer. I. H. viridis Meig. — im September und Oktober am Main häufig (v. Heyden). I. — 61 — Liaucalas Lw. L. virens Scop. — ist im Sommer an feuchten Stellen in der Ebene und namentlich im Taunus nicht selten. Fundorte: Frankfurter Wald, Hohenstein (an nassen Felswänden), Epp- stein und Königstein, wo v. Hey den das Tier an der Schloß- mauer fand, I, III. Campsicueiiias Walk. G. mirvipes Fall. — fand ich im August sehr häufig am Main- ufer, im Juli bei Hohenstein. I, III. C. loripes Hai. — in der S. H. aus Frankfurt. I. C. marginatns Lw. — erbeutete v. Heyden auf Holzflößen am Main. I. C. scamhus Fall. — fing ich in Anzahl im September am Königs- brunnen. I. Synipjcnus Lw. S. anmdipes Meig. ~ in der S. H. aus Frankfurt. I. Lamprochromus Mik. L. eJegans Meig. — fand v. Heyden im August am Entensee bei ßürgel. I. Chrysotimns Lw. Gh. molUculus Fall. — In der S. H. befinden sich 2 c? und 2 $ aus Frankfurt. I. Xauthochlorns Lw. X oniatus Hai. — fand v. Heyden von Juli bis Oktober auf Hecken. 1. X. tenelliis Wied. — erbeutete ich im Juni öfters im Luhrwald bei Offenbach. I. Thiiiopliilus Wahlbg. Th. flavipalpis Zett. — fand ich öfters im Juli und August an der Hohen Mark; v. Heyden besitzt Exemplare von Soden und ßirstein. 111, V. Lonchopteridae. Lonchoptera Meig. L. flavicanda Meig. — an der Hohen Mark im Mai und Juni. III. L. lacustris Meig. — findet sich in der Nähe feuchter Stellen in den Wäldern der Ebene und des Gebirges von Juli bis — 62 — Oktober. Fundorte: Niederrad, Offenbach, Walldorf, Epp- stein, Dornholzhausen und Hohenstein. I, III. L. lutea Panz. — Niederrad, Eppstein und Hohenstein. (Juli bis September). I, III. L. punctum Meig. — ist von Juli bis September auf Gebüsch ziemlich selten. Niederrad, Offenbach, Hohenstein, Eppstein und Oberursel. I, III, L. tiillneata Zett. — ist nicht häufig ; im Lehen bei Offenbach im August, im Röderwald Ende Mai. I. L. tristis Meig. — findet sich von Juli bis August oft in großen Scharen auf Gebüsch; Oberursel, Eppstein und Hohen- stein. III. Die Abnahme der Tierarten mit der Zunahme der geographisclien Breite. Nach einem Vortrage, gehalten in der wissenschaftlichen Sitzung der Seuckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft am 1. Dezember 1906 von Dr. Fritz Römer. In Norwegen geht eine hübsche Sage über die Entstehung dieses zerrissenen und zerklüfteten Landes. Als Gott die Erde geschaffen und ausruhte von seiner Hände Arbeit, da kam der Teufel, der schon lange das Werk Gottes zu zerstören trachtete, benutzte den unbewachten Augenblick und schleuderte einen gewaltigen Felsblock auf die Erde, der die ganze Erde erzittern machte und ins Wanken brachte. Gott aber hielt seine gewal- tige Hand über die Erde und schützte sie durch seine Macht und Stärke vor dem gänzlichen Untergang. Doch der Fels war auf die Erde gefallen und hatte alles zertrümmert. Überall ragte das nackte Gestein hervor, und weit flutete das Meer in das Land hinein. Und Gott dauerte dieses Land der Verwüstung, und er nahm alles, was er an frucht- barer Erde noch übrig hatte, und streute es über das Land. Aber es langte nicht dazu ; je weiter nach Norden, um so weniger wurde der Fels bedeckt; nur in die tiefsten Täler kam etwas, doch der äußerste Norden blieb zu ewiger Unfruchtbarkeit ver- dammt. Gott aber sprach: „Wenn auch keine Blume hier blühen und keine Frucht hier reifen kann, so will ich doch Menschen dort wohnen lassen, die mit Liebe an diesem Boden hängen und glücklich darauf werden sollen". Und Gott befahl den Fischen, in gewaltigen Schwärmen nordwärts zu ziehen, und schuf ein Tier, halb Hirsch, halb Kuh, das den Menschen, die dort wohnen, Milch und Butter, Fleisch und Sehnen geben sollte. So, berichtet uns die Sage weiter, sei Norwegen entstanden, und so erklären es die Norweger, daß ihre Küsten von Scharen von Fischen bevölkert sind, und daß sie das Rentier besitzen, ohne dessen Hilfe kein Mensch in diesen Landen leben kann. Das Rentier ist in ganz Skandinavien bis zum äußersten Norden zahlreich als Herdentier der Lappen oder wild auf den Bergen und streift südlich im Stift Bergen bis zum sechzigsten Breitengrad. Seine Südgrenze ist durch das Skandinavien von Nord nach Süd durchziehende Gebirge, dessen Hochplateaus und Wälder die Wohnplätze der Tiere bilden, keine regelmäßige. Aber auch in anderen Ländern und Kontinenten finden wir das Rentier zahlreich, überall hauptsächlich nördlich des sech- zigsten Grades und in den an das Eismeer grenzenden Gebieten, in Finnland, im europäischen Rußland und in ganz Sibirien. Im Baikal- und Amur-Gebiet geht es südlich fast bis zum fünfzig- sten Grad und überschreitet diese Grenze sogai- auf der Insel Sachalin, die in ihrer ganzen Ausdehnung von den Tieren durch- zogen wird. In Nordamerika hält sich die Hauptmasse der Tiere nördlich vom fünfzigsten Grad ; nur an wenigen Stellen in den Rocky Mountains und in der Kaskadenkette, sowie im Süden der Hudsons-Bai dürfte diese Südgrenze ein wenig überschritten werden. Ferner ist das Ren auf fast allen arktischen Inseln zu treffen, auf den amerikanischen Polarinselu, selbst auf Grön- land, und zwar au der Westseite zwischen 63 und 79 Grad, an der Ostseite in einem kleinen Bezirk zwischen dem 70. und 75. Grad, auf Spitzbergen, Nowaja-Semlja und den Neusibirischen Inseln, Nur auf Franz-Josefs-Land fehlt es. Außer dem Rentier beherbergt der hohe Norden an charak- teristischen Landsäugetieren den Moschusochsen, den Eis- bären, den Polarfuchs und den Lemming. Von diesen nimmt der M o s c h u s o c h s , Ovibos moschakis Ziram., das kleinste Gebiet ein, indem er sich auf die neue Welt beschränkt und auch hier nur einen verhältnismäßig klei- nen Distrikt bewohnt. Seine Südgrenze liegt auf der Westseite der Hudsons-Bai etwas nördlich des sechzigsten Breitengrades. — 65 — Von hier dehnt sich sein Gebiet über einen Teil des nördlichen Amerikas nebst seinen Polarinseln aus, auf den westlichen Inseln nicht über den 77. Grad, auf den östlichen dagegen bis zum 82. Grad, Auch in Grönland ist er eingewandert, an der Nordküste so weit wie bis jetzt Land bekannt geworden ist, an der Ostküste bis zum Scoresby-Sund, bis etwa 70° n. Br. Der Eisbär, Ursus maritimus Erxl., bewohnt das ganze nördliche Polargebiet. Seine Südgrenze ist durch die Südgrenze des Eises bestimmt, daher aber auch sehr wechselnd. Die Kon- tinente berührt er nur an den äußersten Küsten Nordamerikas und Asiens; an der skandinavischen Küste ist er nicht zu treffen. Der Eisfuchs, Canis layopus L., ist ebenso wie der Eis- bär über das ganze nördliche Polargebiet verbreitet, geht aber erheblich weiter nach Süden. In Skandinavien zieht er sich längs des ganzen Hochgebirges weit nach Süden bis über den sechzig- sten Grad. In Nordamerika dehnt sich sein Gebiet stellenweise bis zum fünfzigsten Grad aus. Die arktischen Inseln kennen ihn alle, auch die Bäreuinsel, Island und Jan Mayen. Der Lemming, Lemmus lemmus L., findet sich in Norwegen schon nördlich des 62. Grades, hauptsächlich aber nördlich der Baumgrenze ; er bewohnt mit Vorliebe die Schnee- gebirge. In Sibirien geht er im allgemeinen nach Süden weit über den siebzigsten Grad und ebenso wohl in Amerika. Auf den amerikanischen Polarinseln ist er zu treffen, sowie im äußer- sten Norden von Grönland und an dessen Ostküste bis zum siebzigsten Breitengrad. Er fehlt dagegen in Spitzbergen, auf der Bäreninsel und in Franz -Josefs -Land. Eine zweite Art, Lemmus obensis Br., liält sich in etwas südlicheren Gegenden auf, geht aber nicht so weit nördlich wie L. lemmus und bewohnt keine der arktischen Inseln. Diese fünf Säugetiere — Rentier, Moschusochs, Eisbär, Eisfuchs und Lemming — finden sich ausschließlich in den nörd- lichen Ländern und sind für dieses Gebiet charakteristisch, d. h. sie gehören, wie A. Brauer treffend bemerkt, notwendig zu dem Charakter des Landes, und ihr Charakter läßt sich nur aus dem des Landes erklären. Man hat daher in der Tier- geographie dieses Gebiet der Polartiere — im großen und ganzen die Länder nördlich des sechzigsten Breitengrades — als eine 5 — 66 — besondere arktische Provinz unterschieden, der A. Brauer den Rang einer „arktischen Subregion" beilegt und damit dieses Gebiet nicht als ein selbständiges, primäres, sondern als einen Teil der paläarktischen Region ansieht, welche ganz Europa, den Norden Afrikas bis zur Sahara und das nördliche Asien umfaßt. Gewöhnlich werden nun aus der Nordpolarzone noch zwei weitere Säugetiere angeführt, der Schneehase, Lepics variabilis Pall. (= L. timidus L.), und der Vielfraß, Gido luscus L., die aber nicht rein arktisch sind. Der Schneehase ist zwar in ganz Grönland zu finden und in Grant-Land noch zwischen 82 und 83 Grad, in Gebieten, in denen es rätselhaft erscheint, wie er den Winter übersteht. Er kommt aber auch in solchen Ländern vor, denen sonst keins der oben besprochenen echten Polartiere angehört, im südlichen Skandinavien, auf den Hochflächen der schottischen Gebirge und auf Island. Auch in den höheren Lagen der Alpen, der Pyrenäen und des Kaukasus lebt er, und diese eigenartige Ver- breitung wird mit der Eiszeit in Beziehung gebracht. Während der Eiszeit hat der Schneehase, wie fossile Funde beweisen, den größeren Teil der nördlichen gemäßigten Zone bewohnt; er ist dann dem schmelzenden Eise sowohl nordwärts als auch in die Hochgebirge hinein gefolgt. Spitzbergen und Frauz-Josefs- Land hat er nicht erreichen können. Der Vielfraß ist ein Tier der gemäßigteren Zone; in die wirklich arktischen Gebiete dringt er nur an wenigen Stellen ein. Seine Südgrenze fällt im wesentlichen mit der des Ren- tieres zusammen. Während der Eiszeit ist er wahrscheinlich dem Rentier nach Deutschland gefolgt, aber in den Alpen nie heimisch geworden. Vereinzelte Exemplare sind noch im vorigen Jahrhundert in Deutschland gesehen worden, wie das Skelett eines bei Helmstedt erlegten Exemplares im Museum zu Braun- schweig beweist. Bis auf den Moschusochsen sind alle diese arktischen Tiere zirkumpolar, d. h. also, fast auf allen Ländern der nördlichen Halbkugel zu finden. Wenn wir uns nun die Frage vorlegen, wie weit diese arktischen Tiere gegen den Pol hin vorgedrungen sind, wo also ihre Nordgrenze liegt, so ist es natürlich, daß die auf pflanz- liche Nahrung angewiesenen Arten, wie Rentier, Moschusochs, — 67 — Schneehase imd Lemming, ihre Abgrenzung mehr oder weniger durch die nördliche Grenze der Ländermassen finden, während den vom Raube lebenden Arten, Eisbär und Eisfuchs, weniger enge Nahrungsgrenzen gezogen sind. Der Eisbär nährt sich von Robben, der Fuchs von Vögeln, und soweit diese Nahruugstiere zu finden sind, können auch diese Raubtiere ihr Verbreitungs- gebiet ausdehnen. Da Robben und Vögel noch in den höchsten Breiten angetroffen wurden, soweit die menschliche Forschung vorgedrungen ist, so dürfen wir annehmen, daß auch Eisbär und Eisfuchs in diesen höchsten Breiten leben können und die Gebiete um den Nordpol selbst besuchen. Nansen erlegte Eisbären noch auf 85" und 86^, konstatierte Füchse bis auf 85 '^ und hatte in seiner Winterhütte auf 81 ** viel von diesen zu- dringlichen Gesellen zu leiden, die sich an seinen Sachen zu schaffen machten. Weniger leicht ist die Frage zu beantworten, wie die ark- tischen Gebiete ihre heutigen Säugetiere erhalten haben und auf welchem Wege die Besiedlung erfolgte? Man muß annehmen, daß die meisten arktischen Tiere erst nach der Eiszeit in ihre jetzigen Wohngebiete eingewandert sind. Doch mögen einige, au das Leben zwischen oder auf dem Eise angepaßte Arten, wie Robben und Walroß, sowie manche hocharktischen Vögel, die Eiszeit in diesen hohen Breiten überdauert haben: auch haben vielleicht Eisbär und Eisfuchs dem Klima der Eiszeit Trotz ge- boten. Alle Pflanzenfresser können aber erst nach der Eiszeit eingewandert sein. Das Rentier hat in der Pleistocenzeit ganz Mitteleuropa bis zu den Alpen und Pyrenäen bewohnt, wie fos- sile Funde beweisen; der Moschusochs kam bis nach Deutsch- land und Frankreich hinein vor. Beide sind dem zurückweichen- den Eise gefolgt und haben so allmählich den ganzen Norden erobert. Bis zur Meeresküste standen ihnen alle Wege offen. Schwieriger ist der Übergang auf die arktischen Inseln, nament- lich auf die isolierter liegenden, Avie Grönland und Spitzbergen, zu denken. Fast alle arktischen Tiere sind von einem Wandertrieb beseelt. Nahrungssuche wird in der Hauptsache der Grund dieser Züge sein, und auf den amerikanischen Nordpolarinseln können solche Wanderungen der Rentiere, die im Herbst die Inseln verlassen und im Frühjahr nach ihnen zurückkehren, 5* — 68 — noch alljährlich beobachtet werden. A. Brauer hat diese Wan- derungen mit dem Aufsteigen der Gemse im Sommer nach hohen, grasigen Matten und dem Absteigen im Winter in den schüt- zenden Wald verglichen. Die Neusibirischen Inseln werden im Sommer von den Rentieren des Festlandes besucht, im Winter, wenn die Eisbrücke wieder hergestellt ist, ziehen sie sich in bessere Gefilde zurück. Grönland und Nowaja-Semlja sind eben- falls auf diese Weise erreicht worden, und die Behrings-Straße gestattet im Winter einen Austausch der Rentiere beider Kon- tinente. Mit weniger Sicherheit läßt sich der Weg feststellen, auf dem das Ren auf den Spitzbergischen Archipel gelangt ist. Seitdem aber die deutsche Expedition im Jahre 1898 festgestellt hat, daß das Rentier ein gewandter Schwimmer und auf allen spitzbergischen Inseln, sowie auf den König-Karls Inseln ge- wesen ist, müssen wir auch hier eine Besiedelung durch Wander- züge von Nowaja-Semlja über Franz -Josefs -Land annehmen. Heute ist letzteres zwar nicht mehr vom Rentier besiedelt; doch ist es wohl denkbar, daß die wandernden Herden diese nahrungsärraeren Gebiete bald wieder verließen und nach Spitz- bergen weiterzogen. Jedenfalls muß diese Besiedelung schon frühzeitig erfolgt sein, da das spitzbergische Ren von dem Ren Nowaja-Semljas und Grönlands abweicht. So interessant und verlockend es auch erscheinen mag, diese tiergeographischen Probleme aus der arktischen Region eingehender zu erörtern, so sollen uns in dem heutigen Vortrage doch hauptsächlich andere Fragen beschäftigen, die Fragen nämlich, welche Tiere der südlicheren Regionen, und besonders, welche Ihnen Allen bekannten Tiere unserer heimischen Fauna in dieses arktische Reich eindringen und welche Bedingungen es sind, die ihr Vordringen in dieses kalte Klima begrenzen. Beginnen wir mit den Säugetieren, so sind wir mit drei Ordnungen schnell fertig: die Monotremen sind auf Austra- lien und einige benachbarte Inseln beschränkt; die Beutel- tiere bewohnen Australien und die Malaiischen Inseln, sowie mit einer Familie Südamerika; die Edentateu sind ebenfalls Tropentiere, die in Südamerika, Afrika und den Indischen Inseln heimisch sind. Und auch die höchststehenden Säugetiere, die Affen, müssen wir als echte Tropentiere ansehen, deren Wohn- gebiet zwischen 30° südlicher Breite und 35° nördlicher Breite — 69 — liegt. Nur an einer Stelle betreten die Affen europäischen Boden, der Inuus ecaudahis Geoffr. in den Felsen von Gibraltar, der dort jetzt unter dem Schutze der englischen Regierung steht. In China finden wir auf 35° nördlicher Breite einen Affen im Hochgebirge bis zu 10000' Höhe in einer schneereichen Region, und in Japan überschreitet der Inuus speciosus F. Cuv. den ein- undvierzigsteu Breitengrad und geht bis zur Straße von Tsugaru, wo er auch einen mehrmonatlichen Winter mit über 10° Kälte zu ertragen hat. Trotzdem sind die Affen echte Tropentiere, und die vereinzelten, in nördlichen Gebieten lebenden müssen wir wohl als die letzten Überreste einer in der Tertiärzeit weit- verbreiteten Sippe ansehen. Auch die Chiropteren, die Flattertiere, sind mit einem Zweig, den fruchtfressenden, von denen Ihnen aus dem Zoo- logischen Garten die Fliegenden Hunde bekannt sind, die Kinder der warmen Tropensonne. Ihr nördlichster Vertreter ist wohl der in den wärmeren Ländern des östlichen Mittelmeeres heimische Nilflughund, Cynomjcteris aegyptiacus Geoffr. Der Zweig der insektenfressenden Fledermäuse ist in der gemäßigten Zone mit vielen Arten reich vertreten, obschon freilich seine eigentliche Heimat die wärmeren Länder sind , denn in Spanien und Italien sieht man abends viel mehr Fledermäuse fliegen als in unseren Gegenden. Die deutschen Arten sind fast alle bis zum sechzig- sten Grad vorgedrungen, einzelne sogar bis weit über den Polar- kreis, in Norwegen bis in die Gegend von Tromsö, in Finnland und Lappland sogar bis zum siebzigsten Grad. Hier scheint auch die Zahl der Individuen größer zu sein, was wohl auf den durch den Seenreichtum bedingten lusektenvorrat zurückzuführen ist. Zu den selteneren Arten zählen in Finnland Mäuseohr, VespertiUo murinus L., und Ohrfledermaus, Plecotus auritus h., die bis zum 61. und 63. Grad gehen. Häufig und allgemein über das ganze Land verbreitet sind VespertiUo mysiacina und V. daubentoni, bis zum 64. Grad, und VespertiUo boreaUs, bis zum 70. Grad. Die Fledermäuse sind Insektenfresser und dadurch auf einen Winterschlaf angewiesen. An der nötigen Nahrung würde es ihnen auch im höchsten Norden, bis zur Eismeerküste, ja selbst auf einigen arktischen Inseln, wie z. B. auf Grönland, nicht mangeln. Wir wissen, daß in Lappland die Schwärme der Stechmücken eine Plage der Menschen und Rentiere werden; ^ 70 — im Inneren Labradors machen die Mücken große Gebiete selbst für die abgehärteten Rothänte unbewohnbar, und in Grönland haben in den kurzen Sommerwochen fast alle Forschungs- reisenden unter der Mückenplage zu leiden gehabt. Ein eigent- licher Nahrungsmangel kann also nicht der Grund für die nöid- liche Begrenzung der insektenfressenden Fledermäuse sein. Aber diese Nahrungsfülle ist nur in den wenigen Sommerwochen vor- handen. Ihr gegenüber steht der lange nahrungsarme Winter, der einen lang ausgedehnten Winterschlaf nötig macht. Die kurze Sommerzeit würde nicht ausreichen, um genügend Reservestoffe für die Winterruhe aufzuspeichern und Junge auf- zuziehen. Wir sehen also, daß nicht das mangelnde Futter oder die Kälte der weiteren Verbreitung der Fledermäuse eine Grenze setzt, sondern die zu lange Winterzeit. Über das Überwintern der Fledermäuse im nördlichen Nor- wegen oder Finnland haben wir noch keine Beobachtungen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die nördlichen Arten nur in den Sommermonaten diese hohen Breiten besuchen, ebenso wie die Fledermäuse im Gebirge in der wärmeren Zeit höher hinauf- gehen und sich im Winter wieder in die tiefer gelegenen Ge- biete zurückziehen. Von Nordamerika liegen bestimmte Beobach- tungen vor, daß Fledermausarten wie die Vögel im Winter in südlichere Länder ziehen ; und auch in Europa sind Wanderungen oder Züge der Fledermäuse konstatiert worden. Pipistrelhis abramus Tem., der seine eigentliche Heimat in Südostasien hat, ist im Sommer in ganz Mitteleuropa, in Deutschland, Frankreich u. s.w., selbst in Südschweden heimisch; aber es ist noch nie- mals gelungen, nördlich des Mittelmeeres ein überwinterndes Exemplar aufzufinden. Wir können also nur annehmen, daß diese Art im Sommer weite Züge unternimmt und sich im Winter in wärmere Gebiete zurückbegibt. Ähnliche Gründe wie für die Fledermäuse scheinen für die Ausbreitung der Insektivoren, von denen uns hier der Maulwurf, der Igel und die Spitzmäuse interessieren, maßgebend zu sein. Zu dem Nahrungsmangel tritt aber noch die Erschwe- rung der Winterruhe durch den felsigen und hartgefrorenen Boden hinzu. Die Insektivoren leben von Kerbtieren, deren Larven und von Regenwürmern. Letztere leben im Boden und werden daher — 71 — durch die Kälte mehr geschädigt als diejenigen Insekten, die ihr Larvenleben im Wasser durchmachen und auch im Winter unter der Eisdecke noch gedeihen können. Die Regenwurmfauna ist nach Michaelsen durch die Eiszeit im ganzen Norden vollständig ausgerottet worden. Nach der Eiszeit drangen aber nur wenige, weitwandernde Formen wieder nach Norden vor ; zur Bildung neuer Arten kam es in diesem jüngst besiedelten Gebiete noch nicht, so daß also auch diese Nahrungsquelle gering ist. Igel, Maulwurf und Spitzmaus verbringen den Winter ver- schieden. Der Igel hält einen langen Winterschlaf; der Maul- wurf geht bei strengem Frost mehr in die Tiefen, sammelt viel- leicht auch Vorräte von Nahrung; die Spitzmäuse gehen zeit- weise auch im Winter noch auf Jagd aus. Allen diesen Gewohn- heiten ist ein langer Winter, verbunden mit Nahrungsmangel verderblich, und so ist es verständlich, daß die Insektivoren weniger weit nach Norden vordringen konnten als die Fleder- mäuse, die sich noch dazu beim Eintritt der schlechteren Jahreszeit schnell in südlichere Klimate zurückziehen können. Der Maulwurf, Talpa eurojmea L., ist charakteristisch für das ganze Gebiet nördlich der Alpen; in den Gebirgen geht er bis zur Grenze des Ackerbaues, in Nordeuropa bis Mittelschott- land, in Norwegen bis zum Dovrefjeld, bis etwa 62°, in Ruß- land bis zur mittleren Düna; im südlichen Finnland ist er bis zum 02. Grad häufig, fehlt aber in Irland und Isle of Man. Im nördlichen Asien finden wir ihn bis zu den Amurländern. Südlich der Alpen und des Kaukasus ersetzt ihn eine andere Art, Talpa coeca Savi, dessen Augen völlig von der undurch- sichtigen Haut überzogen sind. Der Igel, Erinaceus europaetis L., der im Gebirge bis zur Krummholzregion zu finden ist, vereinzelt sogar bis über 2000 m Höhe emporsteigt, geht nordwärts bis zum 63. Grad. Die empfindlicheren Spitzmäuse finden ihre Begrenzung schon weit südlicher. Die Hausspitzmaus, Crocidura aranea L., und die Wasserspitzmaus, Orossopus fodiens L., erreichen ihre Nord- grenze schon in England und den Ostseeländern, scheinen aber in Skandinavien zu fehlen. Die Waldspitzmaus, Sorex vulgaris L., und die Zwergspitzmaus, S. pygmaeiis Pallas, trifft man noch in Schweden, vielleicht sogar bis zum Polarkreis, doch fehlen darüber noch genaue Feststellungen. — 72 — Weniger eng sind die Grenzen den vom Raube lebenden Tieren gezogen. Durch die bis zur höchsten Eisregion vorkom- menden Vögel wird ihnen auch auf dem Eise selbst noch reich- lich Nahrung geboten. Die Musteliden, die schon zur Tertiärzeit auftreten, be- wohnen alle Erdteile mit Ausnahme Australiens. Sie sind nicht nur bis zum äußersten Eande Europas vorgedrungen, sondern sie sind auch fast mit allen unseren Arten im hohen Norden häufig und zahlreich. Der Edel- oder Baummarder, Mustela martes L., fast ausschließlich ein Waldtier, das die Gebirge bis zur Tannengrenze besteigt, bewohnt den ganzen Norden Euro- pas, England, Finnland und Lappland, Rußland und ganz Asien bis zum Altai. Der Steinmarder, Miistela foina Erxl, steigt zwar im Gebirge höher hinauf als der Edelmarder, hat aber sein Jagdgebiet weniger weit nach Norden ausgedehnt als letzterer und hört schon in England und Südschweden auf, ebenso wie der Iltis, Putorius pidorius L., der schon in Südfinnland sehr selten ist, in Lappland und Rußland aber nicht mehr erlegt wird. Die Wälder Sibiriens beherbergen den durch seinen wertvollen Pelz so geschätzten Zobel, Mustela xihelliiia L. Sein ursprüng- liches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Ural bis zumBerings- Meer, von den südlichen Gebirgen Sibiriens bis zum 68. Grad n. Br. und über einen Teil von Nordwestamerika, ist aber durch die starke Verfolgung nach und nach sehr eingeengt worden. Die köstlichsten Felle sollen die östlichen Provinzen Sibiriens, Jakutsk und Ochotsk, weniger schöne die Länder am Jenissei, der Lena und dem Amur liefern. Der Handelswert der sibiri- schen Felle soll über vier Millionen Mark jährlich betragen. Finnland hat allein fünf echte Marderarten, Hermelin, Schnee- wiesel, Iltis, Edelmarder und Nörz, die fast alle bis nach Lapp- land hinaufgehen. Für den Nörz, Putorius lutreola L., ist Finn- land mit dem nördlichen und westlichen Rußland wohl die eigent- liche Heimat ; seine Verbreitung erstreckt sich bis zum 66. Grad ; in Deutschland ist er selten geworden und wird nur noch ver- einzelt in Mecklenburg und Schlesien gefangen. Süddeutschland hat er niemals erreicht und den Rhein auch wohl niemals über- schritten. Dazu kommt in Finnland noch der schon eingangs erwähnte Vielfraß, Oulo luscus L., der in Nordfinnland und Lappland häufig ist, die südlicheren Teile des Landes dagegen — 73 — meidet, der Dachs, Meles taxus Bodd., der, wie in ganz Nordeuropa, in Finnland bis über den 66. Grad seine Baue gräbt, und die Fischotter, Lutra Intra L., die als von Fischen lebendes Raub- tier bis zur Eismeerküste hin reichlich Nahrung findet. Außerordentlich merkwürdig ist die Verbreitung des großen Wiesels oder Hermelins, Mus tela erminea L. Ganz Europa und Asien belebt es bis zur äußersten Küste; in Amerika hat es auch fast alle Nordpolarinseln bevölkert und ist selbst auf Grönland übergegangen, wo es im Norden bis zum 80. und an der ganzen Ostküste südwärts bis zum 74. Grad nachgewiesen ist. Es ist dort wahrscheinlich dem Lemming gefolgt und findet auch für seine anspruchslose Wohnweise in Felsspalten und Löchern geeigneten Unterschlupf. Zu den Bewohnern der euro- päischen und asiatischen Polarinseln zählt es nicht. In den Alpen wird es gelegentlich an den Gletschern über 3500m Höhe erbeutet. Eine ähnlich weite Verbreitung wie das Hermelin hat der Wolf, Canis lupus L. Er ist in ganz Europa heimisch, in den bevölkerten Gegenden heute allerdings ausgerottet und ver- trieben, hat sich aber in manchen dichten Wäldern und beson- ders auf den russischen Steppen noch in großen Rudeln erhalten. In Bosnien und der Herzegowina sollen in den Jahren 1880 bis 1890 über 13 000 Wölfe erlegt worden sein. An der äußersten Kante Europas und Sibiriens treffen wir ihn überall noch, in Norwegen, Lappland und auf Nowaja- Semlja. In Nordamerika geht er mit den Rentierzügen bis auf die nördlichsten Inseln ; in Baffinland, Melville-Insel , Grant Land ist er bis über 80° gesehen worden. Selbst bis nach Grönland ist er den Rentier- herden gefolgt, wenn er dort auch nicht gerade häufig ist. Belegexemplare von Grönland aus dem Jahre 1869 finden sich in dem Museum zu Kopenhagen. Während Van hoffen 1890 in einjährigem Aufenthalt in West-Grönland kein Exemplar zu Gesicht bekam oder erlegte, hat Nathorst 1899 in Ost-Grön- land an der Mündung des Scoresby-Sundes (70*' n. Br.) zwei Wölfe erlegt. K o 1 1 h o f f schoß 1900 in Ost-Grönland (74« n. Br.) ein altes Männchen, und Jensen beobachtete in demselben Jahre zwei weiße Wölfe in der Nähe des Ryder-Flusses (70" n. Br.). Sverdrup fand während seiner Expedition 1899 — 1902, daß der Wolf auf Ellesmereland häufig ist; 15 geschossene — 74 ~ und 2 lebende Exemplare wurden seine Beute. Island hat der Wolf ebenso wenig betreten, wie die Inseln des Mittelraeeres; und die Straße von Gibraltar hat er nicht überschritten. Nathorst, Kolthoff und Rändern sind der Ansicht, daß der Polarwolf ein Abkömmling der amerikanischen, nicht der europäischen Form ist, und daß er sich aus dem Kontinent Nordamerikas nach dem Archipel der amerikanischen Polarinseln verbreitet hat. Von den Nagetieren haben wir die Verbreitung des Lemmings und des Schneehasen bereits in der Einleitung kennen gelernt. Unser deutscher Hase, Lepiis europaeus Pali., erreicht seine Nordgrenze schon in Schottland und Südschweden. An dem Hamster, Cricehis cricetus L., haben wir ein schönes Beispiel für die Einwanderung eines Tieres in neuer Zeit. Er ist aus den Steppengebieten Asiens, wo seine Familie zahlreiche Arten hat, gekommen, und seine heutige Verbreitung läßt noch deut- lich seine Herkunft aus dem Osten erkennen. In Deutschland fehlt er in Ost- und Westpreußen, im ganzen Südwesten und ebenso in der Schweiz. Das Rheintal hat er nur an wenigen Stellen überschritten, und erst in den neunziger Jahren wurde sein Vordringen auf das linke Maasufer beobachtet. In Frank- reich, England und Skandinavien ist er noch unbekannt, ob- schon diese Länder ihm, soweit Getreidebau betrieben wird, die nötigen Existenzbedingungen bieten könnten. Den nahrungs- armen Winter überdauert der Hamster durch Einsammeln von Vorräten und durch Winterschlaf in den kältesten Tagen. Das Eichhörnchen, Sciurus vulgaris L., ist den Griechen und Spaniern ebenso bekannt wie den Sibiriern und Lappen. Sein Verbreitungsgebiet geht durch ganz Europa, über den Kaukasus und Ural hinweg ins südliche Sibirien bis zum Altai. In Skandinavien ist es sogar noch an der Eismeerküste nörd- lich der Waldgrenze häufig und erscheint zuweilen am Varanger Fjord auf 69^2 ^. Das Eichhörnchen ist kein ständiges Waldtier, obschon der Wald sein eigentliches Wohngebiet ist. Es unter- nimmt oft große Wanderungen in hüttenreiche Gegenden und scheut dabei auch das Überschreiten baumloser Distrikte nicht. In Sibirien weiß es nach Rad de mit großer Sicherheit die Wälder aufzusuchen, in denen die Zirbelkiefer reichen Samen tragen. In Nordamerika erscheint es in großen Scharen in den Nußbaumwäldern, sobald die Nüsse reifen. Das Wandern — 75 — erfolgt nicht in geschlossenen Scharen, sondern in losen Trupps, die aber doch eine bestimmte Eichtung verfolgen. Bei den Nagern müssen wir noch zweier Vertreter ge- denken, die wir als Gefolgetiere des Menschen bezeichnen können : die Mäuse und Ratten. So wie die Hausmaus, Mus rmiscidns L , den Menschen auf die entlegensten Alpenhütten begleitet, so wird sie auch kaum auf irgend einem Gebiet der Erde vermißt, selbst nicht auf den einsamsten Inseln. In Grönland ist die Maus jedoch bisher noch nicht gemeldet worden, obschon sie sonst das ganze Festland aller drei Kontinente bis zur äußersten Eismeerküste massenhaft bevölkert. Dafür erfreut sich aber Grönland der Ratten, die im Jahre 1890 durch ein Schiff in Südgrönland eingeschleppt wurden und sich seitdem stark vermehrt haben. Die Ratten zogen eine Ansammlung der Schneeeulen nach sich, und im Magen erlegter Eulen wurden auch Reste dieser Nager gefunden. Unsere beiden Rattenarten, die Hausratte, Mus rathis L., und die Wanderratte, Mus decumanus Pallas, sind in Europa nicht heimatsberechtigt. Die schwarze Hausratte, auch vielfacii „große Maus" genannt, war den alten Griechen unbekannt; sie hatten dafür keinen Namen, und in der griechischen Literatur findet sich auch sonst keine darauf bezügliche Stelle. Sie stammt wahrscheinlich aus Persien, doch ist die Zeit ihrer Einwanderung nicht genau bekannt. Im dreizehnten Jahrhundert war sie schon allgemein verbreitet. Sie folgte dem Menschen überall hin, auch nach Großbritannien, Skandinavien, Finnland, wo sie bis 62*^ 15' konstatiert worden ist. Die Wanderratte erschien im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts aus den kaspischen Steppen. Über die Zeiten ihres Einbruches im westlichen Europa liegen genaue Daten vor. 1732 kam sie schon mit englischen Schiffen nach London, und nun begann ihr Siegeslauf über die ganze Welt. Heute fehlt sie kaum noch auf einer entlegenen Insel, hat aber die schwächere Hausratte vielfach verdrängt, wenn auch nicht ganz vernichtet. Im Innern Finnlands ist sie in allen Provinzen bis zum 66. Grad n. Br. vorgedrungen, und in Küstenstädten mit Schiffsverkehr wird sie wohl jetzt auf der ganzen Welt, selbst im höchsten Norden, zu finden sein. Grönland beherbergt sie, wie oben erwähnt, seit 1890. — 76 — Von den jagdbaren Tieren sind Damhirsch, Reh und Edel- hirsch zu erwähnen. Der Damhirsch, Dama dama L., ist in ganz Deutschland in den Wäldern und Parks der Ebene ebenso häufig wie in England und Schottland und reicht in Skandina- vien bis ins südliche Norwegen und Schweden. Eine ähnliche Verbreitung hat das Reh, Capreohis capreolus L., das schon seit uralter Zeit in ganz Mitteleuropa heimatsberechtigt war; denn seine Vorfahren lassen sich bis ins Miocän zurück verfolgen. In Rußland wird es noch am Ladogasee und in der Gegend von Moskau gejagt. Der Edelhirsch, Cervus elaphns L., dehnt sein Verbreitungsgebiet etwas weiter nach Norden aus, in Europa etwa bis zum 65. Grad, in Asien aber nur bis zum 55. Grad. Auch der Edelhirsch gehörte bereits in der Tertiärperiode zu den Tieren, die über ganz Europa verbreitet waren. Nehring nimmt an, daß die tiefgreifenden Veränderungen der Eiszeit Damhirsch, Reh und Edelhirsch aus Deutschland verdrängt haben, und daß nur Edelhirsch und Reh nach dem Verschwinden der Eiszeit zurückgewandert sind, während der Damhirsch im Mittelalter von den Jagdliebhabern wieder eingeführt sei. Finnland kennt keine der drei Hirscharten, hat dafür aber den Elch, Älces alces L., der sehr allgemein bis über den 62. Grad geht. Der Elch oder das Elen, der in Skandinavien auch noch gute Be- stände hat, bewohnt auch in Rußland und Sibirien ausgedehnte Gebiete von der nördl. Baumgrenze bis zum 50." n. Br, Der Elch gehört zu den Tieren, welche die Kultur nicht vertragen und vor dem Menschen zurückweichen. In Deutschland, wo er in früheren Zeiten überall ein geschätztes Jagdtier war, hat er sich in die östlichsten Oberförstereien zurückgezogen, wo er sich unter dem Schutze der Regierung als kleiner Rest erhalten konnte. Auch in Skandinavien ist er durch strenge Jagdgesetze geschützt. Für alle diese Tiere mit vegetabilischer Nahrung bildet der Wald eine natürliche Grenze. Doch gehen nicht alle Arten bis in die äußersten bewaldeten Distrikte, sondern halten sich in den dichteren, größeren Wäldern, die ihnen hinreichend Schutz gegen die rauhe Witterung und Nahrung für den größeren Teil des Jahres gewähren, auf. Auf der andern Seite sehen wir wiederum das leichtbewegliche Eichhörnchen die Nordgrenze des Waldes überschreiten. Nicht der Nahrungsmangel an sich bietet den — 77 — größeren Pflanzenfressern im Norden Halt, sondern die zu lange Dauer der futterlosen Zeit, verbunden mit der allzu strengen Kälte. Vor der Eiszeit haben jedenfalls alle arktischen Länder eine andere und reichere Fauna besessen als heutzutage, und wir haben ja bei den einzelnen Tierarten schon mehrfach auf den Einfluß der Eiszeit hingewiesen. Selbst die eigentlichen Polargebiete, wie Spitzbergen, Grönland u. s. w., haben zur Ter- tiärzeit eine südliche, an die heutige Tropenwelt erinnernde Vegetation besessen. Nach der Vernichtung derselben durch die Kälteperiode konnten nur solche Tier- und Pflanzenarten in die nördliche kalte Zone wieder einwandern und dort dauernd Fuß fassen, die sich den Unbilden des Klimas anzupassen vermochten. So verstehen wir es auch, weshalb einzelne, isoliert liegende Inseln, wie z. B. Spitzbergen, Island, von manchen Arten nicht erreicht wurden, und warum das mit Amerika durch die natür- liche Eisbrücke eng verbundene Grönland in Bezug auf die Säugetiere besser gestellt ist. Die Anpassung an das kalte, rauhe Klima forderte beson- ders Genügsamkeit in der Ernährung und eine dicke Schutzhülle des Körpers. Je weitei- nach Norden, um so mehr verschwinden die höhereu Pflanzen, und die unscheinbaren Moose und Flechten werden vorherrschend. Dieses kärgliche und mühsam zu suchende Futter erklärt es, warum nur so wenige Arten von pflanzen- fressenden Tieren in die arktischen Regionen einziehen konnten. Die wenigen Arten von Pflanzenfressern haben wiederum nur wenige Arten von Raubtieren nach sich gezogen. Das Aufhören der Vegetation verbietet das weitere Vordringen der Pflanzen- fresser, und so konnten wir auch für diese Arten, Rentier, Moschusochs u. s. w., eine Nordgrenze konstatieren. Die Raub- tiere, wie Eisbär und Eisfuchs, haben an den im Meere un- behinderten Robben und den im Meere überall noch Futter findenden Vögeln eine unbegrenzte Nahrung, und so finden sich diese auch wahrscheinlich bis zum Nordpol selbst. Gegen die Kälte müssen alle arktischen Tiere sich wapp- nen; denn im Winter sind Temperaturen von —30 bis — 40^*0. oder noch höhere Grade auszuhalten. Das geschieht durch ein dichtes und langes Haarkleid. Das Rentier z. B. hat einen Winterpelz von langen weißen Haaren, die gegen Ende des Sommers schnell wachsen und auch die ganzen Beine bis zu — 78 — deu Zeheu bedeckeu. Der Moschusochs ist durch eine Mähne und eine zu beiden Seiten des Körpers lang herabhängende Haar- decke geschützt. Aber nicht nur die ruhige Kälte allein, son- dern auch den schneidenden Nordwind und den Schneesturm müssen diese Tiere ertragen können. Die Haare stehen deshalb so dicht, daß auch der stärkste Wind kaum eine Lücke im Pelz verursachen kann. Das Haarkleid ist in seiner Zusammensetzung bei den einzelnen Tieren sehr verschieden: stets aber wird ein vollkommener Schutz gegen Wind und Kälte erreicht. Ein weiterer Schutz gegen die Kälte ist die dicke Speck- schicht, die sich alle arktischen Tiere durch übermäßiges Fressen im Sommer zulegen. Sie bildet gleichzeitig den ßeservevorrat für die nahruugsarme oder gänzlich nahrungslose Winterzeit, wie sie ja für die Pflanzenfresser sicherlich eintritt. Ein eigentlicher Winterschlaf findet bei den arktischen Tieren aber nicht statt, denn alle überwinternden Expeditionen haben an ihren Hütten den ganzen Winter über Besuch von Eisbären und Füchsen gehabt. Auch das Zurückziehen der Eisbärin in eine Schnee- höhle zur Zeit der Niederkunft im Frühjahr kann nur von ganz kurzer Dauer sein, da doch die Nahrungsaufnahme in der Zeit der Trächtigkeit und in der Lactationsperiode eine ge- steigerte sein muß. Eine bei allen arktischen Tieren wiederkehrende Anpas- sungserscheinung ist die weiße B^'arbe. Die gleichen klimato- logischen und physikalischen Verhältnisse haben hier eine gleiche Wirkung hervorgebracht. Diese weiße Farbe ist deu Tieren ein wichtiges Schutzmittel gegen ihre Verfolger und macht sie ihrer Beute weniger sichtbar. Der Eisbär, der sich nur da aufhält, wo Eis und Schnee vorhanden sind, ist das ganze Jahr über weiß. Er ist der Beherrscher der arktischen Gefilde, der keine Verfolger zu fürchten hat. Die weiße Farbe ist für ihn nur das Mittel, sich seiner Beute unbemerkt zu nähern. Das Rentier ist im Sommer dunkel gefärbt, im Winter aber hat es einen dichten Pelz von langen weißen Haaren. Der Schneehase ist in den Alpen und Schottland nur im Winter weiß, auf den arktischen Inseln behält er dagegen das ganze Jahr über sein weißes Kleid; je kürzer der Sommer, umso kürzer ist auch die Zeit, wo der Hase grau gefärbt ist. Von den beiden Lemmiugen ist die Art, welche die nördlichsten Wohnplätze inne hat, Lemmus leminus, — 79 ~ im Winter weiß; L. obensis, der die südlicher gelegeneu Walduugen bevorzugt, nimmt nur eine gräuliche Färbung au. Das Hermelin, das in Italien das ganze Jahr über dunkel bleibt, bei uus dagegen wie in der ganzen gemäßigten Zone ein weißes Winter- kleid anlegt, bleibt im hohen Norden Sommer und Winter weiß. Die Polarfüchse machen eine Ausnahme, indem nicht alle In- dividuen in der kalten Jahreszeit ein weißes Kleid anlegen ; manche behalten auch während dieser Monate ihre schiefer- farbene Färbung bei; es sind die Blaufüchse des Pelzhandels, die am höchsten im Preise stehen. Der Moschusochse trägt im Winter eine aus Weiß und Braun gemischte Decke; bei diesem ist die weiße Schutzfarbe nicht nötig, weil er keine Feinde hat; denn der Bär geht höchst selten in das Innere des Landes und greift nur vereinzelt einmal den Moschusochsen an. Ebenso- w^enig kann der Bär auf dem Lande dem schnellen Rentier etwas anhaben. Auch der Wolf kann nicht als Feind des Moschusochsen gelten, den er wohl kaum bewältigen kann. Überall im hohen Norden ist ein reiches Vogelleben. Die trefflichen Schilderungen, die Brehm von den Vogelbergen des Nordkaps gegeben hat, reichen aber nicht aus, eine Vorstellung von den unermeßlichen Massen der Vögel an einem arktischen Vogelfelsen, z. B. der Bäreninsel, zu erwecken. Schier unermeß- lich sind die Gründe der Vogelberge; unerschöpflich ist auch der Nahrungsreichtum, den die Vögel ihren Verfolgern bieten. Hauptsächlich sind es Lummen, Möven, Taucher, Enten und Gänse, die die arktischen Meere besuchen. Sie alle leben von dem, was das Meer ihnen gibt, soweit sie nicht selbst wieder kleinere Vogelarten rauben. Auch auf den höchsten Breitengraden zwischen den schweren Packeismassen sind offene Wasserstellen vorhanden, und reichlich ist auch hier die Tafel des Meeres ge- deckt. Im Sommer liefern die Fangschiffe, welche die Gewohn- heit haben, die geschossenen Tiere, Walroß, Eisbär, Seehunde u. s. w., auf der Eisscholle abzuhäuten und die Kadaver liegen zu lassen, den gierigen Vögelu manchen Leckerbissen. Und auch von den Mahlzeiten der Eisbären und Füchse bleibt viel für die gefiederten Räuber übrig. So weit Eisbären und Füchse hausen und so weit offene Wasserflächen vorkommen, können demnach auch die Vögel ihren Hunger stillen, sofern sie nicht wählerisch in der Nahrung, sondern omnivor sind. Denn nur solche Arten, — 80 — die sich an die jeweils gebotene Nahrung gewöhnen, können in der hohen Arktis existieren. Natürlich ist dieses Vorkommen in den höchsten Breiten sehr lokal und mit den offenen Meeres- stellen sehr wechselnd. Oft auch müssen weite Strecken zur Erreichung von Nahrung zurückgelegt werden. Beim Seestrand- läufer, Tringa striata L,, der sich sonst hauptsächlich von In- sektenlarven nährt, fanden Schaudinn und ich in Spitzbergen im Magen immer nur grüne Süßwasseralgen, denn Insekten fehlen ja fast ganz auf Spitzbergen. Auch A. Walter gibt als Mageninhalt für Tringa Algen und kleine Steinchen an. Daß es den Tieren oft auch schlecht ergehen kann, beweist ein Regenbrachvogel, Numenins phaeopus L., den wir tot auf der Bäreninsel fanden. Magerkeit und Magenleere ließen darauf schließen, daß der nach der Bäreninsel verflogene Vogel dort bei dem Mangel an Insekten Hungers gestorben war. Bei dem Nahrungsreichtum des Meeres kann es uns nicht überraschen, daß Nansen noch auf 85° 5' Vögel (und zwar den Sturmvogel, Fulmarus glacialis L.) beobachtete und Sverdrup auf 84° 40' einen größern Schwärm von Vögeln traf, der nach Norden flog. Zwischen dem 84. und 85. Grad sind bisher neun Arten Vögel konstatiert worden, und somit sind wir wohl berechtigt, anzunehmen, daß auch am Nordpol selbst noch Vögel existieren. Von Franz-Josef-Land sind bisher 28 Vogelarten bekannt geworden, vom Spitzbergen-Archipel 50 Arten, von denen 25 Arten Brutvögel der Inseln sind. 25 Arten brüten ebenfalls auf den Neusibirischen Inseln. Die Liste der Vögel Grönlands zählt 161 Arten, von denen 10 allerdings noch als fraglich zu be- zeichnen sind. Doch sind nur 60 sicher im Lande nistend ge- troffen worden. Die heutige Zusammensetzung der Vogelfauua Grönlands gibt ein Bild von der Besiedelung dieser großen ark- tischen Insel, die sich von Europa und Amerika aus vollzogen hat. Trotz einer starken Beimischung nearktischer Formen ist der Charakter der grönländischen Fauna aber noch ein durch- aus paläarktischer. Die meisten der amerikanischen Arten sind als E^remdliuge oder mehr oder weniger häufige Gäste in Grön- land aufzufassen. Nach Sclialow, dem wir eine ausgezeichnete Bearbeitung der arktischen Vogelfauua verdanken, sind für das ganze nördliche Eismeer bisher 279 Arten nachgewiesen, davon — 81 — 144 als Brutvögel. Unter den für die höchsten Breiten auf- geführten Vögeln findet sich stets die Schneeammer, Passerina nivalis (L.). Sverdrup traf auf der Fram- Expedition eine Schneeammer noch auf 84^ 40' am 22. Mai und eine weitere auf 84° 45'. Feildeu fand während der amerikanischen Polar- expedition in Grinell-Land noch auf 82" 33' n. Br. am 24. Juni 1881 ein Schneeammernest mit vier Eiern. In Franz-Josefs-Land sind ihre Nester oft gefunden worden. Die Schneeammer gehört also zu den nördlichsten Vögeln, die auch, wenn die Verhältnisse es zulassen, in diesen höchsten Breiten noch brüten. In allen Gebieten des arktischen Meeres ist sie gefunden; die Küsten der einzelnen Kontinente sind die Südgrenze ihrer Verbreitung. Als Nahrung werden Insekten und Sämereien angegeben. Die wenigen dort noch wachsenden Gräser und Pflänzchen können also noch genügend Kost für diesen anspruchslosen Vogel liefern. Weitere hocharktische Vögel, die ihre Eisheimat auch im strengsten Winter nicht verlassen, südlich kaum über den Süd- rand des arktischen Meeresgebietes hinausgehen und ihre Brut- geschäfte sicher im äußersten Norden erledigen, sind : die Rosen- möve, Rhodostethia rosea (Macgil.), die Elfenbeinmöve, Oavia alba (Gunn.). und die Seeschwalbenmöve, Xema sabinii (Sab.), die in den höchsten erreichten Breiten angetroffen wurden, teilweise aber bezüglich ihrer Brutplätze und ihrer genaueren Verbreitung noch sehr der Aufklärung bedürfen. Feilden fand auf 83^60' noch ein Schneehuhn auf Eiern sitzend, und auf Grinell-Land sind bei 82 Va" noch 5 Arten brütend gesehen worden, in einer Breite, in der die Sommertemperatur in der Hauptbrutzeit der Vögel im Durchschnitt unter dem Gefrierpunkt liegt. Von un- seren deutschen Vögeln geht der Kolkrabe, Corvus corax L., jedenfalls am weitesten nach Norden, denn er wurde von Feilden als Brutvogel noch auf 81" 40' an den Klippen von Kap Lupton im Gebiet der Baffins-Bai gefunden. Auch auf Grönland ist der Rabe überall Brutvogel und als Räuber den Ansiedlern lästig. Besondere Anziehungspunkte sind für ihn die Walstationen des nördlichen Skandinaviens, wo er sich an den Überresten der Walkadaver sättigt. Darm- und Magenuntersuchungen beim Raben sind dort von höchst unangenehmen Gerüchen nach ver- faultem Fleisch begleitet. Wie sehr sich aber der Kolkrabe der Nahrung anzupassen versteht, bewiesen unsere Magenunter- 6 — 82 — suchungen im Herbst. Magen und Darm waren mit Wald- oder Blaubeeren vollgepfropt und die ganzen Eingeweide durch und durch blaugefärbt. Es würde den Rahmen meines Vortrages übersteigen, wenn ich die ganze große Schaar der deutschen Vögel bis zu ihrer jeweiligen Nordgrenze verfolgen oder für jedes ein- zelne arktische Gebiet eine Liste seiner Vogelarten geben wollte. Ich möchte nur einige Gebiete herausgreifen, über die exakte Beobachtungen und Mitteilungen vorliegen und für die namentlich sicher feststeht, welche Vögel dort Brut- vögel sind und welche nur gelegentlich als Strichvögel oder Irrgäste erscheinen. Denn nur Notierungen, die auf Grund genauester Beobachtungen gemacht wurden und durch Beleg- exemplare zu kontrollieren sind, kommen für uns in Betracht. Durch solche tierphäuologischen Veröffentlichungen sind wir über die Avifauna Finnlands durch K. M. Levander in Helsingfors, der das reiche Material der zahlreichen, über das ganze Land zerstreuten Stationen jährlich zusammenstellt, vorzüglich unterrichtet. Ferner besitzt die Eismeerküste in H. Goebel einen beobachtenden Ornithologen , dessen lang- jährige Feststellungen von der Murmanküste uns eine sichere Grundlage zur Beurteilung der Vogelwelt ganz Lapplauds geben. Beide genannten Herren haben mir das Material ihrer Arbeiten durch neuere briefliche Mitteilungen noch wertvoller gemacht. Für das russische Lappland sind durch H. Goebel 142 Arten als sichere Brutvögel durch Funde von Eiern oder Jungen in frühen Altersstadieu nachgewiesen; für 9 weitere Arten darf man sicher annehmen, daß sie in jenen Gegenden brüten, während für 18 öfters vorkommende Arten das Brüten zweifel- haft ist. Dazu kommen noch 18 Arten Durchzugsvögel oder Irrgäste und 6 Arten Wintergäste, welche die eigentlichen ark- tischen Hochseevögel stellen. Zunächst wollen wir einige Arten näher betrachten, die dem Menschen und den menschlichen Ansiedlungen folgen und mit ihm in neue Gebiete einwandern. H. Seh alow nennt in seiner Bearbeitung der arktischen Vögel 8 Arten, welche in Deutschland kaum der engeren Umgebung irgend einer mensch- lichen Ansiedlung als Brutvögel fehlen. Es sind dies: die Schleiereule, Strix ßanimea L., die Hausschwalbe, CJieUdon — 83 — iirbica (L.), die Mauerschwalbe, Hirundo rustica L., der Fliegeu- schnepper, Muscicapa grisola (L.), die Elster, Pica pica (L.), der Sperling, Fässer domesticus L., die Goldammer, Emberiza citrinella L., und der Zaunkönig, Troglodytes troglodi/tes (L.). Davon verläßt die Schleiereule den Menschen schon bald; sie bewohnt noch die englischen Inseln, hört aber in Skandinavien schon im Süden auf und erreicht nirgends den Polarkreis. Goldammer und Zaunkönig gehen als Brutvögel etwa bis zum Polarkreise mit; die Goldammer brütet auch noch an der Mur- manküste. Der Sperling, der im zentralen Europa nur an einzelnen hochgelegenen Walddörfern, die keinen Getreidebau treiben und keine Pferde halten, fehlt, findet sich noch auf den britischen Inseln und brütet in Norwegen, Schweden, in Finnland und Lappland sicher bis zum 68*^. Darüber hinaus kommt er nur noch als Irrgast, nicht mehr als ständiger Brutvogel vor. Auf Island ist der Sperling nie gesehen worden, in Südgrönland, wo er gefunden wurde, ist er eingeführt worden, doch finde ich keine Nachweise darüber, ob er sich gehalten hat. Alle anderen Arten, Hausschwalbe, Mauerschwalbe, Fliegenschnepper und Elster begleiten den Menschen durch ganz Skandinavien und Lappland bis zur Eismeerküste. In der Nähe des Nordkaps, bei Vardö und auf der Kolahalbinsel bis zum Weißen Meere nisten sie. Schwalben sind auch vereinzelt auf den arktischen Inseln (z. B. auf Grönland) als verflogene Exemplare gefunden worden. Von unseren Krähenarten reichen Saatkrähe, Corvus frugile- gus L. und Rabenkrähe, Corvus corone L. meist weit nach Norden in Europa wie in Asien. Im nördlichen Norwegen fehlen sie gänzlich, und in Finnland kommen sie nur in den südlichen Provinzen als Strichvögel, aber nicht brütend vor. Die Dohle, Corvus monedula L. nistet in Mittelfiunland bis zum 62.^'. Die graue Nebelkrähe, Corvus comix L., die den Winter meist im nördlichen und mittleren Deutschland verbringt, in unserer Gegend aber schon ein weniger regelmäßiger Wintergast ist, geht in Europa wie in Asien nördlich über die Grenzen des Waldes hinaus und ist überall bis zur Eismeerküste ein häufiger Brutvogel. Von den dänischen Zoologen sind mehrere Exemplare der Nebelkiähe auf Island und selbst an der Ostküste von Grönland gesammelt worden, doch ist sie für die arktischen Inseln nicht mehr Brutvogel. 6* — 84 — Von eiüigen allbekannten, einheimischen Vögeln möge noch angeführt werden, wie weit sich ihre Verbreitung nach Norden erstreckt. Der Reiher, Ardea cinerea L., ist mehrfach im südlichen Grönland erlegt worden. Auf anderen Inseln des Polarmeeres ist er jedoch nicht nachgewiesen worden. Das Bläß- oder Wasserhuhn, Fulica atra L., das ein weites Ver- breitungsgebiet hat, das ganz Europa, das nördliche und zentrale Asien, Indien, die Philippinen und die großen Sunda- Inseln, mit Ausnahme von Borneo, bewohnt, an der Eismeerküste noch brütet, ist auch als zufälliger Besucher auf Grönland ge- schossen worden. Der Kiebitz, Vanellus vanellus (L.), der in Deutschland die Wiesengebiete des Nordens als Brutplätze be- vorzugt, geht im Norden als Brutvogel bis an die Küste der Grönland- und Barents-See, doch ist er auf den arktischen Inseln selbst nicht einmal als Irrling beobachtet. Von den Brutvögeln kennen wir für den Seeadler, Haliaetus albicüla (L.), in Grön- land eine ganze Anzahl von Fundstellen ; im äußersten Norwegen ist er eine häufige Jagdbeute der Sportsreisenden. Von den Falken ist der Wanderfalke, Falco peregrinus Tuust., auf den Osten des Gebietes beschränkt, aber sicher bis zum 70. Grad n. Br. Brutvogel. Goebel führt außerdem noch drei weitere Arten, F. gyrfalco L., tmtiunculus L. und aesalon L., als Brutvögel für die Murmanküste auf. Habicht, Ästur palum- barius L., und Sperber, Accipiter nisiis L., sind ebenfalls Brut- vögei in Lappland, während unsere Bussarde und Eulen durch andere Arten vertreten sind. Ein spezifisch arktischer Vertreter der Raubvögel ist die Schneeeule, Nyctea nyctea (L.), die eine zirkumpolare Verbreitung hat und nur aus wenigen Teilen des ungeheueren Polarmeeres nicht gemeldet ist, Ihre hauptsäch- lichste Nahrung sind die Lemminge, und ihr Vorkommen ist daher aufs engste mit der Verbreitung dieser kleinen Nager ver- knüpft, also auch ebenso wechselnd und schwankend wie das Vorkommen dieser. In Spitzbergen, wo die Lemminge gänzlich fehlen, taucht die Schneeeule nur als Irrgast auf. Im Winter wandert sie nach Süden und kommt nicht selten bis an die pommerschen und preußischen Küsten. Unser Kuckuck, Cuculus canorus L., hat in Europa und Asien eine weitgehende Verbreitung, und es gibt wenig Gegen- den, in welchen der Kuckuck nicht beobachtet worden ist. Als — 85 — Brutvogel bewohnt er den Norden der alten Welt von China und den Amurländern bis zur Küste von Portugal und vom Nordkap au bis Syrien und Palästina. An der tinnischen Station 66" 43' traf er im Jahre 1903 am 27. Mai ein. Von unseren Finken gehen nach Goebel verschiedene Arten bis zur Eismeerküste, von den Meisen keine einzige Art, und von den Spechten ist nur der Kleinspecht, Picus minor L., ein häufiger Brutvogel Lapplands, während der Buntspecht, Picus major L., spärlich vertreten und nicht überall mit Sicherheit als brütend nachgewiesen ist. Das Brutgebiet der Feldlerche, Alauda arvensis L,, erstreckt sich in Europa bis zum 70.° n. Br., im östlichen Sibirien ist sie aber nördlicher als 60'' nicht angetroffen worden. Der Star, Stiirtius vulgaris L., besucht Europa wohl nur bis zum Polarkreis, für die Eismeerküste führt Goebel ihn als Irrgast auf. In Grönland ist er vereinzelt bis zum 67." getroffen worden; die betreffenden Belegexemplare befinden sich im Kopenhagener Museum. Über das Brüten der Stare auf Grönland finde ich aber keine Notierung. Der Fichtenkreuzschnabel, Loxia curvi- rostris L., geht in Europa als Brutvogel bis zum Polarkreis hinauf und brütet auch an der Murmanküste. Die Singdrossel, Turdus musicus L., hat im paläarktischen Gebiet die weiteste Verbreitung von allen ihren Verwandten. Selbst über den 70." reichen ihre Nistplätze noch hinaus, und von hier aus fliegen dann einzelne Stücke bis nach Grönland. Das Museum in Kopenhagen besitzt mehrere dort erlegte Singdrosseln. Sogar in Island zieht die Singdrossel zuweilen Junge auf. Der Steinschmätzer, Saxicola oenanthe (L.), ist ein schönes Beispiel für eine wechselnde Verbreitung. Oft wurden große Mengen in einem arktischen Gebiet beobachtet, und ein Jahr später bemühten sich andere Reisende in derselben Gegend vergeblich, ein Exemplar zu sichten. Der Steinschmätzer ist ein Brntvogel des zentralen und nördlichen Europas. So weit es im Norden Festland gibt, kommt er vor. Im Westen beginnt sein Wohn- gebiet in Labrador und geht wahrscheinlich durch das ganze arktische Amerika. Im Osten bewohnt er das ganze nördliche Sibirien. Von den arktischen Inseln ist aber noch kein einziger Irrgast bekannt. Von den Bachstelzen geht sowohl die gelbe als auch die weiße Art bis an die Eismeerküste. Für das ganze — 86 — große Heer der Wasser- und Schwimmvögel, namentlich Taucher, Lummen, Enten, Gänse und Möven, können wir zusammen- fassend sagen, daß sie meist die ganzen nördlichen Meere von den deutschen Küsten bis zu dem ewigen Eise bewohnen, im Sommer die nördlichen, im Winter die südlichen Teile, manche von ihnen kommen in strenger Winterzeit bis nach Mittel- und Süddeutschland. Schließlich sei noch des Storches, Oiconia alba L., gedacht. Er meidet die nördlichen Länder und fehlt bereits in England und Irland. Gründe dafür sind schwer zu nennen. Nahrungsmangel kann nicht geltend gemacht werden, denn er würde dort die gleichen Existenzbedingungen treffen, wie bei uns. Die Großstädte mit ihrer Industrie können ihn auch nicht verscheuchen, denn im westlichen Deutschland brütet er in den Vororten großer Städte und auch in diesen selbst. Der Storch kehrt im Frühling sehr zeitig zu uns zurück, bei Frank- furt erscheint er schon in der zweiten Hälfte des Februar. Vielleicht hält ihn in den nördlichen Ländern das späte Er- wachen des Tierlebens im Frühling fern. Auch bei den Vögeln regelt, wie wir gesehen haben, die Nahrung die Verbreitung. Aber es ist nicht die Nahrung allein, sondern sie muß auch genügend lange Zeit vorhanden sein, um die Vögel für die ganze Dauer der Brutperiode zu ernähren. In den höchsten Breiten von 80—84" können auch nur omnivore Arten, wie Raben und Schneeammern, ausdauern, während reine Insektenfresser, wie z. B. unsere Schwalben, trotz vorübergehender Überfülle von Mückennahrung dort nicht Brutvögel werden können. Der Sommer ist für die Brutperiode zu kurz, denn schon im nördlichen Norwegen an der Eismeerküste können die Vögel erst spät mit dem Nestbau beginnen. Sichere Daten über das Eintreffen der Vögel haben wir für ganz Finnland durch die zahlreichen Vogelwarten. Ich entnehme aus den Zusammenstellungen von Le van der die Termine für Schwalbe und Star. Die Hausschwalbe, die bei uns Ende März den Frühlingsanfang verkündet, wird in Finnland auf den Stationen zwischen 60 und 61" Anfang bis Mitte Mai, auf den zwischen 63 und 64" gelegenen Stationen am 19.— 21. Mai, auf der Station Inari bei 69" 6' dagegen in der Regel erst am 29. Mai zum ersten Mal gesehen. Die ersten Stare zeigen sich zwischen 60 und 61" vom 8.-26. März, zwischen 63 und 64" aber erst — 87 — Ende März und Anfang April. Auf 64" 13' wird für das Jahr 1903 der 27. April, für das Jahr 1904 der 24. April, auf 66° 22', die nördlichste Station, an welcher in Finnland Stare beobachtet werden, wird für 1903 der 6. April, für 1904 der 17. April als Datum für das Eintreffen des ersten Stares genannt. Die nördlichsten Stationen verlassen die Schwalben bereits im August wieder. Hier ist wohl die Frage berechtigt, was die Vögel ver- anlaßt, solch hohe Breiten noch in einer Jahreszeit aufzusuchen, in der ihre Artgenossen bei uns schon längst mit dem Liebes- leben begonnen haben? Weshalb bleiben sie nicht lieber in wärmeren Gegenden, wo der Frühling früher einsetzt und ihnen einen längeren Sommer mit mannigfaltiger und bequemer Nahrung bietet und einen früheren Beginn des Brutgeschäftes ermöglicht? Wir können uns diese Erscheinung nur dadurch erklären, daß diese Vögel von einem unwiderstehlichen Drang getrieben werden, die Stätte ihrer Geburt wieder aufzusuchen. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse wandern alljährlich viele Millionen von Vögeln, wenn erst die Sonne die kalte Polarnacht verscheucht hat, nach Norden, wohin schon viele Generationen ihrer Vorfahren gezogen sind, um wie diese in der alten Heimat ihr Nest zu bauen und ihre Jungen aufzuziehen. Viele von diesen Arten sind ja bei uns Wintergäste und ziehen im Frühjahr mit dem Einsetzen der ihnen zusagenden Nahrung nach Norden, so weit, als sie die Nahrung vorfinden. Andere Arten, z. B, die zarteren Singvögel und Insektenfresser, verleben den Winter in den wärmeren Mittelmeerländern und für diese erhebt sich die Frage: bleiben sie im Süden, bis sie die Zeit für die Be- siedelung der nördlichsten Breiten gekommen fühlen oder ziehen sie mit den früheren Zügen zuvor noch in unsere Breiten und erreichen erst mit einem zweiten Wanderzuge ihre eigentliche Geburtsstätte? Dieser zweite Modus ist wohl weniger plausibel, denn dann würden sich wohl manche Tiere bei uns durch zeitigeres Liebesleben festhalten lassen und ihre eigentliche Heimat ver- gessen. Der unwiderstehliche Heimatsdrang macht es uns auch allein verständlich, warum die Vögel im Frühling, wenn sie erst in der Heimat angelangt sind, unentwegt dort aushalten, selbst wenn ein Nachwinter eintritt, und lieber Hungers sterben, als wieder nach dem Süden zurückzukehren, den sie in wenigen Stunden bequem erreichen könnten. Eine zweite Frage ist die, wann die Wanderangen der Vögel überhaupt entstanden sind, und wann zum ersten Male eine Besiedelung der nördlichen Länder erfolgte? Fast allge- mein wird die Entwicklung des Vogelzuges mit der Eiszeit in Beziehung gebracht. Gewiß hat die Eiszeit manche Vogel- art aus Nordeuropa langsam nach Süden getrieben. Allmählich sind sie dann wieder nach Norden vorgedrungen, sobald in der Inter- glazialzeit Eis und Kälte abnahmen. W. Kobelt hat in seinem gedankenreichen Buch über die Entwickelung der Tierwelt in der gemäßigten Zone darauf hingewiesen, daß schon lange vor der Eiszeit eine winterliche Polarnacht bestanden hat, die auch eine winterliche Abschwächung und Unterbrechung des Pflanzen- und Insektenlebens bewirkte. Und andererseits hat auch der regenlose Sommer der südlichen Länder mit dem Ein- schlafen des Insektenlebens schon lauge vor der Eiszeit die In- sektenfresser zur Auswanderung nach Norden während der Fortpflanzungszeit gezwungen. Kobelt sagt ferner: „Wir müsseU; wenn wir zu einem Verständnis des Vogelzuges kommen wollen, unter den Zugvögeln zwei Kategorien unterscheiden, die aus ganz verschiedenen Motiven wandern und sich deshalb auch ganz verschieden benehmen." Die einen verlassen uns erst wenn die nahrungsarme Zeit beginnt, ja manche von ihnen, wie Star, Bachstelze, Buchfink, Rotschwänzchen, Singdrossel etc., versuchen es auch in milden Wintern in einigen Teilen von Deutschland zu bleiben. Wenn mehrere milde Winter hinter einander folgen, so wird die Zahl der Ausharrenden immer größer, bis ein strenger Winter sie wieder einmal in die Flucht treibt oder vernichtet. Nordische Vögel kommen im Winter zu uns und Wasservögel ziehen bei eintretendem Frost, wenn die Seen Norddeutschlands zufrieren, so weit nach Süden, bis sie offenes Wasser finden. Alle diese Vögel sind in nördlichen Breiten heimisch, sie sind Wintergäste bei uns oder weiter südlich, so lange die kalte und nahrungsarme Zeit dauert. Die andere Kategorie der Vögel kommt spät und zieht zeitig wieder ab, wenn auch noch mehrere, warme, nahrungs- reiche Monate vor ihnen liegen, sobald das Brutgeschäft erledigt ist und die Jungen die Reise aushalten können. Sie sind die Bürger wärmerer Gebiete, die nur als Sommerfrischler nordwärts ziehen und zu uns kommen, um bequemer ihr Brut- — 89 — geschäft erledigen zu können. Die Wintergäste treibt die Sorge um ihre eigene Erhaltung nach dem Süden, die Sommerfrischler lockt die Sorge für ihre Nachkommen nach Norden. Mit dieser scharfen Unterscheidung hat Kobelt manche Unklarheit in der Erscheinung des Vogelzuges gelichtet und namentlich die uns hier interessierende Abnahme der Vogel- arten nach Norden zu verständlich gemacht. Auf das gewaltige Problem der Vogelzüge mit den vielen damit zusammenhängenden Fragen näher einzugehen, ist hier nicht der Ort. Über die nördlichsten Reptilien und Bat rachier sind wir durch die umfassende Bearbeitung von F. Werner in „Fauna Arctica" vorzüglich unterrichtet. Ich entnehme dieser Arbeit nachfolgende Angaben. Die arktische Fauna ist an Kriechtieren und Lurchen arm, denn nur 2 Reptilien und 6 Ba- trachierarten überschreiten in allen 3 Weltteilen zusammenge- nommen den nördlichen Polarkreis ; den sechzigsten Breitengrad erreichen aber schon 6 Reptilien- und 9 Batrachier- Arten. Es ist bei dem hohen Wärmebedürfnis dieser Tiere leicht begreif- lich, daß nur wenige Arten im Stande sind, in diesen hohen Breiten zu leben. Die Batrachier sind durch Besitz einer nackten, ungeschützten Haut größtenteils Freunde der Feuchtigkeit und entbehren den Mangel an warmem Sonnenschein weniger. Den Reptilien ist direkter Sonnenschein und höhere Wärme ein Be^ dürfnis, und daher sind auch die wärmeren südlichen Länder und speziell die Tropenländer die Heimat der meisten Reptilien- Arten. Die höchsten Breiten im Norden werden nun auch nur von solchen Arten bewohnt, die auch in den Alpen und im Balkan am höchsten auf die Berge hinaufsteigen, Rana temporaria L., der braune Grasfrosch, Lacerta vivipara Jacq., die Bergeidechse und Vipera berus L., die Kreuzotter, kommen in den Alpen bis zu 3000 Meter Höhe vor. Von diesen ist aber die Bergeidechse besonders feuchtigkeitliebend. Es gibt keine eigentlichen arktischen Reptilien und Batrachier, sondern alle hier in Betracht kommenden Arten ge- hören zu in den betreffenden Kontinenten weitverbreiteten und artenreichen Gattungen. Anpassungen an das arktische Klima fehlen ebenfalls, und es ist bei den aus dem hohen Norden kommenden Tieren weder in der Färbung noch in morphologischen Merkmalen ein Unterschied von den in Deutschland oder weiter — 90 — im Süden lebenden Stücken zu konstatieren. Der bei den Hoch- gebirgsreptilien (Lacerta und Vipera) beobachtete Melanismus scheint in der Arktis nicht vorzukommen. Ein Vergleich der in den drei Kontinenten in den nörd- lichsten Breiten vorkommenden Arten ergibt, daß Europa am günstigsten gestellt ist und ungleich viel mehr Arten über dem 60. Breitengrad besitzt, nämlich 6 Reptilien und 5 Frösche, während Asien nur 1 Reptil und 3 Batrachier, Amerika so- gar nur 3 Batrachier nördlich des 60. Grades aufzuweisen hat. Dieselben Arten und Gattungen erreichen in Amerika und Asien schon weit südlicher als in Europa ihre Nordgrenze. Nur die Gattung Rana kommt in der Arktis aller drei nördlichen Erdteile zugleich vor. Aber nirgendwo erreicht eine Batrachier- oder Reptilienart die arktischen Inseln, auch nicht einmal Island. Der nördlichste Vertreter beider Gruppen ist der braune Gras- frosch, Rana teniporaria L. für den mit Sicherheit ein Fundort auf 71", die Insel Magerö beim Nordkap, nachgewiesen ist. Nächst ihm ist die Bergeidechse, Lacerta vivipara Jacq. als das am weitesten nach Norden vordringende Reptil zu nennen (bis zum 70."), und die Kreuzotter, Vipera berus L., die nahe an den 70.° herankommt und von H. Goebel im Varanger- Gebiet nachgewiesen wurde. Dann kommt der Moorfrosch, Rana arvalis Nilss., der den Polarkreis in Lappmarken und Finn- land überschreitet und von der Expedition Shitkows sogar auf der Halbinsel Kanin erbeutet wurde. Auch die Ringelnatter Tropidonotus natrix L. erreicht noch in Norwegen in Süd- helgeland den Polarkreis. Unsere glatte Natter, Coronella austriaca Laur., überschreitet bei Trondhjem noch den 60.", von den Kröten hat Bvfo vulgaris L., die nördlichste Verbreitung, die in Archangelsk noch bis 65", in Norwegen aber nur bis 60" gefunden wird. Von den Molchen sind Molgc vulgaris L., und der Kammolch, M. cristata Laur., bis zum 60." zu finden und auch die Zauneidechse, Lacerta agilis L. wie die Blindschleiche, Anguis fragilis L. gehören zur Fauna des südlichen Norwegens bis zum 60. Grad, Asien hat als einziges Reptil nördlich des 60." Lacerta vivipara, an Batrachiern Ra?ia arvalis und R. temperoria mit Europa gemeinsam und dazu noch Salamandrella Keyserlingi Dyb., die in Sibirien von Jekatarinenburg bis Kamtschatka und — 91 — bis Irkutsk bis Werchojansk (60*^ 34' n. Br.) vorkommt. In Nordamerika lebt kein einziges Reptil nördlich des 60.° und nur 3 Batrachieraiten, die auch noch am Polarkreis leben. Diese Erscheinung hängt damit zusammen, daß das arktische Klima in Asien und Amerika viel weiter nach Süden reicht als in Europa, wo der Golfstrom die Existenz einer Anzahl von Arten nördlich von 60 "^ ermöglicht, welche sonst nirgends so weit hinaufgehen. Die Jahresisotherme von 0", welche im west- lichen Norwegen über dem Polarkreis liegt und nur im östlichen Rußland unter 60° herabgeht, zieht in Sibirien und in Nordame- rika bis zum 50. Grad herab. Auch bei den Reptilien und Batrachiern finden wir einen Zusammenhang zwischen Verbreitung und Abnahme der Nahrung. Mit dem Schwinden der Insektennahrung in den höheren Breiten und der Verlängerung der Winterzeit, nehmen auch die auf Insekten-Nahrung angewiesenen Frösche und Eidechsen ab und die von diesen lebende Kreuzotter. Immerhin reicht die kurze Sommerzeit mit ihrer relativ hohen Wärme auch auf dem sieb- zigsten Breitengrad noch aus, um einigen unserer Reptilien und Batrachier Gelegenheit zur Fortpflanzung, Entwicklung und genügender Nahrungsaufnahme zu geben, die für die lange Winterruhe vorhält. Welche Veränderungen das Klima hervor- ruft, sehen wir aus den Daten für die Laichzeiten, die, wie ich den Zusammenstellungen von Leva nd er entnehme, in Finnland viel später liegen als bei uns und sich nach Norden zu mit dem späteren Eintritt der warmen Witterung iramermehr verschieben. Der braune Grasfrosch laicht in Finnland bei 60" 31' am 24.-28. April, bei 62" 3' am 13.— 16. Mai, bei 64" 23' am 25. Mai, bei 65" 6' am 20.— 27. Mai. bei 66" 22' am 28.— 31. Mai, In Deutschland beginnt diese Froschart mit ihrem Laichgeschäft im März, in milderen Tagen auch schon Ende Februar. Die Fische tragen erheblich dazu bei, die nördlichen Länder für den Menschen bewohnbar zu machen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, genaue Angaben über die Fisch- quantitäten zu geben, welche das Nordmeer produziert. Es sei nur allgemein darauf hingewiesen, daß fast alle unsere land- läufigen Seefische, wie Dorsch, Schellfisch, Plattfische etc. ein weites Verbreitungsgebiet haben und von den Gestaden des — 92 — Mittelmeeres bis zu deu Küsten des Eismeeres vorkommen und gerade im hohen Norden die ungeheueren Mengen liefern, welche die Fischmärkte der Küstenstädte und des Binnenlandes versorgen können. Die Zahl der Arten ist freilich im Norden geringer. Die nördliche Adria liefert im Laufe des Jahres über 200 Arten Fische auf den Markt von Triest. Aus dem ganzen Nordmeer (Nordsee uebst Eismeer) sind aber nur 186 Arten Fische bekannt. Jedes einzelne Gebiet besitzt jedoch nur einen Teil davon; so sind z. B. in der näheren Umgebung von Helgo- land im Ganzen 73 Arten Fische konstatiert worden, von denen nur 28 regelmäßige Standfische, 22 seltenere Besucher, alle übrigen aber nur Irrgäste sind. Von den Nordseefischen kommen vielleicht 10 — 12 Arten als wichtigere Marktfische in Betracht und die meisten davon sind das ganze Jahr über am Markte und zwar in großen Quantitäten. Die Fischware auf den Märkten der Mittelmeerstädte wechselt jedoch sehr mit der Jahreszeit und die einzelnen Arten sind meist nur kurze Zeit über zu haben. Kaum ein Fisch, selbst nicht Thunfisch oder Sardelle, kann solche Quantitäten liefern, wie in der Nordsee z. B. der Dorsch oder der Hering. So ist das Nordmeer in bezug auf die Zahl der Arten zwar ungünstiger gestellt als das südliche Mittelmeer, die Zahl der Individuen einer Art und die Größe der einzelnen Stücke wird aber von keinem südlichen Gebiete erreicht. Ein weites Verbreitungsgebiet haben diejenigen Fische, die an das Leben im Süß- und Salzwasser angepaßt sind, wie z. B. Aal, Lachs, Stichling etc. Der Aal, Ängnilla vulgaris L., der alle europäischen Flüsse bevölkert und nur dem Schwarzen Meer und Kaspischen-Gebiet fehlt, kommt zu beiden Seiten des Atlantischen Beckens bis zum äußersten Norden vor. Auf Island und den Faröer wird er noch gefangen, ja selbst in Grön- land, wenn auch hier seltener. In Spitzbergen scheint er zu fehlen. Ungeheure Wanderungen muß der Aal unternehmen, den wir nach den neuesten Ergebnissen der internationalen Meeresforschung als einen echten Tiefseefisch betrachten müssen, der nur eine Zeit seines Lebens im Süßwasser ver- bringt. Sein Laichegeschäft vollzieht der Aal in einer Tiefe von wenigstens 1000 m bei einer Temperatur von -|- 7*^ C- Diese Bedingungen sind in der ganzen Nordsee und im west- — 93 — liehen Atlantischen Ozean nur in einem Tiefseebecken westlich der britischen Inseln und der französischen Küste, etwa von der Höhe der Färöer bis zur spanischen Küste, gegeben. Alle Aale der nördlichen Meere, einschließlich Ostsee und Mittelmeer, kommen aus dieser Tiefe und hierhin wandern sie, wenn sie geschlechtsreif werden, wieder zurück. Auch der Lachs, Salmo salar Sund., ist ein Fisch, der sein Leben teilweise im Meere und teilweise im Süß- wasser verbringt. Doch verhält es sich bei ihm anders als beim Aal. Das Meer ernährt ihn, das Süßwasser, in das er zur Zeit der Geschlechtsreife aufsteigt, ermöglicht ihm die Fort- pflanzung. In den Alpen geht der Lachs nach Tschudi bis auf 1300 m Höhe, in ganz Skandinavien finden wir ihn bis zum Weißen Meere. In Norwegen bildet ja die Angelfischerei auf Lachs einen großen Anziehungspunkt für die Sommer- reisendeu. Der Saibling, Salmo umbla L. var . alpinus L., der in ganz Europa ein Bewohner der Bergseen ist und in den Alpen noch in 2000 m Höhe gefangen wird, findet sich an der Murmanküste, an den Küsten des Weißen Meeres und Nowaja Semljas. In Spitzbergen ist er noch in dem lehmigen Wasser der Mündungen der Eisbäche so zahlreich, daß sich sein Fang lohnt. Hier stellt ihm auch der Weißwal nach. Der am weitesten nördlich beobachtete Salmouide ist Salmo alpinus arcturus, Günther, der im arktischen Nordamerika noch auf 82° 44' konstatiert wurde. Unser bekannter Stichling, Gasterosteus aculeatus L., be- besitzt eine außerordentlich große Verbreitung. In Europa findet er sich überall in salzigem wie in frischem Wasser (mit Ausnahme des Donaugebietes) südwärts bis zum Schwarzen Meer und dem Süßwassergebiet von Algier, obwohl nicht im Mittel- meer selbst. In Nordasien ist er gemein und wurde von der Vega auch bei der Beringsinsel gefunden. In Nordamerika dehnt sich sein Gebiet südwärts bis Kalifornien und New- York aus ; in Island und Grönland ist er wohlbekannt, aber in Spitz- bergen scheint er zu fehlen. Der Flußbarsch, Perca fluviaUlis L., der sich in der Nähe der Flußmündungen bisweilen auf die See hinauswagt, hat, wenn man mit Smitt den amerikanischen Barsch zur gleichen Art rechnet wie den europäischeu, die ganze gemäßigte Zone auf beiden Seiten der Atlantis als Wohngebiet. — 94 — Das arktische Gebiet betritt er nur au der norwegischen Kiiste, wo er nordwärts bis Finnmarken verbreitet ist, während er im mittleren Norwegen ganz zu fehlen scheint, in Finnland dagegen bis zum 70° häufig ist. Von der amerikanischen Ost- kiiste geht er nordwärts bis Neu-Schottland, Der Flußhecht, Esox lucius L., steht dem Barsch fast gleich und findet sich nord- wärts bis Finnmarken und Neu-Schottland. Beide aber, Barsch sowohl wie Fiußhecht, erreichen nirgends die arktischen Inseln und sind auch nicht auf Island. Als Laichzeiten werden auf der nördlichsten finnischen Station von luari (69° 6') für die Jahre 1903 und 1904 für beide Fische 25.— 30. Mai au- gegeben. Von den beiden Neunaugenarten hat das Flußneunauge, Petromyxon fluviatüis L., die weiteste Verbreitung, da es das Weiße Meer und selbst Grönland noch bewohnt, während das Meerneunauge, Petromyxon marinas L., nördlich bei den Faröeru und Island, sowie an der norwegischen Küste beim Varanger- Fjord aufhört. Der Inger, Myxine glutinosa L., ist auf beiden Seiten des Atlantischen Ozeans verbreitet, auf der amerikani- schen Seite vom Kap Cod bis Grönland, auf der europäischen Seite vom Suud und englischen Kanal nordwärts bis Finnmarken und zur Murmanküste. Von dem großen Heer der wirbellosen Tiere inter- essieren uns diejenigen Gruppen am meisten, die anderen Tieren zur Nahrung dienen und die Existenz dieser in den arktischen Regionen ermöglichen. Besonders sind es die Gliedertiere und von diesen wiederum die Insekten, deren verschiedene Ord- nungen mit zahlreichen Arten in die Arktis hineingreifen, wenn auch die Zahlen hinter denen unserer eigenen Heimat weit zurückstehen. Wir können unter den Gliedertieren hinsichtlich der An- forderung, welche diese an ihre Ernährung stellen, zwei Grup- pen unterscheiden. Zu der ersten Gruppe können wir alle Schmarotzer zählen, z. B. die Mücken, Läuse und Pelzfresser, ferner die von Abfällen und vom Raube lebenden, die Fliegen und Spinnen. Diese kommen überall dort noch auf ihre Kosten, wo höhere Tiere und Menschen hausen, und so dürfen wir ihnen von vornherein ein weites Verbreitungsgebiet zuschreiben. Die zweite Gruppe bilden die blumenbesuchendeu Insekten, wie — 95 — Hummeln, Bienen und Schmetterlinge, deren Raupen auch noch auf Futterpflanzen angewiesen sind. Ihr Vordringen in die Arktis ist abhängig von der Verbreitung der Pflanzen. Die Abnahme der Pflanzen, die wir in vertikaler Richtung auf den Gebirgen beobachten können, tritt auch nach den Polen zu ein. Wie aber im Hochgebirge manche sonnigen Hänge eine bunte Blumen- pracht hervorzaubern und einer mannigfaltigen Schmetterlings- fauna Leben geben, so finden wir auch auf den eisigen Gefilden Grönlands und Grinellands da, wo günstige lokale Verhältnisse eine reichere Vegetation gestatten , noch ein reges Schmetter- liugsleben. Selbst auf 82 '^ n. Br. sind noch Falter in der Mitternachtssonne fliegend gesehen worden, während sie auf dem südlicheren, aber rauheren Spitzbergen und dem nebeligen, von Stürmen umtosten Bäreneiland gänzlich fehlen. Nach Nathorst zählt die Vegetation, welche von der englischen Polarexpedition 1875 — 76 in Grinelland gefunden wurde, nicht weniger als 75 Gefäßpflanzen. Die Westküste von Spitzbergen hat etwa 120 höhere Pflanzen, die Bäreninsel stellenweise dichte Weiden mit vielen Gräsern und Blumen. Trotzdem fehlen die Schmetter- linge auf beiden Inselgebieten gänzlich, bis auf eine von Eaton nachgewiesene Motte, Plutella cruciferariim Zett., var. nivella Zett., welche auf Dmba lebt. Auch hier sind blühende Pflanzen für eine reichere Falterwelt vorhanden, das Fehlen derselben müssen wir auf die Eiszeit zurückführen, die alles vernichtete. Die Einwanderung nach der Eiszeit auf die getrennt liegenden Inseln ist durch die weiten Entfernungen und die dazwischen liegende stürmische See, wie wir schon bei den Säugetieren konstatieren konnten, sehr erschwert, und die im starken Winde hilflosen Insekten konnten nicht wieder auf diese Inseln gelangen. Die Schmetterlingsfauna des arktischen Amerikas ist sehr ver- schieden von der der europäischen Arktis. Nach der Eiszeit ist der Norden Amerikas hauptsächlich von amerikanischen Schmetterlingsarten bevölkert worden, während Nordeuropa seine Arten von Sibirien her erhielt, das filiher eisfrei wurde. Für den weitaus größten Teil der Insekten, die von Pflanzen abhängig sind, ist die nördliche Waldgrenze auch eine biologische Verbreitungsgrenze von auffälliger Bedeutung. Die Zahl der Arten verringert sich nördlich dieser Linie erheblich. Freilich ist diese Baumgrenze keine gleichmäßige Linie inner- — 96 — halb eines bestimmten Breitengrades, sondern sie ändert sich nach den örtlichen Verhältnissen wie nach den Gebirgen, ebenso wie die Jahresisotherme eines bestimmten Wärmegrades. Die nördliche Baumgrenze verläuft in geschwungener Linie vielfach in der Nähe des Polarkreises, bald nördlicher, bald südlicher, und deshalb hat man den nördlichen Polarkreis als summarische Grenze der arktischen Welt angenommen. Die Bearbeitungen arktischer Tiergruppen fußen deshalb auch vielfach auf dieser Linie als Südgrenze. Mit der Baumgrenze hören die größeren Bäume auf, nur noch wenige Holzgewächse, wie Weide und Polar- birke, kommen nördlich davon in niedriger, verkrüppelter Ent- wicklung vor. Die Pflanzenwelt wird ebenfalls ärmer, namentlich verschwinden die größeren Blütenpflanzen, und die niedrigen Pflanzen herrschen vor. Die Falterwelt konzentriert sich daher zumeist auf solche Arten, deren Raupen mit niederen, allgemein vorkommenden Pflanzen zufrieden sind. Die meisten Chancen des Fortkommens haben solche Formen, welche nicht auf eine bestimmte Pflanze angewiesen sind, sondern mit verschiedenen besonders widerstandsfähigen Gewächsen sich begnügen und ein verstecktes Dasein führen. Nur wenige Falter sind als im arktischen Gebiet endemisch zu betrachten. Die arktischen Arten gehören meist Gattungen an, denen wir auch im Hoch- gebirge begegnen. Über die arktische Schmetterlingsfauna sind wir durch die umfassende Arbeit von A, Pagenstecher in „Fauna Arctica" Band II vorzüglich unterrichtet. Nach Pagenstecher sind von Tagfaltern am weitesten nach Norden zu beobacliten die Gat- tungen Colias, Argijnnis^ Lycaena und Chrysophanus^ von Spin- nern Dasychira, von Noctuinen Anarta und Plusia, von Spannern Gidaria und von Mikrolepidoptern Scoparia und Penthina. Ihnen schließen sich zunächst an die Gattungen : Pieris, Erebia, Hesperia, Ärctia, PluteUa^ Tortrix, Crambus und andere. Diese Gattungen gehen auch in den Hochgebirgen bis zur nivalen Region. Die Sphingiden sind im hohen Norden ebenso wie die Bombyciden spärlich entwickelt; von ersteren finden wir nur eine Zygaena und wenige Arten der Gattung Sesia. Erst in der Nähe der Baumgrenze vermehren sie sich. Allein im hohen Norden bisher aufgefunden sind die Gattungen MaMcodea und Schoyenia mit je einer Art, — 97 — Soweit im Norden Land konstatiert ist und Menschen vorgedrungen sind, so weit sind auch Schmetterlinge gesammelt worden. Die amerikanische Polarexpedition 1875/76 unter F e i 1 d e n hat auf Grinelland zwischen 78 und 83" noch eine Ausbeute von 14 Arten gehalten, die reicher war als auf dem benachbarten westlichen Grönland. Sieben Arten davon waren noch auf 81° 45' gefangen, eine Art auf 82*^ 45' Dasychira groenlandica Wocke, der nördlichste Schmetterling, den ich angegeben finde. Wie die Pflanzen sich an die rauhen klimatischen Einflüsse angepaßt haben, so zeigen auch die Schmetterlinge gewisse Eigentümlichkeiten, die unter dem Einfluß des Klimas ent- standen sind. Die Entwicklung dauert bei manchen Schmetter- lingsarten zwei oder drei Jahre und die Raupen überwintern vielfach im Raupenzustande. Der kurze Sommer reicht nicht aus, die Entwicklung in einem Male zu vollenden. Die Raupen ertragen die hohe Winterkälte, um dann beim Eintritt des nächsten Sommers ihr Wachstum zu beenden. Die Noctuinen müssen entgegen ihrer Gewohnheit in unseren Breiten in hellen Nächten fliegen und ihre Raupen müssen in der Helligkeit fressen. Sandberg hat durch seine Beobachtung eine mehr- jährige Dauer der Gesamtentwicklung bei den arktischen Tag- faltern, Spinnern und Eulen nachgewiesen. Als weitere Anpassung an das Klima sind für Schmetter- linge sowohl wie für Hummeln zu nennen: die Neigung zum Melanismus und ein Rauherwerden des Pelzes. Die Schmetter- linge variieren ferner und die Hummeln haben sich daran gewöhnt, auch an kühlen und nassen Tagen zu fliegen ; sie arbeiten auch in hellen Nächten, in denen andere Tagesinsekten ruhen. Die Hummeln nehmen nach Norden ebenso wie auf den hohen Bergen an Größe zu. Auf die Bestäubung der Pflanzen haben die arktischen Insekten und speziell die Schmetterlinge wenig Einfluß. Van hoffen sah in Grönland wieder Schmetterlinge noch Hummeln Blumen besuchen. Die Pflanzen sind in viel höherem Maße auf Windbestäubung und vegetative Vermehrung ange- wiesen, da kaum 75''/o aller arktischen Pflanzen zum Ausreifen von Früchten kommen. Durch die zahlreichen arktischen Expeditionen und die Bearbeitungen des von ihnen gesammelten Materials, die bis 7 — 98 — auf Linne zurückgehen, der im Jahre 1732 auf einer arktischen Reise 15 Arten von Schmetterlingen als in Lappland vorkommend nachwies, sind wir jetzt eingehend über die Lepidopteren aller arktischen Gebiete unterrichtet und kennen die Arten der ein- zelnen Gebiete und ihre Anzahl. Sparre Schneider, der Direktor des arktischen Museums in Tromsö, hat für das arktische Norwegen 425 Arten nachgewiesen, für die Ämter Finnmarken, Tromsö und das im Nordland oberhalb des Polar- kreises liegende Areal, im Ganzen 90,000 Quadratkilometer. Davon kommen auf 70*^ nördlicher Breite noch 219 Arten vor, in dem im äußersten Nordosten an der russischen Grenze ge- legenen Sydvaranger-Gebiete aber nur noch 193 Arten. In dem Katalog von T engström wurden 1235 Arten aufgeführt, die in Finnland und russisch Lappland nördlich von 60*^ nördlicher Breite leben. Für Grönland hatte Otto Fabricius im Jahre 1703 eine Liste von 9 Schmetterliugsarten gegeben, während Van hoffen im Jahre 1898 dagegen 43 Arten konstatierte. Für Island erwähnt Staudinger in Jahre 1857 33 Arten. Spitzbergen hat nur die oben erwähnte Motte [Plutella) und von der Bäreninsel kennt man keinen Schmetterling. Nowaja Semlja hat nach Jacobsen 12 Arten. Die Lepidopterenfauna von Island ist wesentlich arktisch. Besonders fällt der Mangel an Tagfaltern auf, welche bei dem regnerischen und stürmischen Klima der Insel nicht aufkommen können und die große Varia- bilität einzelner Arten, von denen oft kein Stück dem andern gleicht. Über die Hj^menopteren der Arctis sind wir durch die neueren Bearbeitungen von Friese und Kiaer in „Fauna Arctica", wozu die langjährigen Beobachtungen und Sammlungen Sparre Schneiders das wichtigste Material geliefert haben, vorzüglich unterrichtet. Das arktische Skandinavien und Lapp- land haben sonach 678 Arten Hautflügler, Spitzbergen nebst Bäreninsel aber nur 18 Arten, Grönland 29 Arten. Rein arktisch sind aber davon nur 86 Arten, und 5 Arten (3 Bombus, 1 Osmia und 1 Ichneumonide) können als allen arktischen Ge- bieten gemeinsam angesehen werden. Die Hummeln haben neben bekannten alpinen auch spezielle arktische Vertreter, die mit ihrem dichten Pelz als arktische Typen gelten müssen. Die übrigen besonderen Anpassungserscheinungeu der Hummeln wurden schon bei den Schmetterlingen erwähnt. ~ 99 — Von Fliegen, die mehr auf Raub und Abfälle auge- wiesen sind, zählt Grönland noch 160 Arten, Nowaja Semlja 100, Spitzbergen und Bäreninsel 55 und Island 60 Arten. Die nördlichsten Fliegen sind bisher auf 82° 33' im arktischen Amerika gefangen worden und zwar waren es eine Pyrellia- uud eine Chironojnus-kvi. Einzelne dieser Arten können sich auch in den höchsten Breiten noch zu so unglaublichen Indivi- duenmengen erMvickeln, daß sie den Menschen und Tieren lästig werden. Die Mückenplage in Lappland und Labrador wurde schon in der Einleitung bei der Nahrung der Vögel erwähnt. iVber auch selbst auf Grönland sind die Stechmücken die unan- genehmen Plagegeister der Reisenden. Bergen dal erzählt, daß ihn bei seinen mikroskopischen Untersuchungen der Süßwasser- fauna nicht nur die Stechmücken peinigten, sondern daß auch das massenhafte Auftreten ihrer Larven in den Wasserproben seinen Arbeiten ungemein hinderlich war. Vanh offen be- richtet, daß man in der zweiten Hälfte Juni bis Mitte Juli im Umanak-Fjord selbst im Hause bei Tag und bei Nacht sich nur durch Anwendung eines Mückeuschleiers notdürftig vor den Stechmücken schützen konnte. Hier war es die gemeine Stech- mücke, Culex nigripes. Fliegen machten sich weniger bemerkbar als die Mücken. Nur selten fanden sich einige Fliegen an den Fenstern der Wohnhäuser. Unsere gemeine StubenÜiege ist in Grönland noch unbekannt. „Den Fliegen bieten auch im hohen Norden die vielen kleinen Tümpel, die von den Schmelz- wässern übrig bleiben, die lockere Moorerde mit Moos und ver- wesenden Pflanzenresten, die Küchenabfälle der menschlichen Ansiedelungen und die angespülten Tangmassen reichlich Ge- legenheit zur Entwickelung ihrer Brut, welche die Tag und Nacht scheinende Sonne beschleunigt." (Van hoffen.) Die Zahl der aus dem arktischen Gebiet bis jetzt bekannt gewordenen Hemip teren ist außerordentlich gering. Wenn auch manche Gebiete noch wenig daraufhin erforscht sind, und diese kleinen Tiere den Sammlern leichter entgehen, so kann mau aber andererseits wieder annehmen, daß nicht viele dieser aus- gesprochen heliophilen Tiere, die ein kühl-feuchtes Klima meiden, in die eigentliche Arktis Einzug gehalten haben. En- demische Heraipteren-Arten besitzt das arktische Gebiet wahr- scheinlich überhaupt nicht. Die für Grönland charakteristische 7* - 100 - und dort sehr häufige Baumwanze, Nysius groenlandicus Zett., ist außerhalb des arktischen Gebietes und auf Sitka nachge- wiesen worden. Grönland hat im ganzen 6 Arten Hemipteren, Spitzbergen keine einzige. Von Island sind 8 Arten und vom arktischen Europa nur 3 Arten bekannt. Viel besser sind die Spinnen vertreten, von denen Strand in seiner Bearbeitung der arktischen Äranea, Opilionidae und Chernetes im ganzen 447 Arten arktisch nennt. Weithin die größte Zahl kommt auf Lappland, nämlich 219, während Grön- land 53, Island 24, und die arktischen Inseln 29 Arten auf- zuweisen haben. Die an Arten zahlreichste Familie sind die Argiopidae. So wie man Spinnen auf dem höchsten Ge- birge, nahe dem ewigen Schnee, findet, so trifft man sie in der Arktis auch noch auf hohen Breitengraden. Auf 82*^ 33' wurden in Grönland noch 2 Arten gesammelt. Auf Spitzbergen sind von Thor eil Spinnen noch zwischen 80*^ und 8P beobachtet worden. Von den Tausendfüßern oder Myriopoden sind von K. Attems aus Skandinavien nach Ausschluß der mit tropischen Pflanzen in Gewächshäusern eingeschleppten Tiere noch 45 Arten bekannt. Von all diesen sind aber nur 3 Arten, 2 Julus aus dem nördlichen Schweden und 1 Folydesjuus aus dem süd- lichen Schweden und Norwegen, dem Gebiete eigentümlich. Alle andern sind in der mitteleuropäischen und auch in der mediterranen Region zu Hause. Sodann folgert Attems, daß die Besiedlung des nördlichen Teiles von Europa mit Myriopoden vor nicht allzulanger Zeit von Süden her erfolgt sei. Die Arten, die jetzt das nördliche Europa bevölkern, sind fast alle identisch mit solchen, die in Mitteleuropa, ihrem Ausgangspunkte, leben. Die Zahl der Arten nimmt nach Norden immer mehr ab, bis im äußersten Norden, wo die Lebensbedingungen schon sehr kärglich sind, nur noch vereinzelte Arten als letzte Vorposten übrigbleiben. Außer den oben erwähnten Mücken haben noch einige andere Plagegeister des Menschen in die Arktis Einzug gehalten. Die Bettwanze, Acanthia lectidaria L., wurde 1889 — 90 von Lundbeck als neu für Grönland in den Grönländerhütten von Holstenborg gefunden, er meint, sie sei schon seit einer Reihe von Jahren dort heimisch. Läuse, und zwar Pediculus capitis — 101 — Leach und Phthirms pubis L., sind schon seit langem in Grön- land bekannt; die Kopflaus nennt 0. Fabricius schon im Jahre 1780. Vom Menschenfloh sagt Van hoffen, daß er den Weg nach Grönland noch nicht gefunden habe. Dagegen erbeutete Vanhöffen im Pelz der Füchse und Hasen zwei verschiedene Floharten der Gattung Pulex. Die Küchenschabe und zwar die große Peripla7ieta orientalis L., die in Europa schon wenig- stens seit 150 Jahren heimisch ist, habe ich in Bergen in Nor- wegen in dem großen Bierrestaurant allabendlich beobachtet. Wie weit sie sich des übrigen Skandinaviens bemächtigt hat, finde ich nicht angegeben. Die kleinere deutsche Schabe, Phyl- lodroinia germanica (L.), geht jedenfalls bis zur Murmanküste, denn das Hamburger Museum besitzt Stücke von der Insel Jeretik. Lapplaud hat noch eine besondere Art, Blatta lap- ponia L., die in den Häusern durch die Vorräte an gedörrten Fischen angelockt wird. Für Grönland führt Vanhöffen eine nicht näher bestimmte Schabe für den Umanak-Fjord (über 70° n. Br.) an. Am Schluß der Besprechung der Gliedertiere möchte ich hier die Ausbeute aufzählen, welche Vanhöffen im Umanak- Distrikte im Laufe eines Jahres gehabt hat: 4 Arten Käfer, 9 Wespen, 12 Schmetterlinge, 24 Fliegen und Mücken, 2 Flöhe, 1 Wanze, 2 Netzflügler, 1 Schabe, 1 Springschwanz, 2 Pflanzen- läuse, einige Pelzfresser, 7 Spinnen und einige Milben. Die Süßwasserfauna. Durch die Fähigkeit, dickwan- dige Cysten und hartschalige Eier zu bilden, die ein Eintrock- nen und Einfrieren ertragen können, ist den niederen Tieren des süßen Wassers eine weite Verbreitungsmöglichkeit auch in der kalten Zone gegeben. Für manche Eier kleiner Krebsarten ist das Einfrieren geradezu als entwickelungsfördernd nach- gewiesen worden. Da es sich meist um mikroskopisch kleine, äußerst leichte Gebilde handelt, so können die Keime dieser Tierchen auf weite Entfernungen hin vom Winde fortgetragen werden. Auch haben wir in den Wasservögeln, von denen viele Arten über die ganze nördliche gemäßigte und kalte Zone wechseln, durch den an Fängen mitgeführten Schlamm ein auch heute noch fortwährend tätiges Transportmittel. So dürfen wir von vornherein für alle in Betracht kommenden Gruppen eine aus- gedehnte Verbreitung über das ganze nördliche Gebiet und ein Vor- — 1Ö2 — kommen in den höchsten Breiten erwarten. Die Existenzbedin- gungen sind auch durchaus nicht so ungünstig. Denn in Spitzbergen und Grönland sind in den Sommerwochen Temperaturen von 10—12" C. öfters beobachtet und nach den Messungen von Vanhöffen kann sich das Wasser flacher Tümpel selbst in der Nähe des Inlandeises bis auf 15° C. erwärmen. Anderseits gedeihen nach den Untersuchungen von Vanhöffen schon bei 3° Wärme Mückenlarven, Rädertiere, Krebschen nebst einer ganzen Reihe pflanzlicher Organismen, und selbst im Winter leben unter der l*/2m dicken Eisdecke in den nicht völlig aus- frierenden Gewässern noch in reicher Zahl Crustaceen etc. Vanhöffen tritt daher mit vollem Recht der Annahme ent- gegen, daß die Eiszeit auch die Süßwasserfauna Grönlands ver- nichtet habe und daß erst nach der Eiszeit eine neue Besiedelung mit diesen Organismen stattgefunden haben müsse. Die Existenz- bedingungen sind in damaligen Zeiten kaum andere gewesen als im heutigen Winter, wenn auch die Kältegrade höhere waren, so daß sicherlich viele Vertreter der Süßwasserfauna die Eis- zeit überdauert haben. Eine Ergänzung und Vermehrung dieser alten Fauna durch Einschleppuug anderer paläarktischer Arten kann ja auf den oben skizzierten Wegen vielfach stattgefunden haben und sich heute noch ständig vollziehen. Die niederen Krebse sind in der ganzen nördlichen kalten Zone und in der eigentlichen Arktis selbst mit allen ihren Grup- pen zahlreich vertreten. Ich kann hier aus der großen Masse der Forschungen nur einige wenige Daten als Beispiele anführen. Von den Cladoceren oder Wasserflöhen konstatierte Lev ander 31 Arten als Bewohner der süßen Gewässer an der Eismeer- küste bei der Kolahalbinsel. Die meisten dieser Arten sind kosmopolitisch und besitzen eine weite Verbreitung in den borealen Gebieten der nördlichen Halbkugel, denn 16 davon leben auch noch auf Grönland, doch sind im ganzen bisher über 30 Arten Cladoceren von Grönland bekannt geworden. Spitzbergen und Grönland haben auch ihren Apus und Bran- chipus, und als weiteren interessanten Fund aus dieser Gruppe der Branchiopoden verzeichnet Vanhöffen die Salz wassergattung Artemia von den höchsten Gneisfelsen der Nunataks in einer Ansammlung von Regen- und Schneewässern. Männchen und Weibchen wurden in gleicher Zahl gefangen. Die Kopepoden - 103 — sind nach Vanhöffen im nördlichen Grönland im Umanak- Distrikt noch durch 3 Gattungen und 4 Arten vertreten, wo sie die größeren klaren Süßwasserbecken bevölkern. Diaptomus minuhis Sars läßt sich auch im Winter durch die dicke Eis- decke nicht stören. Auf Rädertiere sind in den arktischen Ländern die Ge- wässer an der Murmanküste durch Levauder und die Tümpel auf Grönland durch Bergendal und Vanhöffen genauer untersucht worden, sodaß sich ein Vergleich zwischen den Arten der beiden arktischen Gebiete ziehen läßt. Levander nennt für die Tümpel bei Jeretik 30 Formen, Vanhöffen aber für Grönland 84 Formen. Von den 30 murmanischen Arten sind 16 auch in Grönland angetroffen. 6 Arten der Murmanküste sind weder in Grönland noch in den Gewässern der schweizer Alpen über 1450 m beobachtet. Als allgemeines zoographisches Re- sultat gibt Levander an, daß die Rädertierfauna der Murman- küste nach unseren bisherigen Kenntnissen hauptsächlich aus weitverbreiteten Formen zusammengesetzt ist, welche auch in den hocharktischen Regionen und auf den Alpen gedeihen, teils aber auch von Elementen aus wärmerem Klima gebildet wird. Für Grönland mußte Bergendal eine Anzahl neuer Arten aufstellen, über deren tiergeographischen Charakter ein Urteil nicht zu fällen ist. Im speziellen sei noch erwähnt, daß der prachtvolle Stephanoceros eichhornii Ehrbg. an der Murman- küste noch häufig und daß die schöne Floscularia in 5 ver- schiedenen Arten in Grönland zu treffen ist. Über die Bärtierchen Spitzbergens sind wir durch die Arbeit von F. Richters in „Fauna Arctica" Band III sehr genau unterrichtet, der durch Untersuchung von verhältnismäßig kleinen Moosproben von der Westküste von Spitzbergen die Zahl der spitzbergischen Tardigraden auf 19 erhöhen konnte. Aus Grönland kennen wir durch Vanhöffen nur einen einzigen Vertreter, Macrobiotus macronyx Doy., aus den ganzen arktischen Gebieten sind 25 Arten nachgewiesen, während sich die Gesamt- zahl aller bisher bekannten Tardigraden-Arten auf 38 beläuft. Davon sind in Deutschland 26 gefunden worden, wovon 14 noch in der Arktis leben. Wenn auch weitere eingehende Studien für die einzelnen Länder andere Zahlen bringen werden, so dürfen wir doch schon jetzt annehmen, daß die meisten dieser — 104 — kleinen Moosbewolmer eine weite kosmopolische Verbreitung haben. Von den Bryozoen des süßen Wassers beherbergt das seenreiche Finnland in den südlichen Provinzen noch 7 Arten, darunter Cristatella mucedo Cuv., die sogar bis Mittelfinnland geht. In Spitzbergen und Grönland sind keine Bryozoen be- kannt geworden. Den nördlichsten Fundort für diese Tiergruppe verzeichnet Le van der für die Murmanküste mit einem Stato- blasten von Plumatella fruticosa Allm. Bezüglich der Regenwurm er habe ich schon eingangs S. 71 die Ansicht Michaelsen's erwähnt, daß die ursprüng- liche Heimat der heutigen Lumbriciden die südeuropäischen Länder sind, weil durch die gewaltige Vergletscherung während der Eiszeit die ganze Regenwurmfauna Nordeuropas vernichtet worden sei. Seit dem Verschwinden jener Eismassen haben sich noch keine besonderen Arten entwickeln können, die jetzigen wenigen nordeuropäischen Arten sind vielmehr vom Süden her eingewandert. Daher ist auch die Zahl der eigentlichen Regen- würmer, die in der Erde leben, schon in Norwegen sehr gering, während die Schlammbewohner der süßen Gewässer ein größeres Kontingent stellen und im südlichen Finnland noch über 20 Arten haben. Aus Grönland sind vom 70.° (Karajak-Station) noch 2 Arten Regenwürmer und die wasserbewohnende Nais elinguis Müll, bekannt. Von Spitzbergen finde ich nur einen im Detritus am Meeresstrande lebenden Lumbricillus und einen spezifisch nicht näher bekannten terrestrischen Mesenchytraens angegeben. Auf der Insel Jeretik fand L e v a n d e r die Gattungen Chaetogaster, Nais und Enchytraeus. Auch unsere wenigen Süßwasserbewohner unter den Coelenteraten, die Süßwasser schwämme und die Hydra, haben in der Arktis festen Fuß gefaßt und sich nicht nur ganz Europas bis zur Eismeerküste bemächtigt, sondern Hydra ist sogar auf die arktischen Inseln übergegangen. Bei den Süß- wasserpolypen können wir zwei verschieden gefärbte Formen unterscheiden, grüne und graue, ohne damit bestimmte Arten zu meinen. Die grüne Hydra scheint schon im südlichen Finn- land im Lojo-See bei Helsingfors ihre Nordgrenze zu erreichen. Mit grauen Hydren sind aber alle Seen und Teiche ganz Finnlands besetzt, und Le van der fand sie 1898 auch auf der — 105 — Insel Jeretik an der Murmanküste. Bergendal fand die grsme Hydra im Jahre 1890 in Grönland, wo sie bei Egedesminde und Jakobshafen, also noch fast auf 70", geraein war. Von den 6 Arten deutscher Süßwasser schwämme kommen 4 Arten noch in Finnland vor. Zwei Arten, Spongilla lacustris (aut.) und Ephydatia mülleri (Lbkn.), gehören auch noch zur Süßwasserfauna Lapplands. Die nördlichsten Fund- orte für Spongüla lacustris sind Tromsö, von wo sie durch Sp, Schneider au das Berliner Museum gelangt ist, und Port Wladimir an der Murmanküste, wo Le van der ein krusten- förmiges Exemplar mit reicher Gemmulabildung entdeckte. Von den arktischen Inseln ist kein Süßwasserschwamm bekannt ge- worden, auch nicht von Island. Ephydatia fluviatiUs (aut.) ver- trägt übrigens in den finnischen Skären bei Helsingfors auch Brack- und Salzwasser, wo sie auf Fiicus aufgewachsen sich findet. Reich ist auch das Heer der Urtiere, der Protozoen, in allen arktischen Gebieten vertreten. Die wenigen Stichproben, die aus verschiedenen, weit getrennten Ländern vorliegen, lassen uns schon ein Urteil über die Zusammensetzung der ark- tischen Protozoenfauna gewinnen. Wir dürfen sie als eine ver- armte deutsche Fauna ansehen, deren gemeinsamer negativer Charakter darin besteht, daß allen arktischen Gebieten eine Anzahl charakteristischer Formen fehlt, die meistens auch nur höchst selten oder garnicht in den Hochgebirgsseen der gemäßigten Zone vorkommen. Auf der Bäreninsel und Spitz- bergen habe ich mich durch mikroskopische Untersuchung leben- den Materials mit Fritz Schaudinn zusammen davon über- zeugen können, daß die meisten unserer heimischen Arten dort wiederkehren. Von Spitzbergen konnte Ehrenberg 3 Arten Rhizopoden aufführen, denen Sc our field im Jahre 1887 noch 12 weitere Arten hinzugefügt hat. In Grönland haben Bergen- dal und Vanh offen über Protozoen an Ort und Stelle Unter- suchungen angestellt. Bergendal fand alle 4 Gruppen der Infusorien dort vertreten. Vanh offen konnte die Liste der grönländischen Protozoen durch 4 auf dem 70." beobachtete Arten, darunter neben Vorticella und Arcella die auch bei uns zu den selteneren Arten zählenden Podophrya fixa Müll, und Clathndina elegans Cienk., vermehren. An der Murmanküste sind die Flagellaten nach Levander zahlreich. Ein Ver- — 106 — gleich der von ihm dort konstatierten Rhizopodenarten mit den Listen von Grönland und Spitzbergen ergibt, daß von 14 der in der Spitzbergen-Liste stehenden Arten 11 auch an der Murmanküste gesehen wurden. Es ist aber als wahrschein- lich anzunehmen, daß alle 14 Arten auch dort leben. Von den von Zschokke für die Alpenseen über 1700m genannten 19 Arten sind 13 an der Murmanküste durch Le van der be- kannt geworden. Wenn wir die Listen genauer ansehen und vergleichen, so kehren die Gattungen Amoeba, Arcella, Diffhgia, Eiiglypha, Nebela u. s. w. überall wieder. Volvox (jlobator findet sich sogar noch in Nordgrönland; und Nansen berichtet, in Pfützen auf dem Eise während der Drift mit seiner „Fram" Infusorien und Flagellaten beobachtet zu haben. Die Meerestiere. Ganz anders sind die Existenzbedin- gungen, denen die Meerestiere in der Arktis unterliegen. Wäh- rend den Landtieren die Kälte und der damit zusammenhängende Nahrungsmangel eine Verbreitungsgrenze setzt, wird den Meeres- tieren gerade durch die kalten Strömungen eine reiche Nahrungs- quelle bis zum höchsten Norden geboten. Die Temperaturen des Meerwassers sind im Eismeer unter dem Einfluß der mäch- tigen Eisdecke während des ganzen Jahres nur geringen Schwankungen unterworfen. Extreme, wie sie in der gemäßig- ten Zone zwischen Winter und Sommer bestehen, sind im Be- reich des Eises ausgeschlossen. In dem kurzen Sommer kann sich das Oberflächenwasser unter der strahlenden Sonne bis zu eini- gen Graden über 0 erwärmen, im Winter sinkt die Tempera- tur aber nur wenig unter 0. Und je größer die Tiefe, um so geringer werden die Schwankungen in der Wasserwärme. Diese Temperaturgleichheit während des ganzen Jahres ist der Ent- wicklung unendlich viel förderlicher als hohe Sonnenwärme mit darauffolgender großer Abkühlung. So erklären wir es, daß gerade die kalten Polarströme reich an organischer Nahrung, an einzelligen Algen, besonders Diatomeen sind, welche wir als die Urnahrung aller Meeresorganismen anzusehen haben. Diese kleinen Pflänzchen dienen einzelligen Tieren zur Nahrung, die einzelligen Tiere den kleineren mehrzelligen, diese wiederum größeren mehrzelligen und so fort. Im Plankton, in der frei- schwimmenden Organismenwelt des Meeres, gilt der Satz, daß ein Lebewesen das andere frißt, sofern die Körpergröße dies — 107 — zuläßt. Die Planktontiere sind aber wiederum die Nahrung der Bodentiere, die, wenn sie nicht freibeweglich sind und auf Raub ausgehen können, mit dem Nahrungssegen zufrieden sein müssen, der ihnen an lebenden und toten Planktonorganismen von oben her zufällt. Diese Urnahrung ist in den kalten Strömungen das ganze Jahr über in reichlicher Fülle vorhanden. Wo reiche Urnahrung, da reiches Plankton, und wo viel Plankton, da ist auch viel Bodenfauna. Aber auch in den Grenzgebieten, wo kalte und wärmere Strömungen sich mischen, liefert das Plank- ton einen reichen Nahrungssegen durch die Organismen beider Strömungen, die gegen die Veränderungen der Temperaturen und des Salzgehaltes empfindlich sind und absterben. Um Ihnen eine Vorstellung von der Fülle der Planktonorganismen im nörd- lichen Eismeer zu geben, brauche ich Sie nur daran zu erinnern, daß die größten Tiere, die wir kennen, die Wale, deren Riesen- leiber 20— 30m Länge erreichen, nördlich des siebzigsten Grades ihre hauptsächlichste Verbreitung haben und von kleinen Plank- tontieren, Krebsen, Flossenschnecken, Tintenfischen u. s.w. leben. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn überall im nörd- lichen Eismeer eine reiche Bodenfauna angetroffen worden ist, deren Fülle sich allerdings nicht in einer bunten Zusammen- setzung aus vielen verschiedenen Arten, sondern in der massen- haften Anhäufung von Individuen ein und derselben oder weniger Arten ausspricht. Ein schönes Beispiel dafür erlebte ich selbst auf der deutschen Expedition in das nördliche Eismeer, die ich im Jahre 1898 mit dem verstorbenen Fritz Seh audi nn zu- sammen auf dem Fischdampfer „Helgoland" machte. Auf der nördlich der Bäreninsel gelegenen Spitzbergenbauk kam das große Fischschleppnetz einmal bis zum Rande mit vielen Zent- nern von Seegurken, Cucumaria frondosa L., gefüllt herauf. Die Rasen der festsitzenden Hydroiden und Bryozoen sind im Spitz- bergengebiet in den Straßen mit Gezeitenströmung, die viel Planktonnahrung mit sich bringt, an manchen Stellen so dicht, daß das schwere Schleppnetz sich nicht bis zum Boden durch- arbeiten kann und nur Tierstöcke, aber kaum eine Grundprobe mit heraufbringt. Wie reich aber auch anderseits in diesen Tier- gruppen die Artentwicklung sein kann, bewies uns ein Zug mit dem Schleppnetz zwischen den König-Karls-Inseln im Osten von Spitzbergen, der mit einem Male 29 verschiedene Arten von - 108 — Bryozoen heraufbrachte, fast ein Viertel der von ganz Spitz- bergen bekannten Moostier-Fauna (121 Arten). Es war ein überraschendes Resultat der deutschen Expe- dition, daß sie im Norden von Spitzbergen auf 81*^ 32' in 1100m Tiefe eine echte Tiefseefauna fand, die sich vor allem durch ganz neue Gattungen und Arten von Hexactinelliden (Glas- schwämrae) charakterisierte, deren Vorkommen man in der Arktis nicht vermutet hatte. So weit Zoologen gearbeitet haben, so weit haben sie auch überall noch eine reiche Bodenfauna mit Vertretern fast aller Tiergruppen konstatieren können. Von amerikanischen Expeditionen wurde bei Grönland noch auf 8272° mit Schleppnetzen gearbeitet, und hier liegen daher auch die nördlichsten Fundorte der meisten Meerestiere. Allerdings nimmt die Zahl der Arten nach Norden zu erheblich ab. Es sei mir gestattet, dies noch an einigen Beispielen näher zu erläutern. In der Gruppe der Echinodermen liegt der nördlichste Fundort für Holothurien auf 81° 41' in der Discovery-Bai, für Ophiuriden, Asteriden und Echinoiden auf 82°. Aber auch für diese Tiergruppe zeigt sich deutlich, daß die natürlichen Lebensbedingungen in dem arktischen Gebiet für die Entfaltung von Arten weniger günstig sind als in dem sog. subarktischen Gebiet südlich des Polarkreises. Von den Holothurien finden sich 30 Arten in der Subarktis, jedoch nur 21 davon kommen in der eigentlichen Arktis nördlich vom Polarkreis vor. Von den Seeigeln sind nur 16 Arten nördlich des Polarkreises angetroffen worden, die also der arktischen Fauna zugerechnet werden dürfen. Von diesen 16 Arten erreichen 3 kaum die Grenze der Arktis und hören schon bei 67° n. Br. auf ; 4 weitere kommen höchstens bis 69° vor, 4 finden sich nur bis 71°, 3 bis höchstens 74° und nur zwei breiten sich weiter nach Norden aus und kommen noch zwischen 81 und 82° vor. Die Seeigel sind also empfindlich gegen die Teraperaturabnahme ; es ist auch nicht eine Art bekannt, die ganz auf das nördliche Eismeer beschränkt ist und als ausschließlich arktisch zu bezeichnen wäre. Sämtliche in der Arktis vorkommenden Arten von Seeigeln sind auch südlich vom nördlichen Polarkreis nachgewiesen. Unter den Crustaceen kommt die Gruppe der Deka- poden nach Doflein mit 47 Arten in der Arktis vor. „Diese — 109 - wenigen Vertreter", sagt D of lein, „erscheinen fast nur wie Gäste und späte Eindringlingein diesen unwirtlichen Regionen". Das Charakteristische dieser Krebsgruppe für das arktische Gebiet ist der Reichtum an Individuen, die Armut an Arten. Die Familien der Craugoniden, Hippolytiden und Pandaliden sind durch eine relativ große Anzahl von Arten und selbst Gattungen in der Arktis vertreten. Dafür fehlen aber andrer- seits vollständig die echten Macruren, die Oxystomen und fast alle Familien der echten Brachyuren, alles Gruppen, die sonst auf der Erde die weiteste Verbreitung besitzen. Der nördlichste Fundort eines Dekapoden liegt bei Grinell-Land unter 82'^ 30' [Hippolyte groenlandica (Fabr.)]. Während von den Crustaceen die Stomatopodeu sich mit keinem einzigen Vertreter in die Arktis hineinwagen und schon in gemäßigten Breiten aufhören, sind andere Gruppen wie Cumaceen und Schizopoden mit großer Artenzahl im Eismeere gefunden worden. Von den Cumaceen führt C. Zimmer 58 Arten als arktisch auf; das ist mehr als ein Drittel aller bisher bekannten Cumaceen-Arten (150). Die Schizopoden haben nach C. Zimmer 54 Bewohner des arktischen und subarktischen Gebietes, davon sind 15 Arten auf die Arktis allein beschränkt, wovon für 8 Arten bisher nur ein einziger Fundort bekannt ist. K. Möbius behandelt in seiner Bearbeitung der arktischen Pantopoden 52 Arten, von denen er 23 als hocharktisch ansieht. Wenn wir für die Echinodermen festhalten mußten, daß diesen Tieren die Arktis keine günstigen Lebensbedingungen bietet zur Entfaltung von Arten, so dürfen wir andererseits für die A seidien behaupten, daß ihnen die Verhältnisse der Arktis außerordentlich zusagen, denn nach R. Hartmeyer gibt es 81 sichere arktische Ascidien-Arten, von denen 58 in ihrer Verbreitung ausschließlich auf das arktische Gebiet beschränkt sind. Zur Würdigung dieser Zahlen sei erwähnt, daß das Mittelmeer nur ca. 50 Ascidien-Arten besitzt, während die größte Zahl, die aus einem Bezirk bekannt ist, und zwar aus dem australischen, in dem das Zentrum der Ascidien-Entwicklung zu liegen scheint, 190 Arten beträgt. Zu Spitzbergen allein gehören 39, zu Westgrönland 23 Arten, während das arktische Norwegen nur 37 Arten besitzt. — 110 — Von den Coelenteraten haben die Spongien und Hydro- iden, von den Anthozoen die Actinien und Alcyonaceen eine reiche Entfaltung; dagegen sind Gorgoniden und Pennatu- liden spärlich entwickelt, wenn sie auch noch einige hervorragende Vertreter in die Arktis entsenden, wie z. B. Umbellula; die echten Steinkorallen sind auf einen circumtropischen Gürtel beschränkt und nur wenige Arten finden sich wie zerstreute Irrgäste in der Fauna der nördlichen gemäßigten Zone. Die nördlichste Art der Steinkorallen ist wohl Lophohelia prolifcra (Pali.), die, so weit ich feststellen kann, wohl bis in die Gegend der Lofoten reicht. An der Zusammensetzung des arktischen Planktons beteiligen sich auch die zartesten Planktonorganismen, wie Medusen, Ctenophoren, Siphouophoren und Appendicularien. Die deutsche Expedition hat im Jahre 1898 aus allen diesen Gruppen eine reiche Ausbeute um ganz Spitzbergen bis zu der höchsten erreichten Breite von 81*^ 32' gehabt. Die Zahl der Arten nimmt nach Norden zu allerdings erheblich ab. Unter den Quallen hat die Gruppe der Scyphomedusen nach Maas noch 16 Arten in der Arktis. Von Siphonophoren sind aus dem Atlantischen Ozean etwa 60 Arten bekannt. Den 50. Breiten- grad überschreiten aber nur 16 Arten, und die Anzahl der in den kalten Strömungen des Eismeeres lebenden Arten beträgt nur 4. So weit Planktonuntersuchungen gemacht worden sind, so weit sind allerdings auch Siphonophoren getroffen worden, nördlich von Spitzbergen bis 81'^ 20', in Nordgrönland bis 82*^, Auch von den Ctenophoren gehört das Gros der Arten dem warmen Stromgebiet des Atlantischen Ozeans an und ist gegen eine Temperaturabnahme sehr empfindlich, denn nur 4 Arten, die 4 ganz verschiedenen Familien angehören, wagen sich in die Arktis hinein. Aber auch das Verbreitungsgebiet dieser Formen ersteckt sich nach Norden so weit, wie die zoologische Forschung bisher vorgedrungen ist, bei Spitzbergen bis auf 81« 22' (2 Arten), bei Grönland bis auf 82« 25' (1 Art). Bei allen diesen Arten ist jedoch der Individuenreichtum ein außerordentlich großer, und alle diese Tiergruppen spielen in dem arktischen Plankton eine wichtige Rolle, so gering auch die Zahl ihrer Arten sein mag. Manche Krebsarten, die Flossen- schnecken u. s. w., sind ja in so fabelhafter Menge entwickelt. — Ill — daß sie die ständige Nahruug der Wale bilden, also eine emi- nent hohe ökonomische Bedeutung haben. So finden wir überall in den höchsten Breiten ein reiches Tierleben. Früher hat man die Kälte allgemein als ein Hindernis für die Verbreitung der Tiere in den nördlichen Regionen ange- nommen. „Je weiter nach Norden, desto sparsamer das Tierleben, " hieß das Dogma, und die eisbedeckten Meere und Länder der höchsten Breiten konnte man sich nur als völlig leblos vor- stellen. Die vielen Expeditionen der letzten Jahrzehnte haben uns eines Bessern belehrt; denn überall, wohin die menschliche Forschung zu dringen vermochte, pulsiert das Leben mit vollen Schlägen. Fuchs und Eisbär traf Nansen noch auf 85 und 86°, die Narwale und Walrosse sah er in Scharen auf 84^2 ° sich tum- meln, den Moschusochsen haben wir bis zum Norden von Grant- land und bis zum eisigen Osten von Grönland verfolgen können ; den Kolkraben fand Feilden noch auf 81" 44', das Schnee- huhn sogar noch auf 83° 60', brütend; ein Salmonide geht bis 82° 44'; Schmetterlinge und Fliegen erfreuen sich der Polar- sonne noch auf 82° 45'; die amerikanischen Expeditionen kon- statierten bei Grönland eine reiche Bodenfauna bis auf 82^2°; die deutsche Expedition entdeckte nördlich von Spitzbergen in dem durch Nansen bekannt gewordenen tiefen Polarbecken eine echte Tiefseefauna, die erst nördlich des einundachtzigsten Grades beginnt; die Planktonfänge haben ein reiches Material bis zum zweiundachtzigsten Grade zu Tage gefördert, und Nansen traf Plauktonorganisraen noch auf 84° unter dem Eise schwebend an — so dürfen wir wohl mit vollem Recht anneh- men, daß nicht einmal in nächster Nähe des Nordpoles das Tier- leben völlig erlischt, und daß es auf der nördlichen Erdhälfte keinen Bezirk ohne Leben gibt. Literatur über die Verbreitung der Tiere in der Arktis. Die genauesten und vollständigsten Angaben über die Ver- breitung und Fundorte der arktischen Säugetiere enthält die Arbeit von: August Brauer: Die arktische Subregion. Ein Beitrag zur geographischen Verbreitung der — 112 — Tiere. In: Zool. Jahrb. Abteil, für Systematik, Geo- graphie und Biologie der Tiere, Band 3, 1888. S. 189. Eine Zusammenfassung der aus Grönland bekannten Tiere auf Grund eigener Beobachtungen und Sammlungen enthält : Ernst Vanhöffen: Die Fauna und Flora Grön- lands. In: V. Drygalski, Grönland -Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1891 — 93. Band 2. Berlin 1897. Über die nördliche Verbreitung unserer einheimischen Säuge- tiere und Vögel, über die Besiedelung der Arktis, über Wande- rungen, Vogelzug etc. habe ich vieles entnommen aus: Wilhelm Kobelt: Die Verbreitung der Tierwelt. Gemäßigte Zone. Leipzig 1902. Über die Verbreitung der arktischen Vögel gibt den besten Aufschluß die umfassende Bearbeitung von: Hermann Schalow: Die Vögel der Arktis. In: Fauna Arctica, herausgegeben von Fritz Römer und Fritz Schaudinn, Band 4, S. 79. Jena, 1906. Ferner enthalten über Vögel wichtiges Material die Ar- beiten von : K. M. Levander: Tierphänologische Beobach- tungen, Helsingfors 1905 und 1906, und H. Goebel in: Travaux de la Soc. Imp. des Naturalistes. St. Petersbourg 1902. Beiden genannten Herren bin ich auch für wertvolle briefliche Ergänzungen ihrer Arbeiten zu Dank verptlichtet. Als Quellen für die übrigen Tiergruppen dienten mir die zahlreichen Arbeiten von K. M. Levander in: Acta societatis pro Fauna et Flora Fennica, Helsingfors, sowie die verschiedenen Bearbeitungen der arktischen Tiere in „Fauna Arctica" Band 1 — 4, die ich im einzelnen nicht namhaft zu machen brauche. Jeder Bearbeiter gibt dort über die von ihm behandelte Gruppe eine Zusammenstellung aller aus der Arktis bekannten Arten und eine Übersicht über die geographische Verbreitung in den einzelnen arktischen Gebieten nebst einem vollständigen Lite- raturverzeichnis. über die Gärung. Rede, gehalten in der Festsitzung zur Erteilung des Tiedemanupreises am 9. März 1907 von B. Lepsius in Griesheim a. M. Meine Herren! Die von Ihnen beauftragte Kommission für die Erteilung des heute fälligen, dem Gedächtnisse Tiedemanns gewidmeten Ehrenpreises hat einstimmig beschlossen, Ihnen für diese Aus- zeichnung den ord. Professor der Chemie an der landwirtschaft- lichen Hochschule zu Berlin, Dr. Eduard Buchner vorzuschla- gen, in Anerkennung seiner Untersuchungen auf dem Gebiete der Chemie der Enzyme, die, abgesehen von zahlreichen Einzelabhandlungeu, in dem hier vorliegenden, 1903 erschienenen Buche^) über die Zymasegärung niedergelegt worden sind. Es ist das dritte Mal, daß die Auszeichnung mit dem Tiedemannpreise, die stiftungsgemäß die wichtigste Arbeit der letzten vier Jahre auf dem Gebiete der Physiologie im weitesten Sinne treffen soll, nicht einem Physiologen, sondern einem Chemiker zufällt. Hierdurch wird nicht nur die Bedeutung der chemischen Forschung an sich für den Fortschritt der Physiologie, sondern auch die Tatsache zum Ausdruck gebracht, daß sich die Chemie gegenwärtig den schwierigen Problemen zuwendet, die die Grenze der Physiologie berühren, wenn sie sie nicht schon zu über- schreiten im Begriffe ist. ^) Ed. Buchner, H. Buchner und M. Hahn. Die Zymasegärung. München und Berlin. R. Oldenburg, 8 — 114 — Als Emil Fischer im Jahre 1895 den Tiedemannpreis erhielt, hatte er das für die Pflanzen- und Tierphysiologie gleich wichtige, bis dahin in völliges Dunkel gehüllte Gebiet der Kohlenhydrate, die Zuckerchemie, erforscht und fast rest- los der chemischen Erkenntnis erschlossen. Die Untersuchungen Alb recht Kossels, der im Jahre 1899 mit dem Tiedemannpreise geehrt wurde, lagen auf dem Gebiete der Eiweißchemie und brachten uns neue wichtige Kenntnisse über die Abbauprodukte dieser physiologisch bedeut- samen Substanz. Wenn auch neuerdings Emil Fischer^) dieses Gebiet von der anderen Seite betreten hat, indem er die Synthese des Eiweißes durch den Wiederaufbau dieser Bausteine mit Erfolg in Angriff nahm und neue Wege zu seiner Erforschung auffand, so dürfte die endliche Erschließung desselben noch in weiter Ferne liegen. Das Arbeitsfeld Eduard Buchners, die Chemie der Enzyme, liegt der Physiologie und namentlich der Biologie noch näher als die beiden genannten Gebiete ; aber obwohl die ersten Untersuchungen dieser mit dem Lebensprozesse aufs engste zusammenhängenden Gebiete nun fast 100 Jahre zurück- liegen, so stehen wir doch noch ganz am Anfange der Erforschung der sich hier bietenden schwierigen Probleme. Es kann sich daher bei den Arbeiten Buchners nicht um abschließende Untersuchungen auf diesem Gebiete handeln; ihre Bedeutung für die allgemeine Physiologie liegt vielmehr darin, daß sie den erbitterten Kampf um die Natur des Gärungs- prozesses zur endgültigen Entscheidung gebracht haben, der im Laufe des vorigen Jahrhunderts die bedeutendsten Barscher erhitzt hat, als deren hervorragendste Vertreter auf der einen Seite Liebig, auf der anderen Pasteur zu nennen sind. Die definitive Widerlegung der vitalistischen Theorie Pasteurs durch Buchner bedeutet einen ähnlichen Mark-, stein für die physiologische Wissenschaft wie die künstliche Erzeugung des Harnstoffes durch Friedrich Wo hl er im Jahre 1828. *) Emil Fischer. Die Chemie der Proteine und ihre Beziehungen zur Biologie. Sitzungsberichte der preuß. Akad. d. Wiss. 1907. — 115 — Wir wissen lieute, dass die Aufspaltung des Traubenzuckers in Alkohol und Kohlensäure nicht durch den Lebensprozeß der Hefenpflanze, sondern durch einen unorganisierten Katalysator bewirkt wird, dem Buchner den Namen Zymase gegeben hat. Um Ihnen, meine Herren, die Bedeutung dieser Tatsache zu zeigen, bitte ich, mir zu gestatten, mit einigen Worten auf die Geschichte der Katalyse^) und auf den Kampf um die Theorie der Gärung einzugehen. Der Name Katalyse stammt von Berzelius. Er bezeich- nete damit im Jahre 1835 die Art der Einwirkung von Schwefel- säure auf Alkohol, bei der Mitscher lieh 1834 beobachtet hatte, daß mau mit verhältnismäßig kleinen Mengen beliebig große Mengen Alkohol in Äther verwandeln könne, ohne daß sich die Schwefelsäure an dieser Umwandlung beteiligte. Berzelius wies gleichzeitig darauf hin, daß ähnliche Beobachtungen schon früher gemacht worden waren und daß dieselbe Rolle, wie die starke Schwefelsäure bei der Aetherbildung, die verdünnte Säure spielt, die Kirchhof 1811 zur Zerlegung von Stärke in Dextrin und Zucker, oder der Malzauszug, den er 1813 zu demselben Zwecke benutzt hatte. Ja, die Franzosen Payer und Persoz hatten 1833 aus der keimenden Gerste eine besondere Substanz isoliert, die Diastase, welche bei der Verzuckerung der Stärke als Kataly- sator zu wirken schien. Auch die Zersetzung des Wasserstoffsuperoxyds durch Metalle, Metalloxyde oder durch Fibrin von Thenard 1818 und die Einwirkung von fein verteiltem Platin auf Gasgemenge, die Davy 1817 beobachtet hatte und die Döbereiner 1822 zu seiner bekaiinten Zündmaschine benutzte, zählte Berzelius zur Katalyse und definierte die katalytische Kraft dahin, daß gewisse Körper durch ihre bloße Anwesenheit und nicht durch Verwandtschaft die bei dieser Temperatur schlummernden Ver- wandtschaften anderer Körper zu wecken vermögen. Solche Körper nennt man Katalysatoren und, da sie durch ihre bloße Anwesenheit wirken, so nennt man diese Erscheinungen auch Kontaktwirkungen. ') vergl. W. Ostwald: tjber Katalyse. Vortrag, gehalten auf der 73. Naturforscherversammlung zu Hamburg, 1901. 8* — 116 — Man unterscheidet vier Gruppen solcher Wirkungen. Zur ersten gehört die Krystallisation aus übersättigten Lösungen, die bekanntlich eintritt, wenn diese mit kleinsten Mengen der gelösten Substanz geimpft werden. Die Größe dieser Mengen liegt weit unter der Wägbar- keit; Ostwald hat gezeigt, daß die untere Grenze bei etwa 1/1000000 mgr liegt. Aus diesen Größenverhältnissen geht her- vor, daß die Impfung nur die Auslösung des Krystallisa- tionsprozesses in der übersättigen Lösung ist und nicht etwa die Ursache desselben im Sinne Robert Meyers. Es gilt vielmehr für alle katalytischen Prozesse, daß die dazu nötige Energie nicht durch den Katalysator zugeführt wird, sondern aus anderen Quellen stammen muß; das heißt, es sind nur solche Reaktionen möglich, die nach den Gesetzen der Energetik auch ohne diesen Einfluß stattfinden könnten. Die zweite Gruppe der Kontaktwirkungen bildet die Katalyse in homogenen Gemischen. Hierher gehört der be- kannte Schwefelsäurekammerprozeß, wo Stickstoffoxyd als Ka- talysator wirkt für die Vereinigung von schwefliger Säure und Sauerstoff, eine Reaktion, die schon im Jahre 1806 von Clement und Desormes beobachtet worden ist. Man sieht, daß hier der Katalysator als Reaktionsbeschleu- niger wirkt, ganz ebenso, wie bei der dritten Gruppe, der heterogenen Katalyse, das Platin im modernen Schwefelsäure- kon t a k t verfahren beschleunigend auf die Vereinigung von schwefliger Säure und Sauerstoff zu Schwefelsäure oder bei der Knallgasentzündung auf das Gemisch von Wasserstoff und Sauerstoff wirkt. Die unter Bildung freier Energie, nämlich von Wärme, ver- laufende und daher theoretisch mögliche Vereinigung dieser Stoffe braucht unter gewöhnlichen Umständen unendlich lauge Zeit. Die Gegenwart des Platins, namentlich des feinverteilten, bewirkt eine so starke Beschleunigung der Reaktionen, daß sie in kurzer Zeit verlaufen und daher praktische Verwendung finden können. Bei allen diesen Reaktionen zeigt sich dieselbe Erscheinung und wir können mit W. Ostwald sagen: Ein Katalysator ist jeder Stoff, der ohne im Endprodukt einer chemischen Re- aktion zu erscheinen, ihre Geschwindigkeit verändert, d. h. be- schleunigt oder verzögert. — 117 — Ein besonderer Fall von Katalyse soll nicht unerwähnt bleiben, die Autokatalyse, weil sie gewisse Analogieschlüsse auf die organisierte Materie zuläßt. Sie tritt da ein, wo sich die Reaktion ihren Beschleuniger selbst bildet. Bringt man Kupfer mit Salpetersäure zusammen, so entsteht salpetrige Säure, welche ihrerseits als Katalysator wirkt und dadurch die Umsetzung mit zunehmender Beschleunigung zu einer stürmischen Reaktion steigert, bis sie sich mit abnehmender Konzentration der Salpetersäure wieder beruhigt und schließlich stillsteht. Das ist die typische Fiebererscheinung. Aber auch die Gewöhnung und das Gedächtnis der Materie illustriert diese kataly tische Reaktion. Eine Salpetersäure, die früher schon einmal Kupfer aufgelöst hat, ist gewissermaßen durch Gewöh- nung für diesen Prozeß besser geeignet, als eine solche, die dies zum ersten Male macht. Sie hat die frühere Tätigkeit noch im Gedächtnisse. Endlich ist von Interesse, daß das Platin und andere Me- talle nicht nur in feinverteiltem Zustande als Katalysatoren wirken, sondern auch in wässriger Lösung, wenn sie sich im kolloidalen, gelatineartigen Zustande befinden. Diese Tatsache bildet den (Übergang zu der vierten Gruppe von Kontaktwirkungen, denen der Fermente oder Enzyme, welche sich ebenfalls in diesem Zustande befinden und die als Katalysatoren der Lebewesen alle Reaktionsgeschwindigkeiten des Lebensprozeßes regulieren und dadurch die Organismen in den Stand setzen, ihre wichtigsten Funktionen, wie die Ver- dauung, die Assimilation, die Atmung, die Energiebeschaffung u. s. w. auszuführen. Zu diesem enzymatischen Katalysen gehört auch, wie schon erwähnt, die Aufspaltung des Zuckers durch die Hefe in Alkohol und Kohlensäure. Sie wurde zuerst von Lavoisier beobachtet und von Gay Lussac quantitativ verfolgt, der die noch heute giltige Gleichung aufstellte: Cg Hi2 Oe = 2 C2 He 0 + 2 CO2. Traubenzucker Alkohol Kohlensäure. Die bei diesem Gärungsprozesse auftretende Hefe hielt mau zuerst für eine nebensächliche Erscheinung, obwohl schon Leeuwenhoek 1680 sie unter dem Mikroskop als eigentümliche - 118 - kugelige Gebilde erkannt hatte, die Erxleben 1818 als lebende Organismen ansprach. Erst 1835 wurde ihr durch Cagniard Latour in Paris, sowie 1837 durch Theodor Schwann in Berlin und durch Friedrich Kützing in Nordhausen erneute Auf raeiksanikeit geschenkt. Daß man gekochte Zuckerlösungen durch Luftabschluß vor der Vergärung bewahren konnte, war durch das Appert- sche Konservieruugsverfahren bekannt. Schwann zeigte aber, daß die Absperrung des Sauerstoffs nicht die Ursache dieser Erscheinung w^ar, da die Zuckerlösung auch bei Luftziiführung unzersetzt blieb, wenn die Luft nur vorher durch Schwefel- säure geleitet, d. h. gereinigt wurde. Da also der Luftzutritt nicht die Ursache der Gärung sein konnte, so stellte Schwann die Ansicht auf, daß sie in der Hefe zu suchen sei, und nahm an, daß die Hefe den Zucker zu ihrer Ernährung brauche. In Frankreich bekannte sich namentlich Turpin 1839 zu dieser „vitalistischen" Gärungstheorie, die jedoch in Deutsch- land, namentlich in Wo hl er und Liebig heftige Gegner um- somehr fand, als man durch die eben erfolgte künstliche Dar- stellung des Harnstoffes die sogenannte Lebenskraft endgültig aus der Chemie entfernt zu haben glaubte. L i e b i g verhöhnte diese Theorie in einer anonymen sati- rischen Schrift in seinen Annalen und stellte eine Gegentheorie auf, wonach die Ursache der Zuckerzersetzung in dem Zerfalle der absterbenden Hefezellen zu suchen sei, deren destruktive Bewegung die Zuckermoleküle in Mitleidenschaft ziehen sollte. Während Berzelius bei seiner Kontakt-Theorie blieb, stellte sich Pasteur an die Spitze der Vitalisten, indem er den Satz aufstellte: „Keine Gärung ohne Organismen; die Gärung hängt mit dem Leben der Hefe zusammen, nicht mit ihrem Ab- sterben". Hin unterstützte die Beobachtung von Eilhard Mitscher- lich 1842, daß sich die Gärung nicht durch eine Papierwand fortsetze, und die von H. Helmholtz 1844, daß sie auch durch eine tierische Blase nicht fortschreite. Auch daß eine faulende Flüssigkeit keine Gärung einleiten könne, sprach gegen Lieb ig. — 119 — Die Beobachtung Schröders 1853, daß man die Gärung und die Fäulnis durch einen Watteverschluß verhindern könne, führte 1860 zu der Annahme, daß die Zersetzungen durch organische Keime aus der Luft eingeleitet werden möchten, die durch die Baumwolle zurückgehalten würden, und als Pasteur statt der Baumwolle Schießbaumwolle verwandte, nach deren Auflösung in Äther- Alkohol er die gesuchten Keime unter dem Mikroskop als Rückstand vorfand, schien für die vitalistische Theorie der endgültige Beweis erbracht zu sein. Selbst Liebig mußte 1870 seine Zersetzungstheorie modifizieren; denn eine lebende Zelle kann sich als solche nicht zersetzen. Allerdings stieß die biologische Erklärung, wonach Alkohol und Kohlensäure Stoffwechselprodukte der Hefezellen waren, auf Schwierigkeiten, als Nägel i 1879 zeigte, daß man mit einer Hefenmenge, die nur 1^2 Gewichtsteile Trockensubstanz enthielt, 100 Teile Zucker zersetzen könne, wovon 95 Teile in Alkohol und Kohlensäure zerfallen und 4 Teile in Glyzerin und Bersteinsäure, während nur 1 Teil zum Wachstum der Hefe beitrug. Die Assimilationstheorie war nach diesem Resultate allerdings unhaltbar. Pasteur erfand infolgedessen eine Atmungstheorie, wo- nach die Hefe ursprünglich eine anaerobe Pflanze sei, die aus Gewohnheit den Sauerstoff nicht aus der Luft nehme, sondern aus dem Zucker, wogegen Eduard Buchner 1885, damals noch Student in München, zeigte, daß das Wachstum der Hefe durch reichliche Lüftung befördert werde. Schon 1858 hatte der Dr. phil. und Weinhändler Moritz Traube in Ratibor die Ansicht ausgesprochen, daß, wie die in der keimenden Gerste vorhandene Diastase die Stärke in Zucker verwandele, so auch bei der Gärung ein besonderer chemischer Körper in den Hefezellen vorhanden sein müsse, der den Zucker in Alkohol und Kohlensäure spalte. Inzwischen hatte man eine ganze Reihe derartiger un- organisierter Fermente aufgefunden, die Kühne mit dem Namen Enzyme belegte. Für die Chemiker war natürlich die Traube sehe Enzj^m- theorie sehr einleuchtend; Berthelot, Claude Bernard, Schönbein, sowie besonders Hüfner traten dafür ein. Es — 120 — mißlang jedoch jeder Versuch, ein derartiges Enzym, welches den Zucker in Alkohol und Kohlensäure zu spalten vermochte, von den Hefezellen abzutrennen ; selbst der große Experimentator Pasteur konnte kein positives Ergebnis erzielen. Zuletzt haben Nägel i und Loew Hefezellen mit Glyzerin ausgezogen; außer der Invertinwirkung konnten aber im Extrakt keine anderen fermentativen Wirkungen festgestellt werden. Durch diese Mißerfolge sah sich der Pflanzenphysiolog Nägeli zu einer neuen Gärungstheorie gedrängt, wonach die Gärung in einer Übertragung von Bewegungszuständen des lebenden Plasmas bestehen sollte, durch die das Gleichgewicht der Zuckermoleküle gestört und zum Zerfalle gebracht würde. Diese ganz unbefriedigende Theorie hatte das Gute, daß sie zu neuen Versuchen anregte. Es trat nämlich die Frage auf: Kommen den Inhaltsstoffen der Hefezellen überhaupt besondere Wirkungen zu? Die Hefezellen*) sind kleine Bläschen, erfüllt mit einer halbflüssigen Masse, dem Protoplasma, um welches sich eine verhältnismäßig derbe Zellhaut legt. Durch diese Membran geschieht die Aufnahme von Nahrungsstoffen und die Abgabe von Ausscheidungsstoffen. An der Innenseite der Membran liegt eine besondere Plasma- schicht, der sog. Plasmaschlauch, der den Aus- und Eintritt von Substanzen regelt. Hochmolekulare Substanzen werden wahrscheinlich aus den Zellen überhaupt nicht austreten können. Für die chemische Untersuchung der Inhaltsstoffe war es daher nötig, die Zellenmembran und den Plasmaschlauch durch Zerreißen aus dem Wege zu räumen ; ferner mußten alle chemisch wirksamen Extraktionsmittel, sowie höhere Temperatur vermieden und endlich das Verfahren in kürzester Zeit vollendet werden, damit eine Veränderung der Inhaltsstoffe während der Gewinnung möglichst ausgeschlossen werde. Obwohl man früher wiederholt, aber ohne Erfolge versucht hatte, die Hefezellen mechanisch durch Zerreiben zu zerstören, so führten diese Überlegungen in der Hand von Bu ebner und *) vergl. Ed. Buchner. tjber den Nachweis von Enzymen in Mikro- organismen. Verh. d. physiol. Ges. Berlin, 1906. — 121 — seinem damaligen Mitarbeiter Martin Hahn zu folgendem Verfahren. Setzt man zu Hefe das gleiche Gewicht Quarzsand und ein Fünftel des Gewichts an Kieseiguhr, so läßt sich die anfangs staubtrockene Masse in einer Reibschale mit einem schweren Stößel in wenigen Minuten zerreiben, wobei sie sich dunkel- grau färbt und teigförmig plastisch wird. Die feuchte Beschaffen- heit zeigt, daß Flüssigkeit aus dem Zellinnern ausgetreten ist. Gibt man nun den dicken Teig, in starke Segelleinwand ein- geschlagen, in eine hydraulische Presse, deren Druck man all- mählich auf 90 Atmosphären steigert, so entquillt ihm ein flüssiger Saft. Aus 1000 gr Hefe lassen sich in wenigen Stunden 500 ccm dieses Hefesaftes gewinnen. Um die genauere Ausarbeitung dieses Verfahrens hat sich Professor Martin Hahn Verdienste erworben, indem er die Anwendung von Kieseiguhr und die Benutzung der hydrau- lischen Presse in Vorschlag brachte. Der Hefenpreßsaft bildet eine angenehm riechende, gelb- braune, durchsichtige Flüssigkeit, welche beim Erwärmen Flocken von geronnenem Eiweiß abscheidet. Die Anwesenheit von gerinnbarem Eiweiß im Innern von Mikroorganismen hat Buchner hiermit zum ersten Male nach- gewiesen. Als Buchner dem frischen Preßsaft Zuckerlösung zusetzte, trat nach einiger Zeit starke Gasentwickelung auf, die beim Erwärmen auf 40*^ wesentlich beschleunigt wurde. Die genauere Untersuchung zeigte bald, daß hierbei nicht nur Kohlensäure, sondern auch Alkohol und zwar in demselben Verhältnisse wie bei der gewöhnlichen Hefegärung gebildet wird. Hiermit war zum ersten Male der Nachweis einer zell- freien Gärung geliefert worden, einer Gärung, die unabhängig von einem Lebensprozesse verlief. Es versteht sich von selbst, daß jede Täuschung durch etwaige Anwesenheit lebender Zellen durch alle möglichen Kau- telen, wie Filtration des Saftes durch Bisquitporzellan und dergl. ausgeschlossen wurde. Auch gelang es, den Preßsaft im Vacuum zu trocknen und im Wasserstoff Strome sogar bis 110** zu erhitzen, wobei er jede Wachstumsfähigkeit eingebüßt hatte, ohne daß er seine Gärkraft — 122 — verloren hätte. Auch durch Fälhmg mit Alkohol und Aether gelingt es, aus dem Preßsaft einen Niederschlag zu erhalten, der seine Gärkraft behält. In ähnlicher Weise kann man aus der Hefe direkt mit Hilfe von Aceton eine sog. Dauerhefe erhalten, die unter dem Namen Zymin in den Handel gebracht wird, welche keine Lebens- fähigkeit, wohl aber starke Gärwirkuug besitzt. Die Tatsache dagegen, daß frischer Preßsaft beim Aufbewahren bei gewöhn- licher Temperatur seine Gärungsfähigkeit bald verliert, ist auf ein Verdauungsenzym in dem Zellinhalte, die Endotryptase, zurückzuführen, wodurch die Zymase selbst zerstört wird. Durch diese Arbeiten ist zunächst festgestellt, daß man eine Trennung der Gärwirkung von den lebenden Hefezellen durchführen kann. Zur Einleitung des Gär Vorgangs bedarf es also keiner so komplexen Apparatur wie die Zelle; sondern es gibt eine zellfreie Gärung. Damit ist die vitalistische Theorie endgültig widerlegt. Buchner hat nun dieses neue Enzym, die Zymase, be- nutzt, um den Gärungsprozeß weiter zu studieren. Ich muß es mir versagen, hier auf Einzelheiten einzugehen, will aber noch erwähnen, daß es gelungen ist, diesen Prozeß in zwei unabhängige Stadien zu zerlegen. In Gemeinschaft mit J. Meisenheim er wurde festgestellt, daß bei der zellfreien Gärung durch Hefepreßsaft bald Milch- säure gebildet wird, bald zugesetzte Milchsäure verschwindet. Diese merkwürdige Beobachtung zwingt zu der Annahme, daß es sich bei der alkoholischen Gärung nicht um ein, sondern vielmehr um zwei Enzyme handelt, deren eines, die Hefezymase, den Zucker in Milchsäure spaltet, während das andere, die Lactacydase, sie in Alkohol und Kohlensäure zerlegt. Der Mechanismus dieser Zersetzung geschieht nach folgender Gleichung : Ce Hi2 Oß = 2 Ca Ho O3 = 2 C2 He 0 + 2 CO2 Zucker Milchsäure Alkohol Kohlensäure. Mit Hilfe des Acetonverfahrens ist es ferner gelungen, auch in den Essigsäurebakterien und in den Milchsäurebakterien die Anwesenheit der entsprechenden Gärungseuzyrae nachzu- weisen. — 123 — Aber -auch für die allgemeine Biologie siüd Buchners UntersuchuDgen von Bedeutung. Die Tatsache, daß in den höheren Gewächsen das Vorkommen von Alkohol häufig beobach- tet wird und daß die Milchsäure im Tierkörper allgemein ver- breitet ist, z. B. auch im absterbenden Muskel auftritt, läßt vermuten, daß die Gärungsenzyme auch im Organismus eine wesentliche Rolle spielen. Versucht man nun der Ursache nachzugehen, warum der Kampf um die Gärungstheorie mehr als ein halbes Jahrhundert bis zu seiner Entscheidung gewährt hat, so findet man sie in der Tatsache, daß erst durch die Arbeiten Buchners eine neue Klasse von Enzymen aufgefunden worden ist, dadurch charakterisiert, daß sie normal nur innerhalb der Zelle wirken. Martin Hahn hat sie deshalb als Endoenzyme bezeichnet. Während man diese Vorgänge als typische Äußerungen des Zellenlebens auffaßte, ist nunmehr erwiesen, daß intracellulare Euzymwirkungen vorliegen. Neuere Arbeiten von Molisch und von Usher und Priestley scheinen die Kohlensäure- assimilation auf Enzymwirkung zurückführen zu können. Auch der Atmungsvorgang wird durch Oxydasewirkung zu er- klären sein. Da man aber weiß, daß die Enzymwirkungen reversible Prozesse sind, die unter Umständen auch in umgekehrter Rich- tung verlaufen, so darf man vermuten, daß die Verdauungs- enzyme in der Zelle nicht nur den Abbau der Eiweißstoffe, wie die Endotryptase, sondern auch den Aufbau derselben, die Assimilation vermitteln werden. Wo, fragt Bu ebner, mag dann das eigentliche, nicht abtrennbare Leben beginnen? Daß die Chemie der Enzyme für solche der Zukunft an- gehörenden Fragen und Probleme von höchster Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Wie ich aber zu Anfang bereits erwähnte, stehen wir noch an den Toren dieses Gebietes, für dessen Erforschung wir Pfadfinder brauchen. Eine hemmende Schranke ist durch Buchners Arbeiten aus dem Wege geräumt; es ist Raum geschaffen für weiteres Vordringen. Wenn wir bedenken, welchen Weg die organische Chemie in der kurzen Spanne von noch nicht achtzig Jahren zurückgelegt hat, seit Wo hl er den _ 124 — künstlichen Harnstoff darstellte, daß wir inzwischen die meisten Stoffwechselprodukte in ihrem Wesen erkannt haben, daß wir so komplizierte Gebiete wie die Chemie der Kohlenhydrate vollkommen beherrschen, daß wir in die Eiweißchemie erfolg- reich eingedrungen sind, so wird die Forschung vor den Proble- men der Enzymchemie nicht Halt machen. Wir wollen daher die Pfadfinder ehren, die den Mut haben, in diese schwierigen und dunklen Gebiete die Leuchte der Wissenschaft voranzutragen. Darum bitten wir Sie, Eduard Buchner den Tiedemannpreis zu erteilen! Paläozoische Notizen. Von Dr. Fr. Drevermann. (Mit Tafel I.) Unter diesem Titel sollen kleinere Beobachtungen an paläo- zoischen Fossilien beschrieben werden. Hauptsächlich werden es Stücke des Senckenbergischen Museums sein, jedoch sollen auch Exemplare anderer Sammlungen gelegentlich in Betracht gezogen werden. Die ersten vier der hier beschriebenen Ver- steinerungen stammen aus den Oberkoblenzschichten von Prüm in der Eifel, wo der Verfasser im Sommer 1905 größere Auf- sammlungen machen konnte. Spirifer prumiensis n. sp. (Taf. I Fig. 1 — 4.) Schale breiter als hoch, durchschnittlich im Verhältnis 2 : 1,5; jedoch wechselt diese Zahl etwas, es liegen auch Stücke vor, die etwa ebenso breit wie hoch sind, wobei einige Verdrückung mitsprechen mag. Beide Klappen etwa gleichmäßig gewölbt, Schloßrand kurz, erreicht bei weitem nicht die größte Breite der Schale, Skulptur: Sieben (bei den kleinsten Exemplaren) bis zehn (bei der größten Dorsalschale) einfache ungeteilte, ge- rundete Rippen auf den Seitenteilen. Querskulptur ist bei den Abdrücken wegen des rauhen Gesteins nicht zu sehen. Der Sinus der Ventralschale ist durch eine kräftige Längsrippe in der Mitte geteilt, welcher eine starke Einsenkung auf dem Sattel der Dorsalschale entspricht. Sinus und Sattel sind nicht sehr stark entwickelt; bei mittelgroßen Stücken sehen die beiden Hälften des Sattels aus wie zwei starke Rippen. Vom Innern ist wenig bekannt; in der Ventralschale bemerkt man zwei kräftige Zahnstützen. — 126 ~ Es liegen mir zwei Steinkerne der Ventralklappe nnd zwei solche der Dorsalschale mit Abdrücken vor, außerdem ein scharfer Abdruck einer Dorsalschale. Die Stücke stammen aus den Ober- koblenzschichten von Prüm (Eifel), aus einem alten Steinbruch am Wege nach Büdesheim. Im deutschen Unterdevon kennt man bisher erst eine Art, die bei einfach berippten Seitenteilen einen eingesenkten Sattel und einen mediangekielten Sinus hat. Die Form ist bisher immer als Spirifer suhcuspidatus Schnur, var. alata Kayser bezeichnet worden, hat jedoch mit dem echten Spirifer suhcuspidatus nur äußerst wenig zu tun, so daß ich sie als Spirifer alatiformis nov. nom. abtrennen möchte (auch Scupin spricht sich schon über die weite Entfernung der „Varietät" von der Art aus). Mit dieser lauggeflügelten Form, die am nächsten mit Spirifer jaekeli Scupin verwandt zu sein scheint, hat unsere Art nichts zu tun; sie unterscheidet sich auf den ersten Blick durch die Höhe der Schale und durch fehlende Flügel wie auch weniger zahlreiche Rippen. Sp. prumiensis nähert sich in seiner Form durchaus der Crovwa^w.s- Gruppe, bei der aber eine Einsenkung des Sattels und ein mediangekielter Sinus noch nicht beobachtet wurde. Spirifer excavatus Kayser zeigt dieses letzte Kennzeichen nicht, sondern die wenigen sicher beobachteten Ventralschalen be- sitzen durchaus einen winkelig gebrochenen Sinus. Vielleicht ist die von Kayser aus dem Hauptquarzit des Harzes beschriebene Form (Abh. preuß. La., Neue Folge Heft 1, Taf. 1 Fig. 5) ver- wandt; eine genaue Vergleichung des Originalexemplares, dessen Zusendung ich dem freundlichen Entgegenkommen der Direk- tion der preußischen Landesanstalt verdanke, zeigt jedoch eine beginnende Teilung der Seitenrippen auf dem linken Flügel. Das Stück, über das ich mich schon Palaeontographica L, S. 252 ausgesprochen habe, ist leider zu mangelhaft erhalten; die Dorsalklappe Taf. I, Fig. 6 gehört bestimmt nicht hierher. Mit Spirifer prumiensis kommt Spirifer daleidensis Stei- ninger bei Prüm recht häutig vor, so daß ich eine ziemlich große Anzahl von Exemplaren sammeln konnte. Dadurch bin ich auch in der Lage, festzustellen, daß Spirifer prumiensis nicht etwa ein jugendlicher Spür if er daleidensis ist, wie ich anfangs ver- mutete. Es liegen mir mehrere sehr kleine Exemplare dieser Art vor, die alle erkennen lassen, daß schon bei den kleinsten — 127 — Stücken, wesentlich kleiner als Spirifer priimiensis, die Seiteu- rippen sich spalten, was bei Spirifer prumiensis nicht vorkommt. Außerdem ist auch die Skulptur des Sattels der Yentralklappe bei Spirifer daUidensis sowohl wie bei Spirifer bischoß A. Roemer durchaus abweichend. Stropheodonta steiningerl n. sp. (Taf. I, Fig. 5, 6.) ? Leptaena patricia Steininger (non Barrande) Geogn. Beschr. d. Eifel S. 83. ? Stropliomena piligera Kayser (non Sandberger) Abh. preuß. La. N. F. 1, S. 57, Taf. XIX, Fig. 3—6. ? Leptaena sedgwicJä Steininger (non Verneuil) 1. c. S. 84. ? Leptaena sedgiviclä Schnur (non Verneuil) Palaeontogr. 3, S. 221, Taf. XLI, Fig. 4. Schale klein, etwa 2 cm breit, 1, 1 — 1,2 cm hoch. Der lange gerade Schloßrand, dessen Zähnelung an einem Stück angedeutet ist, geht mit gerundeten Ecken in den gleichmäßig fast halb- kreisförmig gebogenen Rand über. Die Wölbung ist kräftig, vorn etwas stärker als hinten. Die Schale ist bedeckt mit zahl- reichen, kräftigen, gerundeten Rippenbündeln, die gleich vom Wirbel an durch fortwährende Abspaltung neuer Rippen ent- stehen. Konzentrische Skulptur ist besonders nahe dem Rande entwickelt und besteht aus kräftigen Anwachslinien. Innere Charaktere unbekannt. Es liegen mir sieben Eiuzelklappen vor, z. T. mit Abdruck, welche alle gleich groß sind und sämtlich die beschriebenen Charaktere mit voller Deutlichkeit erkennen lassen. Wenn ich der Art daher einen Namen gebe und zugleich auf die Ver- wandtschaft mit Stropheodonta sedgwicld und vielleicht piligera (Sandberger) hinweise, so dürfte das nicht allzu gewagt er- scheinen. Sie unterscheidet sich von beiden Arten durch die geringere Größe ohne weiteres, von der altunterdevonischen sedgiuicJd außerdem durch gerundete Rippenbündel (die dort scharf sind), von Stropheodonta piligera durch weit kräftigere Skulptur. Schwieriger ist die Vergleichung mit den zitierten und in der Literatur schon oft erwähnten Arten Steiningers und Schnur s umsomehr als die Originale beider weder in Berlin noch in Bonn aufzufinden waren. Ich glaube, daß hier die gleiche Art vorliegt; — 128 — da aber sowohl die von Kayser abgebildete Steiningersche, wie auch die Schnursche Abbildung größere Schalen wieder- geben, so kann nur ein Vergleich der Stücke volle Sicherheit geben. Überdies ist das Steiningersche Original offenbar schlecht erhalten und das Schnursche vielleicht idealisiert. Ich beschränke daher den Namen Stropheodonta stelningerl auf die kleine Form von Prüm und muß es glücklichen Funden überlassen, die Identität der älteren Stücke mit der neuen Art zu beweisen. Goniophora peracuta n. sp. (Taf . I, Fig. 11, 12.) Schale sehr stark in die Quere gezogen, mit nahezu ter- minal belegenem, kräftig eingekrümmtem Wirbel. Der fast gerade, ziemlich lange Schloßrand geht mit weiter flacher Biegung in den eingebogenen Hinterrand über. Unterrand kräftig gebogen, Vorderrand kurz abgerundet. Vom Wirbel verläuft eine scharfe, nach dem Unterrand zu ausgebogene Kante zur Hinterecke, die sehr lang und spitz ausgezogen ist. Der Kiel teilt die Schale in zwei ungleiche Teile, deren vorderer größerer leicht gewölbt, deren hinterer schwach eingesenkt ist. Die Skulptur der vorde- ren Hälfte besteht aus leicht büscheligen, schwachen konzentri- schen Rippen, die der Hinterseite aus etwa gleich starken, nach dem Schloßrand zu bündeiförmig aufgelösten Streifen. In der Nähe der spitz ausgezogenen Hinterecke wird die Skulptur kräftiger. Die inneren Charaktere sind unbekannt. Die Art steht am nächsten der mitteldevonischeu Goniopltora acuta (Sandberger), unterscheidet sich aber leicht durch den eingebogenen Hinter- rand, den nach unten gebogenen Kiel und den nicht ganz ter- minal gelegenen Wirbel. Sie nähert sich in den beiden letzten Punkten der Goniophora n. sp. (Beushausen, Abh. preuß. La. N. F. 17, S. 212, Textfig. 18), die aus dem Oberdevon des Brei- niger Berges stammt, unterscheidet sich aber auch von dieser leicht durch die Form des Hinterrandes. Obwohl die inneren Charaktere unbekannt geblieben sind, stelle ich die Art unbedenklich zu Goniophora. Es liegen vier linke und eine rechte Klappe vor, außerdem ein sehr scharfer Abdruck der linken Klappe, welche vom gleichen Fundorte in der Nähe von Prüm stammen. — 129 — ? Myalina irregularis u. sp. (Taf. I, Fig. 8—10.) Schale doppelt so hoch als breit. Von dem spitzen termi- nal gelegenen Wirbel aus verläuft der ziemlich kurze Schloß- rand gerade nach hinten und geht mit abgerundeter Ecke in den Hinterraud über. Der Vorderrand stößt am Wirbel in großem Winkel (ca. 70") mit dem Schloßrand zusammen und ist in der ersten Hälfte leicht zurückgebogen ; im übrigen verläuft er fast gerade und geht in breitem Bogen in den gleichmäßig geschwungenen Unterrand über. Die Schale ist ziemlich stark gewölbt und zwar längs des ganzen Vorderrandes steil abge- stutzt; ganz nahe diesem liegt die größte Höhe der Schale, und von da fällt sie in gleichmäßiger leichter Wölbung zum Hinter- rand ab. Die Skulptur besteht aus einer wechselnden Zahl (ca. 12-15) unregelmäßiger, zuweilen dichotomierender Radial- rippen, die auf dem abgestutzten Vorderteil und nach hinten schwächer werden. Die Zwischenräume der Rippen sind in der Regel breiter als diese selbst. Konzentrische Skulptur war nur an einer Stelle in Gestalt von Anwachslinien bemerkbar; ihre mangelhafte Erhaltung wird aber wohl dem rauhen Gestein zu- zuschreiben sein. Schloß unbekannt. Ich habe dieser Form einen Namen gegeben, weil mir fünf linke und eine rechte Klappe, z. T. mit Abdruck vorliegen, die alle die gleichen Charaktei-e zeigen. An (iosseleüa ist nicht zu denken, denn eine solche Unregelmäßigkeit der Rippen kommt hier meines Wissens nicht vor. Dagegen liegt in Byssop- teria Hall eine Gattung vor, die mir außerordentlich nahe ver- wandt scheint. Die Abbildungen von Byssoptcria radiata Hall (Pal. New York Taf. XXXII, Fig. 21, 22, Taf. LXXX, Fig. 11) zeigen einen Zweischaler, dessen unregelmäßig dichotoraierende Skulptur, wie auch die ganze Form unbedingt an die Prümer Muschel erinnern. Wenn ich trotzdem diese letzte nicht als Byssopteria? bezeichnet habe, so liegt der Hauptgrund in der UnVollständigkeit, mit der beide Vergleichsobjekte erhalten sind ; ein weiterer Grund ist das verschiedene geologische Alter (die amerikanische Form ist oberdevonisch). Trotzdem bin ich überzeugt, daß beide Formen nahe verwandt sind. Ich möclite bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, auszu- sprechen, daß Byssopteria (?) semiplana Frech weder mit meinen 9 — 130 — Stücken noch meiner Ansicht nach mit der amerikanischen Form verwandt ist. Das Stück ist schlecht erhalten (das Original liegt mir vor), namentlich fehlt der ganze Wirbel und ein Teil des Schloßrandes. Meiner Ansicht nach liegt hier Limoptera bifida (Sandberger) vor, und ich stimme in dieser Vermutung mit dem Schreiber der ersten Etikette des Stückes überein, der sie auch als Ävicula bifida Sandberger bezeichnete. Die Muschel von Prüm, die ich als fraglich zu Myalina stelle, würde wegen ihrer Radialberippung also zur Gruppe der Myalina lodanensis Frech gehören. Eine Untersuchung der Originalexemplare dieser Art jedoch, sowie der var. lata und einiger weiterer Stücke, welche ich von F ollmann erhielt, zeigte, daß hier ohne jeden Zweifel Gosseletia trimcata (F. Roe- mer) vorliegt. Freehs Originale sind schlecht erhalten; trotzdem zeigt gerade das Stück, welches er zum Vergleich mit Gosseletia trimcata besonders hervorhebt (Taf. XV, Fig. 2) deutlich einen Seitenzahn, während es die Schloßzähne nur deshalb nicht er- kennen läßt, weil durch Verdrückung der Steinkern des Wirbels auf den Schloßrand gepreßt wurde. Follmann schrieb mir übrigens, daß er von dieser Identität seit langem überzeugt sei und die Stücke seiner Sammlung schon als Gosseletia lodanensis (Frech) etikettiere. Ich glaube aber nicht, daß spezifische Unter- scheidungsmerkmale vorliegen; sollte dieses doch der Fall sein, so müßte die Form mit dem erwähnten Follmannschen Namen bezeichnet werden, während sie andernfalls eingezogen wird. Die Gruppe der gestreiften Myalinen fällt also mit dieser Art weg; die amerikanischen, von Frech zum Vergleich heran- gezogenen Gattungen Anomalodonta, Megaptera und Opisthoptera Meek kenne ich nicht aus eigner Anschauung. Wenn ich trotz- dem die Prümer Form bei Myalina unterbringe, obwohl sie die einzige bekannte Myalina mit Radialrippen wäre, so tue ich das deshalb, weil ich keinen besseren Platz weiß und weil die am ähnlichsten aussehende Gattung Byssopteria zu unvollständig bekannt ist, als daß sie ohne Vergleichsmaterial herangezogen werden dürfte. Pholadella dahmerl n. sp. (Taf. I, Fig. 15.) Die Schale ist ungemein stark quer verlängert, fast fünf Mal so breit als hoch. Der stark eingekrümmte Wirbel liegt — 181 — weit vor der Mitte. Der Scliloßrand ist gei-ade und stößt in stumpfem Winkel (wenig größer als ein rechter) an den Hinter- rand. Die Hinterecke ist in einem spitzen Winkel ausgezogen, wie ein Teil des Abdruckes beweist. Auch der Unterrand ist fast gerade, nur in der hinteren Hälfte leicht eingezogen. Er geht mit breitei- Rundung in den kräftig ausgebogenen Vorder- rand, dieser mit abgerundeter Ecke in den vor dem Wirbel belegenen Teil des geraden Schloßrandes über. Vom W^irbel zur Hinterecke verläuft ein sehr starker, hoher, nach hinten überhängender Kiel, der die Schale in ein größeres vorderes und ein spitz dreieckiges hinteres Feld teilt. Die gleichmäßig stark gewölbte Vorderschale trägt 13 Radialrippen, die vorn enger stehen und stärker hervortreten als in der Mitte der Schale; in der Nähe des Kiels werden sie undeutlich. Das hin- tere Feld ist tief eingesenkt und trägt keine radiale Skulptur sondern ist glatt. Die ganze Schale trug sehr feine konzentrische Anwachslinien, die dem Unter- und Hinterrand der Schale folgen und auf einem geringen Bruchstück des Abdrucks deutlich zu sehen sind. Die einzige linke Klappe stammt aus dem Kahlebergsand- stein des Harzes und zwar aus der Schicht mit Homalonotus gigas (A. Römer), sie wurde am Auerhalm von Herrn Dr. G. Dahmer, Höchst, gesammelt, dem zu Ehren ich die Art benenne. Ob hier wirklich ein Vertreter der Gattung Pholadella vorliegt, muß ich aus Mangel an amerikanischem Vergleichs- material dahingestellt sein lassen. Ich schließe mich in der Gattungsbezeichnung Beushausen an, der auch nur ein einziges Exemplar aus dem rheinischen Devon kannte, mit dem unsere Art sicher nahe verwandt ist {Pholadella peregrina Beushausen vom Nellenköpfchen, Abh. preuß. La. N. F. 17, S. 276, Taf. XXIV, Fig. 15). Beide Arten lassen sich aber durch abweichende Skulptur und Form leicht trennen. Die amerikanischen Arten, die Hall beschreibt, stehen viel ferner, so daß ich im Zweifel bin, ob die deutschen Arten der gleichen Gattung angehören; vor allem fehlt der scharfe Kiel bei den Hallschen Arten. Wenn mau die Gattung jedoch ebenso weit faßt, wie Beus- hausen die offenbar nahe verwandte Gattung Leidoäomus, so ist gegen die Stellung aller erwähnten Formen bei Pholadella nichts einzuwenden. — 132 — mjassa dorsata (Goldfuß). (Taf. I, Fig. 14.) Es liegt mir ein zweiklappiger Steinkern aus dem Stringo- cephalenkalk von Pelm vor, der vorzüglich erhalten ist ; außer- dem aber ist das Innere der Schale teilweise erhalten geblieben. Zwar haftet diese an dem zähen Gestein mit der Oberfläche fest, läßt aber einen Teil des Innern erkennen und zeigt vor allem den hinteren Teil des Schloßrandes, den Beushausen nicht kannte (Abh. preuß. geol. La. N. F. 17, S. 31, Taf. III, Fig. 7—9). Das Schloß besteht aus einer fortlaufenden Reihe sehr schräger Zähne, deren letzte drei sehr lang sind und die nach dem Wirbel zu kürzer werden. Ich bezweifle nicht, daß hier wirkliche Zähne vorliegen, umsomehr als sie nicht ganz das Schloßfeld bedecken, sondern ein schmales, dem Wirbel näher gelegenes, schwach horizontal gestreiftes Feld freilassen, was wohl als Ligamentfläche aufgefaßt werden darf. Wie sich die Unregelmäßigkeiten der Abbildungen Halls in dieser Be- ziehung erklären lassen, ist auch mir unklar; trotzdem möchte ich daran festhalten, daß echte Zähne und nicht schräge Liga- mentgruben vorliegen, wie Beushausen glaubt. Ob die Identität der amerikanischen und deutschen Form ganz sicher ist, weiß ich nicht. Beushausens Stück ist sehr ähn- lich, das meinige zeigt eine leichte Einziehung des Unterrandes vor dem Kiel. Da mir aber nur dieses eine Exemplar vorliegt, so möchte ich vorläufig keinen andern Namen aufstellen, umso- mehr als im übrigen vollkommene Übereinstimmung herrscht, Follmannia pseadalectryonia (Frech). (Taf. I, Fig. 7, 7 a.) Gosseletia pseudaledryonia Frech Abh. preuß. Landesanst. IX, 3, S. 112, Textfig. 6, 7, 8. Ich nehme die Gelegenheit wahr, ein sehr gut erhaltenes Exemplar, das Herr Professor F o 1 1 m a n n mir bereitwilligst zur Verfügung stellte, zu beschreiben und abzubilden, um so mehr als das einzige Stück, welches Frech zur Verfügung stand (preuß. Landesanstalt), mangelhaft erhalten und außerdem stark in die Länge gezogen ist. Das neue Exemplar fand sich in den fossil- reichen Schichten an der Hohenrheiner Hütte und läßt sowohl die äußeren als auch die inneren Charaktere gut erkennen. — 133 — Ein Wachsabguß des scharfen Abdrucks, von dem nur ein kleines Stück des Unterrandes fehlt, zeigt die Skulptur und den Umriß der Schale. Die Muschel war wohl doppelt so hoch als breit, mit leicht nach innen gebogenem, senkrecht abgestutztem Vorderraud und gleichmäßig geschwungenem, vom Wirbel ohne Ecke verlaufendem Hinter- und Unterrand. Der Wirbel liegt ganz vorn; ein Vorderohr ist ebenso wenig ausgebildet wie ein Hinterohr. Die ganze Gestalt unterscheidet sich von dem drei- eckigen Umriß der typischen Gosseleüa leicht (Frech 1. c. Taf. XII) und kommt am nächsten gewissen Hyalinen; jedoch ist auch hier die Verschiedenheit leicht zu erkennen, indem bei FoUmannia vom Wirbel aus der Hinterrand nicht nach unten, sondern zunächst nach oben verläuft. Die Skulptur ist für einen paläozoischen Zweischaler ganz ungewöhnlich : sie besteht aus groben, unregelmäßigen Rippen, die sich durch Dichotomie und Einschaltung nach dem Hinterrande zu vermehren und in der Nähe des Wirbels schwächer sind als auf der übrigen Schale. Auf der oberen Hälfte der Schale sind die Rippen nach oben ausgebogen und verlaufen erst später gerade. Kräftige Anwachs- lamellen durchkreuzen die Radialskulptur. Im Innern zeigt der scharfe Steinkern eine ungemein breite Schloßplatte; ein oberes schmales Feld ist von den geraden Ligamentstreifen der typischen Aviculidenschalen eingenommen; darunter liegt zunächst eine glatte Fläche, und dieser folgt der das Schloß tragende Teil. Dies besteht aus fünf bis sechs kräf- tigen Schloßzähnen (daneben Andeutungen schwächerer) und drei nicht sehr langen Seitenzähnen, deren mittlerer zweigespalten ist. Ein großer ovaler Muskeleindruck vervollständigt das Bild. Stellt man die Schale so, wie es bei Aviculiden gebräuch- lich ist, daß die Ligamentfläche horizontal verläuft, so ist die ganze Vorderseite sehr stark schief nach vorn gerichtet, was in geringem Maße, aber sicher nicht ganz, einer leichten Ver- zerrung zuzuschreiben sein dürfte, deren Stärke eine neben der Muschel liegende Stropheodonta piligera (Sandberger) erken- nen läßt. Ich glaube, daß die geschilderten Charaktere nicht erlauben, die interessante Form zu Gosseleüa zu stellen; auch kenne ich keine andere Gattung, bei welcher sie ihren Platz finden könnte. Die neue Gattung FoUmannia ist zu Ehren des Finders der - 134 — beiden bisher einzigen Exemplare aufgestellt, deren erstes von Frech beschriebenes dem Museum der geologischen Landes- anstalt zu Berlin gehört, während das zweite, besser erhaltene in der Privatsammlung des Finders aufbewahrt wird, Daß Follniannia mit Natliorstdla Kayser (Bihang tili Svenska Vet.-Ak. Handlingar 27, 1901, S. 10, Taf. II, Fig. 1-4) kaum eine äußerliche Ähnlichkeit zeigt, geschweige denn näher ver- wandt ist, möchte ich kurz hinzufügen (Frech, Lefkaea palaeo- soica I 2, S. 691). Ein Blick auf die Abbildungen genügt, um die Verschiedenheit zu erkennen. Mhipidocrinus (/onatodes Müller mit I*latycevas hos2)es n. sp. (Taf. I, Fig. 13.) Dies erste Stück eines Crinoidenkelches aus dem rheinischen Devon, auf welchem ein schmarotzender Capulide aufsitzt, wurde von dem Landesgeologen Karl Koch 1872 bei Ems in den Oberkoblenzschichten gesammelt. Es ist ein gut erhaltener Abdruck, von welchem der abgebildete Kautschukausguß an- gefertigt wurde. Man erkennt die Täfelchen des Kelches und die Ansätze der Arme deutlich und ebenso scharf die Schnecke, welche in der Nähe des Armansatzes, wahrschein- lich direkt neben der Afteröffnung des BhixmJocrhms saß. Die Schale der Schnecke zeigt eine deutliche, kurze Spirale, die in eine sehr große, stark gewölbte Schlußwindung übergeht und mit konzentrischen Anwachsstreifen bedeckt ist. Das Interesse, welches das Stück darbietet, besteht haupt- sächlich darin, daß hier wieder ein Fall des eigenartigen Zu- sammenlebens eines Crinoids mit einem Capuliden bekannt wird, wie es so häufig an dem berühmten Fundorte Crawfordsville (Indiana) festgestellt wurde. Um so interessanter ist dies Zu- sammenleben, als die Gebrüder Sara sin die gleiche Tatsache an rezenten Echinodermen und Capuliden feststellten, so daß zwischen beiden Tiergruppen enge Beziehungen schon vom Devon an bis zur Jetztzeit bestanden haben. Ich glaube übrigens, daß die reiche Menge von Capuliden in den Crinoidenschichten der Eifel darauf hindeutet, daß auch hier ein Zusammenleben beider Tieigruppen stattfand, wenngleich bisher ein direktes Aufsitzen der Schnecke auf dem Kelche noch nicht beobachtet worden ist. — 136 Tafelerklärung. Fig. 1 4. Spirifer pnimiensis Dreverniann. Oberkoblenzschichten. Prüm (Eifel). Katalog XYII, 81. Fig. 5. T). Stropheodonta steiningeri Drevermann. Oberkoblenzschichten. Prüm. Kat. XVII, 82. Fig. 7, 7a. Follmannia pseudalectryonia (Frech) Koblenzqnarzit. Hohen- rheiner Hütte. Original: Sammlung Fol Im an n, Abguß: Kat. XV, 13. Fig 8—10. PMyalina irregularis Drevermann. Oberkoblenzschichten. Prüm. Kat. XV, 11. Fig. 11, 12. Goniophora peracuta Drevermann. Oberkoblenzschichten. Prüm. Kat. XV, 10. Fig. 18. Wiipidocrinus gunatodes Müller mit Platyceras, hospes Drever- mann. Oberkoblenzschichten. Ems. Kat. XII, 28. Fig. 14. Nyassa dorsata (Goldfnß). Mitteldevon. Eifel. Kat. XV, 14. Fig. 15. Pholadella dahmeri Drevermann. Unterdevon (Kahlebergsandstein). Auerhahn (Harz). Kat. XV, 12, Sämtliche Stücke (außer Fig. 7) beünden sich im Senckenbergischen Museum. Bcr. d. Scnckoib. Natjirf. Ges. Jgoy Taf.I Werner & Winter. Frankfurt a. M. — 137 — Musophyllum kinkelini n. sp. Von H. Engelhardt in Dresden (Mit einer Abbildung im Text). Ein Sonimergaug durch die gäitnerisclien Anlagen unserer größeren Städte erinnert den Pln'topaläontologen unwillkürlich an eine seit Jahrhunderttausenden verflossene Zeit, das Miozän. Während desselben lebten Gewächse, die sich gegenwärtig in den verschiedensten Gegenden des Erdballes zerstreut vorfinden, nebeneinander ; tropische und subtropische Typen vereinigte die Natur mit solchen der gemäßigten Zone zu Pflanzengemein- schaften, wie sie in der Jetztzeit, um Mannigfaltigkeit und Anziehungskraft zu erzielen, mehr oder weniger annähernd durch den Menschen wieder hergestellt werden zu einem wenn auch unvollkommenen Spiegelbilde ehemaliger Erdenpracht. Neben den unsei*em Gürtel eigenen Pflanzen erblicken wir da von wärmeren Erdstellen geborgte, z. B. Farnbäume, Palmen, immergrüne Hölzer mit Laub oder Nadeln, auch die Musa, welche sich unter ihnen durch die auffallende Schönheit ihrer Erscheinung einen Ehrenplatz erringt ; denn durch ihre auffällig großen, spiralig gestellten Blätter wird sie zu einer „der herr- lichsten und edelsten Gestalten" der Pflanzenwelt. Einen weit zurückreichenden Stammbaum hat sie aufzu- weisen; bis in die Tertiärzeit lassen sich ihre damals schon in verschiedene Zweige gesonderten Ahnen verfolgen. In Böhmen existierte die 3lHsa hilinka Ett. neben dem ihr ganz nahe stehenden Musophyllum hohemicum Ung., in der Wetterau wuchs Musophyllum wetteravicum Ett., in Frankreich mit Musophylhmi speciosmn Sap. zusammen Musophyllum longaevum Sap., in Italien — 138 - Musophijlluni itaUcum Mass.; und auch Nord- und Südamerika hatten Vertreter aufzuweisen. Nun gesellt sich zu ihnen ein neuer Verwandter, der sich aus allen bis jetzt nachgewiesenen durch größere Vollständigkeit in der Erhaltung heraushebt. Zum erstenmale ist uns in ihm ein Riesenstück überkommen, das dem Museum der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft zur Zierde gereicht und verdient, nicht unter den Scheffel gestellt zu werden. Wenden wir uns zu seiner Beschreibung. Auf dicker, 57 cm langer und 22 cm breiter, von Münzen- berg stammender Saudsteinplatte liegt ein großes Blattfragment ausgebreitet, dessen 5 mm breite Mittel rippe sich bis zur Länge von 54 cm erhalten zeigt. An diese schließt sich rechts die eine wohlerhaltene Hälfte der ganzrandigen, mit ihr parallel verlaufenden Spreite in Länge von 47 cm und Breite von 10 cm an. Während sie vorn vor dem Ende des Mittelrippen- stückes wagerecht abgerissen ist, strebt sie, neben sich kleine Fetzen zeigend und ebenfalls von dem nicht vorhandenen Stücke des Grundes abgelöst, schräg aufwärts. Die andere, erst 7 cm über dem Anfange des Mittelrippenstückes beginnend, ist nur bis zum linksseitigen Abschluß der Platte in einer Ausdehnung von 8 cm erhalten. Sie zeigt sich an der Mittelrippe zunächst 1,5 cm nach unten verdrückt, breitet sich aber dann wie die andere horizontal aus. Die Seitennerven entspringen durchgehends unter spitzen Winkeln von 30", verlaufen gerade und biegen sich erst nahe dem Rande ein wenig, ohne jedoch zu anastomosieren. Man kann sie in solche 1. und 2. Grades einteilen. Von ersteren sind die dem Grunde nahen 1,5 cm, die weiter vorn befindlichen 2 cm von einander entfernt. In der Mitte jedes der von ihnen eingeschlossenen Felder verläuft parallel mit ihnen ein etwas schwächerer der zweiten Art. Alle nehmen in der Randgegend wohl wegen der Verdünnung der Blattmasse an Stärke be- deutend ab. Der Raum zwischen ihnen wird von sehr feinen, gedrängt stehenden Zwischen nerven, aus denen sich unter der Lupe einzelne vor den anderen hervorheben, ausgefüllt; doch läßt sich dies nicht gleichmäßig über das ganze Blatt verfolgen, was nur an dem Material liegen kann, das zwar ein feinkörniger Sand- — 139 stein, aber immerhin Sandstein ist, der weniger als Ton und Kalk befähigt ist, Feinheiten tadellos zu erhalten. Im übrigen zeigt die Blattspreite Glätte und Glanz, der durch eine Menge winziger, silber- farbiger Glimmerblättchen in etwas erhöht wird. Der zur Mittelrippe fast parallele Verlauf des Randes (zwischen oberem und unterem Ende nur ein Unterschied von 5 mm Breite), die auf längerer Strecke ziemlich gleich- bleibende Stärke des Mit- telnervs, ebenso die Un- veränderlichkeit der Rich- tung der Seitennerven und ihrer Ausgangswinkel weisen darauf hin, daß wir das Fragment eines sehr langen Blattes vor uns sehen. Außer dem im Vor- hergehenden beschriebe- nen Stücke ist noch ein zweites vorhanden. Es befindet sich auf einer starken, 35 cm langen und 20 cm breiten Platte Münzenberger Sandsteins, ist aber weniger gut er- halten als das erste. In- folge der Unebenheit der sandigen Unterlage, auf die es bei seiner Ein- bettung gelangte, zeigt es sich mehrfach verdrückt. Es stellt die Gruudpartie eines Blattes dar, deren Anfang aber — 140 — fehlt, und beginnt in Breite von 5 cm der einen Hälfte, die sich an der Basis umgebogen zeigt, während an dieser Stelle die andere abgerissen ist. Wir bemerken ein Anwachsen der Breite der ersteren bis 12 cm; doch muß hervorgehoben werden, daß der Abbruch der Platte an dieser Stelle ahnen läßt, daß das Blatt noch über denselben hinausgeragt habe. Von der anderen Hälfte (an einer Stelle bis 5,5 cm breit) ist nur wenig zu er- blicken, weil die äußere Partie mit Gestein bedeckt ist. Störend für die Betrachtung sind braune und gelbe, von Eisenoxyd- hydrat herrührende parallele Streifen, welche die Seitennerven in entgegengesetzter Richtung schneiden. Sie ahmen das Aus- sehen derselben nach, stehen in verschiedener Entfernung bald näher bald weiter von einander und lassen auch da- durch erkennen, daß sie nichts mit ihnen gemein haben. In der unteren Hälfte zeigt sich die Blattmasse mehrfach durch schwache, wurmartige Wülste gehoben. Der Mittelnerv ist in einer Länge von 18 cm erhalten, seine unterste Partie dagegen ausgebrochen. Am Grunde tritt er bis 3 mm dick halbzy- lindrisch hervor, zeigt sich gestreift (Leitbündel!), 6 mm breit, weiter oben flachgedrückt, daher um 2 mm breiter. Die Seiten- nerven sind fast durchgehends verwischt. Wo sie sich bemerklich machen, stehen sie 2 cm von einander entfernt und schließen zwischen sich einen schwächeren 2. Grades ein. Die feinen Zwischennerven, von denen unter der Lupe einzelne etwas stärker hervortreten als die anderen, sind deutlich zu erkennen und lassen eine Verbindung unter einander durch rechtwinkelig zu ihnen gestellte Quernerven erkennen. Nach vorangegangener Beschreibung läßt sich folgende kurze Diagnose geben: Die Blätter sind sehr groß, länglich, ganzrandig, glänzend, fiedernervig; der Mittelnerv ist sehr dick; die Seitennerven gehen unter spitzen Winkeln aus, verlaufen gerade und parallel, biegen sich erst vor dem Rande ein wenig nach der Spitze zu ; die Zwischennerven sind sehr fein, durch zahlreiche Quernerven unter einander verbunden. Benannt wurde die Art nach Herrn Prof. Dr. Kinkel in, der seit langer Zeit rastlos bemüht ist, die Fossilien der engeren und weiteren Umgebung von Frankfurt a. M. zu heben und der Wissenschaft dienstbar zu machen. — 141 — Zweifellos ist Musa länkdini eine wirkliche Musa\ in allen Beziehungen stimmt ihr Blatt mit denen lebender Arten überein, in Größe und Gestalt, in der Vertiefung des Mittelnervs auf der oberen, im Hervortreten desselben auf der unteren Seite, sowie in den Einzelheiten der ganzen Nervatur. Wohl könnte man versucht sein, es zu den Aroideen zu zählen, etwa mit SpatMplujllnm heliconiaefolium Schott in Beziehung zu setzen ; doch finden sich scharf trennende Unterschiede in der Nervation vor. Wohl könnte man an Palmen mit ganzen Blättern, etwa Geonoma, denken : doch spricht schon die große Anzahl der äußerst zarten und dichtstehenden Interstitialnerven dagegen und noch auffälligere Unterschiede finden sich vor bei den nahe verwandten Gruppen der Canneen, Zingibereen, Amomeen und Alpinien. So wäre das Vorhandensein fossiler Musaceen während der Tertiärzeit durch ein neues Vorkommen bewiesen und zwar nicht blos, wie es meist nur geschehen konnte, durch kleine, noch dazu mehrfach angefochtene Fetzen, sondern durch ansehnliche Stücke von Blättern. Nicht schwer ist es, aus den Bruchstücken die ganze Pflanze zu rekonstruiei'en, nicht schwer, von ihren rezenten Nachkommen aus auf ihre Lebensbedingungen zurückzuschließen. Viel Feuchtigkeit wird sie gefordert haben, in dem Wärme- verlangen aber akkommodationsfähig gewesen sein, da Junghuhn auf Java jetztweltliche Verwandte bis zu Höhen von beinahe 2000 m noch in größter Üppigkeit und weit verbreitet vorfand. Nur aus ihrem Vorkommen mit den anderen uns überkommenen Pflanzen aus gleicher Lagerstätte kann das Klima, in dem sie gedieh, mit Wahrscheinlichkeit bestimmt werden. — 143 — Inhalt. I. Teil: (ileschäftlichc Mitteilungen. Seite A n u n s e r e M i t g li e d e r 5* Jahresbericht des IL Direktors R. de N eu f vil le 9* Verteilung der Ämter im Jahre 1907 26* Stifter der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft . . . 28* Verzeichnis der Mitglieder: I. Ewige Mitglieder 3U* II. Beitragende Mitglieder 32* III. u. IV. Außerordentliche und korrespondierende Ehrenmitglieder 44* V. Korrespondierende Mitglieder 44* Rechte der Mitglieder 50* Auszug aus der Bibliothekordnung 51* Bilanz per 31. Dezember 1906 52* Übersicht der Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1906 . 53* Protokolle der wissenschaftlichen Sitzungen: Prof. Dr. H. Reichenbach: Die Bedeutung Seh audi nns für Zoologie und Medizin 55* Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx: Die Tollwut und ihre Bekämpfung 57* Prof. Dr. A. Voeltzkow: Die Coraoren aus eigener An- schauung 58* Prof. Dr. M. M ö b i u s : Über den Stammbaum des Pflanzen- reiches 61* Dipl. Ingenieur P. Prior: Metallographie 64* Dr. E. Wolf: Das deutsche Wattenmeer 66* Dr. E. Strauß: Die moderne Eiweiß-Chemie und ihre bio- logische Bedeutung 68* Prof. Dr. G. Greim: Die Permanenz der Ozeane 71* Prof. Dr. E. Deckert: Die Erdbebengebiete und Vulkanreihen Amerikas 73* Prof. Dr. M. Ne isser: Biologische Lichtwirkungen .... 76* Dr. Fr. Drevermann: Die Entstehung der Versteinerungen und ihr Vorkommen in den Erdschichten 78* Prof. Dr. L. S. Schnitze: Zur Ethnologie der Kalahari und ihrer Grenzgebiete 80* Festsitzung zur Erteilung des T ie d em ann - P r e ises . . . 81* Feiei des 200. Geburtstages K a r 1 v. L i n n e s am 23. Älai 1907 Prof. Dr. M. Möbius: Linne als Botaniker ... 83* Dr. F. Römer: Die Bedeutung Linne s für die Syste- matik 85* JI2Ö 3 _ 144 — Seite Geschenke für die Ausstattung des neuen Museums 89* M u s e u ni s b e r i c h t : I. Zoologische Sammlung 92* II. Botanische Sammlung 129* III. Mineralogisch-petrographische Sammlung i;-52* IV. Geologisch-paläontologische Sammlung 135* ysibliothekbericht 155* Med ail lens amni lung 189* II. Teil: Wissenscliaftliche Mitteilimgen. 1. Beiträge zur Kenntnis der Fauna der Umgegend von Frankfurt a. M. Die Dipteren. Von Dr. P. Sack 3 2. Die Abnahme der Tierarten mit der Zunahme der geographischen Breite. Nach einem Vortrage, gehalten in der wissenschaft- lichen Sitzung am 1. Dezember 1906. Von Dr. F. Römer 63 3. Über die Gärung. Rede, gehalten in der Festsitzung zur Erteilung des Tiedemann-Preises am 9. März 19U7. Von Prof. Dr. B. Lepsius 113 i. Paläozoische Notizen. V^on Dr. Fr. Dr ever mann (Mit Tafelj 125 5. MusophylhuH Jcinkelini n. sp. Von Prof. H. Engelhardt. (Mit einer Abbildung im Text) 137 Druck Ton Gebrüder Knaiier in Krankt urt a. M. '.•'. ,' ^ '-' / 'j"- Bericlit der Senckenbergischen Natnrforschenden Gesellschaft Frankfurt am Main 1907 Mit 1 Tafel Frankfurt a. M. Selbstverlag der Senckenbergischen Natorforscbenden Gesellschaft 1907 MBL WHOI Library - Serials 5 WHSE 001 94